Wanderung im Kings Canyon

Aufstehen 6.30 Uhr nach einer wiederum katastrophalen Nacht. Wieder 36°C im Auto, da ist an Schlafen nicht zu denken. Wir sind von einer Stelle zur nächsten gerückt immer in der Hoffnung auf Abkühlung und darauf bedacht, den anderen bloß nicht zu berühren, weil der eigene Körper schon genug Hitze hatte. Also, ich will ja nicht aus dem Nähkästchen plaudern: Aber das Sexleben bleibt dabei auf der Strecke!
Wir haben rasch gefrühstückt und dann gleich noch mal versucht, zu Hause anzurufen und wieder niemanden erreicht.

Wir fuhren los zu dem 10 km entfernten Kings Canyon und starteten unsere Wanderung 8.30 Uhr bei ca. 30°C. Na ja, wenigstens sind wir heute mal zeitig auf den Beinen und nicht wieder erst gegen Mittag.Steiler Aufstieg Es stürmte sehr heftig, offensichtlich auch schon die ganze Nacht, nur leider kein kühles Lüftchen, sonst hätten wir nicht so geschwitzt. Der Wanderweg beginnt mit einem ziemlich steilen Aufstieg über natürliche Treppen. Hier überwindet man erst einmal ca. 120 Höhenmeter. Da es aber noch nicht so heiß war und wir uns auch viel Zeit für diesen Aufstieg nahmen, haben wir diesen sehr gut bewältigt. Runter sehen durfte ich nicht. Was mir auch Angst machte war der wirklich starke Wind. Hoffentlich erwischt mich nicht mal eine Böe und reißt mich mit in die Tiefe. Das ist irgendwie alles nichts für mich mit meiner Höhenangst. Dann hatten wir den Aufstieg geschafft, von nun an ging ein wirklich schöner und einfacher Wanderweg oberhalb des Canyons an der Kante entlang. Es ist schon ein faszinierendes Farbenspiel, die tiefroten Felsen, im Hintergrund der stahlblaue Himmel und dazwischen das viele Grün der Pflanzen. Umso erstaunter waren wir auch hier oben Palmen vorzufinden, richtige schöne große Palmen, die zwar keinen Stamm sondern eher einen Stumpf hatten. Der Weg führte immer wieder zu tollen Lookouts, die einen fantastischen Blick auf den Canyon freigaben. Dann stiegen wir auf der einen Seite des Canyons steile Treppen hinab in den Garten Eden, überquerten eine Brücke, von der wir einen fantastischen Blick in diesen Garten hatten. Hohe Bäume und vor allem große Palmen standen in sattem Grün im krassen Gegensatz zu den schroffen roten Felsen. Auf der anderen Seite mussten wir ebensolche Treppen wieder hinauf steigen. Der Wanderweg ist ausgezeichnet markiert und es macht viel Spaß, ihn zu laufen. Dann kam die Markierung, dass wir nur noch 2 km von den insgesamt 6 km zu laufen hatten. Mittlerweile war es schon 11.00 Uhr und die Sonne brannte. Aber nun ging es nur noch leicht und stetig bergab. Wir waren letztendlich sehr dankbar für den Wind, der hier oben kräftig blies. Wenn er hin und wieder mal nachließ, bekamen wir die Hitze umso mehr zu spüren.

Palmen im Kings Canyon Kings Canyon Steiler Abstieg

Wieder unten angekommen beschlossen wir, den 1 km langen Kings Canyon Creek Walk nicht mehr zu gehen. Zum einen war es im Tal noch heißer und zum anderen hatte sich gerade ein ganzer Reisebus zu diesem Walk aufgemacht und da wollten wir nicht hinterher dackeln. Wir sind übrigens total überrascht, hier in Australien wahnsinnig viele deutsche Touristen anzutreffen, es ist unglaublich, wo man geht und steht, fällt man über Deutsche. Und unter diesen vielen Deutschen ganz stark vertreten sind Sachsen.
Auf dem Parkplatz, wo wir unseren Onkel Franz abgestellt hatten, stand auch so ein großer Reisebus, in dem man auch schlafen kann, ein Rotel. Diese haben wir schon immer auf diversen Reisemessen gesehen — das fahrende Hotel. Furchtbar. Wenn man die kleinen Buchten sieht, in denen die Leute schlafen, wie Särge. Na ja, jedem das Seine.

