Ein Tag in der Coyote Buttes South

Es war eine kurze Nacht, denn der Wecker klingelt 5.30 Uhr. Heute steht der Besuch der Coyote Buttes South, der Sandsteinhügel (Cottonwood Teepees) in der Paria Canyon – Vermilion Cliffs Wilderness auf unserem Programm. Hierbei handelt es sich um ein Gebiet, für das man eine Besuchserlaubnis, ein Permit, benötigt. Dieses Permit hat Uwe bereits vor 6 Monaten über Internet erworben.
Kurz nach 6.00 Uhr sitzen wir beim Frühstück und 7.15 Uhr sind wir endlich startklar. Eigentlich wollten wir viel früher starten, haben es aber wie immer mal wieder nicht geschafft. Uwe wird heute fahren und wir sind beide schon etwas aufgeregt, da wir eine sehr lange Strecke off road fahren, nämlich 30 Meilen und davon ca. 11 Meilen durch tiefen Sand. Hoffentlich geht alles gut. Kurz vor unserem Urlaub haben wir Abschnitte dieser Tiefsandpassagen im Internet auf youtube gesehen. Und das war alles mehr als abenteuerlich. Unsere Schaufel liegt im Auto, hoffen wir mal, dass wir sie nicht brauchen.

Die Coyote Buttes South ist ein noch relativ unbekanntes und unberührtes Gebiet, da es hierhin keine Pauschaltouristen verschlägt. Der Grund dafür ist, dass dieses Gebiet absolut schlecht zu erreichen ist. Man kann sicherlich einen Guide buchen, der einen in seinem Auto fährt. Aber Uwe und ich sind da sehr schlecht anpassungsfähig, wir möchten immer lieber selbst bestimmen, wann, wohin und mit wem. Also fällt diese Alternative für uns von vornherein aus. Die zweite Alternative ist dann halt das Selbstfahren, was nicht ganz ungefährlich und vor allem irre anstrengend ist. Gefährlich ist in dem Sinne zu verstehen, dass man riesige Probleme bekommt, wenn einem in diesem Gebiet irgendwas passiert, wenn das Auto liegen bleibt. Wenn man dann hier draußen einen Abschleppdienst bemühen muss, dann wird es RICHTIG teuer. Man könnte sicherlich auch zu Fuß in diese Gegend kommen. Aber: Hitze, bergauf durch tiefe Sandpassagen laufen und die Schlepperei des Trinkwassers – da nehmen wir lieber die Gefahr einer Panne auf uns. Und das ist auch der Grund, weshalb sich nur sehr wenige Leute in dieses Gebiet verlaufen. Pro Tag werden 20 Permits vergeben – 10 per Internet und 10 durch eine direkte Verlosung in der Paria Contact Station am Tag zuvor.
Es muss also jedem klar sein, dass es hier draußen keinerlei Versicherungsschutz gibt! Wer hier festsitzt, kann kaum mit fremder Hilfe rechnen! Und (Tri-Band)-Handys, die wir ja nicht einmal haben, funktionieren hier draußen auch nicht. Genauso sind die nächsten menschlichen Behausungen Stunden entfernt. Selbst die Ranger kontrollieren diesen Streckenabschnitt höchstens sporadisch. Man muss sich also sehr gut vorbereiten, wenn man abseits der geteerten Straßen unterwegs ist, und neben ausreichend Proviant und Wasser auch topografische Karten, GPS oder Kompass dabei haben.

Um 8.00 Uhr fahren wir vom Highway ab auf die House Rock Valley Road. Das erste Stück ist bekannt. Hier sind wir bereits vor einigen Tagen gefahren, als wir die Wanderung zum Buckskin Overlock gemacht haben. Uwe fährt sehr rasant, wir wissen ja nicht, was uns noch alles erwartet. Am Wirepass Trailhead, dem Parkplatz zur Wave, wollen wir eigentlich noch einmal die Toiletten benutzen. Die sind aber abgeschlossen. Total blöd. Ich habe immer das Gefühl, dass man beim Befahren dieser Rüttelpisten immer häufiger auf Toilette muss als normal. Flott fahren wir weiter, so flott es eben geht. Wobei ich feststelle, dass dieser zweite Abschnitt – derzeit zumindest, bei diesen Straßen ändert sich der Zustand ja permanent – besser befahrbar ist als der erste Abschnitt.House Rock Valley Road Witzig, rechts und links der Straße stehen Rinder. Ich frage mich, was die hier zu fressen finden. Plötzlich steht so ein Rind mitten auf der Fahrspur, vor unserem Auto. Es ist nicht im Mindestens von der Größe unseres Fahrzeuges beeindruckt und rührt sich keinen Zentimeter von der Stelle. Es glotzt uns ungerührt durch die Scheibe an und bewegt sich auch dann noch nicht zur Seite, als Uwe, langsam zwar, aber immer dichter auffährt. Ich warte schon auf den Aufprall. Uwe haut mal kurz auf die Hupe und da dreht sich das Rindvieh um und sucht das Weite. Wir vergleichen auf der Fahrt permanent unsere Karte mit den Koordinaten und Meilenstandsangaben. Wir haben nämlich bei der Auffahrt auf die House Rock Valley Road unseren Meilenzähler wieder auf Null gestellt, so dass wir die Meilenangaben aus der Beschreibung richtig nachvollziehen können. Zwischenzeitlich fahren wir „in Kolonne“, denn hinter uns fahren noch zwei weitere Fahrzeuge. Als wir vor einiger Zeit einen Pipi-Stopp eingelegt haben, hat uns ein ziemlich großer Jeep überholt. Dies kann nur ein Guide gewesen sein, den jemand für die Fahrt gebucht hat, und der die Strecke im Schlaf fahren kann. Der ist dermaßen über die gravelroad gerast, das kann kein Mietwagen gewesen sein. Jetzt erreichen wir den Abzweig nach Corral Valley. Diese Straße ist eine schmale Gravelroad mit der Bezeichnung BLM1017. Wir sind mitten im Nichts. Außer einer Rinderherde, die hier traurig nach etwas Fressbaren sucht, ist nichts und niemand zu sehen. Die beiden Fahrzeuge, die vorhin noch hinter uns waren, sind auch wieder verschwunden. Wir müssen für 3,1 Meilen auf dieser Straße bleiben, biegen erneut links ab.
Die Wege werden immer schmaler, ob wir wohl je den Rückweg wieder finden? Auf dieser Dirt Road bleiben wir jetzt für ca. 5,3 Meilen und müssten dann an eine Y-Gabelung kommen. Na schau’n wir mal. Eigentlich müsste ich schon wieder ins Gebüsch. Dieses Rütteln und Schütteln im Auto geht ganz schön auf die Blase. Plötzlich stehen wir vor einem verschlossenen Gatter.Fahrt durchs Gatter Vor diesem Gatter weist uns ein Schild darauf hin, dass wir nun in das Gebiet der Cottonwood Teepees fahren und dass es sich hierbei um ein Gebiet handelt, für das eine Tagesgenehmigung erforderlich ist. D.h. hier könnte man nicht mal über- nachten. Ich steige aus, um das Gatter zu öffnen und denke dabei darüber nach, mal eben im Gebüsch zu ver- schwinden, da stehen plötzlich die beiden Fahrzeuge von vorhin wieder hinter uns. Weiß der Geier, wo die jetzt herkommen. Laut Beschreibung müssen wir jetzt unbe- dingt Allrad zuschalten, was Uwe auch tut. Wir fahren durch das Gatter, das vom Fahrer des letzten Fahrzeuges wieder geschlossen wird. Alter Falter, aber jetzt geht es richtig zur Sache! Da war die Fahrt bis hier der reinste Spaziergang! Der Weg ist jetzt keine Straße mehr sondern nur noch eine enge Fahrspur. Das Auto bewegt sich nur noch wie auf Schienen. Der Untergrund besteht nur noch aus tiefem Sand und die Fahrspur ist dermaßen tief, dass unser Fahrzeugunterboden aufsitzt und schleift. Wir walzen in der Mitte alles platt. Die Geräusche machen mir Angst. Uwe heizt jetzt mit maximalem Speed durch diese Fahrrinnen, die zudem auch noch sehr kurvig sind und wie eine Berg- und Talbahn verlaufen. Ich versuche, mich irgendwie im Auto zu verkeilen und suche rechts und links irgendwas zum Festhalten. Der Wagen bricht ständig aus. Wenn es nur Tiefsandpassagen wären, könnte man die Fahrt fast als Kinderspiel