Eine Mondlandschaft auf Erden – Bisti Wilderness Area

Heute schlafen wir aus und stehen erst nach 07.00 Uhr auf. Nach dem Frühstück im Hotel versuchen wir einen Supermarkt zu finden. Aber so richtig gelingt uns das nicht. Wir finden letztendlich einen Laden, in dem wir Wasser kaufen können. Uwe und ich nehmen noch ein zweites Frühstück im Pancakehouse ein (Eier, Speck und unsere geliebten Hash Browns). Wir haben heute eine etwas längere Wanderung in der Bisti Wilderness Area vor und Uwe hat schon angedeutet, dass es heute vor dem Sonnenuntergang nicht zurück geht.

Gegen 11.00 Uhr verlassen wir das Hotel. Das Wort Bisti entstammt der Sprache der Navajo Indianer und bedeutet so viel wie schlechtes Land. Bei erster Betrachtung kann man tatsächlich zu diesem Schluss kommen. Die Landschaft ist karg und fast vegetationslos. Außer einigen Gräsern und Büscheln wächst hier nichts. Die ganze Gegend ist geprägt von farbigen Lehmhügeln. Es ist die reinste Mondlandschaft. Hier findet man die merkwürdigsten und skurrilsten Gebilde aus Stein und Lehm und vor allem jede Menge Hoodoos. Dieses Gebiet ist absolut einzigartig. Verstärkt wird dieses Gefühl durch die Stille, außer den großen schwarzen Raben, die hin und wieder über uns hinweg ziehen und laut krächzen, ist hier draußen kein Laut zu hören.

Als wir auf dem Parkplatz ankommen steht bereits ein Auto hier und ein Ehepaar macht sich auf den Weg in die Bistis. Wir gehen zunächst auf die andere Seite.Auf dem Parkplatz Nach einer ca. 10-minütigen Wanderung im Alamo Wash erreichen wir ein Plateau, in dem Unmengen von Hoodoos mit bizarren Formen stehen. Hier kann sich Uwe schon mal austoben. Für mich ist es wirklich schwer, auch mal ein Foto von Uwe zu machen. Zum einen trägt er heute eine Weste, die sich farblich an die Hoodoos anpasst und zum anderen läuft er immer in gebückter Haltung, immer auf der Suche nach dem ulti- mativen Foto. Gerade, wenn ich ihn anvisiert habe, zack, ist er wieder hinter einem Hoodoo verschwunden. Ich glaube, jetzt haben wir jeden einzelnen Stein fotografiert und begeben uns nun auf unsere eigentliche Wanderung durch die Bistis.
Uwe hat sein Garmin GPS programmiert und das Auto als Wegpunkt markiert. Ich hoffe inständig, dass das Gerät nicht aussteigt und vor allem, dass Uwe es beherrscht. Das Gebiet der Bistis ist so groß und durch die vielen Hügelketten absolut unübersichtlich. Zunächst überqueren wir den breiten Wash und laufen auf die Hügelkette direkt vor uns zu.Wir wandern durch eine Mondlandschaft Das erste Fotomotiv, auf das Uwe ganz wild ist, sind Hoodoos mit einer braunen Bauchbinde. Wir kraxeln die steilen schwarzen Hügel hoch und müssen auf der anderen Seite gleich wieder runter. Die Sonne knallt von oben runter, Schatten gibt es hier nirgends. Mein Rucksack zieht mächtig nach hinten. Ich habe allein schon 6 Flaschen Wasser drin. Dadurch wir diese Hügelkette überquert haben, haben wir uns von dem Hauptwash entfernt und kraxeln jetzt in den Badlands herum.Wir suchen uns einen Weg zwischen den Hoodoos Ich glaube, es gehört nicht viel dazu, hier die Orientie- rung zu verlieren. Uwe hat sein GPS immer am Mann und ich hoffe und bete, dass es uns später dann auch zum Auto zurück bringt. Nachdem wir etliche steile Hügel rauf und runter geklettert sind, haben wir die Stelle gefunden, an der die Hoodoos stehen. Ich bin immer wieder auf’s Neue fasziniert, was doch die Natur alles zustande bringt. Die Hoodoos erreichen eine Höhe von 3 Meter oder mehr. Diese Steinsäulen müssen aus ganz harten Gestein sein, denn Wind und Wasser haben in Millionen Jahren die weichen Schichten außen herum abgetragen und nur noch diese skurrilen Formen stehen lassen. Im oberen Bereich dieser Hoodoos befindet sich ein brauner Ring, der von Mineralienablagerungen zeugt. Der Witz an diesen Hoodoos ist die braune flache Steinplatte, die obenauf meist auch noch frech schief, wie eine Kappe liegt. Wir tauchen immer tiefer in die Badlands ein. Manchmal laufen wir ganz oben über die gelb- und ockerfarbenen Badlands und der Blick reicht bis zum Horizont.

