Steinzelte & Hoodoos – Ein erlebnisreicher Tag bei den Kasha-Katuwe Tent Rocks und im Gebiet des Ah-shi-sle-pah

05:30 Uhr klingelt der Wecker. Ich habe heute Nacht mächtig gefroren. Ist aber auch kein Wunder bei der Kälte draußen. Ich hatte gestern Abend versucht, die Heizung anzustellen, aber da kam nur kalte Luft raus und ich habe ganz schnell wieder abgedreht. Kurz nach 06:00 Uhr gehen wir zum Frühstück und sitzen 07:30 Uhr im Auto. Rosi hat heute ihren Fahrtag. Wir fahren aus Santa Fe raus und Richtung Westen zu den Tent Rocks oder auch Kasha-Katuwe genannt. Einfahrt ins Kasha-Katuwe Tent Rock N.M.Sie liegen in der Nähe des Cochiti Pueblo am Rande der Jemez Mountains. Charakteristisch für dieses Gebiet sind die vielen konisch geformten hellen Felsen. Sie erinnern an große runde Zelte oder Teepees und erreichen eine Höhe bis zu 30 Meter. Der Ursprung dieser seltsamen Formationen waren gewal- tige Vulkanerruptionen. Die Folge davon war die Ab- lagerung einer 300 m dicken Schicht aus Bimsstein, Tuff und Asche. Besonders schön erkennt man diese grau, beige und rötlich gefärbten Ablagerungen an den ge- streiften Felswänden. Wasser und Wind gruben im Laufe der Zeit immer tiefere Furchen und Rinnen in das weiche Gestein und führten so zur Entstehung der engen Schluchten und schmalen Slot Canyons.
Erschlossen wird dieses geologische Wunderland durch zwei Wanderwege. Wir sind 08:20 Uhr die ersten Besucher an diesem Tag und entscheiden uns für den 1,5 Meilen langen Canyon Trail (eine Strecke). Wir haben einen stahlblauen Himmel und die Sonne ist schon angenehm warm. Dieses National Monument wird von Indianern verwaltet und wir haben einen Obolus von 5,- US$ ent- richtet. Wir laufen den gut ausgeschilderten Weg entlang und bewegen uns auf die majestätischen Felstürme zu.Info-Tafel im Kahsa-Katuwe N.M. Ein großes Schild berichtet von den Tieren, die hier beheimatet sind: Koyoten, Schwarzbären, Jack Rabbits und eine Anzahl von Schlangen. Dass es hier Bären geben muss habe ich bereits an den Mülltonnen erkannt. Das sind nämlich alles bärensichere Tonnen und die Deckel sind extra gesichert. Auch Rosi wusste sie nicht zu öffnen.Fotografieren im Slot Canyon Nun tauchen wir ein in den Slot Canyon. Die oberen Spit- zen der Tent Rocks werden von der Sonne angestrahlt und leuchten fast weiß. Der untere Teil liegt im Schatten. Das sind äußerst schwierige Lichtverhältnisse zum Fotografieren. Der Canyon wird immer enger und an manchen Stellen hat man mit den dicken Rucksäcken richtig Probleme. Die Wanderung wird heute auch noch dadurch erschwert, dass Uwe zusätzlich zu seiner Fotoausrüstung auch noch das Stativ und ich vier Flaschen Wasser auf dem Rücken trage.Unterwegs im Slot Canyon Und der Rucksack lässt sich schleppen. Egal, da müssen wir durch. Zwischenzeitlich hat Uwe auch noch sein Stativ ausgepackt und die Kamera darauf befestigt. Für ihn wird es jetzt noch kompli- zierter, sich durch den teilweise weniger als einen Meter breiten Canyon zu schlängeln, einen fetten Rucksack auf dem Rücken, das sperrige Stativ in der Hand und zu guter Letzt auch noch über riesige Felsbrocken steigen. Er quält sich redlich und bricht sich beim Fotografieren bald den Hals. Am Ende des Slot Canyons weitet sich die Schlucht zu einen großen Amphitheater mit vielen großen und wunder- schön geformten Felskegeln.Steinzelte Aus diesem Kessel führt ein kurzer, aber steiler Pfad in vielen Serpentinen hinauf auf das 200 m höher gelegene Canyonplateau. Obwohl ich keine Zigarette geraucht habe schnaufe ich wie eine alte Dampflok. Der Rucksack wird immer schwerer. Endlich ist der Aufstieg geschafft. Der Ausblick ist atemberaubend.Grandiose Aussicht Wir stehen auf diesem Hochpla- teau und direkt zu unseren Füßen fallen die Felsen fast senkrecht 200 m in die Tiefe. Puh, ich kann gar nicht runter schauen, da wird es mir schwindlig.Picknick nach der Wanderung Wir machen eine kurze Rast, essen einen Apfel und ma- chen uns danach langsam auf den Rückweg. :-) Für den Hinweg wa- ren wir ca. zwei Stunden unter- wegs, was aber an den vielen Fotos lag, die Uwe ge- schossen hat. Den Rückweg schaffen wir in 40 Minuten. Wir können wirklich froh sein, dass wir so zeitig losgegangen sind. Als wir auf dem Rückweg sind, kommen uns ganze Völkerscharen entgegen. Und das in dem engen Slot Canyon. Kurz vor 12:00 Uhr sind wir wieder am Auto und machen ein kurzes Picknick. Wir haben Würstchen und Brot und vor allem großen Hunger.

Gegen 12:20 Uhr verlassen wir den Park Richtung Farmington. Vor uns liegen 268 km, die Rosi erstmal hinter uns bringen muss. Wir wollen auf dem Weg nach Farmington noch ein Gebiet ansehen, das sich Ah-she-sle-pah nennt. Für dieses Gebiet gibt es keine Karten. Uwe hatte sich die Koordinaten aus dem Internet geholt. Erst mal fahren wir aber den Interstate 25 Richtung Albuquerque und biegen aber vorher auf den Highway 550 ab, als wir plötzlich an einem Polizeiauto vorbei fahren und der Polizist uns zuwinkt. Rosi fährt rechts ran und hält. Nach einer ganzen Weile kommt der Polizist zu uns und meint, wir hätten nicht halten müssen, er wollte nur andeuten, dass wir langsamer fahren sollen, wenn an der Straße ein Polizeiauto steht. Na, ich glaube, da ist ihr doch ein Stein vom Herzen gefallen. Auf der ganzen Strecke gibt es nirgendwo einen Rastplatz. Ich würde eigentlich ganz gern mal eine rauchen. Endlich kommen wir direkt mal durch einen langgezogenen Ort und Rosi hält vor einem Cafè.Rötliche Mesas säumen den Weg Also Kaffee muss ich jetzt nicht haben. Wenn auf der weiteren Strecke wieder keine Rastplätze kommen, weiß ich ja mit dem Kaffee gar nicht wohin ;-) und weiter geht die Fahrt. Eigentlich unbegreiflich, wir sind seit zwei Stunden mit Tempo 70 Meilen unterwegs und haben gerade einen Ort passiert. Landschaftlich ist die Fahrt ganz fantastisch. Dieses weite Land, im Moment noch flach und grasbewachsen, wird abrupt unterbrochen von Mesas und Buttes, deren Gestein rötlich glänzt. Kurze Zeit später wird diese Szenerie abgelöst von hohen, runden Felsen, ähnlich wie dicke Zelte, die grau-weiß leuchten. Man kann sich nicht satt sehen.

