Land der Kontraste – Namibia 2013

Unsere Reiseroute

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Tirasberge Tirasberge Tirasberge Sossusvlei Deadvlei
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Fahrt in den Etosha N.P. Etosha N.P. Etosha N.P. Etosha N.P. Etosha N.P.
Etosha N.P. Etosha N.P. Etosha N.P. Fahrt nach Windhoek Leoparden & Geparden
Rückreise & Fazit

1. Tag => Anreise

Übernachtung: Airbus A340 | Verpflegung: gut

Wir haben etwas früher Feierabend gemacht und sind bereits gegen 14:00 Uhr zu Hause. Jetzt geht es schnell noch einmal unter die Dusche, die letzten Handgriffe werden erledigt. Unsere Reisetaschen und Rucksäcke hatten wir gestern bereits gepackt. Sie stehen im Flur bereit und scharren schon mit den Hufen.
Wir sind beide ziemlich angespannt. Die Verkehrsmeldungen, die wir schon seit Stunden verfolgen, versprechen eine anstrengende Fahrt nach Frankfurt durch viele Baustellen. Praktischerweise werden Baustellen grundsätzlich immer vor Feiertagen und langen Wochenenden eröffnet. Gegen 17:00 Uhr erreichen wir das Hotel in Frankfurt, in dem wir für die nächsten 3 ½ Wochen unser Auto parken wollen. Der Flughafenshuttle steht mehr oder weniger auch schon bereit, so dass wir ohne großen Aufenthalt gleich weiter zum Flughafen fahren. Da wir gestern Abend bereits den Online Check-In gemacht haben, sind wir ruck zuck unser Gepäck los.
Ich bin vielleicht froh, dass das alles so reibungslos geklappt hat. Es ist jedes Mal eine Zitterpartie, wenn man tagsüber noch arbeitet und abends den Flieger erwischen muss. Wir entscheiden uns, noch eine Kleinigkeit zu essen, obwohl wir beide keinen großen Hunger haben. Aber es dauert noch eine ganze Weile, bis wir unser Boardmenü genießen dürfen. Bevor wir zu unserem Abflugsgate aufbrechen machen wir noch einen kleinen Rundgang durch den Duty Free. Wir gehen an Bord einer A340 der South African Airline, die 21:45 Uhr starten soll, aber erst nach 30 Minuten Verspätung startet. Der Platzbedarf für eine Holzklasse ist sehr gut. Der Hintern passt bequem in die Sitze und für die Beine reicht der Platz auch aus. Wir sitzen glücklicherweise in einer 2er Reihe, Uwe am Fenster, ich am Gang. In einem kleinen Beutel finden wir Flugsocken, Zahnbürste und –creme. Endlich haben wir Starterlaubnis, aber bis unsere Maschine die Startbahn erreicht hat, fahren wir gefühlte 2 Stunden über den Frankfurter Flughafen. Dachte schon, wir fahren bis nach Johannesburg durch.
Das Abendessen ist nicht schlecht, Boardmenü halt. Wir essen irgendwas mit Huhn, trinken einen Gin Tonic und direkt zum Essen einen südafrikanischen Rotwein (Pinotage), der sehr gut schmeckt. Nach dem Essen quält Uwe seine Spielkonsole und ich wollte mir eigentlich den Film „Der Schlussmacher“ anschauen, bin darüber aber eingeschlafen. Keine Ahnung, ob es am Rotwein oder Film lag. Wirklich angenehm ist, dass die Maschine nicht so stark herunter gekühlt wurde. Wir haben tatsächlich ca. 6 Stunden geschlafen. Der Flug selbst war absolut ruhig, wir haben selten einen so ruhigen Flug gehabt.

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2. Tag => Windhoek

Übernachtung: Windhoek | Hotel: Terra Africa | Lage: zentral | Ausstattung: gut | Frühstück: sehr gut | Service: sehr gut

Zum Frühstück gibt es Rühreier, Brokkoli, Kartoffeln, Joghurt, Marmeladenbrötchen und Obst. Es ist nicht gerade der Hit, eben Boardmenü. Trotz verspäteten Abflugs landen wir um 07:25 Uhr pünktlich in Johannesburg. Auf dem Flughafen müssen wir den Transitbereich nicht verlassen. An der Passkontrolle hat sich bereits eine lange Schlange gebildet und wir haben immer unsere Abflugszeit nach Windhoek im Auge. Die Wege, die wir noch zurücklegen müssen, sind doch recht lang und wir passieren jede Menge großer Duty Free Läden. Obwohl wir den Transitbereich nicht verlassen haben müssen wir trotzdem noch einmal einen Sicherheitscheck passieren. Als wir das dann auch endlich hinter uns gelassen haben bummeln wir noch kurz durch einen „Big Five“, einen der sehr großen Duty Free Läden und gehen dann zu unserem Abflugsgate. Hier sitzen wir nun und warten auf unseren Weiterflug. Endlich kommt der Aufruf zum Boarding, das hier sehr chaotisch zugeht und auch sehr lange dauert. Diesem Chaos verdanken wir eine weitere Verspätung von mindestens 10 Minuten, bevor unsere Maschine, eine B737, endlich um 9:45 Uhr Johannesburg verlässt. Wir sitzen in einer 3er Reihe, Uwe in der Mitte, ich am Gang. Wir haben jetzt noch einmal einen zweistündigen Flug nach Windhoek vor uns und sind hundemüde. Das Essen ist mäßig und das ist schon ambitioniert ausgedrückt.
Trotz Verspätung in Johannesburg landen wir um 11:35 Uhr doch relativ pünktlich in Windhoek. Wir können es kaum erwarten, jetzt endlich aus dieser Kiste herauszukommen, obwohl auch dieser Flug wieder mehr als ruhig war. Endlich, endlich werden die Türen geöffnet und wir betreten namibischen Boden.
Die Einreise geht wieder sehr chaotisch vonstatten. Anstatt die Einreiseformulare bereits im Flieger auszuteilen (so wie das alle anderen Fluggesellschaften machen) und die Leute die Formulare dann ausfüllen zu lassen, wenn sie sowieso gelangweilt in der Maschine sitzen, muss man sich hier die Formulare von einem unübersichtlichen Stapel entnehmen. Der Flughafen Windhoek ist auch nicht viel größer als eine bessere Scheune, Sitzgelegenheiten – keine vorhanden. Also schubst und drängelt jeder mit seinem noch auszufüllenden Formular in dem kleinen Raum von einer Ecke in die andere. Ich suche derweilen hektisch im Handgepäck nach einem Stift, kann natürlich so schnell keinen finden, obwohl ich mindestens 5 Kulis dabei habe. Uwe ist bepackt mit seinem überdimensional schweren Rucksack, dem Duty Free Beutel und meiner Handtasche. Zwischenzeitlich hatte ich dann endlich einen Kuli gefunden und muss nun die beiden Formulare ausfüllen. Dazu braucht man logischerweise auch die Pässe und zu allem Übel hat jeder von uns nur 2 Hände. Das sind dann immer die Momente, in denen ich platzen könnte. Erschwerend kommt natürlich auch noch dazu, dass wir beide übermüdet und maulig sind. Super! Wir lieben Urlaub! :-) So schnell es irgendwie geht, schmiere ich unsere Daten in das Formular und dann nichts wie hin zu den Damen der Einreisebehörde. Nach uns ist nämlich noch eine Maschine gelandet. Unser Gepäck kreiselt bereits die wievielte Runde auf dem Gepäckkarusell. Wir sind jedenfalls happy, dass alles da ist.
Nun gilt es die nächste Hürde zu nehmen – wir brauchen Geld. Wir haben nicht einen Cent namibischen Geldes dabei. Hier auf dem Flughafen gibt es einen Geldautomat. Man kann sich also bildlich vorstellen, wie lang die Schlange der Wartenden davor ist. Und hier müssen wir uns jetzt auch erst einmal anstellen. Bei vielen Reisenden vor uns funktionieren die Karten nicht. So, nun sind wir an der Reihe, rein mit der Karte, PIN eingegeben und siehe da, es geht. Das Geld kommt raus. Na Gott sei Dank. Wir können zwar jeder nur 2000 Namibische Dollar ziehen, was ca. je 140,- € entspricht, aber besser als gar nichts.

Windhoek Airport Unser Toyota Hilux Unser Toyota Hilux

Es ist eine Affenhitze und wir schwitzen wie verrückt in unseren langen Klamotten. Die Luft hier im Flughafen steht. Von hier aus müssen wir Avis suchen, denn bei Avis haben wir unser Fahrzeug gebucht. Relativ schnell haben wir den Schalter gefunden und oh Wunder, vor uns steht keiner, wir sind derzeit die einzigen hier. Der junge Mann ist sehr aufmerksam und erklärt uns alles ganz genau, vor allem die Versicherungsbedingungen, bei welchen Unfällen die Versicherung zahlt und wann nicht. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sie eher nicht zahlt und das frage ich den jungen Mann auch. Er grinst und meint, wir müssten uns halt nur an die Regeln halten. Gut zu wissen! ;-) Es ist aber alles ganz entspannt. Ich weiß nicht, wie viele Unterschriften Uwe leisten muss und hoffe, dass er nicht nebenbei noch eine Waschmaschine gekauft hat. Nach ca. 30 Minuten haben wir nun auch das Prozedere des Mietvertrages hinter uns gebracht und werden gleich von einem weiteren Mitarbeiter ins Schlepptau genommen, der uns vor dem Flughafen in sein Auto verfrachtet. – Immer noch keine Zigarette! – Dieser Mitarbeiter fährt uns zum Fahrzeugdepot, wo wir von einem weiteren Avismitarbeiter in Empfang genommen werden. Hier nehmen wir zum ersten Mal unser Fahrzeug in Augenschein. Wow! Das ist so riesig, es würde mich nicht wundern, wenn wir hierfür einen LKW-Führerschein brauchen. Und dann auch noch weiß, wo wir doch die nächsten 3 ½ Wochen nur durch roten Sand fahren. Na bravo! Der Angestellte nimmt sich sehr viel Zeit, uns das Fahrzeug zu erklären. Zunächst untersuchen wir das Fahrzeug auf evtl. Vorschäden wie Kratzer o.ä. und begutachten den Zustand der Reifen. Die scheinen ganz okay. Dann lassen wir uns zeigen, wo das Werkzeug, Wagenheber u.ä. ist, wo wir das Ersatzrad finden und vor allem, wie wir es lösen können. Es befindet sich nämlich am Unterboden. Als wir dann endlich mit der Inspektion und Einweisung fertig sind lassen wir noch Wasser für die Scheibenwischanlage nachfüllen. Tja, ich dachte ja nun, wir sind soweit und können los. Denkste Puppe! Nein, jetzt werden wir ins Büro gebeten, bekommen Kaffee und Kekse angeboten und werden nun noch einmal genauestens über das Fahrverhalten und unfallfreies Fahren in Namibia instruiert. 87 % aller Straßen sind Gravelroads und 90 % aller Unfälle von Touristen passieren ohne Fremdverschulden. D.h. kein Unfall mit anderen Fahrzeugen, Menschen oder Tieren sondern einfach nur falsches Fahrverhalten. Na prima Junge, du machst uns ja Mut! Er informiert uns auch darüber, dass wir einen Sender im Auto haben, der überhöhte Geschwindigkeiten sofort an Avismeldet. Die totale Überwachung also. Ich muss sagen, so viel Zeit haben wir noch nie in einer Vermietstation verbracht. Wollen wir mal hoffen, dass wir keine Panne und keinen Unfall haben.
Mittlerweile ist es 13:30 Uhr und nun dürfen wir endlich unser Gepäck ins Auto packen und mit dem riesigen Schiff das Gelände verlassen. 2 Stunden nach der Landung, das ist eindeutig Rekord. Unsere “Else” gibt uns die Ankunftszeit in unserem ersten Gästehaus mit 14:00 Uhr an. Wir haben jetzt ca. 45 km vor uns.
Wir haben bei dieser Reise auch Neuland betreten und sämtliche Unterkünfte von einer Internet-Agentur „Protea Tours“ buchen lassen. Wir haben zwar genau vorgegeben, wann wir wo und wie lange übernachten wollen, die Buchung aber über die Agentur machen lassen. Nachdem wir uns im Internet belesen und festgestellt hatten, dass es in Namibia wohl nicht ganz so einfach ist, Antworten und Buchungsbestätigungen zu erhalten, wollten wir uns diesem Stress nicht aussetzen. Einige Unterkünfte waren Vorschläge von “Protea Tours”, die meisten Unterkünfte hatten wir allerdings vorgegeben und wollten davon auch nicht abweichen. Einen weiteren Vorteil hat die ganze Sache natürlich auch noch: Wir haben damit das Gros der Reise bereits bezahlt.
Die Fahrt vom Flughafen nach Windhoek ist reichlich unspektakulär. Außer natürlich für Uwe, der sich doch sehr konzentrieren muss, so übermüdet wie wir sind, im Linksverkehr dieses riesige Schiff zu fahren. Das einzige, was wir als spektakulär empfinden sind die ersten Tiere. Richtige, echte Tiere! Und das mitten auf der Straße bzw. am Straßenrand – in Form von Affenhorden. Diese blöden Affen turnen mit einer Selbstverständlichkeit am Straßenrand herum. Hier heißt es mächtig aufpassen.
Je näher wir Windhoek kommen, umso stärker wird der Verkehr. Wobei man hier nicht wirklich von einem starken Verkehr sprechen kann. Windhoek ist eine sehr überschaubare kleine Hauptstadt, in der es sich recht gut zurechtfinden lässt. Der Name Windhoek ist Afrikaans und leitet sich von „Windecke“ oder „windige Ecke“ ab.
Es dauert gar nicht lange und wir erreichen das Gästehaus Terra Africa. Ein großes Rolltor verschließt das Grundstück. Die Mauer, die das gesamte Grundstück umschließt, ist mit Stacheldraht ausgelegt. Das ist doch etwas befremdlich, obwohl wir das noch aus Südafrika in Erinnerung haben. Ich steige aus, klingele und das Rolltor wird geöffnet. Wir können in den Innenhof einfahren. Hier sind Parkplätze für ca. sechs Autos vorhanden. Wir werden von Marianne, der Besitzerin des Gästehauses, sehr herzlich begrüßt. Sie bietet uns einen Willkommenstrunk an. Es ist ein leckerer Frucht-Cocktail, sehr schön kalt.
Sie zeigt uns zunächst unser Zimmer. Wir haben Zimmer Nummer zwei. Das Zimmer ist sehr schön geräumig, hat ein großes Doppelbett, einen kleinen Schreibtisch, einen relativ großen Flachbildschirm (ich möchte wissen, wer den hier braucht) und ein geräumiges Badezimmer. Eine große Terrassentür führt hinaus in den Garten. Zunächst inspizieren wir den Garten. Der ist wunderschön angelegt, hat viele Nischen und Ecken mit verschiedenen Sitzgelegenheiten angefangen von großen Korbmöbeln über bequeme Liegestühle und auch vier große Liegen, auf denen man sich ausruhen kann. Ein relativ großer Swimmingpool lädt zum Baden ein. Leider werden wir hierfür keine Zeit haben. Zwischen den einzelnen Beeten sind schöne Wasserläufe und kleine Wasserfälle angelegt, ebenso ein Teich, in dem wunderschöne Seerosen wachsen.

Terra Africa - unser Zimmer Terra Africa - der Pool Terra Africa - Relaxliegen

Wir laden unser Gepäck aus dem Auto und nehmen erst einmal eine erfrischende Dusche. Das tut nach einem so langen Flug unheimlich gut. Anschließend beabsichtigen wir noch einkaufen zu gehen. Wir haben uns das recht kurzfristig überlegt, da wir morgen Früh doch recht zeitig in die Kalahari abreisen wollen. Wir ziehen uns um und fahren in die Maerua Einkaufsmall, die nur ca. 2 Autominuten von unserem Gästehaus entfernt ist. Uwe hat im Gästehaus bereits festgestellt, dass unsere Adapterstecker doch nicht in die namibischen Steckdosen hinein passen. Hummel Dumm lässt grüßen! :-) Also werden wir uns auch noch Adapter kaufen müssen. Rund um die Mall geht es ziemlich chaotisch zu. Der Eingang der Einkaufsmall ist eine riesige Baustelle.
Die Einkaufsmall ist riesig. Zunächst stoßen wir auf einen großen Supermarkt (Checkers), den wir dann zum Schluss aufsuchen werden. Wir laufen zunächst die gesamte Mall ab, und schauen uns die vielen anderen Geschäfte an. Allerdings haben wir nicht die Absicht, hier irgendetwas zu kaufen, dazu sind wir viel zu müde. Wir gehen also zurück in den Supermarkt und müssen uns zunächst orientieren. Wir hatten uns glücklicherweise bereits im Flugzeug einen Einkaufszettel geschrieben, so dass wir hoffentlich nichts vergessen. Tja, lange Flüge haben auch so ihre Vorteile. ;-) Wir brauchen Getränke, sprich Wasser, Cola und Bier. Wir brauchen trockene Erbsen für Uwe’s Foto-Bohnensack. Ein paar Kekse, Kosmetikartikel (wir haben auch erstmals keine Kosmetikartikel aus Deutschland mitgebracht) und Adapter. Das alles haben wir innerhalb 1 Stunde dann doch gefunden und können zur Kasse gehen. Wir sind wirklich angenehm überrascht von diesem sehr gut sortierten Supermarkt. Aufgrund der immer strenger werdenden Gepäckbeschränkungen im Flugzeug hatten wir dieses Mal überhaupt keine Kosmetikartikel mitgenommen. Aber hier können wir alles kaufen, was wir brauchen, sogar unsere favorisierten Marken wie Nivea und Dove.
Wir fahren mit unserem Einkauf zurück ins Gästehaus und bringen unsere Einkaufsschätze ins Zimmer. Irgendwie sind wir jetzt doch ganz schön angeschlagen und müde und haben eigentlich gar keine Lust mehr, nach Windhoek reinzufahren. Da wir die letzten beiden Tage auch nochmal in der Nähe von Windhoek sind, werden wir uns die Windhoek-Besichtigung für das Ende unserer Reise aufheben. Wir lümmeln den restlichen Nachmittag im Garten auf den bequemen Korbmöbeln herum und beobachten die wunderschönen, bunten Vögel. Irgendwie fehlt uns sogar die Energie, mit dem Tele Jagd auf die Vögel zu machen.
Marianne fragt uns nach unseren Plänen fürs Abendessen. Sie hat auf dem Tresen einige Restauranttipps liegen, aus denen wir uns für diverse Restaurants entscheiden können. Unsere Entscheidung fällt letztendlich auf Joe‘s Bierhaus, das auch in jedem Reiseführer angepriesen wird. Marianne bietet an, sich um ein Taxi für uns zu kümmern, so dass wir unser Auto stehenlassen können. Das Taxi soll uns 18:00 Uhr abholen. Als wir zur vereinbarten Zeit zur Rezeption kommen, treffen wir ein weiteres Ehepaar aus Holland. Marianne macht uns mit den beiden bekannt, die auch zum Abendessen in Joe’s Bierhaus wollen. Sie meint, wir können ja zusammen fahren und uns die Kosten teilen. Da sich Holländer allgemein mit der deutschen Sprache sehr schwer tun, unterhalten wir uns in Englisch. Das Taxi kommt pünktlich, wobei der Wagen mächtig verwatzt ist. Aber gut, wir wollen ja keine 3 Wochen mit ihm unterwegs sein. Der Fahrer fährt einen ziemlich heißen Reifen, wir halten so manches Mal die Luft an. Und so sind wir recht schnell an Joe’s Bierhaus angekommen.
Irgendwie war mir gar nicht bewusst, wie groß dieses Restaurant eigentlich ist. Hier drin kann man sich tatsächlich verlaufen. Überall ist die Rede von einem Pub, dementsprechend (klein) hatten wir uns diesen auch vorgestellt. Aber Joe‘s Bierhaus hat eine ordentliche Größe mit immerhin Platz für ca. 500 Gäste. Es ist sehr rustikal, aber auch sehr gemütlich, obwohl es so groß ist. Hier werden jeden Abend um die 500 Liter Bier ausgeschenkt, darunter auch deutsches.
Die beiden Holländer haben natürlich ihre eigene Tischreservierung und damit einen anderen Tisch als wir. Ich hoffe nur, dass wir uns nach dem Essen irgendwie wiederfinden, da wir das Taxi ja auch gemeinsam zurück nehmen müssen. Zumal wir den Fahrer noch gar nicht bezahlt haben. Den bezahlen wir erst, wenn er uns wieder nach Hause gebracht hat. Ungewöhnlich für uns, absolut üblich hier in Namibia. Wir bekommen einen Tisch zugewiesen, an dem drei junge schwarze Männer sitzen.
Nach dem Blick in die Speisekarte haben wir nun die Qual der Wahl aus mehreren Seiten Speisenangebot. Zunächst bestellen wir uns ein Bier, ein Windhoek Lager. Ich habe dann etwas gefunden, was mich doch sehr angelacht hat, nämlich einen Fleischspieß mit Zebrafleisch, Krokodil, Strauß, Kudu und Oryx-Antilope. Das klingt toll. Dazu wird eine scharfe Chili-Mangosauce serviert. Uwe kann sich wie immer nicht entscheiden. Ich helfe ihm bei der Entscheidung und rate ihm zu „Bushman Fire“. Hierbei handelt es sich um drei verschiedene Steaks: Strauß, Oryx-Antilope und Springbock. In der Mitte der Steaks ist ein kleines Töpfchen mit Hochprozentigem, der natürlich brennt. Daher auch der Name „Bushman Fire“. Das Essen ist ganz vorzüglich, das hätten wir nicht gedacht und nicht erwartet bei dieser “Massenabfertigung”. Für Dessert ist leider kein Platz mehr, da das Essen einfach zu viel war. Zu Uwes Filets gibt es eine sehr leckere Rotweinsauce dazu und eine Art Hash Browns. Wie genau die Kartoffelspeise heißt, wissen wir nicht mehr. Nachdem wir fertig sind mit Essen, suchen wir nach den beiden Holländern. Sie haben ihr Essen auch gerade beendet. Somit könnten wir das Taxi für die Rückfahrt anrufen. Da wir ja heute Geld geholt hatten, können wir das Essen bar bezahlen. Eine gute Idee. Die beiden Holländer haben arge Probleme, sie haben 3 verschiedene Kreditkarten dabei und nicht eine funktioniert.
Wir fahren dann mit dem Taxi zurück in unser Gästehaus und teilen uns in die Fahrtkosten. Das macht dann für uns ganze 80 Namibische Dollar, also ca. 5, €. Wir nehmen noch ein kühles Bier aus dem kleinen Kühlschrank und setzen uns für einen Absacker und eine Zigarette in den Garten. Danach fallen wir schlagskaputt ins Bett. Es ist 22:30 Uhr und wir haben einen wirklich sehr langen Tag hinter uns.

