Fahrt zum Alstrom Point

Heute stehen wir erst gegen 8.00 Uhr auf. Wir haben beide wie die Toten geschlafen, denn auch Uwe war dann doch ziemlich fertig. Wir schaffen es gerade noch so zum Frühstück, bevor der Frühstücksraum schließt. Uns ist gestern bereits ein Mann aufgefallen, der von der ersten bis zur letzten Minute im Frühstücksraum sitzt, immer wieder zum Büfett geht und während des ganzen Frühstücks John Grisham liest. Interessant, wie mache Leute so ihren Urlaub verbringen, manche halt stundenlang beim Frühstücken und Lesen. Aber der arme Kerl ist ganz allein.

Heute haben wir uns für den Alstrom Point entschieden. Nach der heftigen Wanderung von gestern wollen wir heute mal ein bisschen mehr im Auto sitzen und heute ist Uwe’s Fahrtag. Nachdem wir unsere Rucksäcke gepackt haben und unsere Kühltasche voller Eis noch mit Wasser- und Colaflaschen bestückt haben sind wir zur Abfahrt bereit. Wir fahren erneut den Highway 89 – mehr Möglichkeiten gibt es um Page herum nicht – bis nach Big Water. Big Water nennt sich zwar offiziell „Kleinstadt“, aber selbst die Bezeichnung „Nest“ wäre noch hochgestochen. Es gibt eine geteerte Straße von ca. 100 Meter, die an beiden Seiten gesäumt ist von Wellblechbaracken und mehrheitlich Wohnwagen. Bei manchen Wohnwagen haben sich die Besitzer allerdings recht viel Mühe gegeben und die Außenanlagen recht hübsch mit bunten Blümchen gestaltet. Direkt in Big Water geht eine ungeteerte Straße ab, der wir jetzt für 25 Meilen folgen. Hoffentlich ist dieser Straßenzustand besser als der von der Cottonwood Canyon Road, denn wenn wir 25 Meilen nur im Schritttempo fahren könnten, kämen wir heute nicht mehr an. Auch diese Strecke ist wieder nur mit einem Allrad befahrbar. Die einzige Einschränkung ist auch hier, dass es trocken sein muss. Nach Regenfällen oder wenn ein Unwetter angesagt ist sollte man sich die Fahrt zum Alstrom Point aus dem Kopf schlagen.
Die ersten 20 Meilen lassen sich aber erstaunlich gut fahren und wir kommen rasch voran. Die Landschaft ist einfach irre. Man könnte meinen, man ist auf dem Mond. Die vielschichtigen Felsformationen präsentieren sich wieder in den unterschiedlichsten Farben von Rot über Braun bis Grau.Offroad unterwegs Am Fuße der hohen Bergkette schmiegen sich kleinere Hügel, die in allen Grauschattierungen leuchten, von hellgrau bis tiefschwarz. Es sind die Badlands, von unbeschreiblichem Ausmaß, unwirtlich, lebensfeindlich und einsam.
Wir sind nun schon wieder fast 3 Stunden unterwegs und sind nichts und niemandem begegnet. So ein bisschen Herzklopfen bekomme ich schon wenn ich darüber nach- denke, dass wir ja durchaus auch eine Panne haben könnten. Ein Handy, mit dem wir Hilfe holen könnten, haben wir auch nicht. Müssen uns unbedingt mal ein Tribandhandy besorgen.
Wir fahren immer rechterhand an der Bergkette entlang, immer weiter hinein in die Badlands. Wir haben unser GPS mit den unterschiedlichen Koordinaten gefüttert und haben zudem auch noch eine Beschreibung dabei.Fahrt in die Badlands Die Beschreibung liefert uns auch wieder Uwe’s Bibel von Peter Felix Schäfer, der un- glaublich genau die Koordinaten und Wegpunkte ange- geben hat. Jetzt haben wir die ersten 20 Meilen hinter uns gebracht und können von hier bereits einen ersten Blick auf den Lake Powell mit seinen roten Felsen werfen. Der Anblick ist einfach nur spektakulär, dieses tiefblaue Wasser, aus dem tiefrote Buttes herausragen. Und wieder stehen wir mit offenem Mund und staunen.Ein erster Blick auf den Lake Powel Nachdem sich die erste Erstar- rung gelöst hat sind wir nun auch in der Lage und können einige Fotos machen. Allerdings ist dies hier noch nicht der richtige Aussichtspunkt. Hierfür müssen wir noch weitere 5 Meilen fahren. Naja, viel kann ja nun nicht mehr schief gehen, wir sind ja fast da. Also dürfte uns das nicht passieren, was wir von vielen anderen gelesen haben, die irgend- wann entnervt aufgegeben haben und umgekehrt sind, weil sie den Alstrom Point nicht gefunden haben. Denken wir!! Man sollte nicht zu überheblich sein. Der Weg führt noch ein kleines Stück weiter und verliert sich dann im Nichts. Man kann sich das gar nicht vorstellen, aber plötzlich ist kein Weg mehr zu erkennen. Wir quälen unser Auto Felsplatten hinauf und tja, da stehen wir nun und wissen nicht weiter. Peter Felix schreibt: bei Meile 23,7 wird der Untergrund zunehmend felsiger – stimmt, das müsste diese Stelle sein, auch die Meilenangabe haut hin. Er schreibt weiter: wir orientieren uns hier an der Abbruchkante und vermeiden es, rechts den Hügel hochzufahren.Fahrt über Steinplatten Ja wie denn nun und wo denn nun? Welchen Hügel meint der denn? Bald schon (Meile 23,9) wird die Spur wieder sichtbar und immer einfacher zu fahren. Wer’s glaub wird selig. Ich weiß immer noch nicht, wo wir sind, von welchen Hügeln und Abbruchkanten er spricht, hier