Wanderung zur Anse Lazio

Es ist 7.30 Uhr und wir stehen auf. Wie jeden Morgen machen wir vor dem Frühstück erst einmal einen ausgiebigen Strandspaziergang von einer Stunde. Und wie jeden Morgen sind wir mutterseelenallein am Strand. Es ist einfach herrlich. Wenn nur nicht der entsetzliche Muskelkater wäre, den wir in den Waden haben.Grand Anse am Morgen Nach dem Duschen gehen wir im Strandpavillon zum Frühstück. Heute wollen wir zu dem berühmten Strand Anse Lazio laufen, na ja, zumindest ein großes Stück laufen. Zunächst aber fängt uns Jaques, Marie France’ Bruder und Geschäftspartner ab. Bis jetzt sind wir weder angemeldet noch haben wir bezahlt. Das wollen wir jetzt nachholen. Wir zahlen 500 € in bar (es ist witzig, alle sind scharf auf Bargeld) und den Rest von 292,00 € zahlen wir per Kreditkarte. Auch Jaques ist, wie alle Seychelloise, unheimlich redselig und wir kommen von Stöckchen auf Hölzchen. Dabei erwähnen wir unsere Vorliebe für Papayas und fragen ihn, wo man hier auf der Insel Früchte kaufen kann. In den kleinen Läden haben wir bis jetzt nur die Appelbananas oder Orangen gesehen. Er sagt, kein Problem. Er hat einen Freund, der eine Papayaplantage hat. Dort können wir Früchte kaufen. Also auf ruft er und wir springen in sein Auto. Er fährt mit uns weg von der Straße ins Landesinnere. Straße ist zuviel gesagt, es ist nur ein ausgewaschener Weg, breit genug für ein Fahrzeug und wenn es regnet oder geregnet hat, sollte man besser laufen. Das Fahrzeug bewegt sich dann nicht mehr. Bald schon kommen die ersten Papayabäume in Sicht. Also so was haben wir noch nie gesehen. Die Früchte haben die Größe eines Rugbyballs und größer. Das ist ja Wahnsinn. Wir suchen uns zwei Riesen- früchte aus, die frisch vom Baum gepflückt werden und zahlen 50 Rupie (ein bisschen mehr als 4€). Na das wird ein Festessen! Wir gehen noch einmal los zu der vielleicht 5 Gehminuten entfernten Tankstelle, um uns Wasser und Bier und ein paar Orangen zu kaufen.

