Auf der Suche nach “Hobgoblins´ Playground”

Heute stehen wir erst 7.30 Uhr auf. Wir haben beschlossen, zu Little Finland zu fahren. Laut Uwe’s Bibel, den Buch von Peter Felix Schäfer – oder hat er diese Informationen irgendwo anders aus dem Internet? – fährt man ca. 1 Stunde off road und man soll die Gesteinsformationen erst abends fotografieren. Also lassen wir uns Zeit und schreiben, bevor wir das Hotel verlassen, eine Grußmail an unsere Freunde und Verwandte über den Teich. Ich habe auch gleich die Zeit noch genutzt und habe eine Email an Meiers Weltreisen geschrieben und den Aufpreis, den wir für den Jeep zahlen mussten, reklamiert. So ist es bereits 11.00 Uhr, als wir das Hotel verlassen. Heute ist Uwe’s Fahrtag und ich steige artig auf den Beifahrersitz. Wir fahren ca. 45 Minuten auf dem Highway und verlassen diesen dann auf eine Gravelroad, die immer mal wieder kleinere geteerte Passagen aufweist. Aber die Straße lässt sich sehr gut fahren. Strasse ins NirvanaHier müssen wir auch keine Bedenken haben, wenn wir diese heute Abend im Dunklen zurückfahren müssen. Das erste Stück der Straße läuft parallel zum Virgin River, der allerdings teilweise ausgetrocknet ist. Woher die immer wieder auftauchenden feuchten Stellen bis „fast Tiefwasser-Stellen“ herkommen, ist mir ein Rätsel. Schon allein auf dieser Straße sind wir 1½ Stunden unterwegs. Das letzte Auto inklusive Men- schen drin haben wir vor 2 Stunden gesehen. Das war, als wir den Highway verlassen haben. Man muss aber auch erst mal darauf kommen, den Highway genau an dieser Stelle zu verlassen und einer gewundenen Straße in die Berge zu folgen. Wie oft haben wir uns gefragt, was uns wohl erwarten würde, wenn wir einfach mal den Highway verlassen und irgendeiner kleinen off road Straße in die Wildnis folgen würden. Na ja, heute werden wir es erfahren, zumindest für diese eine Straße. Diese Straße zieht sich jedenfalls durch eine einsame Gegend, in der es eigentlich auch nichts Spektakuläres zu sehen gibt. Irgendeiner muss doch lange vor uns bereits auf die Idee gekommen sein, diese Straße zu fahren und auf gut Glück in diesem riesigen Gelände nach Fotomotiven zu suchen und irgendwo noch weiter draußen irgendwas zu entdecken, was von Interesse sein könnte. Wir erreichen den Abzweig Whitney Pocket. Abzweig Whitney PocketHier müssen wir uns rechts halten. Allerdings braucht man viel Fantasie und Gott- vertrauen, um sich zu einer Weiterfahrt zu entschließen. Unsere Else ist schon seit geraumer Zeit ziemlich beleidigt mit uns und sucht ständig Straßen, wo keine sind und gibt Streckenanweisungen, die nie im Leben der Welt stimmen. Jetzt ist genug, wir schalten sie ab, sie nützt uns hier draußen in der Pampa eh nix mehr. Uwe hatte sich bereits zu Hause sehr viel Arbeit gemacht und die Strecken aus Google Earth ausgedruckt. Zudem haben wir auch noch eine Wegbeschreibung dabei. Wir fahren jetzt einen Weg entlang, der gerade mal so breit ist wie unser Auto. Ehrlich gesagt ist mir himmelangst. Der Weg ist furchtbar steinig und das Schlimme daran ist, dass die Steine sehr groß und sehr spitz sind. Wir bewegen uns wie auf einer Achterbahn, rauf und runter und dabei geht es sehr kurvig zu. Und da der Weg so schmal ist, zerkratzen wir unser Auto rechts und links durch die harten Wüstengewächse, die die „Straße“ säumen. Wüstengewächse säumen den WegIch bin angespannt wie ein Flitzebogen und befürchte ständig, dass wir uns hier über den spitzen Steinen einen Reifen platt fahren. Den könnte man hier überhaupt nicht wechseln. Der Weg nimmt und nimmt kein Ende. Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich mir die Orientierung hier draußen leichter vorgestellt habe. Wenn man so zu Hause sitzt und die Planung macht, die Anfahrtsbeschreibung liest und sich dann dazu den Weg in Google Earth an- schaut, dann erscheint einem alles logisch und problemlos. Wenn man dann aber hier draußen in der Wildnis ist und keine weitere Orientierung oder Hinweisschilder hat, da treten einem schon die Schweißperlen auf die Stirn. Denn schließlich sind wir mindestens 3 Autostunden von der Zivilisation entfernt und es ist nicht unbedingt damit zu rechnen, dass es hier irgendwann zu einer rush-hour-ähnlichen Situation kommt. Der schmale Weg führt jetzt rechts in einen Wash. Ist das jetzt schon die Stelle, an der wir scharf rechts abbiegen müssen? Wir studieren unsere Karten und das GPS-Gerät. Wir sind uns zwar nicht sicher, denken aber, dass wir rechts fahren müssen. Na, jetzt wird es erst richtig spaßig!! Im Wash gibt es stellenweise lange Tiefsandpassagen. Hier fährt Uwe Vollgas, bis die Tiefsandpassagen wieder in eine feste Schotterpiste mit großen, spitzen Steinen übergehen, auf der wir wieder eher langsam fahren müssen. Mittlerweile halte ich das GPS-Gerät in der Hand und versuche, die Richtung zu verfolgen. Die Nadel zur Zieleinstellung zeigt eindeutig in die entgegengesetzte Richtung. Da aber nur Luftlinie angezeigt wird und wir nicht wissen, wie der Wash weiter verläuft, fahren wir erstmal weiter. Es kann ja sein, dass der Wash irgendwann einen Bogen macht und dann in die richtige Richtung verläuft. Es ist bereits 15.00 Uhr und wir irren hier seit 2 Stunden herum, vollkommen orientierungslos. Ich glaube das alles nicht, wie blöd wir uns wieder anstellen. Es hat bald keinen Sinn mehr, die Felsformation von Little Finland weiter zu suchen. 18.30 Uhr ist Sonnenuntergang. Bis dahin müssen wir mindestens auf der breiten Gravelroad sein. Enttäuschung macht sich breit. Sind wir echt zu blöd, eine Gegend nach GPS zu finden?? Nun sind wir schon so lange unterwegs, soll das alles umsonst gewesen sein? Wenn wir nur im Entferntesten geahnt hätten, was uns hier erwartet und dass die Strecke durchaus länger als nur 1 Fahrstunde ist, wären wir viel eher gestar- tet und hätten heute Morgen nicht so lange herum getrödelt. Nach einer kurzen Beratung kommen wir zum Schluss, dass wir wenden und es noch einmal in der entgegengesetzten Richtung versuchen. Also fahren wir die ganze Strecke wieder zurück, d.h. eigentlich ist es mehr ein Schwimmen durch den hohen Sand. Wir passieren die Stelle, an der wir vorhin scharf rechts gefahren sind und fahren weiter geradeaus. Der Wash fährt sich auch in dieser Richtung nicht wirklich besser. Offraod zwischen hohen FelsenIch schaue zwar immer angestrengt in die Google-Earth-Karte und die Wegebeschreibung, aber mittlerweile haben wir beiden keinen Plan mehr, wo wir eigentlich sind und welche Stelle auf der uns vorliegenden Karte wir gerade passieren. Ich kann nur hoffen, dass wir heute Abend hier wieder herausfinden. Darüber möchte ich mir jetzt noch gar keine Gedanken machen. Hysterisch kann ich auch später