Auf der Suche nach dem richtigen Motiv Bisti Arch Wir bestaunen die unendliche Weite

Vor uns liegen rote, schwarze oder weißgestreifte Hügel. Die Farbenpracht ist einmalig und die Landschaft lässt sich nicht mit Worten beschreiben, noch dazu jemanden, der noch nie hier im Südwesten war und die Größe und Dimensionen nicht erlebt hat.
Die Wanderung ist anstrengend, obwohl die Temperaturen nur mit knapp über 20°C angegeben sind, brennt die Sonne unbarmherzig von oben. Das Hoch und Runter über die steilen und oftmals hohen Hügel ist ganz schön schweißtreibend. Unser nächstes Ziel ist der Bisti Arch.Beim Fotografieren erwischt Dazu müssen wir wieder den Haupt- bzw. Alamo Wash überqueren. Der Arch, den wir schon auf Fotos gesehen haben und der dort riesig und gewaltig erscheint ist nur ein ganz kleiner. So kann man sich täuschen. Aber nichtsdestotrotz wird er fotografisch von uns festgehalten. Hier machen wir ein kleines Picknick und laufen dann den Wash weiter ostwärts zum Eagles Nest. Dabei überqueren wir immer wieder hohe und weniger hohe Hügel, oftmals ist es schwierig, einen Abstieg von den Hügeln zu finden, bei dem man sich nicht unbedingt den Hals bricht.Warten auf den Sunset Die Landschaft ist atem- beraubend sowie spektakulär, sei- nesgleichen wird man anderswo nicht finden. Nachdem wir Eagles Nest erreicht und aus allen Perspektiven fotografiert haben, drehen wir um und laufen zu den Cracked Eggs. Hier will Uwe bis nach dem Sonnenuntergang verweilen. Bis dahin sind es aber noch gut 1½ Stunden. Man kann sich nicht mal ein schattiges Plätzchen suchen, denn hier gibt es keinen Schatten. Die Sonne versinkt langsam undCracked Eggs-Fotograf wir sitzen hier in der Pampa, mutter- seelenallein und meilenweit entfernt von jeglicher Zivilisation. Die Badlands fangen an zu leuchten, Uwe hat sein Stativ bereits in Position gebracht und fotografiert die Cracked Eggs in minütlichen Abständen. Mittlerweile glüht alles um uns herum. Ganz schnell packen wir alles zusammen, als die Sonne untergegangen ist. Jetzt liegen nur noch 2,6 km Weg durch die Badlands vor uns, bis wir wieder am Auto sind. Vorzugsweise würde ich das gern beim letzten Tageslicht laufen. Wir haben zwar Taschenlampen dabei, aber durch die Badlands in der Dunkelheit zu laufen ist nicht spaßig. Ständig muss man tiefe Gräben überspringen oder durch sie hindurch laufen.Ein Lichtstreifen am Horizont Das macht sich bei Tages- licht alles viel besser. Wir sind ganz allein hier und in der Dämmerung ist das alles etwas unheimlich. Wir laufen sehr schnell. Keine Ahnung, ob wir das Tempo mit mir lahmen Ente durchhalten. Meine armen Lungenflügel müssen ganz schön arbeiten, zumal ich ja sonst das ganze Jahr über faul und bewegungslos bin. Wir erreichen unser Auto, das ebenso einsam in der Wildnis steht, mit den letzten Strahlen des Tageslichtes. Hinter uns ist alles schon pech- schwarz, nur im Westen ist noch ein schwacher Lichtstreif am Himmel zu sehen. Wir sind jedenfalls ganz stolz, dass wir die 2,6 km über Stock und Stein in 30 Minuten geschafft haben. Das ist für uns eine absolute Bestzeit.
Wir fahren durch die Nacht nach Farmington zurück, das wir nach ca. 1 Stunde erreichen. Wir beschließen, gleich so wie wir sind, bei Dennys schnell etwas zu essen. Ich bestelle mir einen Salat und Uwe bestellt sich ein Truthahnsandwich für Senioren. Ich glaube, die Portion ist die gleiche, nur der Teller ist kleiner.
Um 21.30 Uhr kommen wir todmüde im Hotel an. Jetzt nur noch schnell duschen und dann ins Bett, denn morgen früh müssen wir beizeiten raus. Gegen 23.00 Uhr löschen wir das Licht. Es war ein einmalig schöner Tag mit unvergesslichen Erlebnissen in einer unvergleichlichen Natur.

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