Wanderung in den Grampians auf dem Wonderland Loop

Heute haben wir etwas verschlafen, obwohl die Kakadus seit 6.00 Uhr morgens krakeelten. Ich habe allerdings nichts gehört und wie ein Murmeltier geschlafen bis 8.30 Uhr. Beim Frühstück vor unserem Camper beschlossen wir, noch eine weitere Nacht zu bleiben und heute den “Wonderland Loop” zu laufen. Angeblich ist diese Wanderung in 4-5 Stunden zu schaffen. Haben uns noch eine Wanderkarte gekauft und lassen das WoMo auf dem Campingplatz stehen, da der Wanderweg direkt unterhalb am Parkplatz beginnt.
Es ist natürlich schon wieder sehr spät, wieder typisch für uns, für eine Wanderung eigentlich viel zu spät (11.45 Uhr), als wir loskommen. Wieder mal mitten in der Mittagshitze. Aber wir haben uns mit dem Pärchen neben uns verplauscht, Oliver und Birgit aus der Schweiz. Sie haben uns noch einen tollen Tipp für unseren nächsten Australienurlaub gegeben, eine Vermietstation in der Schweiz, die vermutlich unschlagbar günstig ist.

Wir laufen zunächst zum Venus Bad, ein schöner Wanderweg, ganz sanft und allmählich ansteigend durch herrlichen Wald mit Eukalyptusbäumen, Baumfarnen und Grasbäumen. Ständig verweilen wir, um die tollen Aussichten zu bewundern und Fotos zu schießen. Es ist stahlblauer Himmel und Sonnenschein, das Thermometer zeigt 30°c an. Ich habe ein wenig Angst, wir haben uns gestern an der Great Ocean Road dermaßen die Arme und das Gesicht (vor allem die Nasen und Uwe die Ohren) verbrannt, wie wahrscheinlich noch nie in unserem Leben. Uwe hat sich außerdem so die Hände verbrannt, dass sich schon Blasen gebildet haben, die Hände sind geschwollen und entzündet. Ist natürlich eine blöde Stelle, die Hände sind halt permanent der Sonne ausgesetzt. Vom Venus Bad ging der Weg weiter zu den Splitter Falls. Jetzt begann der Weg durchaus anspruchs- voller zu werden. Es ging über Stock und Stein, wobei teilweise hohe “Felsstufen” überwunden werden mussten.Wanderpause Nach einer kurzen Rast an den schönen Wasserfällen folgten wir dem Weg zum Grand Canyon. Unterwegs begleiteten uns wunderschöne Königspapa- geien, rote, blaue und grüne. Es ist unglaublich, die schönen Vögel hier mitten im Wald zu sehen. Haben einige gute Fotos machen können, wobei diese Tiere sehr scheu sind. Am Grand Canyon wurde der Weg wieder sehr anspruchsvoll. Wir kletterten steile Felsen, die man teil- weise nur über schmale Metallstufen erklimmen konnte, hinauf. Wenn man dann glücklich oben angekommen war, ging es genauso steil wieder abwärts. Mein Gott Uwe, was hast du dir eigentlich dabei gedacht, so eine Wanderung auszusuchen. Wir sind total untrainiert, haben keinerlei Kondition und dieser Mann jagt mich hier durch die Pampa auf der totalen Mördertour, ich bin fix und fertig. Aber ein Ende der Wanderung war noch lange nicht in Sicht, im Gegenteil, wir mussten noch einige Höhenmeter – aufwärts versteht sich – überwinden. Nach dem wir die mörderische Kraxelei im Grand Canyon überstanden hatten, konnten wir zunächst wieder etwas verschnaufen. Der Weg führte sanft durch einen Wald, auf dem uns wiederum die gefiederten Schönheiten begleiteten. Jetzt mussten wir die Silence Street durchqueren.Silence Street Hierbei handelt es sich um eine tiefe Schlucht, die gerade mal für einen Menschen Raum zum Laufen lässt. Dicke Menschen können hier leicht stecken bleiben. Uwes dicker Rucksack bereitete hier schon ganz schön Probleme. Und ich hatte mit meiner Platzangst zu kämpfen. Wieder ging es mörderisch steile und schmale Stufen hinauf, die von noch steileren und schmaleren Metall-Hühnerleitern abgelöst wurden.Treppenaufstieg Wir kraxelten und kletterten und schnauften (vor allem ich, denn ich hatte an den Splitter Falls noch eine Zigarette geraucht, kann es halt nicht lassen) und kamen langsam an das Ende unserer Kräfte. Nach der Silence Street liefen und kletterten wir über Granit- felsen und waren endlich oben auf dem Pinnacle angelangt. Der Ausblick war atem- beraubend und spektakulär, eine wirkliche Belohnung für unsere Mühen und Strapa- zen. Der Blick reicht weit über dichte Euka- lyptuswälder, deren Blätter in der Sonne glänzen. Unter uns lag Halls Gap, die City der Grampians, in der immerhin 300 Menschen wohnen. Die Aussicht ist gigantisch. Jetzt haben wir immer noch 3,4 km vor uns, um wieder in unserem WoMo zu landen. Wir folgten den roten Pfeilen und kletterten über die Granit- felsen abwärts. Plötzlich, oh Schreck, keine Pfeile mehr zu sehen. Verdammter Mist, irgendwie haben wir uns verlaufen. Und das bei der Hitze und unserem leeren Akku, wo sowieso jeder Schritt zu viel ist. Also wieder rauf auf den Berg in der Hoffnung, den richtigen Weg zu finden. Ich konnte mich noch erinnern, dass wir den letzten Pfeil gesehen haben, als wir über einen umgestürzten Baum gestiegen sind. Als ob das der einzige umgestürzte Baum ist, mit dem man in der Natur rechnen muss! Aber wir haben Glück im Unglück und finden tatsächlich “unseren” Baum und damit auch wieder den roten Richtungspfeil. Wir Deppen waren doch tatsächlich in die falsche Richtung gelaufen, na, das hätte aber Spaß gegeben, wenn wir dann irgendwann im Eukalyptuswald verschwunden wären. Mich würde nur eines interessieren, ob unsere Gebeine irgendwann gefunden worden wären. Vermutlich nie. Der Weg nach unten ließ sich jetzt wieder gut laufen, ein Waldweg, wieder mitten durch Eukalyptusbäume, Baumfarne und dichte Vegetation. Hier stehen nun wirklich Tausende und Abertausende Eukalyptusbäume herum, aber nirgends ist ein Koala zu entdecken. Kein runder, pelziger Po, den man weit oben in den Bäumen sieht. Ich bin ja so froh, dass wir den Rat von Ute und Helmut befolgt und in Kennett River gehalten haben. Wir wären glatt aus Australien weggefahren, ohne dass wir diese putzigen Kerlchen gesehen hätten. Das wäre echt ein Jammer gewesen. Uwe entdeckte plötzlich einen Enchidna, so was ähnliches wie ein Igel. Nur haben Enchidnas ein längeres Stachelkleid, sind braun mit hellen Flecken und haben eine lange spitze Nase, eher einen Rüssel. Sie sind wahnsinnig scheu, rollen sich beim kleinsten Geräusch zusammen und verschwinden im Dickicht. Habe versucht, ihn zu fotografieren, leider hat er mir immer nur sein Hinterteil gezeigt. Wir liefen und liefen und die 3 km wollten einfach kein Ende nehmen. Manchmal ließ das Dickicht einen Blick nach unten zu und Halls Gap kam näher. Und dann kam das dicke Ende, so unvermittelt und plötzlich, es war wie ein kleiner Schock für uns. Wir mussten wieder über Felsen klettern, uns wie Freeclimber hinab hangeln. Verdammt, und das bei meiner Höhenangst! Aber der Selbsterhaltungstrieb ist größer als man denkt und so schafften wir auch diese Hürde. Dann hatten wir es wirklich endlich geschafft, wir waren unten. Wir waren nun genau 6 ½ Stunden unterwegs für einen Weg, der ca. 10 km lang war. Das war wirklich ein Härtetest, aber wir haben ihn geschafft. Haben zwar viel länger gebraucht als angegeben, aber trotzdem. Wir waren total geschafft, verschwitzt und müde. Als wir auf unseren Campground einbogen, saßen einträchtig einige Kängurus und grasten. Einfach fantastisch.