noch werden. Es ist bereits kurz vor 16.00 und Uwe macht immer noch keine Anstalten zum Wenden. In der Beziehung ist er aber auch so was von stur, er will halt unbedingt Little Finland finden, koste es was es wolle. Der Wash wird jetzt breiter und ist rechts und links gesäumt von großen, tiefroten Felsen, die ganz plötzlich einfach da sind. Hier möchte ich wenigstens fotografieren, vielleicht ist es ja das Letzte, was ich heute tue, schluchz. Ich fokussiere einige schöne Exemplare und versuche, sie in die übrige Landschaft einzupassen und achte dabei auch brav auf die Bildgestaltung und – ich will gerade den Auslöser drücken, da habe ich plötzlich ein Auto mitten im Bild. Habe ich jetzt schon Panik-Halluzinationen oder wieso ist da ein Auto da? Es ist tatsächlich ein Auto, ein anderes, nicht unser Auto. Das gibt es doch gar nicht. Ich warte, bis mein Fotomotiv wieder „sauber“ ist und drücke den Auslöser erneut. In der Zwischenzeit ist Uwe schon ausgestiegen und geht auf das Auto zu. Ein einzelner Mann, der sich als Roland aus der Schweiz vorstellt, will auch zu Little Finland. Er hat dieselben Beschreibungen und Karten wie wir im Auto liegen und ist ebenso unsicher, ob er hier richtig ist. Wir beschließen, nun gemeinsam zu suchen. Irgendwie sind wir jetzt etwas beruhigter, dass wir nicht mehr so allein sind. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man als Stadtmensch (na gut, Dorfmensch) stundenlang in einer sich selbst überlassenen Wildnis unterwegs ist ohne Ausschilderung. Da beschleicht einen schon so ein kleines Angstgefühl, weil da immer die Frage ist: Was ist wenn: das Auto eine Panne hat; man nicht wieder herausfindet; und und und. Ja, ja Uwe und Gaby unterwegs in der großen weiten Welt. Vielleicht kann ich heute Abend darüber lachen, wenn wir wieder wohlbehalten im Hotel zurück sind. Momentan hat sich der Knoten in meinem Bauch noch nicht aufgelöst. Nachdem wir nun weitere 10 Minuten gefahren sind erreichen wir tatsächlich den beschriebenen Parkplatz. Von hier aus müssen wir noch ca. 700 m zu Fuß gehen und dann über einen Stacheldrahtzaun klettern. Nachdem diese Hürde geschafft ist gehen wir noch einen Berg hinauf und sind da, wo wir den ganzen Tag schon hin wollten. Little Finland. Little FinlandWieso heißt das eigentlich so? Ich habe nachgelesen: Fins bedeutet auf deutsch Flossen, also Flossenfelsformation. Ja und klein sind sie auch. Wir sind ganz erstaunt. Wir haben schon so viele Fotos von diesen Felsformationen bewundert und man denkt immer weiß Gott wie groß sie sind. Dabei handelt es sich um kleine, grazile und fragile Steinfor- mationen, die man über eine schmale Felskante erreicht. Und dann steht man mittendrin im Land der Dämonen, Dino’s und Teufel – Hobgoblins´Playground. Man muss sich hier auch ganz vorsichtig bewegen, sonst bricht der fragile Sandstein. Unbeschreiblich traumhaft und einzig- artig sind diese von der Natur geschaffenen Gesteins- formationen. Fantasievolle Menschen können hier von Dinosauriern über Drachen noch vieles mehr entdecken. Was natürlich wieder ganz toll ist: Zusammen mit uns sind auch die bedrohlich schwarzen Wolken angekommen und umarmen liebevoll die Sonne. Mensch, da könnte man doch wirklich heulen. Da irren wir nun den halben Tag in der Pampa herum, um tolle Fotos zu schießen und wenn man dann endlich den Ort der Begierde