bezeichnen. Aber oftmals endet die Tiefsandpassage abrupt und wir fliegen über Felsplatten und große spitze Steine. Uwe kann vorher gar nicht abbremsen, weil wir uns sonst im Sand festfahren würden. Ich schließe jedes Mal die Augen und hoffe, dass wir die steinigen Passagen ohne größeren Schaden überwinden. Uwe ist total angespannt und konzentriert. Kaum hat er die Steinpassagen geschafft gibt er Vollgas und die irre Fahrt geht weiter. Der Wagen schlingert und schwimmt und oftmals merkt man, wie sich die Räder in den tiefen Sand wühlen wollen. Hier kann man wirklich nur Galgenhumor besitzen und singen: „Wir woll’n Spaß, wir woll’n Spaß – wir geben Gas!“ Wir passieren die verlassene Poverty Flat Ranch, was ein Zeichen dafür ist, dass wir immer noch richtig sind. Die Orientierung nach der Karte habe ich schon vor langer Zeit verloren. Tja und dann stehen wir wieder an einer Weggabelung und hier kommt die große Preisfrage auf, rechts oder links? Ist dies jetzt die Y-Gabelung, an der wir links fahren müssen? Auf der Karte ist es nicht so richtig zu erkennen. Laut Koordinaten müssen wir Nord-Nord-West fahren. Aber wer weiß schon, welche verschlungene Wege hier durch die Wildnis führen. Wir beraten uns mit den Insassen der beiden uns immer noch folgenden Fahrzeuge und kommen zu dem Schluss, links zu fahren. Und weiter geht die wilde Hatz, bis wir wieder an einer „Kreuzung“ stehen. Wieder beraten wir uns mit den anderen, die uns wie ein Schatten folgen. Wir sind vollkommen verkehrt, die Anzeige im Auto weist auch darauf hin, dass wir nach Süden fahren. Total falsche Richtung. Die Zeit der Beratung nutze ich und verschwinde hinter den spärlichen Büschen. Ich habe schon Schweißperlen auf der Stirn und halte es nicht länger aus. Wir jagen weiter durch den Sand. Das Auto ächzt und stöhnt und oftmals haben wir eine solche Schräglage, dass ich befürchte, umzukippen. Aber ich glaube, jetzt stimmt unsere Richtung wieder und laut GPS haben wir es gleich geschafft. Jetzt haben wir nur noch eine steile Abfahrt durch ganz tiefen Sand vor uns und Uwe gibt noch mal richtig Gas, um hier mit einem Schwung durchzukommen. Geschafft!!Cottonwood Teepees Ich weiß zwar nicht, wie wir hier wieder rauskommen wollen, aber darüber machen wir uns dann später Gedanken. Jetzt sind wir erstmal angekommen. Es ist 11.30 Uhr. Das heißt, wir sind jetzt 3½ Stunden übelste Rüttelpiste gefahren. Nur gut, dass ich meine Knochen heute Morgen nummeriert habe, so geht das Sortieren jetzt schneller. An die Rückfahrt mag ich jetzt noch gar nicht denken. Auf dem kleinen „Park- platz“ stehen unsere drei Autos, mehr nicht. Von hier aus kann man drei Gruppen der Cottonwood Teepees sehen. Wir ziehen unsere Boots an und packen Getränke und Verpflegung in unsere Rucksäcke. Uwe, der arme Kerl, schnallt dann auch noch sein Stativ an den Rucksack, das diesen noch schwerer werden lässt. Wir entscheiden uns zunächst für die mittlere Gruppe der Teepees und laufen los. Das GPS-Gerät zeigt uns eine Entfernung von 1 km Luftlinie an. Das klingt nicht viel, muss aber erst mal gelaufen werden.Steiler Aufstieg Wir gehen querfeldein auf sehr sandigem Boden, was das Laufen wieder sehr anstrengend werden lässt. Die Tee- pees kommen zwar näher, aber so wirklich kommen wir lange nicht an. Die Teepees liegen leicht erhöht auf einem Plateau. Und dann stehen wir vor den hohen Felsen, deren Köpfe weit über die Prärie schauen. Wir suchen uns einen geeigneten Aufstieg, was auch nicht immer leicht ist. Wir kraxeln und klettern nach oben und wow – haben einen fantastischen Weitblick. Wer sagt, dass die Steinwüste langweilig ist, hat sich noch nie wirklich die Mühe gemacht, genauer hinzusehen. Die Felsen leuchten in allen erdenk- lichen Regenbogenfarben und wir verfallen in den abso- luten Fotowahn. Die Farben und Formen in diesem Gebiet sind einfach einzigartig. Dabei bestehen die Formationen aus filigranen und sehr zerbrechlichen Sandsteinschichten, die schon allein durch die Winderosion mächtig zu leiden haben. Nicht umsonst besteht dieses Gebiet rundherum aus feinem, tiefem Sand. Von daher kann ich die Reglementierung von 20 Besuchern pro Tag durchaus verstehen und begrüßen. Denn jeder Besucher – leider auch wir – zertrampeln diese filigranen Sandsteinschichten.