sind lauter Hügel und Abbruchkanten. Toll, und wir mittendrin! Bei Meilenstand 24,3 verzweigt sich die Route, wir halten uns links und sind gleich am Ziel. Ich glaube eher, dass wir über’s Ziel hinaus geschossen sind, wir sind schon bei Meile 25 und haben noch keine Verzweigung entdecken können. Alter Falter, so schön einfach zu Hause und umso komplizierter hier in den Badlands. Und es ist ja auch nicht so, dass alle nasenlang hier jemand vorbei kommt, den man fragen könnte. Ca. 300 m vor uns sieht es aus, als ginge der Weg weiter. Die Richtung erscheint mir aber falsch. Uwe hat sich blöderweise auch noch festgefahren, d.h. mit dem rechten Vorder- und Hinterrad zwischen zwei Felsen verklemmt. Na, jetzt hat er erstmal zu tun, hier wieder rauszukommen. Ich kann gar nicht hinsehen, jeden Moment rechne ich mit einem Knall oder ähnlichem, weil ihm ein Reifen zerfliegt. Mama Mia, heute ist es aber auch verzwickt. Endlich hat er es geschafft und der Wagen ist wieder frei. Ich gehe derweilen zu Fuß los und versuche, den Weg zu finden. Ich halte mich hierfür aber linkerseits. Hier sind überall noch große Felsplatten, auf denen natürlich keine Reifenspuren zu erkennen sind. Ich laufe und laufe und endlich werde ich fündig. Hier sind Reifenspuren, d.h. es sind andere Fahrzeuge diesen Weg gefahren. Hoffen wir mal, dass es der richtige ist. Ich rufe und winke nach Uwe, er soll mir folgen und gehe weiter zu Fuß. Und dann ganz plötzlich ist auch wieder ein Fahrweg sichtbar. Jetzt darf ich auch wieder auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Wir fahren einen Hügel hoch und – WOW, da liegt er uns zu Füßen, der Alstrom Point. Alter Falter, der war aber wirklich nicht leicht zu finden. Aber klar, wenn man im Nachhinein logisch an die Sache herangeht, kann es ja gar nicht anders sein.Alstrom Point Man muss nur um den Canyon herum fahren. Viele folgen wahrscheinlich geradeaus dem sichtbaren Weg und ver- fahren sich hoffnungslos, entfernen sich immer mehr dem Alstrom Point. Mein Gott, ist das schön! Wir haben den Alstrom Point schon auf so vielen Fotos gesehen. Aber jetzt und hier in Natura ist es einfach überwältigend.Der Fotograf Das Wasser ist so tiefblau, dass es schon unwirklich wirkt. Die vielen roten Buttes, die aus dem Wasser herausragen, tragen weiße Streifen am Bauch. Auf dem Lake Powell ist unheimlich viel Verkehr von Motorbooten, die von hier oben wie kleine Spielzeugboote scheinen. Das Wasser am Uferrand schimmert grün.Blick auf den Lake Powel Wir fotografieren wie verrückt und sitzen dann ganz lange einfach nur da und lassen dieses Bild auf uns wirken. Gegen 16.00 Uhr beschließen wir schweren Herzens, uns von diesem Anblick zu lösen und die Heimfahrt anzutreten. Die 24 Meilen dirt road dauern länger als 2 Stunden, für die Hintour haben wir mehr als 3 Stunden benötigt. Allerdings haben wir da auch noch für einige Fotostopps gehalten. Wir möchten die Strecke gern noch bei Tageslicht hinter uns bringen.
Den Rückweg finden wir dann ohne Probleme. Allerdings müssen wir auch jetzt wieder oft für Fotos halten. Die tiefstehende Sonne taucht die Bergkette in ein unglaublich schönes Licht, das muss einfach festgehalten werden. Die Sonne scheint uns jetzt frontal auf die Scheibe und wenn wir einen „Achterbahnhügel“ hochgefahren kommen, trifft sie uns mitten ins Gesicht. Durch die Scheibe können wir kaum noch was erkennen, da sie mit einer dicken Staubschicht belegt ist. Dabei hatte ich mir heute Morgen an der Tankstelle so viel Mühe gegeben und die Scheiben blank geputzt.
Auf unserem Rückweg kommen uns vier Fahrzeuge entgegen, die reinste Rushhour.Sonnenuntergang mit Vollmond Die wollen garantiert am Alstrompoint den Vollmond genießen. Ist bestimmt ganz toll, aber ich bin für die Übernachtung im Auto in der Wildnis einfach nicht geschaffen. Der Mond sieht schon klasse aus, wie er so groß und rund über den roten Felsen steht und diese in sein weißes Licht taucht. Im letzten Tageslicht erreichen wir Big Water und gleich danach den Highway und fahren nach Page zurück.

Wir beschließen, gleich noch Essen zu fahren, bevor wir ins Hotel zurückkehren. Wir finden ein italienisches Re- staurant, das sehr gemütlich aussieht. Ich bestelle mir überbackene Tortellini in Sauce Bolognese und blan- chiertes Gemüse und einen kalifornischen Rotwein. Sehr lecker. Uwe entscheidet sich für eine Calzone. Alter Falter, ist das ein Riesending! Die würde mir eine ganze Woche reichen. Zu beiden Gerichten gibt es noch einen gemischten Salat. Für beide Gerichte und die Getränke zahlen wir inklusive Trinkgeld knapp 40 US$. Gegen 20.30 laufen wir in unserem Hotelzimmer ein. Jetzt folgt wieder das allabendliche Ritual: Duschen, ein kaltes Bier, Fotos überspielen, Tagebuch schreiben. Gegen 22.30 Uhr machen wir „Feierabend“ und gehen schlafen.

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