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3. Tag => Windhoek – Kalahari

Übernachtung: Kalahari | Hotel: Kalahari Red Dune Lodge | Ausstattung: ausgezeichnet | Frühstück: sehr gut | Abendessen: sehr gut | Service: ausgezeichnet

Wir haben wunderbar geschlafen. Gestern Abend hatte ich den Wecker eigentlich für 07:00 Uhr gestellt. Vermutlich waren meine Augen zu müde und ich habe die richtig Zeit einfach nicht auf die Reihe gekriegt, so dass ich den Wecker nicht für 07:00 sondern für 08:00 Uhr gestellt habe. Dadurch sind wir etwas später aufgestanden, als beabsichtigt. Aber wir sind ja im Urlaub und nicht auf der Flucht.
Nach einer ausgiebigen Dusche gehen wir zum Frühstück. Außer uns sind im Gästehaus noch zwei weitere deutsche Ehepaare, zwei Schweizer Ehepaare, ein Paar aus Südafrika und die Holländer, mit denen wir gestern Abend zum Essen gefahren sind. Das Frühstücksbuffet ist gut und vielseitig. Es gibt Toast, verschiedene Wurstsorten, Käse, Müsli, Marmelade und Obstsalat. Die Wurst schmeckt ausgesprochen gut. Sie ist bestimmt von einem deutschen Metzger, von denen es hier in Namibia genügend gibt. Wir sitzen noch nicht lange am Frühstückstisch, als ein Hausmädchen kommt und uns nach unserem Eierwunsch fragt. Wir entscheiden uns beide für Rührei. Nach dem Frühstück packen wir dann unsere Sachen zusammen und starten gegen 10:00 Uhr.
Vor uns liegen ca. 200 km, also eine relativ kurze Strecke. Uwe übernimmt die erste Tour. Aber selbst in Windhoek ist nicht viel Verkehr und schon bald fahren wir auf der B1 in Richtung Süden. Wir kommen eigentlich auch ganz gut voran. Unterwegs geraten wir in eine Verkehrskontrolle und kurz darauf in eine weitere Kontrolle, die wir allerdings nicht einordnen konnten. Entlang der B1 sind etliche Baustellen, die uns im Fahrfluss doch etwas aufhalten. Die Landschaft während der Fahrt auf dieser Strecke ist eigentlich ziemlich öde. Verbranntes Buschland und Einöde, nichts spektakuläres. Im Hintergrund sehen wir einige Berge bzw. Bergketten, die uns ein wenig an den Südwesten der USA erinnern.
Nach etwa der Hälfte der Strecke übernehme ich dann das erste Mal das Auto. Der Wagen lässt sich super fahren. Ich hatte so meine Bedenken, weil er so groß ist, aber es klappt ganz gut. Unterwegs passieren wir nicht viele Städte. Der einzige etwas größere Ort ist Rehoboth, den wir durchfahren müssen. Und danach kommt schon Kalkrand, bei dem wir dann kurze Zeit später von der B1 abbiegen Richtung Kalahari Red Dune Lodge. Diese liegt in einem Naturreservat, dessen Landschaft von zwei Wüsten geprägt ist: Einmal die KALAHARI und zum anderen die GREAT KAROO.
Die letzten 3 km bis zur Lodge fährt man dann nur Sandpiste, die sich aber auch sehr gut fahren lässt. Gegen 12:30 Uhr fahren wir auf dem Parkplatz in der Lodge auf. Wir werden auch hier wieder sehr herzlich und freundlich begrüßt und erhalten einen Erfrischungs- bzw. Begrüßungstrunk. Diesmal ist es selbstgemachter Eistee, der sehr lecker schmeckt. Selbst Uwe, der Tee immer verweigert, trinkt ihn mit Genuss. Der junge Mann zeigt uns nach der Begrüßung zunächst das Haupthaus. Im Haupthaus ist das Restaurant untergebracht, die Bar und hinter dem Haus gibt es einen großen Swimmingpool. Alles ist sehr gepflegt und sieht sehr gemütlich aus. Frau Kober (von Protea Tours) hatte für uns, auf unseren Wunsch hin, dass Haus Nyala (Nummer 1) gebucht, dass wir natürlich auch bekommen haben. Dieses Haus liegt auf der linken Seite des Hauptgebäudes ganz am Ende, d.h. es ist das letzte bzw. das erste Haus und ca. 500 m vom Haupthaus entfernt.

Kalahari Red Dune Lodge - Haupthaus Kalahari Red Dune Lodge - Haus Nyala Kalahari Red Dune Lodge - Haus Nyala

Die Kalahari Red Dune Lodge umfasst 12 individuelle Gästehäuser. Diese sind auf Stelzen um einen natürlichen Trockensee angelegt und tragen die Namen der größten Wildtierarten des Reservates. Alle Wege von den Häusern zum Haupthaus verlaufen über Holzplanken und sind nachts beleuchtet. Traditionelle afrikanische Grasdächer sorgen im Einklang mit einer Außenwand aus Zelt-Stoff bei hohen Außentemperaturen für ein exzellentes Klima. Nur die Bäder sind in Massiv-Bauweise errichtet.
Wir fahren mit dem Auto bis zu einem kleinen Parkplatz, der direkt vor unserem Haus angelegt ist. Der junge Mann, der uns bereits begrüßt hat, ist den Weg zu Fuß gegangen und zeigt uns nun unser Haus, das wir für die nächsten zwei Tage bewohnen werden.
Das ist der absolute Wahnsinn! Es ist ein riesengroßes Haus und hat eine Wohnfläche von 60 m². Für uns eigentlich viel zu groß. Wir haben ein sehr geräumiges Wohnzimmer mit einer Rundcouch, einem kleinen Tisch, zwei Sesseln, einem Kamin (den wir sicherlich nicht brauchen werden) und einen Schreibtisch. Von hier aus geht es ins Schlafzimmer. Der Raum ist sehr groß, hat ein großes Doppelbett, das mit Moskitonetzen überzogen ist und schöne rustikale, alte Möbel angefangen von einer großen Holztruhe, einem riesigen Holzschrank und anderen Abstellmöglichkeiten.
Von hier aus kommen wir ins Bad, das auch sehr, sehr großzügig angelegt ist. Die Dusche ist riesig, dahinter ist die Toilette und vor dem Eingang befindet sich das Waschbecken. Vom Schlafzimmer schauen wir durch riesige Panoramafenster, durch die wir morgen Früh hoffentlich einen tollen Sonnenaufgang erleben können. Zusätzlich zu unserem wirklich sehr großen und großzügig bemessenem Bad gehört auch noch eine Außendusche. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich die niemals benutzen werde. Uwe? Wer weiß. Auf der hinteren Seite, d.h. vom Wohnzimmer aus durch die Terrassentür, kommt man auf eine kleine überdachte Veranda mit einem Tisch und zwei Stühlen. Und von hier aus hat man den ungetrübten Blick in die Natur. Vor uns erheben sich die Dünen und rund um uns herum ist nur Grassavanne. Viele Fußspuren deuten auf tierischen Besuch. Leider sind wir noch zu sehr Frischlinge, um die Spuren den entsprechenden Tieren zuordnen zu können. Fakt aber ist, dass Tiere direkt ans Haus kommen. Es ist absolut genial. Ach ja, und dann wäre noch ein gut gefüllter Kühlschrank: Weiß- und Rotwein, Bier, Wasser, Gin und Tonic. Diese Minibar ist im Preis inbegriffen. Ob wir das wohl alles schaffen und trinken können? ;-)

Kalahari Red Dune Lodge - Unser Wohnzimmer Kalahari Red Dune Lodge - Unser Schlafzimmer Kalahari Red Dune Lodge - Blick aus den Panoramafenstern

Der junge Mann hat sich von uns verabschiedet mit der Information, dass nachmittags zwischen 15:00 Uhr und 16:00 Uhr Teatime vorn im Haupthaus ist. D.h. es werden Kaffee, Tee und kalte Getränke angeboten sowie Gebäck und Kekse. Gegen 15:30 Uhr machen wir uns deshalb auf den Weg und wollen mal schauen, ob Teatime auch etwas für uns ist. Die Gäste der Lodge haben sich inzwischen alle im Haupthaus bzw. auf der Veranda eingefunden, und trinken Kaffee und Tee und essen Kuchen. Der Kuchen sieht zwar sehr lecker aus, aber wir haben keinen Hunger.
Wir bedienen uns an den kalten Getränken, leckeren Fruchtsäften bzw. Eistee. Als wir mit unseren kalten Getränken auf die Veranda kommen, liegt doch da ein kleines Erdmännchen. Das ist ja wie in „Hummeldumm“. Ich kann natürlich nicht anders und muss es streicheln, was es sich auch gut gefallen lässt. Man merkt richtig, wie wohl es sich fühlt. Es kann nicht genug von Streicheleinheiten bekommen. Schade, dass wir wieder einmal keinen Fotoapparat dabei hatten. Nach der Teatime wollen wir doch noch eine kleine Runde laufen und holen unsere Fotoausrüstung aus dem Chalet.
Von der Lodge aus gibt es verschiedene Wanderwege, die unterschiedlich lang sind. Wir haben uns nur einen kleinen Weg ausgesucht, der in ca. 30 min zu laufen ist. Es ist fürchterlich heiß und für mehr haben wir heute noch keine Energie. Es ist der Sundown Weg, der zu einem Dünensofa führt. Irgendwie sind wir wieder einmal mit der Ausschilderung nicht ganz klar gekommen und irren etwas verloren in der Gegend herum. Die Sonne brennt ganz schön heiß und das Laufen im Sand ist sehr mühsam. Uwe hat zusätzliche Last mit dem schweren Fotorucksack. Letztendlich haben wir dann doch den Weg gefunden und kommen oben am Dünensofa an. Wahnsinn, das ist richtig genial.
Hier hat man aus Holz eine große u-förmige Sofaecke gebaut, auf der Matratzen und Kissen liegen. Total gemütlich, hier zu sitzen und die Sonne am Horizont herunter plumpsen zu sehen. Wir haben uns natürlich auch ein kaltes Bier mitgenommen, das wir dann später zum Sonnenuntergang trinken werden. Die Landschaft ist nicht ganz so prickelnd. Es ist vorherrschend Graslandschaft. Von roten Dünen können wir leider nicht viel erkennen. Das hatten wir uns doch etwas anders vorgestellt. Uwe will trotzdem einige Aufnahmen machen.
Ich habe mich entschlossen, eine kleine Wanderung zu machen, um eventuell einige Tiere zu entdecken. Laut Beschreibung des Red Dam Weges soll es hier wohl etliche Tiere geben. Ich laufe ein ganzes Stück und kann auch viele Tierspuren im Sand entdecken. Aber leider nur die Spuren. Plötzlich sehe ich auf der gegenüberliegenden Seite einige Tiere, von denen ich nur vermuten kann, dass es Impalas oder Springböcke sind. Ich habe keine Ahnung, um welche Gattung der Tiere es sich handelt, denn sie sind viel zu weit weg. Ich versuche, trotzdem einige Fotos zu machen.
Nach der Hälfte der Wasserflasche, die ich zwischenzeitlich geleert habe, kehre ich wieder um. Zwischenzeitlich bin ich auf höheren Sanddünen angekommen. Es ist eine Stille um mich herum, sagenhaft! Gern würde ich jetzt hier sitzen bleiben und in der Stille den Sonnenuntergang genießen. Da ich aber schon fast eine Stunde unterwegs bin und mein Uwe sich sicherlich Gedanken macht, kehre ich um. Die Sonne ist schon ziemlich in Horizontnähe gelangt und nun will ich mit Uwe das kalte Bier genießen. Ich habe es ja geahnt! Uwe kommt mir schon entgegen gelaufen, klar, er hat sich Sorgen gemacht. Na, hoffentlich gibt es jetzt keine Mecker! :-)
Hmm, kalt ist das Bier jetzt auch nicht mehr, aber schmecken tut es trotzdem. Uwe ist zwischenzeitlich auch nicht mehr allein. Es haben sich mehrere Leute zum Sonnenuntergang eingefunden. Uwe hat sein Stativ aufgebaut und einige Sonnenuntergangsfotos gemacht. Natürlich mit seinen neuen Lee-Filtern.
Nachdem wir unser Bier getrunken haben, machen wir uns auf dem Rückweg. Es ist fantastisch anzusehen, dieser orange-gelbe Lichtstreifen am Horizont und der darüber liegende immer dunkler werdende Himmel. Sonnenuntergänge in Afrika sind einfach ein Traum.

Auf dem Weg zum Dünen-Sofa Sundowner-Bier Kalahari Sunset - Relaxliegen

Es ist schon fast dunkel, als wir endlich in unserem Chalet angekommen sind. Wir duschen und gehen dann zum Abendessen in das Restaurant im Haupthaus. Es ist bereits 20:00 Uhr. Fast alle Tische im Restaurant sind schon belegt. Die Atmosphäre vom Licht her und wie die Tische eingedeckt sind, ist einfach ganz fantastisch. An der Tür stehen drei junge Männer, die uns freundlich begrüßen. Wir suchen uns einen netten 2er Tisch aus, an den wir geleitet werden.
Weiße, gestärkte Servietten, die kunstvoll im Weinglas drapiert sind, überhaupt eine Reihe von Gläsern auf dem Tisch und jede Menge Besteck. Nur gut, dass wir „Pretty Woman“ geschaut haben und wissen, dass man das Besteck immer von außen nach innen benutzt. ;-)
Ein Kellner kommt und bringt die Weinkarte. Die Weinauswahl ist riesengroß, alles südafrikanische Weine, rot, rosé oder weiß. Leider kennen wir die Weinsorten überhaupt nicht. Und außerdem werden wir eine ganze Flasche Wein auch nicht schaffen, selbst zu zweit nicht. Wir wollen uns ja schließlich nicht betrinken. Wir bestellen deshalb jeder nur ein Glas (offenen) Rotwein und ein Wasser dazu.
Danach folgt das Essen. Es handelt sich um ein Drei-Gang-Menü, das für alle Gäste gleich ist. Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass wir beim Check-In gefragt wurden, ob es irgendwelche Dinge gibt, die wir nicht essen oder ob wir Vegetarier oder allergisch sind. Sind wir alles nicht. Die Vorspeise ist ein griechischer Salat mit irgendwas gebackenem, das entfernte Ähnlichkeit mit Eierkuchenteig hat. Es schmeckt recht gut. Als Hauptspeise gibt es Oryx-Steak, Kartoffeln dazu und dann ein Gemüse, dessen Namen wir weder verstanden haben noch dass wir das Gemüse kennen. Vom Aussehen her hat es ein wenig Ähnlichkeit mit großen Papayastücken und es hat einen süßlichen Geschmack. Also mein Ding ist es überhaupt nicht. Später haben wir dann erfahren, dass es „butter nut“ – eine Kürbisart – ist und diese mit Vorliebe serviert wird.
Als Nachspeise gibt es ein großes Stückchen Kuchen, eine Zitronentorte mit einer Art Baiser oben auf. Die Torte ist auch nicht schlecht, aber für meinen Geschmack viel zu süß. Und da ich Süßes sowieso nicht so mag, ist es auch nicht so mein Ding. Aber Uwe freut sich. :-)
Nach dem Essen gehen wir über den beleuchteten Weg zurück zu unserem Haus. Über uns ist ein fantastischer Sternenhimmel und eine gigantische Milchstraße. Das will Uwe unbedingt fotografieren, möglichst noch mit unserem Haus davor. Also ist nichts mit gemütlich auf der Terrasse sitzen, ein Bierchen trinken und Sterne gucken. Nee, ich muss mal wieder als Assistent fungieren, und ihm je nach Bedarf Licht ein- und ausschalten. Und das dauert! :-) Aber die Fotos, die er gemacht hat, sind einfach fantastisch. Im Vordergrund das beleuchtete Haus und oben eine fantastische Milchstraße. Ich kann mir vorstellen, dass das richtig toll aussieht.
Den Rest des Abends verbringen wir dann doch noch auf unserer Terrasse. Nach einem Absacker-Bier gehen wir schlafen. Wir krabbeln in unser großes Doppelbett, bei dem die Angestellten während des Abendessens bereits das Moskitonetz für uns herunter gelassen haben. Wir schauen durch die großen Panoramafenster hinaus in die Kalahari und können selbst durch das Moskitonetz und die Fenster diesen wahnsinnig schönen Sternenhimmel sehen. Mensch, kneif mich mal, ob das nicht nur ein Traum ist. Mittlerweile ist es auch schon wieder 23:30 Uhr. Gute Nacht.

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4. Tag => Kalahari

Übernachtung: Kalahari | Hotel: Kalahari Red Dune Lodge | Ausstattung: ausgezeichnet | Frühstück: sehr gut | Abendessen: sehr gut | Service: ausgezeichnet

Wir haben die erste Nacht in der Kalahari Red Dune Lodge verbracht und haben recht gut geschlafen. Man muss allerdings sagen, dass die Nächte doch empfindlich kalt sind. Die Schlafzimmerwände bestehen ja auch nur aus festen Zeltplanen und ich habe heute Nacht doch etwas gefroren. Tja, es ist halt Wüste, tags heiß und nachts kalt. Das schöne allerdings war, dass ich bedingt durch das Frösteln immer mal wieder aufgewacht bin und dabei den Sternenhimmel genießen konnte. Heute Morgen klingelt der Wecker 05:50 Uhr. Der Blick aus dem Panoramafenster zum Horizont ist einfach gigantisch. Am Horizont bildet sich gerade ein orangeroter Streifen, der die davor stehenden Bäume als schwarze Silhouetten erscheinen lässt. Uwe ist wiedermal nicht zu bremsen. Er stolpert bereits zur nachtschlafenden Zeit, bewaffnet mit Stativ und Kamera, im afrikanischen Busch herum, um Fotos zu machen. Ich sitze noch im Bett und beobachte das Schauspiel (das der aufgehenden Sonne und des stolpernden Uwe :-)) durch vom Schlaf noch dicke Augen. Aber lange hält es mich auch nicht im Bett, das muss ich auch alles live und in Farbe sehen. Die Stille hier in der Kalahari ist einfach unheimlich. Man hört kaum irgendwelche Geräusche, nur ganz vereinzelt Vogelstimmen. Es ist schon schade, dass die Vögel kaum zu sehen sind.
Frühstück gibt es hier in der Lodge jeden Morgen ab 07:30 Uhr. Pünktlich um diese Zeit sind wir im Restaurant. Der Service ist wirklich toll, angefangen bei der freundlichen Begrüßung, dann wird man zum Tisch seiner Wahl geführt, nach besonderen Wünschen gefragt bzw. nach dem Eierwunsch. Selbst am Büfett wuselt immer einer um uns herum und ist behilflich. Oder sehen wir schon so hilfebedürftig aus? :-) Der Kaffee, den man kaum trinken kann, ist ein absoluter Hallo-Wach. Es gibt Saft, es gibt Wurst und Käse, relativ dicke Toastbrotscheiben und Obstsalat. Das Toastbrot ist etwas gewöhnungsbedürftig, es hat einen süßlichen Touch. Also nicht ganz so mein Ding. Die Wurst schmeckt sehr gut, erinnert ein wenig an deutsche Wurst. Wir bestellen uns Eier und Schinken, Uwe Rührei und ich Spiegelei. Leider ist der Bacon nicht so dolle. Ich werde morgen auf meinen Bacon verzichten, er ist doch recht labberig und nicht sehr kross gebraten. Ansonsten ist das Frühstück sehr gut. Nach dem Frühstück melden wir uns gleich für eine Sundowner Fahrt für heute Abend an.
Wir haben uns heute für eine Wanderung entschieden. Wir wollen den Kalahari Baumweg gehen. Dieser wird mit 8 km angegeben. Keine Ahnung, ob wir den bis zum Ende gehen können und auch schaffen. In der Wegbeschreibung steht, dass man fast nur durch Sand und über Dünen geht. Dadurch ist der Weg relativ anstrengend, aber absolut lohnend! Landschaftlich soll dies der schönste Weg sein. Die Wanderung führt durch die typische Kameldornbaumsavanne der Kalahari. Man wandert streckenweise auf den Kämmen der roten Sanddünen entlang. Wir werden sehen. Wegen der vielen Bäume soll diese Landschaft von Giraffen bevorzugt werden. Auch Elenantilopen, Oryx und Springböcke sollen hier häufig vorkommen.
Wir starten um 09:00 Uhr und laufen zunächst bis zum Sundowner Sofa und ruhen uns hier einen Moment im Schatten aus. Von hier aus geht es einen sandigen Weg die Düne hinunter und wir folgen der Ausschilderung zum Baumweg. Der Weg lässt sich eigentlich ganz gut laufen. Das einzige, was wirklich anstrengend ist, ist zum einen die große Hitze und die Sonne, die ungebremst auf uns herunter knallt, und natürlich das Laufen im Sand. Schatten gibt es so gut wie gar nicht. Hin und wieder suchen wir uns einen Akazienbaum, der doch etwas Schatten spendet und ruhen uns darunter aus.
Der Wanderweg ist wunderschön. Er führt wie beschrieben durch die Kalahari Savanne, durch dichtes Buschwerk vorbei an hohen Akazienbäumen. Leider sehen wir von den versprochenen Giraffen nicht eine. Dafür können wir aber andere Tierbeobachtungen machen und sehen eine kleinere Herde von Oryx. Das muss eine ganze Familie sein, denn hier sind auch Jungtiere dabei. Ferner haben wir unterwegs einen Kudu gesehen, einen Strauß und viele kleine Antilopen.