Wir fahren ins Resort zurück und hatten beschlossen, heute noch abzureisen. Haben zwar den Campground noch für eine Nacht bezahlt, müssten aber morgen 600 km bis in die West MacDonnell Ranges fahren. Das ist eine lange Strecke, wenn man sich auch noch etwas ansehen will. Wir hatten gehofft, die kurze und interessante Strecke über den Norden fahren zu können. Hier gibt es aber nur ungeteerte Straßen. Mal ganz abgesehen vom Versicherungsschutz, den wir auf diesen Gravelroads nicht haben, das wäre halt unser Risiko. Wir haben uns aber in der Tankstelle über den Straßenzustand informiert und man hat uns dringend abgeraten, mit Onkel Franz diese Straße zu fahren. Weihnachten ist wohl erst jemand, auch ohne 4WD, stecken geblieben und das heißt, man muss viele Stunden warten, bis hoffentlich irgendjemand vorbei kommt. Also beschlossen wir, doch den großen Schleif zu fahren. Wir füllten unsere Wasservorräte auf. Mich würde wirklich mal interessieren, wie viel Liter Wasser wir bisher schon verbraucht haben. Es sind Unmengen! Im anschließenden Café wollten wir noch etwas essen. Das Angebot ist allerdings nicht so berauschend. Die Burger sehen nicht gerade appetitlich aus. Wir entscheiden uns für ein Pastagericht. Die Preise sind ganz schön heftig, 12.50 $ für eine kleine Portion weichgekochter Penne mit fade schmek- kender Tomatensoße. Egal, der Hunger treibt’s rein. Danach noch einmal unter die Dusche, packen und dann auf. Es ist ca. 14.15 Uhr und wir wollen noch ca. 300 km fahren.Straße ins Nirvana In der Kings Creek Station tanken wir noch einmal auf. Die Dame an der Tank- stelle war wieder sehr gesprächig. Als wir ihr erzählten, dass wir Silvester in Alice Springs verbringen wollen, schrieb sie uns den Namen einer typischen Aussie-Kneipe auf, in der wir unbedingt Silvester feiern sollen. Es geht weiter Richtung Lasseter Highway. Langsam stellt sich bei uns beiden Müdigkeit ein, das Resultat der Wanderung und dessen, dass wir zwei Nächte kaum geschlafen haben. Auf einem Parkplatz tauschen wir die Plätze und ich fahre weiter. Schön, auch mal wieder am Steuer zu sitzen, bin die letzten Tage gar nicht gefahren, da ich immer während der Fahrt Tagebuch schreiben musste. Ob ich allerdings das Geschmiere jemals wieder lesen kann ist die große Preisfrage. Ich kann Onkel Franz heute wieder nur mit großer Anstrengung auf der Straße halten. Die Windböen kommen heftig und unvermittelt. Bei einer dieser Böen wäre es auch fast passiert. Onkel Franz riss es plötzlich von der Straße über den ungeteerten Seitenstreifen und ich versuchte krampfhaft, das Auto wieder auf die Straße zu bringen und schoss wie ein Torpedo auf die Gegenfahrbahn, auf der gerade in diesem Moment ein kleiner PKW gefahren kam. Mein Gott, der arme Kerl war sicher genauso erschrocken wie ich. Onkel Franz schlingerte und schaukelte ganz schön, bis ich ihn wieder unter Kontrolle hatte.Mt. Connor Da bin ich jetzt fast eine Stunde gefahren, ohne einem Auto zu begegnen und ausgerechnet in diesem Moment muss einer kommen. Allerdings ist ja Gott sei Dank nichts passiert. Am Roadhouse Mount Ebenezer machten wir eine Kaffee- pause. Danach fuhr Uwe weiter. Was uns hier bei den langen Autofahrten wirklich fehlt ist Musik. Im Umkreis von ca. 30 bis 40 Kilometern einer Stadt hat man auch Radioempfang. Zumindest wir in unserem alten Onkel Franz. Danach ist Schluss. Wir stellen das Radio zwar immer auf Sendersuchlauf ein und es sucht und sucht und sucht. Wenn wir manchmal Stunden später auf’s Radio schauen, sucht es immer noch. Irgendwann haben wir es dann vergessen. Dann sind wir immer ganz erschrocken, wenn nach Stunden plötzlich irgendwelche Geräusche auftauchen, die wir zunächst nicht einordnen können. Dann hat er irgendwo einen Sender gefunden. Aber meistens ist nicht viel mit Musik. Und selber singen? Ach, lassen wir das lieber.
Irgendwo auf der langen geraden Straße zwischen Mount Ebenezer und Erldunda sah ich mitten auf der Straße eine Person stehen. Im Schatten eines Baumes am Straßenrand stand ein Auto mit geöffneter Motorhaube. Eine Panne? Uwe fuhr ganz langsam und dann konnten wir erkennen, dass es Aboriginies sind. Ein zerzauster alter Mann stand auf der Straße und Frauen und Kinder saßen im Schatten. Wir verriegelten zunächst unsere Türen und hielten. Er hatte angeblich kein Benzin mehr. Dann bat er uns um 10,00 AUS$, um sich Benzin kaufen zu können. Wir werden wohl nie herausfinden, ob das der Wahrheit entsprach. Möglicherweise sitzen sie den ganzen Tag hier an der Straße und erbetteln sich mit diesem Trick Geld. Vielleicht hat es auch gestimmt. Wir wollten ihn aber auch nicht unbedingt in unserem Auto nach Mount Ebenezer zurück fahren, um Benzin zu holen. Wir gaben ihm die 10,00 AUS$. Er wollte ein Auto anhalten, dass in Richtung Mount Ebenezer fährt.

