Wanderung um den Uluru und anschließender Sonnenunter- gang

Eigentlich wollten wir ja heute den Sonnenaufgang am Uluru erleben. Uwe hatte aber aufgrund der Hitze in der Nacht nicht allzu viel geschlafen und so sind wir erst gegen 6.30 Uhr aufgewacht und letztendlich dann doch erst gegen 7.30 Uhr aufgestanden. Nach dem Frühstück fuhren wir zum Uluru, um um diesen mystischen Steinbrocken, der hier in dieser Ebene doch irgendwie fehl am Platze ist, zu laufen. Es sind knapp 10 km, aber alles auf einer Ebene, müsste also gut zu laufen sein. Wir starteten unsere Tour 10.30 Uhr, also wieder mal typisch-Skotschier-spät. Im Visitorcenter hatte man uns geraten, die hohen Boots anzuziehen, es gäbe hier viele Schlangen und Skorpione. Diese Vorsichtsmaßnahme ist etwas stark übertrieben, der Wanderweg ist so breit, dass man gar nicht mit Gras oder Gestrüpp in Berührung kommt. Aber egal, schließlich haben wir ja die Schuhe mit nach Australien geschleppt, also sollten wir sie auch mal tragen.Ein Imker auf Wanderschaft Der Uluru ist schon ein gewaltiges Teil, dessen Dimension und ganze Schönheit man eigentlich nur erfahren kann, wenn man ihn einmal umläuft. Es ist faszinierend, immer wieder neue Ein- und Ausblicke zu erhalten. Heute haben wir zum ersten Mal unsere super schicken Fliegen- netze über die Hüte gezogen, die wir gestern noch im Visitor Center (á 7,95AUS$) gekauft haben. Wir sehen aus wie verkappte Imker, zum Schießen. Nur gut, dass nicht so viele Leute hier herum laufen und uns somit kaum einer sehen kann. Auf jeden Fall bleiben so die Fliegen von uns weg. Das sind aber auch lästige Viecher, die es nur darauf abgesehen haben, in Mund, Nase und Ohren zu fliegen. Das sind keine normalen Fliegen wie bei uns, die setzen sich auf keine anderen Körperstellen, wo man sie evtl. erschlagen könnte. Nein, sie peilen ganz gezielt die Körperöff- nungen am Kopf an. Jetzt haben wir sie ausgetrickst und sie sitzen ziemlich deprimiert und ärgerlich außen auf dem Netz. Pech gehabt, Freunde! Und wenn ich dann noch meinen Uwe anschaue, wie er von “Innen” die Zunge rausstreckt und den Fliegen den Stinkefinger zeigt, dabei auch noch unwahrscheinlich schielt, ich könnte mich nass machen vor Lachen.

Wir laufen Kilometer um Kilometer und sind wieder einmal mutterseelenallein. Drängelten sich doch die ersten Meter um den Parkplatz noch viele Touristen, haben wir hier draußen dieses Naturschauspiel ganz allein für uns. Die Hitze flimmert und wir verbrauchen Unmengen an Wasser. Der Vorteil hiervon ist, dass die Rucksäcke allmählich leichter werden. Hin und wieder streift uns urplötzlich und ohne Vorwarnung ein heißer Wüstenwind. Jetzt verstehe ich auch den Ausspruch “mich streift ein Bus”, ich kann mir vorstellen wie das ist. Man kann kaum Atmen. Dieser heiße Wind hält streckenweise an, dann plötzlich ist er so schnell wieder verschwunden, wie er aufgetaucht ist. Wir haben genau 3 Stunden für diese Wanderung gebraucht, wobei wir aber an zwei überdachten, schattigen Plätzen eine kurze Rast eingelegt haben. Und natürlich haben wir wieder sehr viel Zeit mit Tausenden von Fotos verplempert.

Uluru Detail Uluru Detail Uluru Detail

Ansonsten läuft man rund um den Uluru nur in der Sonne. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir sonst keine Wanderer getroffen haben, dass alle normalen Menschen solche Touren bei den Temperaturen am frühen Morgen machen. Nur Skotschiers gehen immer erst mittags los. Die letzten Meter wurden fast zur Qual. Wir konnten Onkel Franz schon von Weitem sehen. Aber die Beine waren so schwer und unser Wasser brühwarm (erinnerte mich an die “heiße Dusche” in Princetown) und so schleppten wir uns die letzten Meter mehr als wir noch gehen konnten. Die Beine knickten ein, die Arme baumelten fast am Boden, der Kopf war schon 3 Meter weiter als der Rest des Körpers und die Zunge hing fast auf den Schuhen – wir geben eine tolle Karikatur ab. Wir haben uns im Schatten (hiervon gibt es nicht viel) erst einmal akklimatisiert und kaltes Wasser aus dem Kühlschrank getrunken. Das war echt eine Wohltat.