Zwischenzeitlich hat Uwe auch seinen Halb-und-Halb-Stein gefunden, der auf der einen Seite gelb und auf der anderen Seite pinkfarben leuchtet. Die Mitte des Steins wird durch einen kräftig lila-farbenen Streifen markiert. Dieser dunkle Streifen verläuft dann auch noch in der Verlängerung über die dahinter liegenden Felsplatten.Auf der Suche nach Motiven In dieser Gegend gehen uns echt die Superlativen aus. Ich wage es natürlich nicht, diesen – Uwe’s – Stein abzulichten. Er hat ihn auf diversen Internetseiten gesehen und freut sich schon die ganze Zeit wie ein Kind darauf, diesen Stein zu finden und ihn aus allen und vor allem aber den richtigen Perspektiven zu fotografieren. Da er wiedermal Stunden damit verbringt, sein Stativ in die richtige Position zu bringen, erkunde ich derweilen die nähere Umgebung. Hier kann man wirklich alle paar Meter neue Motive entdecken und andere Aussichten genießen. Bei meiner Erkundung finde ich dann auch noch „meinen“ Halb-und-Halb-Stein. Zugegeben, er ist nicht so perfekt wie Uwe’s, da er im vorderen Bereich abgebrochen ist. Aber dadurch wirkt er nicht unattraktiver, zumal die Farben meines Steins noch intensiver sind. Und auch hier ist der Verlauf der kräftigen Mittellinie schön über die dahinter liegenden Steinplatten zu verfolgen. Und außerdem, dies hier ist mein Stein.
Wir laufen, steigen aufwärts und kraxeln nach unten – kreuz und quer durch diese Wunderwelt der Farben und Formen. An einer geeigneten Stelle machen wir Rast und essen Bananen und Äpfel. Während unserer Pause kommen die beiden Pärchen, mit denen wir im Konvoi die Sandpiste gefahren sind. Wir haben sie schon seit Stunden nicht gesehen. Sie erzählen uns ganz stolz, dass sie für den nächsten Tag ein Wave-Permit haben. Wir können natürlich auch voll Stolz berichten, dass wir ein Wave-Permit für den übernächsten Tag haben. Sie meinten nur, dass ja dann das Wetter nicht so toll sein soll und Regen vorausgesagt ist. Klingt da so ein bisschen Schadenfreude mit?? Na ja abwarten.Der Weird Rock aus einer anderen Perspektive Wir beobachten das Wetter schon seit 14 Tagen und es ist richtig, dass seit 14 Tagen für den 8. Oktober Regen angesagt ist. Aber man hat eh keinen Einfluss darauf, wenn man das Permit bereits 6 Monate im Voraus erhält. Wir sind ja schon glücklich, überhaupt ein Permit erhalten zu haben. Von vielen Leuten hört man, dass sie es schon –zigmal versucht haben und bislang noch nie Glück hatten.