Ganz erschrocken sind wir alle, als sich unsere Else (so haben wir unser TomTom genannt) auf einmal wieder zu Wort meldet. Stundenlang ist Ruhe im Auto. Naja, was will sie auch sagen, wenn der Highway nicht mal eine Kurve macht. Jedenfalls schreit Else auf einmal los, wir sollen links abbiegen. Machen wir doch Else, beruhige dich! Wir verlassen den Highway und folgen der Asphaltstraße noch ein kleines Stück. Dann stehen wir vor der Qual der Wahl aus drei unbefestigten Straßen und Else schickt uns mit einer Bestimmtheit in eine Richtung, die keinen Widerspruch zulässt. Wir merken sehr bald unseren Irrtum, denn wir stehen auf einem Gehöft. Uwe steigt aus, um die Gegend nach einer anderen Straße abzusuchen – vergeblich. Die zum Gehöft gehörenden Hunde schlagen an und bellen, was das Zeug hält. Wir wenden und fahren zu der Stelle zurück, an der uns Else eben in diese Richtung geführt hat und plötzlich schickt sie uns eine andere Strecke. Sie könnte sich ja wenigstens entschuldigen. Also wenn das der richtige Weg sein soll heiße ich Max. Dieses riesige Gebiet ist Indianer Reservation, auf dem die Indianer sehr verstreut leben. Aber wenn man mal einen braucht, um nach dem Weg zu fragen, ist natürlich keiner da.
Else gibt unkontrollierte Anweisungen, nun rechts oder links abzubiegen, wo überhaupt nichts abzubiegen ist. Wir entscheiden uns dann für etwas, was wie ein Weg aussieht, passen mit dem Auto gerade so durch zwei Bäume durch und stehen dann vor einem ausgetrockneten Flussbett, wo es auf der anderen Seite fast senkrecht hoch geht. Rosi streikt und steigt aus. Uwe ist stur und will nicht aufgeben. Keine Ahnung, wie er da hoch kommen will. Der Untergrund ist auch sehr sandig. Er schaltet Allrad zu und fährt langsam los. Rosi war den Berg bereits zu Fuß hochgelaufen. Mit vor Entsetzen geweiteten Augen schaut sie herab und schüttelt den Kopf. Ich halte mich rechts und links fest. Der Jeep gerät ganz schön in die Schräglage. Die Motorhaube zeigt senkrecht in den Himmel. Oh Gott, das kann nicht gut gehen. Aber ganz langsam quält Uwe den Jeep hinauf. Geschafft!!! Hätte ich nicht für möglich gehalten. Aber auch Uwe wischt sich den Angstschweiß von der Stirn. Und Else hat wieder die große Klappe und gibt Anweisungen, in welche Richtung wir nun zu fahren haben. Also wirklich gewonnen haben wir nichts außer dem Wissen, dass unser Jeep tatsächlich geländetauglich ist.
Wir irren kreuz und quer über die Badlands. Die Orientierung haben wir schon lange verloren und Uwe fährt nur noch nach Gefühl. Else dirigiert mal wieder einen Weg entlang, der tatsächlich ein Weg zu sein scheint. Dem folgen wir, nachdem wir vermutlich auch ein Privatgrundstück überquert haben.Ein großes Tor versperrt den Weg Zumindest steht hier eine Hütte, ein Auto und außerdem war sowas wie eine Ein- und Ausfahrt mit Autoreifen gekennzeichnet. Else weist uns darauf hin: „Am Ende der Straße links abbiegen.“ Toll, hier ist ein großes verschlossenes Tor gesichert mit Stacheldraht. Na klasse, wenn wir jetzt den ganzen Weg zurück fahren müssen, könnte man sagen, wir haben den Hauptgewinn! Ich steige aus und sehe, dass hier durchaus die Möglichkeit besteht, den Zaun zu umfahren. Die Umfahrung gestaltet sich wieder sehr abenteuerlich, der Jeep gerät mächtig in Schräglage, aber dann steht der Jeep auf einer breiten nicht asphaltierten Straße mit der Nummer 7820. Plötzlich meldet sich Else auch wieder zu Wort und schickt uns, als wäre nichts geschehen, diese Straße entlang. Wir suchen noch sehr lange den Abzweig, der zum Ah-shi-sle-pah führen soll und entdecken nach weiteren 10 Minuten eine Fahrspur, die ins Nichts zu führen scheint. Diesen Spuren folgt Uwe wie auf Schienen und wir rumpeln unserem Ziel entgegen. Gott sei Dank ist heute schönes Wetter. Bei Regen hat man hier aber verloren. Ich glaube, wir haben trotz Unfähigkeit unserer Else das Ah-shi-sle-pah-Gebiet gefunden.Ah-shi-sle-pah Bei diesem Gebiet handelt es sich um farbige Badlands und skurrile Hoodoos, bei denen die Farben Gelb, Ocker und Orange vorherrschen.