Unterwegs auf dem Kalahari Baumweg Elenantilopen Webervogel-Nest

Der Weg zieht sich mächtig, ich bin nicht sicher, ob die Kilometerangabe von knapp 8 km überhaupt stimmt. Jeder Schritt wiegt doppelt schwer durch die Hitze und durch den Sand. Aber am Ende sind wir doch froh, dass wir diese Wanderung gemacht haben. Gibt sie uns doch einen kleinen Einblick in die Kalahari. Wir können uns kaum vorstellen, wie die San hier früher gelebt haben und noch dazu barfuß durch diesen heißen Sand gelaufen sind. Wir spüren den heißen Sand, wenn er uns in die Sandalen vorn hinein und hinten hinausläuft. Also hier barfuß laufen kann ich mir einfach nicht vorstellen.
Unterwegs sehen wir immer wieder und sehr viele Webervögelnester. Sie sehen schon witzig aus, wie sie so als dicke Klumpen an den Bäumen hängen. Die Nesteingänge sind immer unterhalb des Nestes, so dass das Nest vor Raubvögeln und vor allem auch Schlangen geschützt ist. Je nach Größe des Nestes leben da mitunter mehrere Hundert Vögel drin. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen rund um das Nest, was sich auch in der Geräuschkulisse bemerkbar macht.
Die letzten Meter des Wanderweges werden zur Qual und wir schleppen uns durch die Wüste und durch die Hitze und können es kaum erwarten, uns oben im Schatten auf dem Dünensofa zu einer Rast fallen zu lassen. Das bildet nämlich das Ende unserer Wanderung bzw. fast das Ende. Nachdem wir hier auf dem Dünensofa eine ausgiebige Rast gemacht haben wissen wir, dass wir jetzt noch ca. 15 min zu laufen haben. Die Wanderung hat alles in allem 4 Stunden gedauert. Und das ist schon eine ganz schöne Leistung. Wir schleppen uns an den Häusern vorbei. Unglücklicherweise haben wir auch noch das letzte und am weitesten entfernt stehende Haus gemietet und somit nochmal einen langen Weg vor uns. Als wir auf unser Haus zusteuern und uns wirklich nur noch hinschleppen, kommt uns ein Angestellter entgegen und meint grinsend: Oh, wie ich sehe, lebt ihr noch. Jaja, wir leben noch. Aber gerade so.
Im Haus angekommen lassen wir zunächst alles fallen und setzen uns in den Schatten vor unserer Hütte und trinken ein kaltes Bier. Mensch tut das gut! Uwe überspielt anschließend die Fotos während ich erst einmal eine erfrischende Dusche nehme.
Gegen 15:00 Uhr gehen wir zur Teatime ins Restaurant. Unser Frühstück von heute Morgen um 08:00 Uhr liegt doch schon sehr lange zurück und die Wanderung hat unsere Kalorienreserven alle aufgebraucht. Wir haben Hunger. Um 15:30 Uhr finden wir uns zu Kaffee und Kuchen im Restaurant ein. Und da ist er wieder. Toffy, das Erdmännchen. Heute haben wir die Kamera dabei und uns gelingen ein paar sehr schöne Fotos. Toffy lässt sich gern fotografieren, solange man ihn auch streichelt. Na und mit Streicheleinheiten bin ich nicht geizig! :-)

Toffy Toffy Toffy

Nachdem wir uns bei Kaffee und Kuchen gestärkt haben holen wir aus unserem Chalet die restliche Kameraausrüstung und starten jetzt zu unserer Sundowner Tour. Unser Sundowner Gamedrive startet um 16:30 Uhr. Wir treffen uns alle am Parkplatz vor der Rezeption. Es haben sich elf Personen für die Fahrt angemeldet und alle, außer uns, sitzen bereits auf dem offenen Jeep. Unser Fahrer und Guide stellt sich vor. Er heißt Etosha. Ja, genau wie der Nationalpark. Er findet es auch lustig, er meint, seine Eltern hielten das für eine gute Idee, ihn Etosha zu nennen. Wir starten und fahren zunächst die Strecke, die wir heute Morgen schon bei unserer Wanderung abgelaufen sind. Die Fahrt wird ziemlich staubig und wir halten unsere Kameras unter den T-Shirts geschützt.
Wir sehen wieder Elenantilopen, Oryx, Kudus, Strauße, Perlhühner und Springböcke. Diese Tiere haben wir ja heute Morgen bereits auf unserer Wanderung gesehen, nichts Neues also. Etosha fährt mit uns eine riesengroße Schleife über das unheimlich große Gelände. Leider können wir nirgendwo Giraffen entdecken. Er versichert uns, dass auf diesem Farmgelände mindestens vier Giraffen leben. Leider sind sie gerade an anderen Stellen unterwegs. Aber wir können auch Erdmännchen fotografieren, Eichhörnchen und sogar Zebras. Ich hätte gar nicht gedacht, dass es hier auch Zebras gibt. Teilweise gelingen uns recht gute Aufnahmen. Aber es ist doch recht schwierig, auf einem Auto mit weiteren neun Personen die Kamera so in Position zu bringen, dass man die Tiere, die rechts oder links des Fahrweges stehen, fotografieren kann. Wir sind recht lange unterwegs und ich glaube, Etosha ist am Ende etwas genervt, weil wir ihn ständig bitten anzuhalten.

Sundowner-Fahrt Oryx-Antilope Impala

Zum Schluss der Fahrt hin hat er ganz schön seine Hetze, uns pünktlich zu dem Punkt zu bringen, von dem aus wir den Sonnenuntergang beobachten sollten. Die Sonne steht schon relativ tief und er fährt recht zügig. Dann haben wir die Sunset Location erreicht und er baut einen Tisch auf und kredenzt uns kalte Getränke und Kräcker. Nachdem die Sonne als glutroter Ball ganz malerisch untergegangen ist, packen wir wieder zusammen. Der Sonnenuntergang war einfach traumhaft. So, wie man sich einen Sonnenuntergang in Afrika vorstellt. Die Sonne ist schon längst untergegangen, trotzdem erstrahlt der Himmel noch in rotem Licht. Über den gesamten Horizont zieht sich ein breites Band aus orange-roten Lichtstreifen. Nachdem wir alle dann auf dem großen Jeep wieder Platz genommen haben fährt uns Etosha recht zügig und ohne weiteren Stopp zur Lodge zurück.
Bevor wir nun zum Essen gehen, legen wir unser Fotoequipment im Chalet ab und ziehen uns noch um. Wir waren heute recht zeitig beim Essen. Ich muss allerdings auch sagen, dass ich tierischen Hunger hatte. Das Frühstück heute Morgen um 08:00 Uhr und das kleine Stückchen Kuchen zur Teatime um 15:30 Uhr war doch recht wenig. Außerdem sind wir heute mindestens 10 km durch Sand und Hitze gelaufen und haben entsprechend Kalorien verbrannt.
Es sind noch relativ viele Tische im Restaurant frei und wir finden einen Zweiertisch direkt am Fenster. Wir entscheiden uns heute wieder für jeder ein Glas Rotwein und Wasser. Ansonsten dürfen wir gespannt sein, was uns der Koch heute kredenzen wird. Als Vorspeise gibt es eine halbe Paprika, die mit weißen und roten Bohnen sowie vermutlich ein bisschen Hack gefüllt ist und schlussendlich mit Käse überbacken wurde. Dazu wird ein wenig griechischer Salat gereicht. Als Hauptspeise gibt es Beef mit einer Tomaten-Zwiebelsoße, die recht gut gewürzt, um nicht zu sagen, scharf ist. Dazu gibt es eine ganz interessante Kreation aus Spinat und Kartoffelbrei. Das Ganze ist ein „Schicht-Spinat-Kartoffelbrei“: also eine Schicht Spinat, darauf Kartoffelbrei, wieder Spinat und oben wieder Kartoffelbrei. Die Gemüsebeilage ist eine Art Kraut-Möhrengemüse mit Kartoffelstücken. Das Essen ist wieder sehr schmackhaft und gut. Leider ist es so viel, dass ich meine Portion wieder nicht aufessen kann, denn eigentlich wäre ich schon nach der Vorspeise satt gewesen. Als Nachspeise gibt es wieder Kuchen. Ich weiß gar nicht, warum die immer Kuchen als Nachspeise servieren. Aber gut, der Kuchen hat sehr gut geschmeckt. Der Boden ist aus irgendeiner Kokosmasse gemacht und darauf eine Creme, keine Ahnung, was es ist. Die Kellner sind sehr freundlich und erklären uns immer, bevor der Gang serviert wird, was als nächstes kommt und was die Speise beinhaltet. So hat man uns auch den Kuchen erklärt. Allerdings haben wir es beide nicht verstanden. Ist aber egal, es hat sehr gut geschmeckt. Allerdings musste mir Uwe beim Kuchen helfen. Ich habe nur die Hälfte davon geschafft.
Bereits um 20:30 Uhr verlassen wir das Restaurant und gehen in unser Chalet zurück. Uwe will heute noch einmal diesen fantastischen Sternenhimmel inklusive der Milchstraße fotografieren. Gestern sind die Fotos doch etwas schief geworden. Anschließend fotografiert er noch bei Nacht die wunderschöne Anlage, deren Holzstege alle beleuchtet sind. Wir werden jetzt noch einige Bilder überspielen und eventuell noch einen Newsletter schreiben bzw. vorbereiten. Im Restaurant ist WLan vorhanden, wenn es denn morgen auch funktioniert, können wir einen Gruß nach Hause schicken. Allerdings möchte ich heute spätestens um 22:30 Uhr im Bett liegen. Ich hoffe, wir schaffen es.

Kalahari Red Dune Lodge Dinner in der Kalahari Red Dune Lodge Fantastischer Sternenhimmel über der Kalahari

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5. Tag => Köcherbaumwald

Übernachtung: Keetmanshoop | Hotel: Pension Gessert | Ausstattung: befriedigend | Frühstück: ausgezeichnet | Service: gut

Auch heute Morgen klingelte wieder 05:50 Uhr der Wecker. Allerdings bin ich heute so müde, dass ich kaum die Augen aufbekomme. Uwe genießt vom Bett aus durch dieses große Panoramafenster den Sonnenaufgang. Hin und wieder gelingt es auch mir mal, wenigstens ein Auge zu öffnen, um diesem Schauspiel beizuwohnen. Der Horizont färbt sich orange-rot, es ist einfach irre. Und dann geht die Sonne auf, glutrot. Sie schaut uns direkt in die Augen und blendet, als wollte sie sagen: „Raus aus dem Bett, ihr Faulpelze.“.
Gegen 07:00 Uhr haben wir uns dann aus dem Bett gequält und sitzen um 08:00 Uhr gewaschen und gebügelt am Frühstückstisch. Wir essen Toast und Wurst und Rührei. Ich verzichte auf den labberigen Bacon, Uwe nicht. Nach einem kurzen Schwatz mit anderen Lodgegästen verlassen wir den Frühstücksraum und packen unsere Sachen im Chalet zusammen. Während ich packe (man höre und staune: ich packe mal!!), bereitet Uwe noch einige Fotos für einen Newsletter vor. Den wollen wir jetzt gleich noch von der Rezeption aus absenden.
Es ist schon traurig, wenn man so kurz vor der Abreise steht. Die Angestellten sind alle so wahnsinnig nett. Heute Morgen begrüßt uns Etosha an der Rezeption, unser Fahrer vom gestrigen Gamedrive. Er fragt natürlich wieder grinsend, wie es uns geht. Leider müssen wir ihm sagen, dass es uns aufgrund der heutigen Abreise nicht so gut geht. Wir wären wirklich gerne noch länger hiergeblieben.
Um 10:00 Uhr sind wir zur Abfahrt bereit. Wir checken aus und Uwe schickt während der Zeit, in der ich auschecke und unsere Rechnung bezahle, unseren ersten Newsletter ab. Wir starten 10:15 Uhr Richtung Keetmanshoop. Vor uns liegt eine Strecke von etwas mehr als 300 km. Ich möchte gerne die erste Hälfte der Fahrt übernehmen. Ich weiß nicht, ob ich mit dem großen Schiff in Keetmanshoop dann so gut klarkomme.
Die Strecke ist absolut unspektakulär und langweilig. Sie erinnert uns in vielen Bereichen an unserer Fahrt durch Australien. Rechts und links der Straße nur vertrocknetes Land, Grasbüschel und hin und wieder mal ein Township. Aber die sind nicht sehr ansehnlich. Wir kommen durch Marienthal durch. Mariental ist Hauptstadt der Region Hardap und zählt mehr als 12.000 Einwohner. Es ist also eine größere Stadt und dient u.a. auch der Versorgung der umliegenden Farmen. Allerdings führt die B1 über eine Umgehungsstraße um den Ort herum, so dass wir von Marienthal direkt nichts sehen. Da wir aber ohne großen Stopp nach Keetmanshoop fahren wollen sind wir dankbar für die Umgehung. Nach ca. der Hälfte der Strecke übernimmt Uwe das Auto. Es ist doch sehr ermüdend, diese langen, geraden Straßen ohne irgendwelche Sehenswürdigkeiten rechts oder links zu fahren.
Jetzt haben wir die lange und doch etwas öde Fahrt überstanden und erreichen Keetmanshoop. Es ist kurz nach 14:00 Uhr. Die Stadt, die an die 20.000 Einwohner zählt, ist Verkehrsknotenpunkt für den Straßen- und Bahnverkehr sowie Versorgungszentrum für den gesamten Süden Namibias. Die Stadt wurde nach dem deutschen Kaufmann Johann Keetman benannt. Dieser unterstützte die 1866 gegründete Missionsstation finanziell.
Auf den ersten Blick erscheint es eine ganz nette Stadt zu sein. Die Wegbeschreibung ist gut und wir finden die Pension Gessert recht schnell. Amüsant finden wir die Tatsache, dass man selbst innerorts die Seitenstraßen ungeteert lässt. Hier sind nur die Haupt- und Durchgangsstraßen geteert.
Pension Gessert ist ein schon etwas älteres Haus und auch wieder von einer hohen Mauer umgeben, die mit Stacheldraht umsäumt ist. Ein großes Rolltor muss geöffnet werden, um auf das Grundstück zu fahren. Der Pensionsbesitzer begrüßt uns freundlich und erklärt uns im Schnelldurchgang unser Zimmer und den Frühstücksraum. Hier stehen den ganzen Tag über Kaffee und Getränke zur freien Verfügung bereit. Aber irgendwie scheint Herr Gessert auf der Flucht zu sein. Wir kommen gerade noch dazu ihn zu fragen, wie und wo man heute Abend die Köcherbaumwälder fotografieren kann bzw. welche Empfehlung er für das Abendessen hat. Er bietet an, für uns im „Schützenhaus“ ein Tisch für 20:00 Uhr zu reservieren. Gut, das hätten wir also auch erledigt.
Nun heißt es, das ganze Gepäck aus dem Auto ins Zimmer hieven. Das ist immer ein Akt. Zumal wir mit den Taschen mitten durch den verwunschenen Garten slalommäßig laufen müssen, um in unser kleines Zimmer zu kommen. Hmm, ich will mal so sagen: Es ist sauber, es ist nett. Es ist ziemlich dunkel und irgendwie ganz schön alt. So, als wenn man früher die Oma besuchen fuhr, die hatte auch so alte Klamotten in den Zimmern stehen und komische gehäkelte Decken auf den Betten. Klar, wir kommen gerade aus einem Wohnparadies von 60 m², alles Folgende kann nur klein und miefig sein. Wir haben einen Kühlschrank, das ist schon mal ein Pluspunkt. Das Bad ist – naja nicht von Oma, vielleicht eher von Uroma. :-) Aber es ist nun wie es ist, die eine Nacht werden wir es überleben. Die Alternativen in Keetmanshoop waren nicht besser. Also was soll’s, jetzt wird nicht rumgezickt. Hach! Wir haben sogar WLan, zwar nicht im Zimmer aber direkt davor. Na bitte, wer sagt’s denn.
Das Grundstück ist wirklich sehr nett mit einem kleinen Pool (haben wir nur von Weitem gesehen) und einen verwunschenen Garten, ganz nett mit vielen Nischen und Sitzgelegenheiten angelegt. Wir lümmeln noch eine Stunde in einer dieser Nischen im Garten und versuchen permanent, der Sonne aus dem Weg zu gehen, die verdammt heiß von oben brennt. Aufgrund der vielen Bäume und Pflanzen hier im Garten gibt es auch viele wunderschöne, bunte Vögel, für die auch überall Futterplätze aufgehängt sind. Aber die kleinen Biester sind so schnell und scheu. Mir gelingt es einfach nicht, sie zu fotografieren.
Gegen 15:30 Uhr verlassen wir die Pension Gessert und wollen zu den Köcherbaumwäldern im Giants Playground. Wir haben uns für diesen „Wald“ entschieden, da dieser nicht so weit von Keetmanshoop entfernt ist. Von der Pension bis zum Baumwald ist es ca. eine halbe Stunde Autofahrt. Wir fahren aus Keetmanshoop heraus und folgen dann einer Gravelroad Richtung Giants Playground. Hier ist ein Restcamp, d.h. ein Zeltlager, in dem man auch übernachten kann. In diesem Camp muss man sich anmelden und einen Obolus von 110 Namibischen Dollar (etwas mehr als 7€) bezahlen. Die junge Frau, die auf unser Rufen hin erscheint, ist nicht gerade sehr freundlich und sehr gesprächig. Sie gibt nur unzureichende Antworten auf unsere Fragen. Außerdem ist sie sehr schlecht zu verstehen.
Nachdem wir bezahlt haben müssen wir weitere ca. 3 km bis zum Parkplatz Giants Playground (Spielplatz der Giganten) fahren. Und genau hier, zwischen Parkplatz und dem Restcamp, fällt meinem Mann ein, dass er die Taschenlampen vergessen hat. Na bravo! Wir überlegen kurz, ob wir auf die Taschenlampen verzichten sollen oder nochmal zurückfahren. Die Entscheidung fällt zugunsten der Umkehr um die Taschenlampen zu holen. Wenn die Sonne nämlich einmal untergegangen ist, wird es hier sehr schnell dunkel. Und dann in der Dunkelheit ohne Licht irgendwo herum zu stolpern, ist nicht gerade prickelnd. Also drehen wir und fahren die ganze Strecke noch einmal zurück. Uwe ist ziemlich sauer, natürlich auf sich selbst. Und so stehen wir 30 Minuten später wieder vor der Pension. So, und nun das Ganze noch einmal und nun mit Taschenlampen. Hoffentlich fällt uns nicht noch etwas ein. ;-)

Sunset at Giants Playground Köcherbaum Uwe bei seiner Lieblingsbeschäftigung

Wir finden den Parkplatz, von dem aus es über einen kleinen Rundweg zu den Köcherbäumen geht. Hier stehen noch zwei weitere Fahrzeuge. Zunächst sind wir wahnsinnig enttäuscht. Außer einem Haufen Steine und Felsbrocken ist hier nicht viel zu sehen. Wir fragen uns, warum alle Welt so eine Hype um diesen Köcherbaumwald macht. Die anderen Paare, deren Autos wir auf dem Parkplatz gesehen haben, kommen uns entgegen. Sie meinen, eine halbe Stunde mit Fotografieren, dann ist man fertig. Also den Rundweg kann man tatsächlich innerhalb von 20 Minuten ablaufen, mehr ist da nicht. Wir sind ziemlich enttäuscht.
Wir laufen weiter und entdecken dann doch noch eine Ecke, wo einige Köcherbäume stehen. Ich muss sagen, dass mir dieser Köcherbaumwald nicht besonders gut gefällt. Hier liegen ein Haufen Steinblöcke auf einem ausgedehnten Geröllfeld herum. Sie sind zwar auch ganz nett übereinander geschichtet, als wenn Kinder mit Bauklötzen gespielt hätten. Aber ich wollte keine Felsen fotografieren sondern Köcherbäume. Wir haben dann aber doch noch eine Gegend gefunden, an der wir uns sehr lange aufhalten und dann die Köcherbäume im Licht der untergehenden Sonne fotografieren.