Wir schmissen unsere schweren Rucksäcke erst mal ins Auto und tranken ein schönes kaltes Bier aus dem Kühlschrank.Ein kaltes Bier nach der Wanderung Das hat richtig gezischt und tat gut, nach vielen Stunden Wasser, wobei das Wasser später immer wärmer wurde. Mmh lecker! Dann folgte eine erfrischende Dusche. Ich wollte meine Haare fönen und das Ding geht los wie verrückt. Allerdings nicht lange. Ich hatte ihn noch vom letzten Urlaub auf 110 V stehen und das hat er irgendwie nicht verkraftet. Er war total über- hitzt. Später holten wir uns eine Pizza, die wir vor unserem Camper aßen. Uwe hatte sich für eine Aussi-Pizza ent- schieden und ich nahm eine Mexicana. Alter Falter! Die war vielleicht scharf, mir hat es fast die Lippen weg geätzt. Und ich kann weiß Gott Schärfe vertragen. War aber trotzdem lecker. Musste allerdings nach der Hälfte passen, obwohl ich mir nur eine Kleine genommen habe. Dazu noch ein kaltes Bier. Es war einfach nur idyllisch. Die Kakadus und Kokaburras krakeelten und flogen aufgeregt hin und her. Ein Flugverkehr ist hier, schlimmer als auf dem Frankfurter Flughafen. Irgendein anderer Vogel, keine Ahnung, welcher Gattung er angehörte, kam ganz frech zu uns und suchte Familienanschluss. Ihm ging es weniger um den Anschluss als vielmehr um einige Bissen. Der war so dreist, er flog uns ständig an. Selbst wenn ich aufstand, um ihn zu verscheuchen, hatte er nicht mal Angst. Dabei sehe ich echt zum Fürchten aus mit meiner roten, total aufgebrannten Nase. Das hat ihn aber überhaupt nicht beeindruckt. Er lief dann immer ganz lässig auf und ab, schaute in die Luft oder zur anderen Seite, so als wollte er demonstrieren: “Ihr interessiert mich überhaupt nicht.”. Und dann startete er plötzlich wieder eine Attacke. So ein freches Vieh.
Später genossen wir den Abend vor unserem Camper. Einfach unbeschreiblich, die Kängurus und Wallabies hüpften durch die Wohnwagenreihen und direkt an uns vorbei. Eine irre Geräuschkulisse von den vielen verschiedenen Vögeln, so was muss man einfach erlebt haben. Dann kam auch noch eine Enten-Groß-Familie vorbei gewatschelt, ich habe 16 Junge gezählt. Können aber auch ein paar mehr gewesen sein.
Ein ganz fantastischer Tag geht zu Ende, wahnsinnig anstrengend, aber wunderschön. Ins Bett so gegen 22.00 Uhr und absolut platt.

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