Hier gibt es sogar so etwas wie einen kleinen Parkplatz. Uwe aktiviert sein GPS-Gerät.Eine kurze Rast zwischen Hoodoos Wir überqueren einen Badland – Hügel und direkt vor uns in einem Tal liegen bzw. ste- hen die gelb- und ockerfarbenen Hoodoos. Es ist ein toller Anblick. Wir klettern hi- nunter und verschwinden zwischen den Hoodoos. Hier kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen und erkennt die wunderlichsten Gestalten in den skurrilen Figuren.Ah-shi-sle-pah Sunset Es ist bereits nach 16:00 Uhr und von daher haben wir zum Fotografieren das beste Licht. Wir halten uns eine knappe Stunde auf und dank dem GPS haben wir recht schnell heraus und unser Auto gefunden.
Uwe übernimmt die Fahrt bis Farmington, da es jetzt bald dunkel wird. Und da Rosi und ich zwei nachtblinde Hühner sind, bleibt ihm nichts anderes übrig. Zunächst aber müssen wir aus den Badlands heraus finden. Unsere Else will uns wieder wild abbiegen lassen, rechts und links, wo aber auch gar nichts abzubiegen ist. Unser Fazit zur Else: Mit einem normalen “Straßennavi” wie dem TomTom o.ä. ist dieses Gebiet nur schwer zu finden. Hier sollte man auf ein richtiges GPS-Gerät zurückgreifen.
Uwe bleibt jetzt auf dem Schotterweg 7820. Zwischendurch kommen uns auf unserer Fahrbahn einige herrenlose Mustangs entgegen.Mustangs am Wegesrand Unsere Entschei- dung, auf dieser Piste zu bleiben war goldrichtig, denn nach ca. 30 Minuten erreichen wir den Highway 550, von dem wir vor Stunden in die Badlands abgebogen sind. Jetzt haben wir noch ca. eine Stunde bis nach Farmington zu fahren, dem heutigen Ziel. Wir wechseln auf den Highway 64 und fahren jetzt nach Westen. Da die Sonne kurz vor dem Untergang steht hat man es als Fahrer bzw. Beifahrer unheimlich schwer. Sie steht direkt vor uns und leuchtet uns ins Gesicht wie eine Flutlichtanlage.La Quinta Inn Um 19:30 Uhr haben wir das La Quinta Inn, unser Hotel für die nächsten zwei Nächte, erreicht. La Quinta haben wir zum ersten Mal gewählt und ich muss sagen, hier kann man auch gut übernachten. Die Zimmer sind groß und geräumig und wir haben ein schönes breites Kingsize-Bett. Dem Hotel direkt gegenüber ist ein Pancake House, wo wir rasch zu Abend essen gehen. Danach verabschieden wir uns von Rosi und trinken noch ein Bier, das leider warm ist, da wir erstmals keinen Kühlschrank haben. Wie jeden Abend überspielt Uwe unsere Fotos auf den Laptop und checkt die e-mails. Der Internetempfang ist nicht beson- ders, ständig bricht alles ab. Gegen 23:00 Uhr liegen wir ziemlich müde im Bett.

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