Travel im Giants Playground Sunset at Giants Playground Sunset at Giants Playground

Als die Sonne dann wirklich einen relativ tiefen Stand erreicht hat, strahlen die Bäume in einem wunderbaren Licht. Es wird eine richtige Fotosession. Uwe wartet noch ab, bis die Sonne letztendlich hinterm Horizont verschwunden ist und den Himmel glutrot färbt.

Sunset at Giants Playground Sunset at Giants Playground Sunset at Giants Playground

Nach dieser ausgiebigen Fotosession und dem stillen Genießen des Sonnenuntergangs gehen wir zurück zum Parkplatz. Wir fahren aus dem Gebiet heraus, zumal man sich nach Sonnenuntergang hier auch nicht mehr aufhalten darf.
Uwe möchte noch gerne den Sternenhimmel mit Köcherbäumen aufnehmen. Dafür bleiben wir auf der Gravelroad stehen und warten darauf, dass der Himmel dunkel genug wird, so dass Uwe seine Nachtaufnahmen machen kann. Ganz malerisch haben wir eine ganz schmale Mondsichel am Himmel stehen. Die macht sich natürlich ganz besonders gut neben dem Köcherbäumen. Endlich ist Uwe mit der Nachtschwärze zufrieden und beginnt, Stativ und alles, was dazu gehört, aufzubauen. Ich bleibe derweilen im Auto sitzen, verriegelt – versteht sich – und grusel mich ein bisschen.
Mittlerweile knurrt mein Magen vor lauter Hunger dermaßen laut, dass ich vermutlich nicht mal hören würde, wenn ein Elefant ans Auto getrampelt käme. Mensch, hab‘ ich einen Hunger. Wenn ich mir überlege – ja, heute Morgen das Frühstück, und das war’s dann auch schon. Ich hoffe, dass wir gegen 20:00 Uhr im Schützenhaus sind, in dem uns Herr Gessert einen Tisch zum Abendessen reserviert hat. Denn sehr viel später dürfen wir nicht zum Essen erscheinen, ab 21:00 Uhr ist das Restaurant geschlossen.
Um 20:05 Uhr erreichen wir das Schützenhaus. Na da sind wir ja noch einigermaßen pünktlich. Das Schützenhaus ist der älteste Deutsche Klub im Südlichen Afrika und jetzt ein Gästehaus mit Restaurant.
Wir entscheiden uns für Rindersteaks mit Champignons und Knoblauchsauce. Ich bestelle dazu Gemüse und Uwe gebackene Kartoffeln und Gemüse. Ich trinke ein Glas Rotwein, wobei mir schon der erste Schluck in den Kopf saust. Kein Wunder, wir haben ja noch nichts weiter gegessen. Uwe muss noch Cola trinken, wir haben noch zu fahren.
Das Essen kommt recht schnell. Leider ist mein Steak bzw. sind meine drei Medaillons eher schlecht. Ich habe sie durchgebraten bestellt, aber sie sind noch sehr rot bzw. eins von den drei Steaks blutet noch richtig. Na, da bin ich doch gleich bedient und mir ist der Appetit vergangen. Das bestellte Gemüse entpuppt sich als Sauerkraut mit Schinkenwürfeln. Na klasse! Sauerkraut ist für mich nicht unbedingt Gemüse, das ist Kraut – und so hätte es auch dargestellt sein müssen. Es schmeckt nicht und zum anderen stand mir der Sinn nicht unbedingt nach Sauerkraut, noch dazu mit Schinkenwürfeln. Also schiebe ich die Steaks von links nach rechts und wieder zurück, knabbere ein wenig am Rand der Steaks, wo sie nicht so rot sind, und verteile das Sauerkraut gleichmäßig auf meinem Teller. SUPER!
Uwe hat mit seinem Essen eine gute Wahl getroffen. Seine Steaks sind zart und wie bestellt gebraten, ihm schmeckt das Sauerkraut (Verräter!) und seine gebackenen Kartoffeln mit Schmandsauce sind auch sehr lecker. Recht schnell sind wir mit dem Essen fertig.
Wir fahren zum Gästehaus zurück, das wir um 21:00 Uhr erreichen. Als wir unser Zimmer betreten, ist alles dunkel. Das Licht funktioniert nicht, der Kühlschrank geht auch nicht. Scheint heute unser Supertag zu sein. Ich gehe zum Haupthaus und klingele an der Rezeption, aber keiner hört. Es wird immer besser. Irgendwann gehe ich ins Zimmer zurück und plötzlich ist das Licht wieder da. Uwe überspielt unsere vielen Fotos, die wir im Köcherbaumwald gemacht haben. Wir trinken draußen noch ein Bier. Danach gehen wir duschen. Gott sei Dank funktioniert im Bad alles, was wir heute Abend noch brauchen. Anschließend fallen wir nur noch tot in die Betten, auf die sehr weichen Matratzen. Ich weiß jetzt schon, dass ich morgen Rückenschmerzen haben werde.

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6. Tag => Tirasberge

Übernachtung: Ranch Koiimasis | Hotel: Fest Inn Fels | Ausstattung: sehr gut | Frühstück: sehr gut | Abendessen: ausgezeichnet | Service: ausgezeichnet

Wir stehen um 07:00 Uhr auf und gehen anschließend gleich zum Frühstück. Trotz der weichen Matratzen und der getrennt stehenden Betten haben wir recht gut geschlafen. Die Pension Gessert rühmt sich auf ihrer eigenen Website damit, das beste Frühstück in Namibia zu servieren. Wir sind gespannt und hoffen, dass es besser ist als die Pension selbst.
Die Tische sind wirklich sehr nett eingedeckt. Es steht bereits für jeden Gast ein Schälchen mit Joghurt, der mit Müsli garniert ist, auf dem Tisch, ebenso wie eine kleine Karaffe mit Fruchtsaft. Etliche Thermoskannen mit Kaffee stehen zur Selbstbedienung bereit wie auch eine große Teeauswahl. Wir haben unseren Joghurt bereits gegessen und warten nun auf das Frühstück, das wir bekommen sollen. Bislang hat sich noch keiner im Frühstücksraum sehen lassen. Es dauert relativ lange und wir denken noch, naja, wenn man es hier eilig hat und frühmorgens noch einmal zum Köcherbaumwald fahren möchte, das wird wohl nichts. Uwe flappst noch, dass das Frühstück hier wohl ein ziemlich aufwändiges Menü werden muss, solange wie es dauert, bis sich hier im Frühstücksraum jemand sehen lässt.
Dann kommt Herr Gessert und bringt für den Nebentisch die Eierspeisen. Dabei bemerkt er, dass wir auch da sind und sagt, dass er gleich bei uns ist und das Brot und die Wurst bringt. Der Wurstteller, den er uns bringt, ist wirklich sagenhaft. In der Mitte steht eine kleine Schale mit gestiftelten Käse, darum sind Wurst und Schinken drapiert sowie verschiedene Obstsorten wie Birne, Apfel, Papaya und Erdbeeren. Ein Brotkorb mit verschiedenen Brotsorten angefangen von Weißbrot über schwarzes Körnerbrot, verschiedene Toasts steht jetzt auch auf dem Tisch. Der Wurstteller ist bereits so üppig, dass wir davon ausgehen, dass wir ihn nicht schaffen. Nachdem unser Nebentisch mit allem versorgt ist kommt Herr Gessert zu uns und fragt nach unserem Eierwunsch. Nachdem ich schon ein Körner-Schwarzbrot mit Wurst gegessen habe und eigentlich gar keinen Hunger mehr habe, bestelle ich mir nur ein Spiegelei. Uwe dagegen möchte noch 2 Rühreier. Und ja, wir nehmen auch gerne Bacon, aber schön kross gebraten. Und nun dauert es wieder seine Zeit, bis Herr Gessert uns die Eierspeise bringt. Alter Falter, das ist ja eine riesige Portion, die wir hier bekommen!! Der Teller ist ganz toll garniert mit Tomaten- und Gurkenscheiben und dann sind verschiedene kleine Snacks darauf. Ich habe wie bestellt ein Spiegelei und schön kross gebratenen Bacon. Uwe bekommt seine 2 Rühreier, ebenfalls mit kross gebratenem Bacon. Ferner gibt es ein Stück gebratene Leber und ein kleines Schweinemedaillon, dann einen, tja was ist das, eine Art Maisgebäck, das sehr lecker schmeckt. Ferner einen Eierpfannkuchen gefüllt mit Spinat und getoppt mit Champignons. Also: die Behauptung, dass er das beste Frühstück in Namibia serviert, kann ich zwar so nicht kontrollieren (dazu haben wir hier noch nicht ausreichend genug gefrühstückt), aber es ist ein fantastisches, sehr, sehr gutes und unheimlich üppiges Frühstück. Geschmacklich ganz ausgezeichnet und sehr vielseitig.
Dadurch haben wir natürlich länger gefrühstückt, als wir das beabsichtigt hatten. Und ich glaube, die nächsten Tage brauchen wir nichts mehr zu essen, wir sind abgefüllt bis zum Eichstrich. :-) Erst gegen 09:00 Uhr sind wir im Zimmer zurück. Wir müssen vor der Abfahrt noch tanken und außerdem unbedingt einen ATM-Geldautomat finden und Geld holen.
Wir fragen Herrn Gessert, ob wir unser Gepäck solange im Zimmer lassen können, um nicht mit voll beladenem Auto zur Tankstelle zu fahren bzw. auch noch Einkaufen zu gehen. Da spricht nichts dagegen. Wir fahren also rasch in den Spar Supermarkt und kaufen uns vier große Cola und ich nehme noch ein Deo mit. Leider funktioniert der ATM im Supermarkt nicht, so dass wir einen anderen suchen müssen. Angeblich soll an jeder Tankstelle ein ATM sein. Tja, an der Tankstelle, die wir anfahren, gibt es leider keinen ATM. Aber der junge Mann erklärt uns, wo die Standardbank in Keetmanshoop ist. Dort finden wir auch einen ATM-Automat.
Keetmanshoop selbst ist sehr überschaubar. Es liegt unheimlich viel Staub in der Luft, wie eigentlich überall, wenn man durch Namibia fährt. Geschuldet ist das der großen Trockenheit und natürlich den vielen Gravelroads. Wir trinken uns hier noch zu Tode und haben trotzdem ständig einen trockenen Mund. So, nun haben wir die Zentralbank mitten in der City gefunden und parken das Auto an der Straße. Der ATM Geldautomat wird von einem Security bewacht. Na, das ist doch mal toll. So können wir hier ganz beruhigt Geld holen. Anschließend fahren wir zur Tankstelle zurück und tanken das Auto voll. Wir zahlen für etwas über 50 Liter 700 Namibische Dollar. Der Literpreis liegt hier bei 12,67 $ (0,90 €).
So, nun ist das Auto voll, wir haben unsere Getränke und fahren zur Pension zurück, wo wir unsere Sachen zusammen packen. Auf dem Weg zur Pension haben wir noch ein wenig rechts und links aus dem Auto geschaut, aber wirklich vom Hocker gehauen hat uns dieses Städtchen nicht. Gegen 10:30 Uhr starten wir dann von der Pension Gessert. Die Pension selber ist nicht so berauschend. Etwas in die Jahre gekommen und abgewohnt, aber das Frühstück war fantastisch.
Uwe übernimmt die erste Strecke der vor uns liegenden ca. 350 km zu unserem nächsten Ziel, der Koimasis Ranch Fest Inn Fels. Die ersten 200 km halten wir uns Richtung Lüderitz und können diese auf einer frisch geteerten Straße zurücklegen. Nach ca. 200 km müssen wir von der geteerten Straße abfahren und werden dann die D707, eine Gravelroad zur Koimasis Ranch fahren.
Die Landschaft hier ist sehr schön und erinnert stark an Australien. Die B4, die wir Richtung Lüderitz fahren, führt durch Berge hindurch. Wie gesagt, das Gestein erinnert sehr stark an das Outback von Australien. Mitten auf der Strecke tauschen wir, ich übernehme jetzt mal wieder. Ca. 5 km vor dem Ort Aus müssten wir eigentlich rechts abbiegen auf die C13. Wir haben uns aber entschlossen, den kleinen Umweg in den Ort Aus zu machen, um das Auto noch einmal voll zu tanken. Wir haben zwar heute Morgen erst getankt, aber da wir jetzt eine längere Strecke nur Gravelroad vor uns haben, ist es schon besser, diese mit vollem Tank zu fahren.
Der Ort Aus ist winzig und eigentlich auch nicht sehr schön. Hier sollen um die 30 Einwohner leben. Mehr kann ich mir beim besten Willen auch nicht vorstellen. Wir finden recht schnell die Tankstelle, an der Uwe das Auto voll tanken lässt. Ein recht netter Schwarzer übernimmt diesen Job für uns und putzt auch ganz akribisch rundherum alle Fensterscheiben. Super, jetzt haben wir wieder den richtigen Durchblick, der uns durch die dicke Staubschicht doch gefehlt hat.
Mit dem vollen Auto fahren wir nun aus Aus wieder heraus. Uwe hat jetzt wieder übernommen, da ich fast einen Krampf ins Bein bekommen habe durch das ständige gleichmäßige Fahren, ohne einmal schalten zu müssen. Da lobe ich mir doch in USA den Tempomat. :-)
Wir nehmen den Abzweig auf die C 13, der wir jetzt für 55 km folgen. Die Gravelroad lässt sich sehr unterschiedlich befahren. Teilweise geht es ganz gut, teilweise ist die Straße ein regelrechtes Waschbrett. Auch einige unangenehme Sandpassagen sind dabei, bei dem man das Auto kaum unter Kontrolle hält. Uns kommen auf dieser Fahrt eigentlich nur zwei Fahrzeuge entgegen. Man kann andere Fahrzeuge sehr weit im Voraus am Horizont erkennen. Sobald man eine riesige Staubwolke sieht, weiß man, ah – in ca. 15 Minuten hat man Gegenverkehr. Auch wir ziehen eine dicke, große Staubwolke hinter uns her. Hinten raus können wir nichts, aber rein gar nichts erkennen. Nach 55 km biegen wir links auf die D707 ab. Hier haben wir eine richtig rote Sandpiste vor uns, die sich wieder sehr schlecht befahren lässt.
Wir tauschen noch einmal die Sitze, denn ich will Uwe noch einmal ein Stück entlasten. Die Landschaft ist einfach grandios. Am Horizont erheben sich die Bergketten, ich nehme mal an, das sind schon die Tirasberge. Links von uns sehen wir die ersten großen, richtig roten Sanddünen. Leider kann ich mich überhaupt nicht auf die Landschaft konzentrieren, da ich mit dem Autofahren ziemlich zu tun habe.
Einige Worte zu den Tirasbergen. Auf einem Gebiet von 125000 ha (125 km²) haben sich vier Farmer (Gunsbewys, Tiras, Landsberg, Koiimasis) zusammen geschlossen, um dieses große Gebiet Namibias in Form eines Naturparks zu schützen, ökologisch zu bewirtschaften und um naturbegeisterten Menschen den Aufenthalt in einem der schönsten Gebiete Namibias zu ermöglichen. In diesem Gebiet des Naturparks treffen vier Vegetationszonen zusammen und damit findet man auf engstem Raum eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Hier wird extensive Farmwirtschaft betrieben. Unsere Lodge liegt in diesem Gebiet auf der Koiimasis Ranch, die allein 18000 ha groß ist.
Dann endlich sehen wir den Abzweig zur Koiimasis Ranch. Von hier aus sind es noch einmal 22 km auf einem schmal Pfad auf dem Farmgelände zu fahren, bis wir dann am Ziel, in unserer Lodge, angelangt sind. Ich habe jetzt echt die Nase voll von der Fahrerei und übergebe wieder freiwillig an Uwe, es war doch sehr anstrengend.

Abzweig zur Ranch Koiimasis Wegweiser zur Ranch Koiimasis ... und noch ein Tor ...

Zunächst müssen wir ein erstes Gatter öffnen und Uwe fährt auf das Farmgelände auf. Die Farm muss riesig sein. Der Fahrweg hier, der jetzt zur Ranch führt, ist eigentlich nur so breit wie ein Fahrzeug und besteht teilweise auch aus ziemlich tiefem Sand. Wir folgen dem schmalen Pfad und passieren noch weitere drei Gatter, die wir öffnen und schließen müssen. Unterwegs entdecken wir etliche Tiere. Es ist wunderschön. Oryx und kleine Antilopen kreuzen unseren Fahrweg. Wie immer haben wir natürlich die Kamera nicht schussbereit. Und als wir dann endlich soweit sind, um fotografieren zu können, sind die Tiere natürlich weg und wir sehen nur noch die Hinterteile. :-(
Endlich erreichen wir die Ranch bzw. die Gebäude der Ranch. Das ist ja der Wahnsinn!! Von Weitem kann man die Gebäude eigentlich gar nicht sehen. Man muss schon ziemlich dicht heranfahren, um die Häuser und das Restaurant entdecken zu können. Die Gebäude schmiegen sich in die Felsen, so dass sie überhaupt nicht auffallen. Auch die Farbe der Häuser gleicht denen der Felsen. Also wie gesagt, von Weitem kann man die Häuser überhaupt nicht ausmachen. Die Häuser erinnern ein bisschen an den Adobe-Baustil in New Mexico. Es sieht einfach traumhaft aus!
Wir fahren das Auto direkt auf dem Parkplatz und gehen zur Rezeption. Hier werden wir sehr freundlich begrüßt erhalten auch wieder einen Willkommenstrunk (wieder ein leckerer, eiskalter Rooibuschtee) und eine junge schwarze Angestellte informiert uns über die Gepflogenheiten auf dieser Ranch. Sie zeigt uns das Restaurant, unseren Tisch, wo wir heute Abend essen können, informiert uns über die Essenszeiten für Frühstück und Abendessen bzw. Nachmittagskaffee. Im Prinzip über alles, was man wissen muss. Wir laufen dann von der Rezeption zu unserem Haus. Die Wege hier sind ganz toll angelegt. Alles Natursteine, die über schmale Stufen und schmale Wege zu den einzelnen Häusern führen. Wir kommen an einem Pool vorbei. Hier sind andere Gäste gerade am Baden und bescheinigen, dass es eiskaltes Wasser ist. :-( Also sicherlich nichts für mich. Ferner gibt es eine Sky-Bar, an der man kühle Getränke genießen kann. Ich vermute mal, rund um die Uhr.
Dann kommen wir zu unserem Haus d.h. zu unserem Chalet. Es ist einfach eine Wucht! Wahnsinn!!! Wir haben Chalet Nummer eins. Schmale Stufen aus Naturstein führen hinauf. Das Innere des Hauses ist einfach nur ein Traum, es ist einfach nicht zu glauben. Das Haus direkt ist in bzw. an die Felsen gebaut, so dass man innerhalb des Hauses noch große Felsbrocken hat, die irgendwie mit den Möbeln und der Raumaufteilung harmonieren und miteinander verbunden sind. Ein großes Doppelbett direkt unter einem vorstehenden Felsen beherrscht den Raum, es ist der Hammer. Der Raum ist sehr groß. Wir haben noch zwei weitere Betten zu unserem Doppelbett drin, einen großen Tisch mit Stühlen. Die Dusche und auch die Toilette sind nicht durch Türen abgetrennt. Der ganze Raum ist offen. Es ist einfach nur der Hammer, es ist einfach nicht zu glauben. Wir fühlen uns hier wirklich wie Gott in Frankreich und das mitten in der Wildnis. Dekadent!