Laut Busfahrplan soll unser Bus, der uns in Richtung Anse Lazio bringen soll, 12.05 Uhr abfahren. Wir packen unsere Rucksäcke mit Getränken, Orangen, Brötchen vom Vortag und Badesachen und verlassen 11.50 Uhr den Bungalow. Wir sind noch nicht weit gelaufen, da kommt uns unser Bus entgegen. Na bravo, wer weiß, wann der nächste kommt. An der Haltestelle sitzt ein junges Mädchen das meint, der nächste müsste 12.30 Uhr fahren. Sie fragt, warum wir den Bus an der Straße nicht angehalten haben, er hätte uns noch mitgenommen. Na egal, er ist jetzt jedenfalls weg und wir müssen so oder so auf den nächsten warten. Und tatsächlich, irgendwann kommt ein Bus und wir ergattern sogar noch einen Sitzplatz, was bei dieser abenteuerlichen Fahrweise hier nicht unbedingt das Schlechteste ist. Man muss allerdings auch anerkennen, dass die Busfahrer hier noch einen richtigen Knochenjob verrichten. Servolenkung gibt es in den Bussen nicht, die armen Kerle müssen noch RICHTIG arbeiten. Und auch dieser rast wieder die engen und schmalen Straßen entlang. Es ist ein Wunder, dass hier nicht mehr passiert.Endhaltestelle im Dschungel Kurz vor dem Ende der Fahrt quält sich der Bus einen dermaßen steilen Berg hinauf. Das geht nur noch im ersten Gang. Der Motor heult und jault. Wir befürchten, dass er jeden Moment aus der Motorhaube geflogen kommt. Schlimmer noch wäre, wenn der Motor den Geist aufgibt und wir diesen mörderischen Berg per pedes hinauf stei- gen müssen. Wir drücken die Daumen und gedanklich das Gaspedal mit durch und – geschafft. Wir sind oben. Gott sei Dank. Hier ist schon wieder nur noch Dschungel. Der arme Kerl muss jetzt auf diesem schmalen Weg mit dem großen Bus wenden. Zuvor zeigt er uns aber noch den Weg durch das Dickicht zur Anse Lazio. Jetzt müssen wir uns selbst zu Fuß den steilen Berg hinauf quälen, mitten durch einen Regenwald. Und auch hier sind wir wieder allein. Schon die letzten Kilometer waren wir die einzigen Fahrgäste. Eigentlich müssen wir dem Fahrer mehr als dankbar sein, denn er musste nur wegen uns diesen mörderischen Berg hochfahren. Ja aber irgendwann haben wir auch diesen Anstieg geschafft, wir schnaufen und keuchen. Klar, ich hatte noch schnell eine Zigarette geraucht, für die ich jetzt wieder bestraft werde. Aber auch Uwe keucht.Steiler Aufstieg Ist auch kein Wunder bei der Steigung, der Hitze und der Luftfeuchtigkeit. Wir sind jedenfalls vollkommen durchgeschwitzt und das Wasser läuft wieder wie aus tausend kleinen Quellen aus uns heraus. Aber der Blick, den wir von hier oben haben, auf die von weißem Sand umsäumten Buchten, das herrliche Meer, das mit allen Farbnuancen aufwartet und über den undurchdringlichen Dschungel, der sich wie ein riesiges grünes, wogendes Meer vor uns ausbreitet – das alles ist überwältigend und entschädigt für den etwas anstrengenden Aufstieg. Erstaunlich ist immer wieder, dass wir das alles ohne Karte finden. Aber na ja, man kann sich auch nicht groß verlaufen. Es gibt nicht viele Wege durch den Dschungel. Jetzt führt der Weg fast nur noch bergab. Über große Granitsteine und dicke Wurzeln hangeln wir uns nach unten. Der Weg wird immer schmaler und hin und wieder lugt ein Wellblechdach durch das üppige Grün. Ein junger Mann, ein Einheimischer, kommt uns barfuß entgegen und wir fragen vorsichtshalber, ob das der richtige Weg zur Anse Lazio ist. Wir sind immer noch richtig. So langsam bekommen wir Hunger und wir essen unsere trockenen Brötchen. 2 Flaschen Wasser haben wir schon getrunken. Aber so, wie wir es reinschütten, läuft es ohne großen Aufenthalt im Körper wieder aus uns heraus. Trotzdem gut für mich, der Rucksack wird um einiges leichter. Uwe kraxelt immer wieder auf die hohen Granitfelsen und versucht dort oben, sein Stativ in irgendeine feste Position zu kriegen, um entsprechende Fotos zu machen. Ich sehe ihn schon von dort oben abstürzen! Man kann das Fotografieren auch echt übertreiben. Aber egal, was ich sage, er macht eh was er will. Und dann sind wir endlich unten, am schönsten Strand der Welt. Die Anse Lazio steht unter dem besonderen Schutz der Regierung. Hotels und Gästehäuser dürfen hier nicht gebaut werden. Diese Bucht soll den Gästen vorbehalten bleiben, die bereit sind, die Wege über schlechte Straßen oder durch den Dschungel auf sich zu nehmen.

Anse Lazio Anse Lazio Anse Lazio

Große, glatt polierte Granitfelsbrocken glänzen in der Sonne und werden umspült von türkis- farbenem Wasser. Der Strand ist so weiß, dass man geblendet die Augen schließen muss. Der Sand ist so fein und weich, hier liegt kein Steinchen oder anderes, mit dem man sich die nackten Füße verletzen könnte. Der Anblick ist so kitschig schön, man denkt, man träumt. So was kann es doch in Wirklichkeit gar nicht geben. Kleine weiße Segelboote liegen in der Bucht, die eingerahmt ist von den Granitfelsen. Krumm gebogene Palmen stehen bis ans Wasser heran. Man steht da und kann nicht begreifen, was man hier sieht. Eigentlich ist es viel zu schön um wahr zu sein. Uwe legt erst einmal los mit seiner Fotosession und ich habe dabei die “A-Karte” gezogen. Ich trabe schwitzend hinter ihm her, trage meinen Rucksack, unsere beiden Trekkingsandalen, sein Stativ und teilweise noch seine Fototasche. Bin ich eigentlich blöd? Mensch, was man alles auf sich nehmen muss für ein paar gute Fotos. Und Uwe klettert und balanciert auf den Felsen herum und fotografiert in alle Richtungen. Ich schwitze wie ein Affe und die Klamotten werden auch langsam schwer. Ich komme mir vor wie ein Depp. Die anderen liegen relaxt im Bikini am Strand und ich stapfe triefend wie ein Packesel daher. Endlich, endlich ist Uwe mit seiner Fotosession fertig. Ich glaube, es gibt nicht ein Sandkörnchen, das er nicht fotografiert hat. Ich hätte nicht gedacht, dass er das heute noch vor Einbruch der Dunkelheit schafft. Nun suchen wir uns ein Plätzchen, auf dem wir rasten und einfach nur den Blick genießen können. Und endlich kann ich auch das ganze Gepäck von mir schmeißen. Es ist erstaunlich, es ist gar nicht so viel los hier am Strand. Es verläuft sich alles dermaßen, dass man die Leute ringsherum gar nicht wahrnimmt. Wir essen unsere Orangen, die unheimlich süß und saftig sind. Langsam machen wir uns auf dem Heimweg. Wir laufen jetzt zur Endhaltestelle auf der anderen Seite, die nur ca. 15 Gehminuten entfernt ist. Für den Weg zur Anse Lazio haben wir ca. 45 Minuten gebraucht. Aber auch hier ist der Anstieg wieder vom Feinsten. Meine Güte, solche steilen Straßen kenne ich sonst nur aus San Francisco. Uns läuft das Wasser aus allen Löchern, noch dazu, weil der Weg ohne Schatten ist und die Sonne von oben brennt. Ich kann kaum noch schnaufen, als wir endlich oben angekommen sind. Logisch, jetzt geht es wieder abwärts und jetzt säumen viele Bäume den Weg, so dass wir jetzt im Schatten laufen können. Zum Glück laufen wir zügig durch, ohne Rast zu machen. Denn zeitgleich mit uns läuft auch der Bus ein. Wir ergattern sogar noch einen Sitzplatz. Das ist immer wie ein 6-er im Lotto, denn die Busse sind ziemlich überfüllt und Stehen macht bei dem Gerumpel und Geschaukel keinen Spaß.