Nachdem wir nun unser Picknick beendet haben und Uwe auch noch seinen Weird Rock gefunden und –zigmal ab- gelichtet hat, steigen wir vom Kamm wieder ins Tal hinunter. Von oben haben wir nämlich ganz unten auch eine kleine Sandsteinwelle entdeckt, die wir nun gern genauer in Augenschein nehmen wollen.Motiv gefunden Es ist immer eine elende Kraxelei. Auf dem Rücken die schweren Rucksäcke, die es uns auch nicht gerade leicht machen, immer die Balance zu halten. Dazu haben wir dann immer noch die Kamera in der Hand, auf die wir auch achten müssen, dass sie nirgends anschlägt. Und Uwe schleppt mittlerweile auch noch das Stativ in der Hand und muss zu allem Übel dann auch noch mich lahme Ente entweder hochzerren oder beim Runterkraxeln abstützen. Er kann einem richtig leid tun.In der CBS-Wave Nachdem wir nun auch hier unten im Tal aus- giebig fotogra- fiert haben und es mittlerweile 14.30 Uhr ist, beschließen wir, uns langsam Richtung Parkplatz zu bewegen. Zu- nächst aber erwartet uns ein ziemlich heftiger Aufstieg, steil nach oben durch tiefen Sand. Diesen kann ich wieder mal nur bewältigen, wenn ich alle 5 Schritte vollkommen erschöpft und keuchend stehen bleibe. Solche Aktionen verzögern den Rückweg natürlich erheblich. Dann gehen wir den gleichen Weg zurück, den wir heute Mittag vom Parkplatz aus genommen haben. Wenn man jetzt so über die Prärie schaut, ist kein Parkplatz zu entdecken. Ich habe Uwe heute Mittag noch einmal zum Parkplatz zurück gescheucht, weil er vergessen hatte, die Parkplatzposition ins GPS einzugeben. Ich meine, irgendwann hätten wir den Parkplatz vielleicht auch gefunden, keine Ahnung, wie viele Meilen Umweg wir aber hätten in Kauf nehmen müssen. Und so gehen wir jetzt stur nach GPS immer in Richtung Parkplatz, den wir wie gesagt noch gar nicht sehen.Bunter Sandstein in der CBS Der Weg will und will kein Ende nehmen. Ich habe das Gefühl, er ist um das Doppelte länger als der Hinweg. 15.30 Uhr haben wir dann unser Auto erreicht. Der Parkplatz ist mittlerweile leer. Außer uns ist nur noch ein junges Pärchen von heute Morgen hier. Mist, die sind auch schon abfahrbereit und damit sind wir dann die Letzten hier draußen. Das bereitet uns schon einiges Unbehagen. Wenn jetzt was passiert, können wir definitiv auf keine Hilfe hoffen. Und vor morgen Vormittag, wenn eventuell die ersten wieder in dieses Gebiet kommen, wird kein anderer den Weg hierher finden. Aber die beiden meinen, sie wollten auf uns warten, so dass wir wieder zusammen fahren können. Möglicherweise fühlen sie sich auch wohler zu zweit. Wir finden das zumindest gut so. Also ziehen wir in Windeseile unsere anderen Schuhe an. Es ist nichts mehr mit Essen oder Pipi. Als erstes müssen wir den sehr steilen Sandaufstieg passieren. Uwe fährt soweit es geht rückwärts, um wenigstens ein bisschen Anlauf nehmen zu können. Alter Falter, die Reifen drehen mächtig durch und das Auto schwimmt. Ich versuche wieder, mich so fest wie möglich im Auto zu verkeilen. Und nun beginnt wieder die wilde Hatz durch den tiefen Sand, die gemeiner Weise hin und wieder von Felsplatten und spitzen Steinen unterbrochen wird. Daumendrücken, dass nichts passiert, kann ich nicht, da ich mich krampfhaft festhalten muss. Es ist schon eigenartig, wir fahren jetzt eine andere Strecke als wir vorhin gekommen sind. Hier draußen gibt es aber auch viele von irgendwelchen kleinen Wegen und alles sieht so gleich aus. Durch die GPS-Daten haben wir ja auch immer nur die ungefähre Himmelsrichtung, die wir beibehalten müssen. Plötzlich kommen wir wieder abrupt zum Stehen, weil so ein blödes Rind mitten auf der Fahrspur steht. Muss