Unser Chalet Unser Chalet Dusche

Nachdem wir unser schönes neues Zuhause, das wir jetzt für die nächsten drei Nächte bewohnen werden, auch fotografisch festgehalten haben, räumen wir das Auto aus. Der einzige klitzekleine Nachteil, sofern man hier überhaupt von Nachteil sprechen kann ist, dass wir keinen Kühlschrank haben. Ich versuche, unser Bier irgendwie im kalten Wasser zu kühlen, was mir aber nicht wirklich gelingt. Nachdem wir uns im Haus eingerichtet haben trinken wir einen kalten Rooibuschtee, den uns die Angestellte in einer Warm- bzw. Kalthaltekanne auf den Tisch gestellt hat. Da ich sowieso gerne Rooibuschtee trinke schmeckt er mir natürlich sehr gut. Aber auch Uwe trinkt ihn tapfer und mit Genuss.
Wir duschen und gehen dann langsam zum Abendessen. Wir haben eine große Lampe (Laterne) im Zimmer stehen, die wir mit zum Haupthaus nehmen sollen. Die Wege sind zwar ein bisschen beleuchtet, soweit das über Solarstrom möglich ist. Aber, so sagte uns das Hausmädchen, wäre es besser, uns dann zusätzlich mit dieser Lampe heimzuleuchten. Es ist 18:00 Uhr und Uwe hofft eigentlich auf ein paar schöne Nachmittags- bzw. Spätnachmittagsaufnahmen. Leider ist es dafür schon zu spät, da, bedingt durch einen großen Berg in unserem Rücken, die Sonne doch schon ziemlich hinter dem selbigen verschwunden ist. Dadurch liegt die vor uns liegende Grassavanne bereits im Schatten. Dafür leuchten aber die Berge am Horizont unglaublich schön. Es ist einfach fantastisch.

Weg zum Restaurant (Haupthaus) Tirasberge zum Sunset Tirasberge zum Sunset

Wir sitzen in der Skybar, trinken ein kaltes Bier und schauen in die Landschaft. Wir müssen uns gegenseitig kneifen, weil wir nicht wissen, ob wir träumen oder ob es wahr ist. Der Besitzer, Roland, kommt zu uns und begrüßt uns. Wir unterhalten uns über seine Arbeit, die er hier gemacht hat und loben sein tolles Anwesen. Es ist wirklich ganz fantastisch, was er geleistet hat. Er erzählt uns, dass er in Deutschland auch auf dem Bau gearbeitet hat und ihm von daher sicherlich einiges viel leichter gefallen ist, als anderen Leuten. Trotzdem muss man erst einmal die Idee haben, um diese dann auch hier in dieser Landschaft umsetzen zu können.
Um 19:00 Uhr gibt es Abendessen in der Koimasis Ranch. Wir trennen uns also schweren Herzens von dieser tollen Aussicht und gehen ins Restaurant. Hier hat jeder einen Tisch entsprechend seiner Hausnummer zugewiesen. Es ist total gemütlich. Alles ist relativ dunkel. Man kommt sich vor wie in einer kleinen gemütlichen Höhle.
Wir bestellen uns einen halben Liter Rotwein und eine Flasche Wasser. Gleich danach wird die Vorspeise serviert. Es gibt eine Cremesuppe, die uns zwar auch erklärt wird, aber… Leider können wir überhaupt nicht identifizieren oder verstehen, um welche Suppe es sich handelt. Sie hat eine leicht grünliche Farbe und wird mit Croutons und einem kleinen Hauch Sahne serviert. Die Suppe ist absolut köstlich. Etwas später kommt dann ein anderes Hausmädchen und erklärt uns noch einmal, was wir gegessen haben. Es ist eine Ingwercremesuppe. Total lecker, so etwas haben wir noch nie gegessen.
Die Hauptspeise besteht aus zwei Spießen mit Springbock Filets. Auf jeden Spieß sind drei Medaillons. Dazu gibt es drei gespritzte, super leckere Kartoffelbreihäufchen. Der Kartoffelbrei schmeckt wie bei uns Zuhause, richtig selbst gemacht. Man schmeckt regelrecht die Butter heraus. Als Gemüsebeilage gibt es Rotkraut. Auch das Rotkraut schmeckt sehr gut. Allerdings stoße ich ganz schnell an meine Grenzen, denn eigentlich war ich nach der Suppe schon satt. Aber das Fleisch und der Kartoffelbrei sind so köstlich, ich kann ganz einfach nicht widerstehen. Auch Uwe schmeckt es sehr gut. Er lässt sich sogar von mir noch ein Stück Fleisch geben. Das einzige: Morgen muss ich bei der Bestellung oder vor dem Servieren des Hauptgerichtes sagen, dass ich mein Fleisch durchgebraten haben möchte.
Und auch hier gibt es noch Dessert. Das nennt sich Koiimasis Butterfly. Es sind verschiedene Obststücke. Das eine konnten wir als Birne definieren. Das andere könnte Papaya gewesen sein. Dazu gibt es eine – tja?? – Erdbeercreme und einen kleinen Spritzer Sahne. Also, das Essen war ganz vorzüglich und köstlich. Aber wir sind soooo satt, uns tut der Bauch weh! Wenn das hier mit dem Essen so weiter geht, brauchen wir vermutlich jeder 2 Rückflugtickets. Wir werden nicht mehr in einen Sitz hinein passen. :-(
Nach dem Essen gehen wir recht zügig in unser Chalet zurück. Uwe macht noch ganz tolle Nachtaufnahmen von unserem Chalet mit der Milchstraße darüber. Ich glaube, die Aufnahmen sind absolut toll geworden. Es ist 21:00 Uhr und wir sind rechtschaffen müde. Deswegen werden wir jetzt ins Bett gehen. Wir wollen morgen Früh beizeiten aufstehen, um den Sonnenaufgang zu erleben. Nachdem ich unsere Betten nach unliebsamen Gästen wie Skorpionen o.ä. abgesucht habe, betten wir unser müdes Haupt auf den weichen Kissen, unter dem großen Felsbrocken.

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7. Tag => Tirasberge

Übernachtung: Ranch Koiimasis | Hotel: Fest Inn Fels | Ausstattung: sehr gut | Frühstück: sehr gut | Abendessen: ausgezeichnet | Service: ausgezeichnet

Um 06:00 Uhr stehen wir auf, den Sonnenaufgang zu genießen. Uwe ist schon eine ganze Weile auf der Veranda. Ich komme etwas später und ziemlich müde hinterher. Die Lichtstimmung am frühen Morgen ist fantastisch. Am Horizont erscheint ein leicht roter Schimmer. Von der Sonne ist noch nichts zu sehen. Direkt vor unserer Veranda stehen zwei Dik Diks. Sie beäugen uns neugierig und aus sicherer Entfernung und fragen sich, was das wohl für Zweibeiner sind, die so frühzeitig schon die Ruhe stören. Weiter entfernt grasen zwei Pferde. D.h. grasen kann man das eigentlich nicht nennen. Ich frage mich, wo die hier auf dieser knorzeltrockenen Erde überhaupt etwas Fressbares finden. Wir sitzen eine ganze Weile auf der Veranda und genießen den erwachenden Tag.

Die Bergkämme beginnen zu glühen Chalets vom Fest Inn Fels Fest Inn Fels zum Sonnenaufgang

Als das Licht dann langsam so richtig schön wird und die oberen Bergkämme rot glühen, beginnt Uwe mit seinen Morgenaufnahmen. Ich gehe derweil duschen und wasche Haare. Die Lodgegäste werden hier nämlich gebeten, den Fön nur morgens zu benutzen. Ich kann mir schon vorstellen, dass abends das Solar-Stromnetz zusammenbricht, wenn im Restaurant dann auch noch gekocht wird und jeder seinen Fön oder Rasierer traktiert.
Gegen 08:00 Uhr gehen wir zum Frühstück. Der Tisch ist wieder sehr liebevoll eingedeckt. Man kann gar nicht glauben, dass man hier in der Wildnis überhaupt so viel Sinn für Schönes hat.
Wir bekommen eine Wurstplatte mit verschiedenen Wurstsorten wie Salami, Bierwurst und Leberkäse. Ferner befindet sich auf der Platte – tja, was kann das sein? – irgendwas in Aspik, vermutlich Kudu oder Springbock mit sauren Gurken und Möhren. Schmeckt total lecker. Außerdem gibt es noch kalten Braten von Springbock und Kudu. Das Brot und die Brötchen sind selbst gebacken. Der Duft, wenn man hier morgens ins Restaurant kommt, ist einfach verführerisch. Logisch, hier in dieser Einöde, weit ab von jeglicher Zivilisation, muss man natürlich auf Selbstversorger machen und auch das Brot selbst backen. Man kann nicht gerade mal eben schnell zum Bäcker um die Ecke fahren. Es gibt Weißbrot und ein etwas dunkleres Körnerbrot, beides schmeckt sehr gut. Die Brötchen gibt es sowohl mit als auch ohne Körner. Beide Brötchensorten sind sehr lecker. Wir bestellen uns jeder ein Ei, ich Spiegelei und Uwe Rühreier. Eine große Kanne Kaffee wartet darauf, uns endlich aufwecken zu können. Und dann gibt es auch noch eine Karaffe Saft. Also viel mehr, als man überhaupt schaffen kann.
Das Frühstück ist sehr lecker und wir lassen uns viel Zeit dazu. Zum Frühstück leistet uns Roland, der Besitzer, Gesellschaft und erzählt vom Bau seiner Pension. Diesen Bau hat er in einem Foto-Bautagebuch festgehalten, das den Gästen zur Ansicht ausliegt. Wir haben uns dieses Tagebuch auch schon angesehen. Ich muss schon sagen, es ist absolut beeindruckend, mit welchen „primitiven“ Hilfsmitteln er diesen Bau hochgezogen hat.
Wir wollen heute eine der Wanderungen machen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, von einfach und relativ kurz bis schwierig und sehr lang. Roland zeigt uns die verschiedenen Wanderwege, die wir hier laufen können und erklärt uns, von wo aus wir starten müssen. Wir haben uns für den Plateau-View-Weg entschieden, den kürzesten. :-) Ich denke, der wird uns heute reichen.
In unserem Chalet packen wir uns genügend Getränke ein, schmieren uns die Sonnenmilch dick auf die Haut und ziehen die festen Boots an. Angeblich sollen hier oben in den Bergen bereits schwarze Mambas und Kobras gesichtet worden sein. Ich glaube zwar nicht, dass wir denen begegnen, aber sicher ist sicher. Außerdem haben wir sie ja auch extra mit nach Namibia geschleppt. Kurz vor 10:00 Uhr, also wieder einmal viel zu spät, starten wir unsere Wanderung. Der Weg führt von der Poolanlage geradewegs hoch in die Berge.
Roland hat die Wanderwege weiter unten mittels Steinmännchen und im oberen Teil dann mit farbigen Punkten markiert. Der Anstieg ist schon etwas mühsam, es ist ja so heiß. Na ja und dann muss man ehrlicher halber auch zugeben, wir beiden Sportskanonen kommen eh schnell aus der Puste. Aber es lässt sich trotz alledem ganz gut aufsteigen. Die Steine haben einen guten Griff und mit den Boots ist es eh kein Problem. Wir quälen uns langsam den Berg hoch und schnaufen ganz schön in der Hitze und vor fehlender Kondition. Roland hat uns beim Frühstück noch erzählt, es gäbe heute eine Kaltfront. Der weiß vermutlich nicht, was Kaltfronten sind. Also wir kennen die aus Deutschland anders. Aber mag ja sein, dass diese “Kaltfront” doch etwas kühlere Luft mit sich bringt. Wir frieren jedenfalls nicht. :-)

Weiße Markierungen an den Felsen Es geht steil bergauf Organpipe-Kakteen

Als wir fast oben angekommen sind, suchen wir uns zunächst ein schattiges Plätzchen unter einem Baum. Hier sitzen wir eine Weile auf den Felsen, ruhen uns etwas aus und schauen in die Weite vor uns. Unter uns ist eine große flache Ebene, auf der nur vereinzelt Bäume stehen. Etwas weiter entfernt können wir die Farm Koiimasis erkennen, auf der es auch eine Straußenzucht gibt. Im Hintergrund erheben sich die Tirasberge. Es ist traumhaft schön und so still. Selbst der Wind macht keine Geräusche, man bemerkt ihn nur am Flüstern der Grasbüschel.
Nachdem wir uns im Schatten etwas ausgeruht haben, steigen wir weiter den Berg hinauf. Der Anstieg ist eigentlich relativ einfach. Und dann haben wir es tatsächlich geschafft und sind oben auf dem Plateau angekommen. Hier trennen sich die Wege. Der weiß markierte Wanderweg, für den wir uns entschieden haben, geht nach links und der blau markierte Wanderweg, der noch weiter hinauf in die Berge führt, geht rechterhand weiter. Von diesen kann man dann bis in die Namib schauen. Wir haben uns aber entschieden, “nur” den etwas kürzeren weißen Wanderweg zu laufen. Der Weg führt nun oberhalb des Plateaus entlang, immer geradeaus ohne weitere Steigerungen. Hier oben wachsen unheimlich viele von den so genannten „Organpipe Kakteen“. Es sieht traumhaft schön aus, der Kontrast zwischen den roten Felsen und den grünen Kakteen, die dazwischen wachsen.

Blick über diese herrliche Landschaft Blick über diese herrliche Landschaft Unterwegs in den Tirasbergen

Nachdem wir auf dem Plateau eine ganze Weile gelaufen sind, führen die weißen Wegmarkierungen langsam nach unten. Der Abstieg ist schon sehr anspruchsvoll. Wir kommen an eine Stelle, von der wir glauben, okay, hier geht es nicht mehr weiter. Da entdecken wir an der Wand einen weißen Smiley mit der Aufschrift “nur Mut” und ein Pfeil führt in eine kleine Felsspalte hinunter. Na Bravo! Also müssen wir doch tatsächlich HIER absteigen. Einen anderen Weg scheint es nicht zu geben. Uwe klettert wie ein kleiner Gamsbock vorneweg und muss mir alten Frau ständig helfen. :-( Langsam und vorsichtig klettern wir über die großen Felsbrocken und suchen uns den Weg nach unten.

Roland's spaßige Hinweisschilder Das Bier scheint nicht mehr weit zu sein ... ... und nochmal ein wunderbarer Blick über die Landschaft

Der Abstieg ist jetzt doch ziemlich anstrengend. Aber irgendwann haben wir auch die Felsbrocken umrundet und sind hinunter geklettert und sehen schon unsere Hütten. Weit kann es also nicht mehr sein. Nun führt ein gerader Weg über ein Felsplateau geradeaus nach unten. Roland ist ein richtiger Witzbold, er hat an einem großen Felsen eine Kaffeetasse mit einem Pfeil gemalt. (Später am Abend haben wir uns bei Roland für das Kaffee-Tassen-Zeichen bedankt. Er meint, welche Kaffeetasse??? Das ist doch ein Bierglas!!! :-) ) Das jedenfalls ist das Zeichen, dass wir es geschafft haben. Es wurde aber auch Zeit, denn so langsam geht mir die Energie aus. Uwe könnte wahrscheinlich noch stundenlang laufen. Wir schleppen uns zu unserem Chalet, wo wir erst mal eine kleine Rast einlegen.
Nachdem wir von unserer Wanderung zurückkommen sind, verbringen wir die Mittagsstunden zunächst in unserem Chalet. Aber auch auf der Terrasse können wir uns derzeit nicht aufhalten, da die Überdachung nicht ausreicht, um Schatten zu spenden. Ich hatte versucht, auf der Veranda eine Zigarette zu rauchen und habe mir dabei auf der Bank fast den Hintern verbrannt. Uwe überspielt die Fotos, die wir während Wanderung gemacht haben und bearbeitet einige für den Newsletter.
Als diese Arbeiten abgeschlossen sind legen wir uns auf’s Sonnendeck am Pool. Hier stehen etliche Liegen bereit, die von einem Holzlattendach beschattet werden. Oh ja, hier kann man es sehr gut aushalten. Mh, geht’s uns gut! :-) Ich komme direkt wieder mal dazu ein Buch zu lesen und Uwe sein Sudoku zu machen.
Kurz vor 16:00 Uhr kommt eine Angestellte und fragt, ob wir irgendwelche Wünsche haben. Wir bestellen Kaffee und Kuchen. Dieser wird uns sogar auf das Sonnendeck nach oben gebracht. Was für ein Service, irre! Hier wird man wirklich so was von verwöhnt, unglaublich. Als wir die Portionen Kuchen sehen und die Riesenkanne Kaffee, ach du lieber Gott, da werden bestimmt noch mehr Gäste erwartet?? Aber nein, der Kuchen ist ganz allein für uns. Es ist selbst gebackener Kuchen: für jeden zwei Stück Butterkuchen und zwei Stück Streuselkuchen, beides mit Vanillesauce übergossen. Der Kuchen schmeckt fantastisch; ist nur leider viel zu viel. Wir trinken zwei Tassen Kaffee und gehen dann ins Chalet zurück.
Uwe möchte gerne heute Abend bzw. am späten Nachmittag Panoramafotos von den Tirasbergen machen. Dazu erwartet uns natürlich wieder ein etwas steilerer und anstrengender Aufstieg, da Uwe diese Fotos am liebsten von einer ziemlich erhöhten Position aus machen möchte. Was sonst auch? Aber es ist auch nicht ganz schlecht, den Kuchen ein bisschen abzulaufen. Denn das Abendessen wird auch wieder mit dem 3-Gänge-Menü sehr reichlich sein. Wir ziehen also die Boots wieder an, schnüren unsere Rucksäcke auf und quälen uns den steilen Berg über die Felsen nach oben. Dort finden wir eine wunderbare Stelle auf dem Plateau, von der aus wir die ganze Ebene überblicken können. Hier warten wir jetzt auf das richtige Licht, um die Panorama- bzw. auch Sonnenuntergangsfotos machen zu können.

Traumlandschaft Tirasberge

Um 19:00 Uhr gehen wir zum Abendessen. Die Vorspeise am heutigen Abend ist eine Butternut-Cremesuppe. Die Angestellte versucht uns zu erklären, was „Butternut“ ist. Es muss so etwas ähnliches sein wie Kürbis. Sie läuft sogar in die Küche und holt uns einen. Es sieht wirklich wie ein kleiner Kürbis aus. Auf der Suppe ist wieder ein Klecks saure Sahne und einige Croutons. Die Suppe schmeckt etwas süßlich. Ist nicht ganz so mein Ding. Zumal wir am Nachmittag zwei Stück Kuchen gegessen haben, ist unser Hunger nicht ganz so groß. Uwe erbarmt sich meiner und nimmt mir die Hälfte der Suppe ab. Als Hauptspeise gibt es Oryx-Gulasch mit Zwiebeln, Pilzen und Möhren und dazu Reis. Schmeckt wirklich ganz lecker. Das Fleisch ist ganz zart, die Möhren haben Biss, geschmacklich ganz große Klasse. Auch hier muss ich mindestens die Hälfte drauf lassen. Die Angestellte ist ganz traurig und ich entschuldige mich, dass ich auf Grund des Kuchens am Nachmittag überhaupt keinen Hunger habe. Außerdem: Dessert gibt es ja auch noch! Nein, bitte nicht für mich! Obwohl der Schokoladen-Muffin in Vanillesauce, garniert mit Sauerkirschen verführerisch aussieht. Auch hier muss Uwe wieder helfen. Ich kann einfach nicht mehr. Dazu trinken wir einen halben Liter Rotwein und eine Flasche Wasser.
Nach dem Essen nehme ich noch eine kleine Karaffe Rotwein und Uwe ein kaltes Bier. Wir setzen uns mit zwei jungen Männern, die eine Nacht hier schlafen, draußen in die Skybar, tauschen unsere Erlebnisse aus bzw. sprechen von vergangenen Reisen. Kurz nach 22:00 Uhr verschwinden wir dann in unserem Chalet. Irgendwie sind wir beide hundekaputt. Die Wanderung hat doch sehr geschlaucht. Kurz nach 22:00 Uhr löschen wir das Licht. Heute Nacht ist es fürchterlich heiß im Chalet und wir beide kommen vor lauter Schwitzen kaum zum Schlafen. Wir liegen schweißgebadet im Bett und schnappen nach Luft wie die Maikäfer.