Im Bungalow angekommen gönnen wir uns erst einmal ein kaltes Bier. Martin war heute Hoch- seefischen und ist mit einem dicken Fang zurückgekommen. Er hat große Thunfische und Dorados gefangen, die wir erstmal fotografieren müssen. Roy, unser Koch und Kellner, macht sich daran, die Fische auseinander zu nehmen und zu säubern.Fangfrischer Fisch Eigentlich ist das ja ganz interessant, aber mir zu eklig. Ich liebe Fisch – allerdings als Filet auf meinem Teller. Sonst nicht. Ich ziehe mich zurück. Wir machen noch einen kurzen Strandspaziergang, denn die Sonne steht schon ziemlich tief. Es gibt wieder einen glutroten Sonnenuntergang.Seychellen Sunset Die letzten paar Me- ter renne ich was das Zeug hält, um den Fotoap- parat zu holen. Ich bin total aus der Puste und meine Lungenflügel rufen Hallelujah, Sport ist einfach nichts für mich. Aber es hat sich gelohnt, wir konnten noch rechtzeitig genug ein paar schöne Sonnenunter- gangsfotos schießen. Heute Abend wollen wir mal die einfache einheimische Küche probieren, von der die anderen Gäste so schwärmen. Wir haben ein junges Pärchen aus der Schweiz kennen gelernt, die jeden Abend wie verrückt am Strand joggen. Sie haben uns das Take Away empfohlen. Wir duschen schnell und laufen los. Heute ist hier nicht viel los. Wir sind die einzigen Gäste. Wenn wir gleich hier essen wollen, müssen wir zusätzlich 50 Rupie Servicepauschale bezahlen. Das ist uns egal. Ich nehme das letzte Makaronigericht und Uwe gegrillten Fisch mit Reis. Meine Nudeln schmecken gut. Sie werden mit viel frischem Gemüse und mit Rindfleisch serviert. Auch das schmeckt gut, das geht so ein bisschen in Richtung unseres Sauerbratens. Uwe hat einen ganzen Fisch auf dem Teller, der sehr gut schmeckt und scharf gewürzt ist. Für das ganze inklusive 2 Bier bezahlen wir 140 Rupie, das sind 11,60 €.
Wir verbringen den restlichen Abend auf der Veranda bei einem Bier und Tagebuchschreiben. Uwe schreibt derweilen Urlaubsgrüße. Gott sei Dank nimmt er mir das ab, sonst würde ich den ganzen Urlaub nur schreibend verbringen. Heute Abend weht kein Lüftchen. Die Mosquitos sind wie bescheuert und fallen heißhungrig über mich her. Ich sprühe mich erst einmal von oben bis unten mit Autan ein. Kurz bevor wir zu Bett gehen laufen wir noch einmal zum Strand. Wir müssen uns davon überzeugen, dass das Meer noch da ist. Es ist eine Stille, die schon fast unheimlich ist. Das Meer bewegt sich kein bisschen, nicht die kleinste Welle ist zu hören. Nur manchmal hört man die Fische im Wasser plantschen. Wir haben fast Vollmond und der scheint so hell auf das Wasser, dass man den weißen Sandboden durch das Wasser durchschimmern sieht. Gegen 22.00 Uhr gehen wir schlafen. Wir sind abends immer ganz schön geschafft, sicher auch von den durch die Hitze bedingten, anstrengenden Wanderungen.

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