Gegen 17:30 Uhr kamen wir im Roadhouse Erldunda an und mussten feststellen, dass hier ein relativ großer Campground angeschlossen ist. Wir wollten jetzt nicht mehr weiterfahren und stellten Onkel Franz ab. Wir trafen eine holländische Familie mit einem etwa 2-jährigen Kind, die für 6 Monate quer durch Australien fahren. Solche Leute können wir nur beneiden.Grüner Sittich Als wir vor unserem Camper saßen und unseren Eiskaffee tranken, kamen wieder 2 wunderschöne Exemplare von Sittichen geflogen, die wir bislang noch nicht gesehen hatten. Sie waren ganz grün mit leichtem Blauschimmer am Schwanz, gelber Bauch und einem gelben Ring um den Hals. Das Köpfchen war auch blau. Wunderschön. Wir haben gleich unser Tele- objektiv heraus geholt und einige Fotos geschossen. Dann gingen wir in die angrenzende Taverne zum Essen. Wir kamen an einem Telefon vorbei und versuchten wieder, zu Hause anzurufen. Es ist 10.30 Uhr in Deutschland und wir hatten Glück, unseren Sohn zu erreichen. Die Taverne des Roadhouses ist urgemütlich. Geldscheine aus aller Welt hängen an der Wand, es gab einen riesigen Fernseher, in dem gerade ein Film mit M. Pfeiffer und R. Hauer spielt und ein großer Billardtisch beherrscht den Mittelpunkt des Raumes. Wir bestellten jeder ein Bier und ein Steak mit Salat. Das waren wieder Portionen für Truckerfahrer, ein Riesensteak mit Pommes und jede Menge Salat. Ich habe meine Portion natürlich nicht geschafft. Am Nebentisch saß eine Familie aus Melbourne. Vater und Tochter lieferten sich ein Duell im Billard, dann musste auch noch die Mutter ran. Haben noch eine Weile zugesehen und uns mit ihnen unterhalten. Noch ein kleines Bier vor dem Camper und dann ab ins Bett.

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