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8. Tag => Tirasberge

Übernachtung: Ranch Koiimasis | Hotel: Fest Inn Fels | Ausstattung: sehr gut | Frühstück: sehr gut | Abendessen: ausgezeichnet | Service: ausgezeichnet

Wir haben letzte Nacht relativ schlecht geschlafen. Es war eine unheimliche Hitze im Haus, ach einfach überall. Wie Roland uns heute Morgen beim Frühstück sagte, hatten wir gestern Abend um 23:00 Uhr immer noch 29° C. Der Sandstein, aus dem die Häuser gebaut sind, speichert die Hitze des Tages und absorbiert sie in der Nacht. Dadurch wird es nachts recht kuschelig in den Häusern. So kuschelig, dass man von seinem Schlafpartner sehr weit weg rückt – bloß keine Berührung, um die Hitze des anderen nicht auch noch abzukriegen. :-) Logischerweise gibt es hier mitten in der Wüste keine Klimaanlage. Wäre auch zu vermessen. (Aber schön wäre es schon gewesen.)
Uwe hat es heute Morgen wieder geschafft, um 06:00 Uhr aufzustehen und den Sonnenaufgang zu genießen. Irgendwie bin ich heute Morgen ganz und gar nicht in der Stimmung, so zeitig aufzustehen und bin ihm deshalb erst 06:30 Uhr gefolgt. Eins muss man ja sagen, die Luft ist frühmorgens noch recht klar und angenehm frisch. Ich ärgere mich dann immer über mich selbst, dass ich meinen Hintern nicht eher aus dem Bett bekomme. Mensch, pennen kann ich doch zu Hause! Naja, ich habe es ja noch einigermaßen pünktlich geschafft. Die Sonnenaufgänge hier in Afrika sind einfach ein Erlebnis, so was darf man nicht verpassen. Die hinter uns liegenden großen Felsen fangen an zu glühen, sobald die Sonne über die Berghänge lugt.
Um 08:00 Uhr gehen wir zum Frühstück. Wie auch an den anderen Tagen ist das Frühstück einfach sensationell. Auf dem Tisch stehen bereits eine große Kanne Kaffee und Saft bereit. Kaum sitzen wir am Tisch bringen uns die Mädchen eine große Wurstplatte, wieder mit Kudufleisch in Aspik und Scheibenwurst, Käse, Marmelade, sogar Nutella. Da freut sich Uwe! Um die ganze Sache abzurunden nehmen wir natürlich wieder Spiegeleier.
Wir haben uns heute nach dem Frühstück kurz auf dem Sonnendeck aufgehalten und uns das Bautagebuch angeschaut, zumindest den ersten Teil des Buches. Es ist wirklich interessant zu sehen, wie diese Häuser hier im Nichts entstanden sind. Roland hat wirklich ganze Arbeit geleistet und einen Blick bewiesen, sich hier Häuser und ein Restaurant inmitten der Felsen vorzustellen und diese Idee dann auch umgesetzt.
Nach dem Frühstück wollen wir zur Straußenfarm laufen. Wir haben keine Lust mehr auf Kletterei in den Felsen. Es ist einfach zu heiß. Roland gibt die Außentemperaturen tagsüber mit ca. 34-35° im Schatten an. Deshalb haben wir uns heute für eine weniger anstrengende Wanderung entschlossen. Der Straußen-Walking-Trail geht nur ebenerdig ohne Steigung rund um die Farm.
Zunächst müssen wir von unserem Chalet aus bis zur Nachbarfarm laufen. Das ist ein Weg von ca. 2 km Länge. Es ist verdammt heiß und eigentlich viel zu heiß zum Laufen. Uns läuft die Brühe schon vom Nichtstun. Aber: Wir könnten ja was verpassen! Nachdem wir einige Gatter in unmittelbarer Nähe des Hauses passiert, geöffnet und wieder geschlossen haben, können wir niemanden entdecken. Also keine Menschen. Strauße und Hunde laufen genügend herum. Wir klingeln am Haus und nach einiger Zeit erscheint die Farmersfrau, bei der wir uns nach dem Weg erkundigen. Sie rät uns dringend von der Wanderung ab. Es wäre heute viel zu heiß, wir sollten die Wanderung erst am späten Abend machen, wenn es kühler ist. Aber ich denke, heute Abend haben wir dazu keine Lust mehr. Und da wir morgen Früh sehr zeitig weiterfahren müssen, haben wir uns trotz der Warnung entschlossen, die Wanderung zu machen. Sie zeigt uns den Weg und die Schilder, nach denen wir uns zu richten haben. Wir müssen immer den kleinen gelben Füßen folgen. Die Farm sieht sehr nett aus. In der Mitte des Anwesens blüht ein großer, blauer Jacaranda-Baum. Ich liebe diese Bäume.
Dann laufen wir los, noch sehr engagiert, spritzig und voller Tatendrang. Aber das hält nicht lange an. Es zieht sich nämlich mächtig, wir haben 5 km vor uns und keinen Schatten. Nach einiger Zeit lässt das Engagement, der Tatendrang und die Motivation sehr schnell nach und wir schleppen uns nur noch dahin. Ich hatte zudem auch noch die blöde Idee, den Fotoapparat mit dem großen Teleobjektiv mit mir herum zu schleppen. Das Ding lässt sich ganz schön tragen und wird mit jedem Meter schwerer. Uwe bietet zwar an, die Kamera zu tragen. Aber da habe ich dann doch auch meinen Stolz. :-( Der Weg zieht sich und zieht sich. Die Wanderung rund um das Farmgelände, d.h. eigentlich ist es nur ein klitzekleiner Teil des Farmgeländes, ist 5 km. So langsam wird uns bewusst, welche Herausforderung dies für uns bei dieser Hitze ist. Hätten wir mal auf die nette Dame gehört. :-(
Nachdem wir schon 1 Stunde unterwegs sind, überlegen wir so ganz leise für uns, ob es nicht doch besser ist umzukehren. Aber vermutlich haben wir jetzt schon die Hälfte geschafft. Also macht eine Rückkehr auch keinen Sinn. Die Abstände, in denen wir unter Bäumen den spärlichen Schatten suchen, werden immer kürzer. Wir hatten sechs Flaschen Wasser dabei und eine Flasche Cola. Unser Flüssigkeitsvorrat braucht sich immer mehr auf. Wir können noch maximal „1 ½ Flaschen Wasser“ weitergehen, dann ist Schluss. Puh, keine Ahnung wo und wie die Buschmänner früher Wasser gefunden haben. Wir finden mit Sicherheit keins und werden elendig verdursten . :-(
Leider werden wir auch insofern enttäuscht, als dass wir kaum Tiere zu Gesicht bekommen. Eine Oryx läuft hin und wieder vor uns her, aber so weit entfernt, dass sich einen Foto nicht wirklich lohnt. Auch Strauße können wir nicht sehen. Dafür müssen wir an einer Herde Rinder vorbei. Und die kommen uns bedrohlich nahe. Sie beäugen uns misstrauisch und schnauben vor sich hin. Hoffentlich bleiben sie stehen und kommen nicht noch weiter auf uns zu gerannt. Oh, wie ich diese Viecher hasse, die sind so riesig und machen mir mit ihren dicken Hörnern einfach nur Angst. Meine Schritte werden von daher immer schneller, was bei dieser Hitze echt ein Kraftakt ist. Ich befürchte nur, dass die noch schneller können, wenn sie wollten. Uwe schimpft mich wieder, ich soll mich nicht so anstellen, die würden uns nichts tun. Na hoffentlich wissen die das auch. Ich liebe Rind – als Steak auf meinem Teller, aber nicht wenige Meter mit bösem Blick und gesenktem Kopf von mir entfernt.
Dann befinden wir uns vermutlich auf dem Rückweg. Es wird immer heißer und heißer und unsere Kräfte lassen immer mehr nach. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Weg so anstrengend ist. Ich frage mich, wer die blöde Idee hatte, heute eine Wanderung zu machen! :-) Als wir gestern in den Felsen geklettert sind, war es lange nicht so anstrengend wie heute dieser Weg in dieser flachen Ebene. Also stimmte es doch, was Roland bezüglich der gestrigen Kaltfront sagte. Wir suchen jeden möglichen Baum auf, der uns für einen Moment ein wenig Schatten spenden kann. Endlich kommt das Farmhaus wieder in Sicht. Gerettet!!!! Hier habe ich nochmal Glück und kann die Oryx fotografieren, auch einige Strauße.

Das Farmhaus der Ranch Koiimasis Oryx-Antilope Strauße

Jetzt heißt es „nur noch“ den Weg bis zur Lodge Fest Inn Fels zurück zu laufen. Das sind auch nochmal 2 km. Und die ziehen sich, gefühlt länger als die hinter uns liegenden 5 km. Die Abstände, in denen wir Pausen machen, werden immer kürzer. Leider stehen gar nicht so viele Bäume da, wie wir Schatten brauchen könnten. Wir stoßen wirklich an unsere Grenzen.
Da vorn ist unser Chalet, zum Greifen nah und doch soooo weit entfernt. Der Weg will einfach kein Ende nehmen. Wir schleppen uns, den Kopf nach vorn, die Füße noch einen halben Kilometer hinter uns zurück, die Treppen hinauf und suchen Schutz in unserer, zumindest schattigen, Hütte. Hier drinnen ist eine Hitze, ach du lieber Gott! Wir lassen uns zunächst nur auf’s Bett fallen und müssen uns erst einmal ausruhen. Puh, ich dachte schon, wir überleben diese Wanderung nicht. Alter Falter, vielleicht sind wir aber auch nur Luschis.
So, wie wir beide auf’s Bett gefallen sind, fallen wir in einen Erschöpfungsschlaf, aus dem wir erst eine Stunde später wieder aufwachen. In dieser Zeit hat sich der Himmel vollkommen zugezogen. Es ist unglaublich. Dicke fette Regenwolken hängen über uns und versprechen nichts Gutes. Uwe macht noch ein paar Bilder für den Newsletter fertig. Ich weiß zwar nicht, ob und wann wir wieder mal Internet haben. Hier geht jedenfalls nichts. Währenddessen schaue ich mir das Bautagebuch von Roland zu Ende an. Wenn ich diese Plackerei sehe, die er zwei Jahre lang hatte, um diese Lodge aufzubauen, kann man wirklich nur den Hut ziehen.
Der Mittagsschlaf hat uns sehr gut getan und jetzt, 15:30 Uhr, gehen wir zum Pool und kullern noch ein bisschen auf den Liegen des Sonnendecks herum. Einfach geil! Noch dazu, wenn man eine mörderische Wanderung überlebt hat. Man könnte ja rein theoretisch auch in den Pool gehen, dafür ist er ja schließlich da. Uwe hat es zumindest versucht. Als ich dann aber seine Rumpelstilzchen-ähnlichen Verrenkungen :-) gesehen habe stand für mich fest: Das Wasser ist zu kalt, kann nur zu kalt sein! Uwe bestätigt, dass er hochgradige Erfrierungen an den Zehen davon getragen hat. :-) Also, um das mal klarzustellen: das Wasser soll eine Temperatur von ca. 25°C haben. ABER: dadurch die Lufttemperatur und damit auch unsere Körpertemperatur um mindestens „50°C“ höher als die Wassertemperatur liegen, empfinden wir diese eher in Richtung Gefrierpunkt. Ich weiß, das ist höhere Physik, also nicht unbedingt was für mich und im Urlaub schon gar nicht. Und außerdem, warum soll man nicht auch am Pool liegen können, ohne nass zu werden? ;-)
Das Frühstück liegt nun schon etwas länger zurück, so dass wir jetzt etwas Hunger verspüren. Nun wollen wir auf gar keinen Fall so wie gestern jeder eine Portion Kuchen essen. Da geht ja heute Abend beim Abendessen wieder überhaupt nichts mehr. Uwe bestellt im Restaurant Kaffee für uns beide und fragt nach einem Teller Kuchen. Ich denke, das reicht uns dicke. Mmh, heute gibt es frische Pancake, gefüllt mit Erdbeercreme oder Erdbeermarmelade (keine Ahnung was, ist lecker), mit Vanillesoße übergossen und ein Klecks Sahne. Na Gott sei Dank haben wir nur eine Portion Kuchen bestellt, denn für jeden eine wäre einfach viel zu viel gewesen.
Die Mädels servieren uns das wieder direkt am Pool und grinsen immer über unsere „abgespeckten“ Bestellungen. Der Pancake ist echt lecker und, wie wir vermutet haben, hat uns eine Portion ausgereicht. Nachdem wir unseren Kuchen gegessen haben, rollen wir uns auf unsere Liegen zurück und müssen uns erholen. Von was? Natürlich vom Essen. :-) Der Himmel ist immer noch ziemlich zugezogen. Dicke Regenwolken sind aufgezogen, die allerdings keinen Regen bringen. Regen wäre hier wirklich dringend nötig. Roland sagte, das letzte Mal hat es vor Weihnachten 2012 geregnet.
Heute sind neue Gäste angekommen, u.a. ein Ehepaar mit Tochter. Die Tochter hat uns gleich gesprächsmäßig in Beschlag genommen und hat uns beschallt, als hätte sie tagelang niemanden zum Reden gehabt. Wir werden es überleben! Ist aber immer noch besser, als wenn man so einen Muffel vor sich hat, der weder guten Tag noch guten Weg wünscht. Etwas später kommt dann eine andere Frau mit stachelkurzen, pumukelroten Haaren, die den Pool benutzen will bzw. auch benutzt. Sie kommt und echauffiert sich, dass es hier keine Pool-Dusche gibt. Also, so eine Tussy! Ich meine, hier – mitten in der Wüste – ist es schon dekadent, überhaupt einen Pool zu haben. Für was braucht die noch eine Dusche am Pool, wo sie doch im Zimmer duschen kann? Manche Leute kann man einfach nicht verstehen.
Gegen 17:30 Uhr quälen wir uns dann von unseren Liegen herunter und verschwinden im Chalet. Wir packen schon mal etwas zusammen, duschen und gehen dann zum Abendessen. Wir haben es bislang an noch keinem Abend geschafft, so richtig an der Skybar zu sitzen. Da heute unser letzter Abend ist, steigen wir die Treppen zur Bar hinab und bestellen ein kaltes Bier. Es tut richtig gut, auch mal wieder ein kaltes Getränk zu genießen. Wir hatten vorher auf unserer Terrasse schon ein Bier getrunken, das allerdings sehr warm gewesen ist. Auch wenn es dekadent ist, sich in der Wüste einen Kühlschrank zu wünschen, so fehlt er uns doch sehr. Also sitzen wir jetzt in der urigen Skybar und genießen das richtig eiskalte Bier.
Roland leistet uns Gesellschaft. Er erzählt von seiner Übersiedlung nach Namibia und meint, dass man solche Pläne nur dann in die Tat umsetzen kann, wenn man sich nicht zu viele Gedanken macht. D.h. alle Gedanken über Versicherungen und Krankheiten und was-wäre-wenn würde man weit von sich wegschieben müssen, ansonsten braucht man so ein Projekt gar nicht erst zu starten. Die nächste Stadt (Keetmanshoop) ist ca. 6-7 Autostunden entfernt. Es gibt zwar in Namibia auch eine Art Flying Doctors, aber auch die brauchen ca. 2 Stunden, bis sie hier auf der Farm sind. Also im Falle eines Biss‘ einer schwarzen Mamba oder eines Herzinfarkts sollte man vorher sein Testament machen. Über etwas anderes braucht man sich keine Gedanken zu machen.
Die neu angekommenen Gäste, ein älteres Ehepaar mit Tochter (die Quasselstrippe vom Pool) kommen noch dazu. Die beiden alten Herrschaften sind auch schon weit über 70. Wir sind eine richtig nette Runde und trinken noch ein zweites Bier. Irgendwann werden wir von einem der Mädels gerügt, denn das Abendessen wäre langsam fertig.

Das Restaurant Das Restaurant Das Restaurant

Also wechseln wir ins Restaurant und setzen uns an unserem Tisch. Heute Abend gibt es mal keine Suppe als Vorspeise. Die Vorspeise kann ich eigentlich gar nicht richtig definieren. Den Namen habe ich weder verstanden noch konnte ich ihn mir merken. Es ist irgendetwas Überbackenes, Vegetarisches. Bei genauerer Betrachtung muss es eine Art Kohl sein, der mit Linsengemüse gefüllt ist, darauf liegt ein Blumenkohlröschen und das Ganze ist dann überbacken. Mmh – richtig lecker.
Oh Mann, die Portionen sind wieder so riesig! Keinen Abend kann ich mein Essen aufessen. Ich schaffe anderthalb Stück Fleisch, bin schon stolz wie Oskar, und quäle mir die Bohnen im Speckmantel auch noch rein. Die Kartoffeln habe ich links bzw. rechts auf dem Teller liegen gelassen. Auch Uwe kann mir bei der Hauptspeise nicht mehr helfen. Er schafft seine Portion gerade so. Es ist mir immer total peinlich, die Hälfte vom Essen zurückgehen zu lassen. Noch dazu in Afrika! :-( Ich habe immer richtig zu tun, die Mädels davon zu überzeugen, dass es wirklich schmeckt, mir aber zu viel ist. Aber was nützt es, wenn man satt ist, ist man satt.
Wir bestellen uns zum Abendessen wie jeden Abend einen halben Liter Rotwein und eine Flasche stilles Wasser. Als Nachspeise gibt es heute Vanille- und Schokoladenmousse, garniert bei mir mit einem herzförmigen Keks und bei Uwe mit einem Mondkeks. Das Mädchen erklärt uns, dass das Herz für die Frauen ist, weil die ein sehr weiches Herz haben und der Mond ist für die Männer, es bedeutet das Licht. Auch das Dessert war sehr, sehr lecker. Ich habe zumindest zwei Löffel probiert. In Uwe finde ich hier aber einen dankbaren Abnehmer. Süßes geht bei ihm immer. :-) Und noch dazu Schokolade. :-) :-)
Nach dem Essen brechen wir heute recht schnell auf. Wir sitzen hier jetzt noch bei einer Flasche, leider warmen, Bier. Dadurch der Himmel heute so zugezogen ist präsentiert sich uns auch kein Sternenhimmel. So schade! Wir wollen morgen gar nicht abreisen . Gegen 21:30 Uhr liegen wir im Bett und versuchen zu schlafen.

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9. Tag => Sossusvlei

Übernachtung: Sossusvlei | Hotel: Sossus Dune Lodge | Ausstattung: sehr gut | Frühstück: gut | Abendessen: gut | Service: sehr gut

Heute ist leider unser Abreisetag gekommen . Wir müssen das wunderschöne Chalet Fest Inn Fels verlassen. Um 06:00 Uhr stehen wir auf, um noch einmal den letzten Sonnenaufgang hier oben in den Tirasbergen zu genießen. Da wir gestern bereits alles gepackt haben, können wir uns Zeit lassen und den Sonnenaufgang von der ersten bis zur letzten Minute auskosten. Wir duschen und gehen 07:30 Uhr zum Frühstück. Wie jeden Morgen ist das Frühstück sehr reichlich und sehr gut. So wie sich unser Magen anfühlt, brauchen wir den ganzen Tag nichts mehr. Wir trinken auf der Terrasse unseren letzten Kaffee und lassen uns noch eine halbe Stunde Zeit, um mit Roland einen Plausch zu halten. Er hat immer so viele interessante Geschichten zu erzählen.
Anschließend checken wir aus und bezahlen die Getränke, die wir zwischendurch und zum Abendessen hatten sowie Kaffee und Kuchen. Ich entschließe mich, mit Kreditkarte zu bezahlen, da ich nicht weiß, wann wir wieder einmal an einen Geldautomat kommen. Außerdem hatte ich auch den Überblick über den Wein und die doch etlichen Flaschen Bier verloren und dachte, Wunder wie viel wir zahlen müssen. Aber so schlimm ist es gar nicht. Wir hinterlassen Trinkgeld für die Mädchen. Die Angestellten haben hier eine Art Spardose, in der die Gäste bei Zufriedenheit und nach eigenem Ermessen Trinkgelder hinterlassen können.
Wir packen die restlichen Sachen ins Auto und starten 09:15 Uhr Richtung Sossusvlei. Unsere heutige Fahrstrecke beträgt ca. 350 km, und das alles nur auf Schotter- und Sandpisten. Unsere Reisetaschen haben wir zusätzlich in große, stabile Müllsäcke verpackt. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viel Sand und Dreck doch ins Auto gelangen. Ohne die zusätzliche Verpackung in Müllsäcken könnten wir vermutlich unsere Klamotten entsorgen. Von der weißen Farbe unseres Autos ist auch nicht mehr viel zu sehen. Es ist schön gleichmäßig von rotem Sand eingehüllt.
Die ersten 22 km auf der Farm fahre ich. Auf der Fahrt über das Farmgelände sehen wir einige Springböcke und Oryx, ach ja und Strauße. Uwe, der arme Kerl, muss ständig aus dem Auto aussteigen und die Gatter für mich öffnen und wieder schließen. Er ist fix und fertig. :-)

Sonnenaufgang über den Tirasbergen Farmpad Immer wieder müssen Gatter geöffnet werden