erreicht hat, macht einem das Wetter einen dicken Strich durch die Rechnung. Wir versuchen in den wenigen kurzen Momenten, in denen sich die Sonne aus der Wolkenumarmung befreien kann, so viele Fotos wie nur möglich zu machen. CandleholderDas ist alles gar nicht so einfach, weil die Felskante, auf der man sich bewegt, sehr schmal ist. Außerdem besteht immer die Gefahr, dass die fragilen Steine zerbrechen. Leider können wir uns hier gar nicht lange aufhalten. Die schwarzen Wolken ziehen be- drohlich, von einem starken Wind getrieben, sehr schnell in unsere Richtung. Der Wind ist mittlerweile so stark, dass uns manche Böen fast von der schmalen Kante wehen. Wenn es jetzt noch zu regnen beginnt, und danach sieht es aus, haben wir echt verloren. Dann kommen wir hier nämlich nicht mehr raus und müssten die Nacht im Auto verbringen. Wir signalisieren Roland, dass wir uns auf den Rückweg machen. Offensichtlich beabsichtigt er, hier draußen zu übernachten. Rasch laufen wir zum Auto zurück und treten die Rückfahrt an. Diese gestaltet sich ebenso abenteuerlich wie die Hinfahrt. Uwe heizt wie ein Verrückter über Sandpassagen und spitze Steine, bis wir an die Stelle kommen, an der wir den Wash wieder verlassen und auf den ganz schmalen Weg müssen. Zwischenzeitlich habe ich den Dreh auch raus, wie ich mich am besten im Auto „verkeilen“ kann, um nicht zu sehr hin und her geschüttelt zu werden. Morgen habe ich bestimmt Muskelkater. Ich hoffe nur, dass wir die breite Gravelroade noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen. Allerdings werden wir unterwegs immer wieder aufgehalten. Die untergehende Sonne, die jetzt unter der schwarzen Wolkendecke hervorlugt, taucht die Landschaft in ein märchenhaftes Licht. Nevada SunsetDie Berge glühen und die vor uns liegende Wüste mit ihren Yoshuabäumen und Grasbüscheln leuchtet in allen erdenklichen Farben. Es ist unbeschreiblich, diese Vielfalt und Intensität der Farben! Immer wieder müssen wir einfach stehen bleiben, um noch Fotos zu machen. Dabei müssten wir uns eigent- lich beeilen, aus dieser off-road-Strecke herauszukommen. Endlich haben wir das grauslige Stück geschafft und fahren auf die breite Gravelroad auf. Der Mond ist zwischenzeitlich aufgegangen und das letzte Tageslicht erhellt die Felsen gerade noch so, dass sie einen fast mystischen Eindruck erwecken. MoonlightEs ist die so genannte blaue Stunde und dazu der Vollmond, ein unvergesslicher Anblick. Natürlich müssen wir auch hier noch für diverse Fotos halten. Es ist gespenstisch still um uns herum, wir fühlen uns ganz klein und sehr einsam. Jetzt geht es allerdings sehr schnell, dass das letzte diffuse Licht der absoluten Dunkelheit weicht. Wir sind umgeben von einer Schwärze, die man in Deutschland so nie erleben wird. Hier findet das Sprich- wort, dass man die Hand vor Augen nicht sehen kann, seine wahre Bedeutung. Wir sind, wie schon den ganzen Tag, wenn man mal von Roland absieht, mutterseelenallein. Hin und wieder huscht ein Tierchen über die Straße. Es müssen kleine Hasen, Jackrabbits, sein, deren glühende Augen uns dann aus dem Gebüsch anfunkeln. Die sind sicher auch ganz erschrocken, hier auch noch andere Artgenossen anzutreffen. Die Straße zieht sich endlos. In der Schwärze der Nacht kommt uns die Strecke doppelt so lang vor. Wir haben Hunger, der Magen knurrt im Rhythmus