dieses Tier ausgerechnet auf dieser sandigen Fahrspur stehen, wo es doch weit und breit Landschaft ohne Ende hat. Und es zeigt sich auch wenig beeindruckt, dass zwei Fahrzeuge auf es zuhalten. Erst im letzten Moment wird die Fahrspur freigegeben. Dann endlich haben wir die 10 Meilen Tiefsandpassage geschafft und Uwe kann nun etwas entspannter fahren. Wir verabschieden uns von dem Pärchen und sind beide heilfroh, dass wir diese mehr als abenteuerliche Fahrt unbeschadet überstanden haben. Wir hätten ja auch eine Fahrt mit einem Guide buchen können. Die hätte dann 75 US$ pro Person gekostet inklusive Fahrt. Der Preis ist für uns nicht mal das Problem. Wir haben halt ein Problem damit, auf irgendwelche Leute angewiesen zu sein, sich nach irgendwelchen Zeitplänen zu halten und in der Herde durch die Gegend zu ziehen. Wir hätten uns jedenfalls nie so fotografisch austoben können. Nein, war schon gut so. Eigentlich wollte Uwe heute Nacht hier draußen im Auto übernachten, um morgen früh zum Sonnenaufgang an den White Pockets zu sein. Die Temperaturen lassen dies aber nicht zu, die nachts auf 7°C fallen. Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich gar nicht so sehr traurig darüber. Ich glaube, die Übernachtung hier hätte mir schon ein wenig Unbehagen bereitet. Andererseits: Wer will einem hier draußen schon was tun? Hier ist doch keiner und kommt auch keiner.

Wir fahren nun die House Rock Valley Road in die andere Richtung als die, aus der wir heute Morgen gekommen sind. Diesen Tipp haben uns die Leute gegeben. Zum einen ist sie hier viel kürzer und auch um vieles besser zu fahren. Wir machen damit zwar einen riesigen Umweg, diesen aber nur auf dem Highway und damit ist es egal. Kurz vor 18.00 Uhr erreichen wir Page und fahren gleich zum Italiener zum Essen. Wenn wir nämlich erst mal im Hotel sind fällt es uns immer schwer, uns noch einmal zum Ausgehen zu motivieren. Die Bedienung heute ist überhaupt nicht auf zack. Ich bestelle mir ein Glas Rotwein (habe ich mir hart erarbeitet) und Uwe einen Saft, jeder einen Salat. Uwe entscheidet sich für Tagliatelle mit Lachs und ich mit Pilzen und Huhn. Die Dame stellt uns den Salat hin, hatte aber vorher nicht gefragt, welches Dressing wir wollen. Wir haben einfach Essig und Öl bekommen. Ich lasse meinen Salat gleich zurückgehen, weil ich Essig und Öl nicht möchte sondern blue cheese. Dann bekommen wir unser Essen, das heute eine Enttäuschung ist. Es fehlt total der Geschmack. Ich habe ein riesiges Stück Hühnerbrust mitten auf meinen Nudeln liegen. Ich stochere ein wenig in den Nudeln herum und gebe beizeiten auf. Die Kellnerin war nicht ein einziges Mal an unserem Tisch um sich zu erkundigen, ob alles in Ordnung ist. Auf die Rechnung müssen wir ewig warten. Dafür gibt es heute kein Trinkgeld, nicht einen Cent. Im Hotel angekommen müssen wir erst einmal gründlich Körperpflege betreiben. Jeden Nachmittag frischt der Wind zu starken Böen auf und hüllt uns in dicke Sandwolken ein. Ich könnte wieder Sandburgen bauen auf meinem Kopf. Wir haben immer unsere Hetze, unsere Kameras zu schützen.

Jetzt überspielen wir noch die Fotos vom heutigen Tag, was lange dauert. Es sind heute über 300. Das Internet ist schon den ganzen Tag down, wir können keine Emails abrufen. Ziemlich erschlagen gehen wir 21.30 Uhr zu Bett. Uwe ist total fertig, der arme Kerl musste ja nun auch die Fahrten bewältigen. Aber es war ein ganz fantastischer Tag, bei tollem Wetter mit blauem Himmel und Sonnenschein in einer spektakulären Gegend. Nur die Temperaturen könnten ein wenig wärmer sein.

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