Nach ca. 30 min oder etwas mehr erreichen wir die “Hauptstraße”, die D707, der wir jetzt noch für ca. 55 km folgen müssen. Nachdem wir das Farmgelände verlassen haben fährt Uwe ein Stück weiter. Die Landschaft hier ist der Hammer, einfach traumhaft!! Die Tirasberge liegen rechter Hand von uns und erstrecken sich so weit das Auge reicht. Diese Bergkette verfolgt uns Kilometer um Kilometer. Linker Hand sehen wir die ersten Ausläufer der roten Sanddünen. Oryxe springen ständig vor uns über die Fahrpiste. Hier müssen wir ganz schön aufpassen, dass wir so ein Riesenviech nicht erwischen. Auch ein Schakal latscht vor uns über die Straße. Kann der nicht warten, bis wir vorbei sind?
Die D707 ist vom Belag her eine einzige Katastrophe und lässt sich ganz bescheiden fahren. Uwe muss ständig die Gefühle wechseln von ziemlich tiefen Sandpassagen, bei denen man versuchen muss, in den tiefen Spurrillen zu bleiben. Alter Falter, ich werde noch seekrank, weil das Auto nur schwimmt. Dann wechseln sich wieder sehr steinige Passagen mit Waschbrettpassagen ab. Puh, wir haben nur einen Ersatzreifen dabei. Hoffentlich haben wir hier keine Panne.
Seit wir heute Morgen ins Auto gestiegen sind, haben wir bislang noch keine weitere Menschenseele gesehen. Wir erreichen eine Straßenkreuzung, an der wir die D707 verlassen und auf die C27, weiterhin eine Gravelroad, auffahren. Nach 23 km auf der C27 erreichen wir den Ort Betta, der eigentlich gar kein Ort ist. Er besteht lediglich aus einer Tankstelle, einem Campingplatz und einem kleinen Laden. Hier tanken wir das Auto noch einmal auf (wer weiß, wann sich diese Gelegenheit wieder bietet) und fahren ohne weiteren Stopp weiter.
Um 13:30 Uhr endlich erreichen wir das Tor zum Sossusvlei Nationalpark. Einige Autos stehen bereits vor uns und wir fragen uns, was bitte schön hier so lange dauert. Aber das erfahren wir, als wir endlich an der Reihe sind und das Tor passieren wollen. Unser Autokennzeichen wird akribisch notiert und der Name wird notiert. Mit unserem Namen haben die Schwarzen natürlich so ihre Probleme und es dauert lange, bis wir ihn einigermaßen leserlich buchstabiert haben. Man will natürlich auch unsere Buchungsbestätigung sehen und dann können wir endlich das Tor passieren.
Zunächst müssen wir uns im Visitor Center ein Permit kaufen, das 170,00 Namibische Dollar (ca. 12,00 €) für zwei Personen pro Tag kostet. In einem kleinen angrenzenden Laden versorgen wir uns noch mit Wasser. Dafür, dass wir eigentlich überhaupt keine Wassertrinker sind, haben wir hier einen enormen Verbrauch. Was den Verbrauch natürlich auch noch erhöht ist die Tatsache, dass wir uns die Zähne nur mit Mineralwasser putzen. Angeblich kann man das wohl auch mit dem Leitungswasser. Aber in manchen Dingen sind wir einfach Sicherheitsfanatiker.
Dann fahren wir zur Lodge hinter. Die Lodge liegt traumhaft am Fuße der Berge. Unterhalb der Lodge ist ein kleiner Parkplatz, auf dem die Autos abgestellt werden müssen. Der Parkplatz ist eine Art Carport, in dem die Fahrzeuge überdacht stehen und somit nicht der Sonne ausgesetzt sind. Wir sind jetzt natürlich gespannt wie die Flitzebogen, was uns in dieser staatlichen, aber vollkommen überteuerten Lodge erwartet. Der Grund, weshalb wir uns diese mehr als hochpreisige Lodge ausgesucht haben ist der, dass man nur von hier aus weit vor Sonnenaufgang und weit nach Sonnenuntergang noch in den Dünen sein kann. Alle anderen Lodges sind außerhalb des Nationalparkes angesiedelt. Die Gäste der außerhalb liegenden Lodges müssen sich morgens am Eingangstor des Nationalparks anstellen, das erst direkt zum Sonnenaufgang öffnet. Dann hat man noch mehr als eine Stunde bis zu den Dünen zu fahren. Tja, und da sind dann der Sonnenaufgang und das schöne Licht vorbei. Zum Sonnenuntergang müssen alle Besucher den Nationalpark wieder verlassen haben. Also entweder die Chance auf tolle Fotos bei schönem Licht und viel bezahlen oder aber weniger zahlen und die Fotos bei schlechtem Licht machen. Also darüber nachdenken darf ich nicht bei dem Preis. Deshalb sind wir nun auch gespannt, was uns für das viele Geld geboten wird.
Zunächst kommt ein alter, verwatzter Jeep mit einem fröhlichen Schwarzen darin auf den Parkplatz gefahren, kaum dass wir unser Auto verlassen haben. Dieser fährt den ganzen Tag zwischen Parkplatz und Lodge hoch und runter, um die neuen Gäste mit ihrem ganzen Gepäck abzuholen und zur Lodge bzw. zu Rezeption zu fahren. (Ein schöner Job, könnte mir auch gefallen. :-) ) Es wäre allerdings auch sehr mühsam und schweißtreibend, wenn man das Gepäck den Berg hochschleppen müsste.
Wir werden auch hier sehr freundlich begrüßt (leider ohne Drink :-( ) und checken ein. Man weist uns Chalet Nummer 11 zu. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir ja noch nicht, mit welch langem Leidensweg dieses Chalet für uns verbunden ist. Chalet Nummer 11 liegt rechter Hand, wenn man vor der gesamten Lodgeanlage steht. Und Chalet Nummer 11 ist das vorletzte Haus. Oh nein!! Der Weg von der Rezeption bzw. auch Restaurant bis zu unserem Chalet sind mindestens 600 m wenn es überhaupt reicht. Hier ist ein Holzweg angelegt, von dem aus dann die einzelnen Chalets abgehen. Der Schwarze hilft uns Gott sei Dank mit dem Gepäck, das er auf eine Art Sackkarren lädt und uns zu unserem Chalet begleitet.
WOW!!! Das Chalet ist traumhaft schön. Wir haben ein großes offenes Schlafzimmer mit Panoramafenstern, die den Blick auf die Savanne und die dahinter liegenden Dünen gewähren. Davor stehen zwei unverschämt bequeme Liegesessel, aus denen man sich am liebsten überhaupt nicht mehr erheben möchte. Ein großes Doppelbett mit Moskitonetz und ein Kühlschrank, in dem auch zwei Flaschen Wasser für uns bereit stehen, runden das Schlafzimmer ab. Von hier aus kommt man auch auf eine großzügige Veranda, die mit Holzpfählen als Sichtschutz abgegrenzt ist. Vom kleinen Flur aus gelangt man in ein sehr großzügiges Badezimmer mit zwei Waschtischen und einer großen Dusche. Sogar zwei weiße und kuschelweiche Bademäntel hängen für uns bereit. Wann trägt man die denn???

Chalets der Sossus Dune Lodge Chalet Nr. 11 Bequeme Liegen vor großen Panoramafenstern

Ein Safe ist auch vorhanden, in dem wir unsere Wertsachen einschließen können. Natürlich haben wir jetzt Hummeln im Hintern und können unser schönes Chalet eigentlich gar nicht genießen. Also irgendwie ist das schon pervers, wir zahlen einen Haufen Geld nur dafür, dass wir unser Gepäck abstellen und heute Nacht vielleicht 5 Stunden im Bett liegen. Das darf man wirklich niemanden erzählen.
Wir wollen natürlich jetzt noch zu den Dünen fahren. Gegen 15:00 Uhr bringt uns der schwarze Shuttlefahrer zum Parkplatz. Wir müssen uns jetzt aber beeilen, wenn wir noch den Sonnenuntergang in den Dünen erleben wollen. Von der Lodge aus muss man ca. 1 Stunde (60 km) bis zu den Dünen fahren. Die ersten 2-3 km sind geschottert und dann gibt es eigenartigerweise eine breite Teerstraße, die sich sehr gut fahren lässt. Ist schon witzig, kaum eine Straße in Namibia ist geteert, aber hier im Park zu den Dünen gibt es eine Teerstraße. Trotzdem beträgt die Geschwindigkeitsbegrenzung nur 60 km/h. Wir müssen allerdings feststellen, dass sich niemand daran hält, obwohl es strenge Kontrollen geben soll. Auch wir fahren viel flotter als erlaubt und sind mit gut 90-100 km/h unterwegs. Schließlich wollen wir ja den Sonnenuntergang nicht verpassen. :-)

Auf der Suche nach Motiven Gewaltige Sanddünen in der Namib-Wüste Gewaltige Sanddünen in der Namib-Wüste

Ursprünglich hatten wir geplant, bis zum Deadvlei hinter zu fahren. Am Ende der Teerstraße befindet sich ein Parkplatz unter einigen Kameldornbäumen. Von hier geht es jetzt die letzten 5 km durch tiefen, wirklich sehr tiefen Sand entweder a) zu Fuß (um Gottes Willen :-( ), b) mit einem Allrad-Shuttle oder c) mit dem eigenen Allradwagen und einer gehörigen Portion Mut weiter. Alle, die wir bisher gesprochen haben, rieten uns davon ab, selbst mit dem Wagen diese fürchterliche Sandpiste zum Deadvlei zu fahren. Der Shuttle hat allerdings um 17:00 Uhr bereits Feierabend gemacht und die Arbeit eingestellt. :-( Also bleibt uns jetzt nur Alternative c) – selber fahren. Ich bin aber ehrlich, es ist uns zu heikel, jetzt am Abend noch selbst zu fahren. Es ist uns ganz einfach zu gefährlich, die 5 km Tiefsand zu versuchen. Wenn wir nämlich in der Sandpiste stecken bleiben, werden wir wohl die ganze Nacht im Auto verbringen müssen. Dabei wartet ca. 1 Stunde von uns entfernt eine sauteure Lodge auf uns. Heute Abend kommt mit Sicherheit keiner mehr zur Hilfe. Also verzichten wir heute Abend auf Deadvlei.
Wir fahren die Teerstraße wieder zurück bis zur Düne 45. Ihren Namen verdankt sie dem Umstand, dass sie 45 Kilometer vom Parkeingang entfernt liegt. Die Düne 45 ist rund 170 Meter hoch. Zeitgleich mit unserer Ankunft an den Dünen ziehen dichte Wolken auf. Es ist wirklich zum Verrücktwerden. Wir haben nur einen Tag hier im Sossusvlei und der ganze Himmel ist voller Wolken. Ohne das Sonnenlicht sehen die Dünen natürlich lange nicht so schön aus. Wir halten uns auch, was die Fotos betrifft, ziemlich zurück.
Ursprünglich hatten wir auch geplant, die Düne hochzulaufen. Puh, jetzt bei der Hitze – unmöglich. Wir haben ca. 45°C im Schatten – und ja, heute haben wir Schatten, weil ja die Sonne hinter den Wolken verschwunden ist. :-( Der Sand ist dermaßen heiß, hierauf könnte man Spiegeleier braten. Uwe ist dann doch noch ein Stück auf die Düne hinauf gelaufen, allerdings nicht bis hoch.
Die Formen und Farben der Dünen sind einfach fantastisch. Was hier nur allein durch den Wind modelliert wurde und immer noch wird – unglaublich. Gerade am Morgen oder am Abend, wenn die Sonne (sofern sie denn überhaupt da ist) Schatten auf die Dünenkämme zaubert und man dadurch die scharfen Konturen erkennt, das ist einfach spektakulär. So viel Sand, soweit das Auge reicht, übereinander und nebeneinander, ist absolut beeindruckend.
Am Abend, kurz bevor die Sonne untergehen wollte, sind auf einmal alle Wolken verschwunden. Und so können wir dann doch noch sehr schöne Fotos machen. Die Sonne geht als glutroter Ball hinter den Dünen unter. Es ist traumhaft. Wir sitzen hier auf der Düne und schauen in die Weite aus Sand. Um diese Zeit sind die meisten Touristen bereits auf dem Weg aus dem Park und somit herrscht eine unheimliche und angenehme Stille.

Gewaltige Sanddünen in der Namib-Wüste

Es ist schon richtig dunkel, als wir uns auf den Rückweg von der Düne 45 zur Lodge machen. Düne 45 – das heißt also so viel, dass man noch 45 km bis zur Lodge zu fahren hat. Der Sonnenuntergang war kurz vor 19:00 Uhr. Zwischen 19:00 und 21:00 Uhr gibt es Abendessen in der Lodge. Also müssen wir uns jetzt ganz schon beeilen. Wir haben Hunger wie die Wölfe, schließlich haben wir seit 12 Stunden nichts mehr gegessen.
Die Fahrt zurück ist auch nicht ganz ungefährlich, da doch sehr viel Wild auf den Straßen unterwegs ist. Wir sehen etliche Oryx, Springböcke und natürlich auch die blöden Strauße, die permanent über die Straße rennen müssen. Ein anderes Auto hat sich praktischerweise an uns drangehängt und fährt hinter uns her. Kann der uns nicht überholen, so dass wir ihm hinterher fahren können? ;-)
Kurz vor 20:00 Uhr kommen wir in der Lodge an. Uwe ist wieder einmal gefahren wie ein Henker. Ich bin jetzt grad mal wieder etwas verspannt und habe, glaube ich, das Bodenblech auf meiner Seite durchgetreten. Puh, wie der durch die Dunkelheit gebrettert ist und dann noch die Viecher am Straßenrand. Jetzt muss sich mein kleines Herzchen erst mal wieder beruhigen. :-) Uwe’s Kommentar? „Stell dich nicht immer so an …“
Wir müssen gar nicht lange warten, bis uns ein freundlicher Angestellter mit dem verwatzten Jeep vom Parkplatz abholt und zum Restaurant fährt. Die Lodge sieht am Abend ganz toll aus. Man sieht die beleuchteten Chalets, die sich um die Bergkette schmiegen.
Und jetzt? Erst duschen und dann zum Essen gehen? Um ehrlich zu sein, ich kann jetzt nicht noch einmal 1 km zu unserem Chalet laufen, und das muss man für die Strecke hin und zurück rechnen. Da fallen wir vor Hunger um. Ich habe eh unterwegs schon mal ein bisschen abgebaut. Das Frühstück heute Morgen um 07:30 Uhr war zwar reichlich, aber über den ganzen Tag gesehen haben wir nichts weiter gegessen. Wir entscheiden uns also, so verkeimt und verschwitzt und schmutzig, wie wir sind, gleich zum Essen zu gehen. Wir fühlen uns zwar überhaupt nicht wohl, da im ganzen Speisesaal nur frisch geduschte, gut aussehende und gut riechende Menschen sitzen. Aber darauf können wir jetzt keine Rücksicht nehmen. Obwohl, ich wünschte mir schon so einen „unsichtbar-mach-Mantel“.
Es gibt ein Menü bestehend aus zwei Vorspeisen, zum einen Salat, der ist ganz lecker. Die zweite Vorspeise ist eine Suppe. Das soll eine Bohnensuppe sein, die allerdings nach gar nichts schmeckt. Im Hauptgang kann man zwischen zwei Gerichten wählen, entweder Rindersteak oder Schweinemedaillons. Wir entscheiden uns beide für das Rindersteak. Dazu gibt es Blumenkohlgemüse und Couscous. Da ich Couscous noch nie gemocht habe, esse ich nur das Steak und den Blumenkohl. Uwe schmeckt es wie immer sehr gut. Die Nachspeise ist irgendeine Süßspeise mit Creme und Teig drunter, der nach Banane schmeckt. Also auch nicht mein Fall. Aber Nachtisch ist sowieso nie mein Fall. Uwe ärgert das nun gar nicht, er kann eigentlich immer zwei Desserts essen.
Gegen 21:00 Uhr sind wir mit dem Abendessen fertig und schlurfen den langen Weg zu unserem Chalet. Mein Gott, sind wir platt! Wir können kaum noch ein Bein vor das andere stellen. Der Weg will einfach kein Ende nehmen. Ich habe wirklich das Gefühl, da hat jemand während unserer Abwesenheit noch meterweise Weg hinten dran gebaut. Aber auch dieser Leidensweg hat mal ein Ende und nach gefühlten 3 Stunden haben wir unser Chalet erreicht.
Wir hupfen noch rasch unter die Dusche, obwohl das eigentlich überhaupt keinen Zweck hat. In unserem Chalet herrschen Temperaturen, es müssen noch mindestens 30°C sein. Ich gehe noch für eine Zigarette und ein kaltes Bier aus unserem Kühlschrank auf die Veranda und lausche den Geräuschen der Wüste und der Nacht. Wenn man doch nur mehr Zeit hätte, dies alles ein bisschen mehr zu genießen. 22:30 Uhr fallen wir wie die Toten ins Bett. Heute geht gar nichts mehr. Zumal morgen Früh der Wecker um 4:30 Uhr klingelt. :-(

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10. Tag => Deadvlei

Übernachtung: Sossusvlei | Hotel: Hoodia Desert Lodge | Ausstattung: sehr gut | Frühstück: sehr gut | Abendessen: sehr gut | Service: ausgezeichnet

Als um 04:30 Uhr der Wecker klingelt, denke ich doch echt, mich tritt ein Pferd. Wir haben die ganze Nacht kaum geschlafen. In unserem Chalet war es soooo heiß, es war kaum zu ertragen. Um 01:30 Uhr wache ich auf und sterbe fast den „Verdurstungstod“. Irgendwie muss ich jetzt an etwas Trinkbares oder etwas Flüssiges heran. Irgendwann bin ich dann doch noch etwas eingeschlafen, bis dann der Wecker um 04.30 Uhr nach nur gefühlten 5 Minuten Schlaf klingelt.
Ich gehe kurz auf die Terrasse um zu schauen, ob man lange Hosen braucht oder ob die kurzen ausreichen. Kurze Hosen sind absolut ausreichend. Eigentlich hätten wir das wissen sollen, so heiß wie es in unserem Chalet ist. Über uns breiten sich ein wahnsinnig schöner Sternenhimmel und eine gigantische Milchstraße aus, unbeschreiblich!! Wie immer in solchen Momenten haben wir natürlich keine Zeit, dieses Naturschauspiel aufzunehmen oder gar zu genießen.
Wir spritzen uns schnell etwas Wasser ins Gesicht und putzen die Zähne. Anschließend laufen wir den langen Weg vom Chalet zur Rezeption durch die dunkle Nacht. Außer unseren Schritten, die auf dem Holzplankenweg einen Höllenlärm in der nächtlichen Stille machen, ist nichts zu hören. Alles schläft noch, außer uns.
Im Frühstücksrestaurant stehen verschiedene Tüten bereit, die man sich mitnehmen kann. Pro Person wurde bereits eine Frühstückstüte vorbereitet. Wir schnappen uns also jeder eine Tüte und treten dann den langen, staubigen Weg bis zum Parkplatz an, auf dem unser Auto steht. Logisch, mitten in der Nacht gibt es auch noch keinen Parkplatz-Shuttle, also heißt es auf Schusters Rappen durch den Staub. Es ist stockrabendunkel und wir sind dankbar für unsere Stirnlampen, die wir eingeschaltet haben. Plötzlich sind noch 2 Leute da, die ebenso wie wir „an Schlafstörungen leiden“.
Uwe startet den Wagen; aber dieses Mal ist er so clever und lässt den anderen vorfahren. :-) So kommen wir heute Morgen in den Genuss, hinter einem Fahrzeug herzufahren. Gestern waren wir nämlich an der Spitze des Tross‘ und das ist immer Mist. Der vor uns Fahrende fährt ziemlich flott und biegt bei Düne 45 ab. Vermutlich will er hier hinauf klettern. Blöd für uns, also fahren wir alleine weiter und haben so niemanden mehr vor uns, der uns den Weg weist. Dafür sieht aber Uwe im Rückspiegel Lichter aufkreuzen, die stetig und sehr schnell näher kommen. Da ist einer unterwegs, der es noch eiliger hat und noch schneller fährt als wir. Nach ca. 1 Stunde haben wir den Parkplatz erreicht, auf dem man sein Auto abstellen kann, um dann mit einem Allrad-Shuttle nach Deadvlei gefahren zu werden. Diese Shuttles beginnen aber erst um 07:00 Uhr morgens mit ihrer Arbeit. Jetzt ist es gerade mal 06:00 Uhr.
Uwe entschließt sich, doch selbst zu fahren. Ganz wohl ist ihm dabei nicht. So groß sind seine Erfahrungen im Tiefsandfahren auch nicht und außerdem haben wir noch keine Luft abgelassen. Unsere Reifen sind prall voll. Wir wissen auch überhaupt nicht, was uns während der Fahrt erwartet. Andererseits wollen wir schon gern den Sonnenaufgang im Deadvlei erleben. Ach komm, was soll schon passieren? Schlimmstenfalls bleiben wir stecken, müssen laufen und darauf warten, dass uns irgendwann ein Abschlepper aus dem Sand zieht. Also auf!!!
Während wir also überlegen, fahren oder nicht fahren, überholt uns das Fahrzeug, das uns die ganze Zeit relativ rasant gefolgt ist, und fährt an uns vorbei auf die Sandpiste. Auch er hat keine Luft abgelassen, zumindest nicht hier. Also meint Uwe, okay ich versuche es auch ohne abzulassen. Und fährt hinterher. Der andere, der uns gerade so sportlich überholt hat, kommt aber nicht weit. Nach ca. 500 m bleibt er vor uns im Sand stecken. Ach du Scheiße! Jetzt muss Uwe irgendwie versuchen, die Spur zu wechseln, um an dem Fahrzeug vorbeizukommen und bitte, bitte – bloß nicht stehen bleiben!!! Ich feuere ihn ständig an: gib Gas, gib Gas!! Und Uwe fährt wahrscheinlich die Hatz seines Lebens. :-) Er gibt Gas, tritt dabei das Bodenblech fast durch. Aber trotzdem können wir nicht schneller fahren. Der Sand ist so unheimlich tief. Wenn man das Glück hat und eine Spurrille erwischt, in der man sich bewegt, fährt man wie auf Schienen. Aber das klappt nicht immer und der Wagen macht, was er will. Er bricht aus und versucht, sich permanent einzugraben. Uwe fährt diese 5 km, die man noch bis zum Deadvlei fahren muss, wie eine gesenkte Sau. Ich habe mich zwar irgendwie verkeilt,werde aber trotzdem ziemlich hin und her geschmissen. Am schlimmsten ist es, wenn Uwe die Bodenhaftung verliert und das Auto ein Stück weit „fliegt“. Dass da nichts zu Bruch gegangen ist an Knochen oder Köpfen oder sonst irgendwas, das ist wirklich ein Wunder. Ohgott-ohgott, solche Strecken muss ich aber nicht so oft haben. Auf jeden Fall kommen wir gut an und Uwe hatte einen Adrenalinstoß, wie noch nie in seinem Leben. Wir schütteln rasch Arme und Beine – alles noch dran und funktionstüchtig. :-) Uwe ist schweißgebadet.
Wir schnappen uns gleich unsere Fotoausrüstung und laufen in Richtung großer Düne, hinter der dann das Deadvlei liegt. Alter Falter, ist das mühsam, in dem tiefen Sand zu laufen! Die Beine werden immer schwerer, der Rucksack zieht uns nach unten und man möchte sich eigentlich nur hinlegen und schlafen. Aber wir quälen und kämpfen uns tapfer voran, weil wir die ersten hier hinten sind und damit auch die ersten am Deadvlei, die den schönen Sonnenaufgang genießen können. Ohne störende Touris, die uns auf dem Bild herum hopsen.