mit den surrenden Rädern, die über die Schotterpiste rollen. Wir knabbern aus lauter Verzweiflung Kekse, die zwar lecker sind, aber gegen den Hunger nicht wirklich helfen. Ein Königreich für ein Restaurant. Selbst einen McDonald würde ich jetzt mit Kusshand nehmen! Aber hier draußen gibt es nichts, gar nichts. Nach ca. 1 Stunde Fahrt durch die Dunkelheit haben wir endlich den Abzweig erreicht, von wo man dann wieder auf den Highway auffährt. Heute Morgen bereits hatten wir uns überlegt, evtl. zum Abendessen nach Mesquite zu fahren. Overton hat ja die unschlagbare Auswahl von 2 Restaurants, das Sugars, das heute geschlossen hat, und einen McDonald. McDonald ist grund- sätzlich erstmal die allerletzte Wahl, wenn es dann so gar keine Alternativen mehr gibt. So wie vorhin in der Wildnis. Also nehmen wir den Umweg nach Mesquite in Kauf in der Hoffnung, dort andere Alternativen zu finden. Unsere Mägen rebellieren mittlerweile ganz gewaltig. Wir müssen uns auch erst wieder daran gewöhnen, morgens ganz zeitig Marmeladentoast und Müsli zu essen und tagsüber nur mit etwas Obst und Keksen auszukommen. Dazu kommen dann auch noch die durch die Hitze bedingt anstrengenden Wanderungen. Lange Rede – kurzer Sinn, wir haben jetzt einfach Hunger. Und so fahren wir nach Mesquite ab. Obwohl wir uns nun wieder auf einer offiziellen Straße, sogar mit Mittelstreifen, befinden, kommt uns kein anderes Fahrzeug entgegen. Ich weiß nicht, ob hier überhaupt jemand wohnt oder lebt und wo die ganzen Menschen sind, die nach der Größe des Ortes Mesquite zu urteilen da sein müssten. Uwe verfällt somit in die absolute Ent- spannung. Dass er dabei nicht noch die Augen schließt ist auch alles. Er beschäftigt sich momentan gerade sehr eingehend mit der Suche nach dem Tempomat am Lenkrad und schaut kein Stück vor sich auf die Straße. Nur gut, dass ich ein so aufmerksamer Beifahrer bin. Vor uns schlendert nämlich ein Rind über die Straße und das in einer Gemütsruhe. Uwe bekommt von alledem nichts mit, er sucht noch immer sehr konzentriert seinen Tempomat. Ich schrecke Uwe mit einem Brüller aus seiner Lethargie, der ihn in hektischer Betriebsamkeit zu einer Vollbremsung veranlasst. Das Rind lässt sich von uns aber überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. So ein dummes Ding – das hätte aber einen Schlag getan, mit Verlusten sicher auf beiden Seiten. Wo das bloß herkommt? Man sieht aber auch nichts, alles nur schwarz, nach allen Seiten. So langsam und allmählich beruhigt sich unser Pulsschlag wieder. Wer hätte auch damit gerechnet, dass das erste Zeichen der Zivilisation ein spazieren gehendes Rind ist. Dann sehen wir vor uns Mesquite. Entlang dieses mehr als kleinen Flusses, dem Virgin River, haben zähe mormonische Einwanderer Siedlungen errichten lassen. Eine davon, an der Grenze zwischen Nevada und Arizona gelegen, ist Mesquite. Nicht nur die Lage mitten in der Wüste macht Mesquite zu etwas Besonderem, auch die Lage auf der Grenze zu Arizona. So gilt ab der Grenzlinie eine andere Zeitzone. Damit gehen die Uhren in einem Teil der Stadt um eine Stunde anders, als in einem anderen Teil. Wenn man also nun die Interstate 15 entlang fährt erstrahlt Mesquite dank der großzügigen künstlich bewässerten Golfplätze in frischem Grün in einem Tal. In Mesquite findet man auch außerhalb von Las Vegas die meisten