Wir fuhren von hier aus zum Supermarkt, um unsere Vorräte aufzufrischen, vor allem Wasser. Uwe ist hier wie ein Fass ohne Boden, was er hier an einem Tag wegschluckt, das trinkt er in Deutschland nicht in einem Monat. Wir fanden Würstchen und beschlossen, heute mal Hot Dogs zu machen. Zunächst holten wir uns einen Känguru-Burger für den ersten Hunger und eine eiskalte Cola. Die ist zwar furchtbar süß, aber hin und wieder braucht man mal eine Abwechslung zum Wasser. Und Bier in der Mittagshitze, ich weiß nicht, ist auch nicht so gut. So, nun erst mal eine erfrischende Dusche und dann ein bisschen Ausruhen (für mich heißt das dann immer Tagebuch-Schreiben, bin schon ein armer Tropf). Wir wollen heute noch einmal los, um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Dieser ist für 19.36 Uhr angegeben und wir starten 18.30 Uhr, nachdem Uwe schon wieder keine Ruhe mehr hat und wie ein Tiger im Käfig um Onkel Franz rennt und fragt, wann ich denn nun endlich so weit sei.Warten auf den Sunset Irgendwann binde ich ihn fest. Als wir zum Sunset-Point kamen, waren gerade mal 6 Autos da. Wir fanden einen tollen Platz, stellten unsere Campingstühle auf und genehmigten uns ein kaltes Bier. Nun heißt es warten, für mich natürlich wieder Tagebuch-Schreiben. Neben uns hielt ein Kleinbus mit 5 Japanern. Grässlich, die machen ein Geschrei, man könnte meinen, es sind 50 Japaner da. Dass die nicht mal die Klappe halten können und so ein Naturwunder mit der nötigen Ruhe auf sich wirken lassen können. Gott sei Dank machte wieder nur jeder von jedem mit dem Uluru im Hintergrund ein Foto und dann fuhren sie auch schon wieder los, obwohl noch gar kein Sonnenuntergang war. Na ja, wahrscheinlich haben sie heute Abend noch einen Termin in Sydney. Nach und nach kamen immer mehr Fahrzeuge, es war zwischenzeitlich auch schon 19.30 Uhr, aber vom Sonnenuntergang keine Spur. Wir fragten unsere Nachbarn nach der Uhrzeit und stellten fest, dass wir noch eine weitere Stunde haben. Northern Territory hat zwar die gleiche Zeit wie South Astralia, machen aber die Sommerzeit nicht mit. (Nur Uwe hat mich wieder mal für umsonst gehetzt.) Aber wir sitzen ja hier genauso gut wie auf dem Campground, von daher hat es uns auch nicht gestört, eine Stunde zu früh zu sein. Ist sowieso ein Novum, wenn Skotschiers mal zu früh sind. Dadurch hatten wir wenigstens einen super Platz ergattert.Uluru Sunset Jetzt war auch noch eine italienische Groß- familie eingetroffen, die mindestens genauso laut wie die Japaner sind. Der Vater oder Patrone ist auch dabei und erinnert uns bzgl. Aussehen und Auftreten an Denny DeVito. Jetzt ist es endlich soweit und der count down beginnt. Der Uluru erstrahlt im Licht der untergehenden Sonne in wunderschönen Rottönen. Ein einmaliges Spek- takel, man ist wie hypnotisiert. Nachdem auch der letzte Sonnenstrahl verschwunden ist, liegt er nun einsam und dunkelgrau, die Schönheit und das Mystische sind ver- blasst – mit der Sonne untergegangen. Der Parkplatz ist zwischenzeitlich auch sehr leer geworden und auch wir fahren die 15 km bis zum Campground zurück. Dort angekommen mache ich uns die Würstchen warm, was in dem ohnehin warmen Auto ein absolutes Highlight ist. Da es bereits dunkel ist, musste ich wohl oder übel das Licht einschalten und das war natürlich die Einladung schlechthin für alles, was fliegen und flattern kann. Hoffentlich verziehen sich die Bestien wieder, bis wir schlafen gehen wollen. Die Hot Dogs sind auch nicht gerade der Hit, sehr trocken. Gott sei Dank haben wir genügend kaltes Bier zum Runterspülen. Jetzt jage ich Uwe erst mal ins Auto, dass er wiederum all die Bestien verjagt, die sich noch hinter den Gardinen versteckt halten. Wir gehen zeitig schlafen, da wir morgen den Sonnenaufgang am Uluru erleben wollen. So viele Möglichkeiten haben wir nicht mehr. Es war wieder ein ganz toller Tag.

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