Spielcasinos. Aber diese sind nicht Ziel unserer Begierde, sondern einfach nur ein Restaurant. Wir fragen unsere Else nach Restaurants in der Nähe und wählen aus allen Alternativen das Restaurant „Bella Pizza“ aus. Ja, Nudeln oder Pizza für heute klingt mehr als gut. Else führt uns durch den Ort, der wie die meisten Orte sehr lang gezogen an einer Straße liegt. Irgendwann erklärt sie uns, dass wir unser Ziel erreicht haben. Tja, hier ist aber nichts. Entweder ist das alte Mädchen immer noch beleidigt, weil wir den ganzen Tag lang ihre Instruktionen ignoriert haben, oder aber das Restaurant gibt es nicht mehr. Wir hatten aber auf der anderen Straßenseite, einige Meilen vorher, ein mexikanisches Restaurant gesehen, zu dem wir jetzt hinfahren. Das Restaurant ist gemütlich und landestypisch. Wir sind die einzigen Gäste und werden von zwei mexikanischen Mädchen bedient. Abendessen beim MexicanerEine von ihnen spricht leider nur spanisch, da können wir nur bedingt mithalten. Ich bestelle ein Bier, Uwe Cola. Mensch tut das gut nach dem vielen, mittlerweile warmen Wasser, das wir den ganzen Tag getrunken haben. Mit den Getränken erhalten wir gleich noch eine große Schale Salsa und einen ebenso großen Korb Tacos. Damit können wir uns die Wartezeit auf unsere Speisen vertreiben. Uwe entscheidet sich für Chicken Fajitas. Schon allein von seiner Portion kann eine Großfamilie satt werden. Er bekommt 4 Tortillas, eine große Pfanne voll gebratenem Huhn und Gemüse und einen großen Teller mit Bohnen und Salat. Das Huhn und Gemüse haben in der Pfanne noch gedampft und gezischt, als es serviert wurde. Ich habe mich für „Papa Burrito“ entschieden, eine riesige Tortilla gefüllt mit Schweinefleisch, Gemüse und grünem Chili. Das ganze dann noch mit Käse überbacken, dazu Tomatenreis und Bohnen. Auch von meiner Portion könnte man eine 5-köpfige Familie ernähren. Abendessen beim MexicanerBlöderweise haben wir die ganzen Tacos und die Salsa vorneweg aufgegessen, eben weil es so lecker war und wir richtig Hunger hatten. Nun schaffe ich nicht mal 1/3 meiner Portion und mir fliegt fast der Hosenknopf weg. Ich quäle mich noch bis zur Hälfte der Tortilla und lasse dafür die Bohnen und den Tomatenreis links liegen. Meine Bemühungen, Uwe noch etwas von meinem Gericht aufzuschwatzen, schlagen fehl. Die Mädels sind ganz enttäuscht und ich muss mich mächtig anstrengen, sie zu überzeugen, dass es nicht am Essen liegt sondern dass ich ganz einfach pappsatt bin und einfach nicht so viel essen kann. Unsere mitteleuropäischen Mägen sind einfach für solche riesigen Portionen nicht ausgelegt. Die Speisen sind aber total lecker und haben fantastisch geschmeckt. Uwe schnauft und schwitzt mir gegenüber auch entsetzlich, dass mir richtig angst wird. Wir zahlen für dieses fantastische Essen inklusive der Getränke und Trinkgeld gerade mal 30US$. Das ist unschlagbar günstig. Wir schleppen unsere dicken Bäuche ins Auto, das jetzt ganz schön in die Knie geht und fahren ohne weiteren Zwischenstopp nach Overton. Hier kommen wir 21.30 Uhr im Hotel an. Uwe ist ganz schön platt. Die off-road-Fahrerei in der roten Einöde war doch sehr anstrengend. Wir ziehen uns noch ein Bier rein und liegen nach einem Sprung unter der Dusche um 22.30 Uhr im Bett. Augenblicklich sind wir eingeschlafen.

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