Die Dünenkämme beginnen im ersten Sonnenlicht zu glühen Travel genießt die Ruhe im Deadvlei Deadvlei zum Sonnenaufgang

Wir machen ganz tolle Aufnahmen. Diese Morgenstimmung hier im Deadvlei ist einfach unbeschreiblich. Oryx und kleine Springböcke laufen uns über den Weg. Leider ist es zu dunkel, um sie zu fotografieren. Langsam kommt die Sonne hinter der großen Düne, es ist wahrscheinlich Big Daddy, hervor und taucht die Dünen und das Deadvlei in zartrosa Licht. Es ist wirklich ganz fantastisch. Und die Stille hier im Deadvlei ist unglaublich. Man hört überhaupt nichts. Wir machen ganz viele Fotos, wie kann es anders sein.

Deadvlei

Irgendwann kann ich Uwe noch dazu überreden, ein Pano vom Deadvlei zu machen. Nach und nach kommen immer mehr Leute ins Deadvlei. Das heißt, für uns wird es jetzt Zeit zu gehen. Außerdem haben wir beide Hunger und sind schon ganz gespannt auf den Inhalt der Frühstückstüten, die wir von der Sossus Dune Lodge mitbekommen haben. Jetzt heißt es aber erst einmal, wieder durch den tiefen Sand zurück quälen. Es wird einem aber auch gar nichts geschenkt, alles muss man sich hart erarbeiten. ;-)
Direkt am Parkplatz ist ein großer Baum, unter dem eine Holzbank und ein Tisch stehen. Hier werden wir jetzt frühstücken und dabei eine geile Aussicht genießen. Uwe geht zum Auto und holt unsere Frühstückstüten. Um uns herum springen die großen Kolkraben und kleine bunte Vögel, die wahrscheinlich hoffen, von uns auch einen Bissen abzubekommen.

Blick auf die Dünenlandschaft während unserem Frühstück Blick auf die Dünenlandschaft während unserem Frühstück Blick auf die Dünenlandschaft während unserem Frühstück

In unserer Frühstücks-Wundertüte haben wir Saft, ein belegtes Brötchen (ein bisschen wie Pappe), ein gekochtes Ei, Müsliriegel und einen Apfel. Ist jetzt nicht gerade der Kracher, aber der Hunger treibt’s rein. Egal, wir haben etwas zu essen und eine grandiose Landschaft.
Nachdem wir unser Frühstück gegessen haben, ist es bereits 09:00 Uhr. Man hat uns in der Lodge eine Stunde länger Zeit zum Auschecken gegeben, so dass wir nochmal duschen können. Wir haben jetzt noch ca. 1 Stunde Fahrt vor uns und dann noch 1 Stunde zum Duschen, bevor wir die Lodge verlassen müssen. Aber zunächst will Uwe nun doch einiges an Reifendruck ablassen. Uwe stellt fest, dass unsere Reifen doch sehr prall gefüllt sind, 2,5 bar. Ein Wunder, dass wir damit heute Morgen überhaupt die Strecke fahren konnten. Schwein gehabt. :-) Er lässt die Reifen auf 1,5 bar ab. Hoffen wir mal, dass wir jetzt auch wieder gut durch die Sandpiste kommen. Er schaltet Allrad zu und donnert im 2. Gang so schnell es geht durch den tiefen Sand. Plötzlich kommt uns ausgerechnet in unserer Spur ein Shuttlefahrzeug entgegen. Der Blödmann weicht keinen Zentimeter aus, obwohl er doch wohl besser im Sand klarkommt als wir. Uwe muss also die Spur wechseln und unser Auto fängt wieder mächtig an zu schwimmen und bricht aus. Gleich springt mir das Herz aus dem Hals! Oh Gott, das ging noch mal gut. Dann kommen wir an dem Fahrzeug vorbei, das sich heute Morgen bereits eingegraben hat. Es steht noch immer da. Dann endlich haben wir diesen tiefen Sand hinter uns gelassen und können nun gesittet auf der geteerten Straße zur Lodge zurück fahren. Uwe fährt dieses Mal recht manierlich nur mit 80 km/h. Uns kommt ein Abschleppwagen entgegen, der will bestimmt das eingebuddelte Auto rausziehen.
Kurz nach 10:00 Uhr sind wir an der Lodge und haben jetzt wieder den langen Leidensweg bis in unser Chalet Nummer 11 vor uns. Hier duschen wir noch einmal, ziehen uns um und packen die restlichen Sachen ein. Wir hatten heute Morgen bereits unsere Taschen alle gepackt und in eine Ecke des Chalets gestellt, da die Putzkolonne schon vor unserer Ankunft hier war. Was ich auch überhaupt nicht verstehen kann ist, dass die Putzkolonne bereits vor unserem Auschecken hier war. Was macht das für einen Sinn? Die müssen jetzt eh nochmal putzen, da wir das Bad benutzt haben. Aber das kann uns ja egal sein. Ein freundlicher Schwarzer hilft uns mit dem Gepäck und transportiert unsere Taschen auf einer Sackkarre den langen Holzsteg entlang. Während er und Uwe unser Gepäck auf den Jeep aufladen checke ich derweilen aus.
Nun müssen wir noch zur Tankstelle und die Reifen wieder aufpumpen. Uwe möchte vorher gerne noch in den Sesriem Canyon. Ich hab zwar überhaupt keine Lust, aber gut, wir sind ja eine Demokratie. Also fahren wir zum Parkplatz vom Sesriem Canyon und wollen uns den Canyon anschauen. Wir laufen auch einige Schritte in den Canyon, der 30 Meter tief in die Erde hinab fällt. Ich muss allerdings sagen, also mich hat es nicht vom Hocker gehauen. Wenn man vielleicht mehr Zeit und mehr Lust hat und nicht heute Morgen schon einen Gewaltmarsch durch den tiefen Sand hinter sich gebracht hätte, könnte man vielleicht auch an dem Canyon noch Gefallen finden. Aber so muss ich sagen, ist es mir auch viel zu heiß.
Die Hitze ist heute fast unerträglich. Also haben wir nur einen ganz kurzen Abstecher in den Canyon hinein gemacht um festzustellen, das muss man nicht unbedingt haben. Wir fahren von hier aus direkt zur Tankstelle. Tja, die Notwendigkeit des Reifenaufpumpens haben auch noch andere Leute. An der einzigen Luftstation stehen bereits einige Autos an. SUPER! Ich verstehe gar nicht, weshalb es hier nur eine Station gibt. Der tägliche Bedarf gäbe mindestens 4 Stationen her. Aber okay, das ist halt Afrika! Wir tanken derweilen unser Auto voll und stellen uns dann hinten an der Schlange an. Endlich sind wir dran und Uwe pumpt die Reifen auf.
Gleich danach wartet die nächste Hürde auf uns. Wir müssen uns wieder anstellen und zwar dieses Mal am Ein- bzw. Ausgangstor des Nationalparks. Und auch hier dauert es wieder. Wie sagen die Afrikaner so schön? „Die Europäer haben eine Uhr – die Afrikaner haben Zeit.“ Ich glaube, nirgends passt dieses Sprichwort besser. Ja, ja – die schwarzen Uniformierten, die hier stehen und den Ein- und den Auslass kontrollieren, nehmen ihre Aufgabe sehr ernst. Da wird aber auch jedes Kennzeichen überprüft, da werden seitenlange Listen geprüft, ob man in der Liste steht, ob man richtig drin steht, und und und. Es ist also alles gar nicht so einfach und eilig haben darf man es sowieso nicht. TRARA! Er hat uns in seiner Liste gefunden und kann uns nun auch ordnungsgemäß abhaken. Wir erhalten unser Permit zurück und dürfen jetzt den Namib-Naukluft N.P. verlassen. Puh – schwere Geburt! :-)
Unser nächstes Ziel ist die Hoodia Desert Lodge, die uns Frau Kober von Protea Tours empfohlen hat. Die Lodge liegt ca. 19 km vom Eingangstor des Nationalparks entfernt und ist auch nur wieder über eine übelste Schotterpiste zu erreichen. Im Rückspiegel können wir überhaupt nichts erkennen vor lauter Sand und Dreck, den wir aufwirbeln. Die Ladefläche unseres Autos sieht katastrophal aus. Nur gut, dass wir alles in Tüten und Beutel gepackt haben, ansonsten könnten wir unsere Reisetaschen und Klamotten wahrscheinlich wegschmeißen.
Die 19 km entpuppen sich dann doch als etwas langwieriger, weil die Schotterpiste einfach furchtbar zu befahren ist. Dann haben wir endlich an der Straße das Schild Hoodia Desert Lodge erreicht. Ein sehr schönes Eingangstor gewährt Einlass auf eine private Ranch. Hier auf dieser Ranch fährt man dann nochmal mindestens 10 km, bis man am Haus ankommt.
Wir kommen direkt an der Rezeption zum Stehen. Eine junge Frau kommt heraus und begrüßt uns. Zur Begrüßung erhalten wir zunächst ganz kalte, nasse Waschlappen, mit denen wir uns schon mal erfrischen können. Wahnsinn! Dann bittet sie uns in die etwas kühlere (zumindest von der Empfindung her) Rezeption und bietet uns eiskalten Tee an.
Wir füllen die Anmeldeformulare aus und dann erklärt uns die junge Frau die Lodge. Also, es ist ja wunderschön! Natürlich ist hier alles im afrikanischen Stil. Wie auch sonst, wir sind ja in Afrika. :-) Die Rezeption, die Bar, der Aufenthaltsraum alles ist einfach nur luxuriös und wunderschön. Hinter dem Haus befindet sich eine riesige Außenterrasse mit ganz bequemen Korbmöbeln und einem Pool. Die junge Frau warnt uns allerdings vor, das Poolwasser soll eiskalt sein. Damit steht für mich schon mal fest, ich und mein Badeanzug werden nicht nass. :-)

Haupthaus der Hoodia Desert Lodge Rezeption, Bar und Aufenthaltsraum Außenterrasse

Wir haben Chalet Nummer 9. Na hoffentlich wird das nicht wieder so eine Odyssee wie in der Sossus Dune Lodge, wo wir so lange Wege zurücklegen müssen. Wir fahren mit dem Auto direkt vor unser Chalet, das eine sehr große, reetgedeckte überdachte Veranda hat, auf der zwei ganz bequeme Sessel und ein großer Tisch stehen. Zwei Stufen führen in das Chalet, das von einem großen Doppelbett beherrscht wird, über dem ein Moskitonetz hängt. Moskitos sind hier ein großes Thema, ich habe sie auch schon zu spüren bekommen. Allerdings sind das noch keine Moskitos, die Malaria übertragen. Wir sind noch nicht im Malariagebiet.
Das Chalet selbst ist nicht so groß. Okay, okay – man ist mittlerweile mehr als verwöhnt und „jammert“ auf ganz hohem Niveau. Das Bad ist geräumig und hat eine große Dusche. Zusätzlich dazu gibt es noch eine Außendusche, mit der Uwe bereits geliebäugelt hat. Yippiee, wir haben mal wieder eine Klimaanlage, die uns heute Nacht hoffentlich gut schlafen lässt. Herz, was willst du mehr? Es gibt auch einen Kühlschrank, den wir als erstes einräumen. Tja und dann erhalten wir ein „Nothorn“, mit dem wir nachts im Notfall um Hilfe rufen sollen. Hm, bitte welcher Notfall soll denn nachts auftreten? Ich bin etwas irritiert und stelle das Nothorn vorsorglich gleich ganz dicht an mein Bett.
Wir packen aus und richten uns ein. Danach genießen wir erst einmal ein bisschen Ruhe auf unserer Veranda, schließlich fing unser Tag heute schon sehr zeitig an. Am Nachmittag gehen wir ins Haupthaus, weil hier WLan vorhanden ist. Nun können wir endlich die Emails lesen und den längst fertiggestellten und überfälligen Newsletter absenden. Die nächsten 2 Stunden lümmele ich draußen auf der Terrasse in den Korbmöbeln und lese. Dank meinem Kindle geht mir ja der Lesestoff nicht aus. :-) Uwe bearbeitet währenddessen einige Bilder von Sossusvlei, so dass wir heute nochmal einen kleinen Newsletter absenden können. Zwischendurch bestelle ich zwei kalte Bier. Uwe freut sich total, als ich ihm das kalte Bier bringe. Er ist so im Wahn mit seiner Fotobearbeitung, dass er nicht mal gemerkt hat, wie durstig er eigentlich ist. :-)
Den restlichen Nachmittag verbringen wir auf unserer Veranda, genießen die Sonne und ein eigenes kaltes Bier, das dank unseres Kühlschrankes zwischenzeitlich auf angenehme Temperaturen herunter gekühlt ist. Uwe geht später nochmal los, um den Sonnenuntergang bzw. die uns umgebenden Berge zu fotografieren. Währenddessen versuche ich, den Tag Revue passieren zu lassen und quatsche meinen Voicerecorder voll. Ich bin echt mal gespannt, wie ich dann zu Hause mit den vielen Diktaten klarkomme. Hier ist es sehr angenehm, ich texte einfach das Diktiergerät voll und habe nicht mehr wie früher, stundenlang mit Tagebuchschreiben zu tun.

Sunset an der Hoodia Desert Lodge Sunset an der Hoodia Desert Lodge Sunset an der Hoodia Desert Lodge

Wir gönnen uns noch eine erfrischende Dusche. Uwe hat natürlich die Außendusche ausprobiert, was ich mit der Kamera auch festhalte. Nee danke, ich dusche doch lieber in der gemütlichen Duschkabine innen. Na und, bin ich halt ein Luschi!
Um 19:00 Uhr gehen wir zum Abendessen. Hier ist wirklich alles sehr gehoben. Das Personal erwartet uns rechts und links an der Eingangstür stehend und begrüßt uns zum Abendessen. Wir suchen uns einen netten Tisch aus. Alle Tische sind so schön eingedeckt, es sieht so richtig – festlich? – aus.
Als Vorspeise gibt es zunächst ein warmes Brötchen mit Butter. Die zweite Vorspeise ist ein Blätterteig-Körbchen gefüllt mit Spinat und Fleisch, das dann mit Käse überbacken wurde. Mmh, es schmeckt ganz fantastisch.
Als Hauptspeise gibt es Oryxspieße. Das Fleisch ist einfach nur eine Wucht! Da könnte man sich glatt reinlegen! Total lecker gewürzt, wunderbar gebraten und ganz zart. Dazu gibt es einen scharfen Dip, keine Ahnung was da drin ist. Als Beilagen werden Kartoffelgratin sowie Bohnen- und Butternut-Gemüse gereicht. Das Essen, diese 3 Gänge, das ist einfach zu viel für mich. Echt, ich komme damit nicht klar. Eigentlich bin ich schon nach den ersten beiden Vorspeisen so satt, dass ich nichts mehr brauche. Es ist total schade und ärgert mich maßlos.
Als Nachspeise gibt es wieder Kuchen. Eigenartigerweise gibt es hier in Afrika immer Kuchen als Nachspeise. Zumindest haben wir immer Kuchen bekommen. Diesmal ist es ein Kirsch-Muffin. Der ist noch ganz warm und schmeckt wunderbar. Wobei, meinen Muffin muss Uwe essen, ich habe nur mal probiert. Wir trinken zum Abendessen jeder ein Glas Rotwein und Wasser. Das Abendessen, diese drei Gänge oder vier Gänge, ziehen sich tatsächlich über 2 Stunden hin. Gleich nach dem Essen stehen wir auf und gehen in unser Chalet zurück.
Während wir beim Abendessen gesessen haben, ist das Personal durch die Hütten gegangen und hat die Moskitonetze heruntergelassen und die Außenbeleuchtung eingeschaltet. Uwe zischt noch ein Bier auf der Terrasse. Ich kann keinen Alkohol mehr trinken, bei mir dreht sich schon alles. Ich begnüge mich mit einer kalten Cola. 21:45 Uhr liegen wir bereits im Bett und dank der Klimaanlage, die wir eingeschaltet haben, können wir auch sehr gut schlafen. Der Tag war doch recht lang und anstrengend.

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11. Tag => Fahrt ins Erongogebirge

Übernachtung: Erongogebirge | Hotel: Hohenstein Lodge | Ausstattung: gut | Frühstück: gut | Abendessen: gut | Service: mangelhaft

Den Wecker hatten wir uns auf 06:30 Uhr gestellt. Dank der Klimaanlage, die Uwe nachts dann zwar abgeschaltet hat, konnten wir relativ gut schlafen. Es wurde nachts doch etwas kühl und heute Morgen habe ich unter meinem Laken sogar etwas gefröstelt. Wir packen unsere Sachen zusammen. Viel ist es nicht, wir hatten für die eine Nacht nicht viel ausgepackt.
Um 07:30 Uhr gehen wir zum Frühstück. Es handelt sich bei der Hoodia Dessert Lodge um eine etwas sehr gehobene Lodge, dementsprechend ist auch das Klientel. Die Gäste sind irgendwie alle sehr steif und fast schon unfreundlich. Wir bestellen uns Eier zum Frühstück und gebratenen Schinken, essen frischem Obstsalat und Joghurt und Uwe tut sich an den frischen, warmen Croissants gütlich. Der Kaffee ist sehr stark, ein richtiger Hallo-wach. Den letzten Schluck Kaffee nehmen wir auf der Terrasse ein, bevor wir dann in unser Chalet zurückgehen. Hier packen wir den Rest zusammen.

Unser Chalet Unser Schlafraum Außendusche

Als wir das Auto beladen wollen stellt Uwe auf einmal fest, – Hoppla – unser Auto ist ja ganz sauber. Na, das ist ja ein Service! Da muss irgendwann jemand unser Auto gewaschen haben. Wir hätten es fast nicht wiedererkannt. Nötig war es ja dringend, aber damit haben wir nicht gerechnet. Das finde ich total klasse.
Wir checken aus und hinterlassen auch hier ein Trinkgeld für den tollen Service. Um 09:00 Uhr sind wir mit Packen und allem fertig und verlassen jetzt diese traumhaft schöne Lodge in Richtung Hohenstein im Erongogebirge. Eines muss man allerdings festhalten, diese tolle Lodge eignet sich aufgrund ihrer Lage einfach nicht, um von hier aus direkt ins Sossusvlei zu fahren. Touren werden zwar auch von hier aus angeboten. Der Weg von der Lodge bis zum Nationalpark und dann vom Eingang dort bis zu den Dünen ist einfach zu lang. Da muss man schon 1 ½ – 2 Stunden rechnen. Okay, es ist nicht jeder so bekloppt wie wir, die Sonnenauf- und –untergänge fotografieren müssen. Aber für Fotografen, die Wert auf gutes Licht legen, ist der Weg von dieser Lodge einfach zu weit.
So, nun haben wir einen wirklich üblen, langen Ritt vor uns. 500 km auf vermutlich katastrophalen Schotterpisten – wird bestimmt kein Vergnügen. Aber wir haben uns gedacht, lieber mal einen Gewaltritt als noch einmal zwischendurch übernachten. Und da wir uns immer brüderlich in die Strecken reinteilen, werden wir es schon schaffen. Also! Auf geht’s!
Nachdem wir die 10 km Farmgelände hinter uns gelassen haben biegen wir auf die C19 ab, der wir jetzt für die nächsten 77 km Richtung Solitaire folgen. Die C19 ist, zumindest auf dem Stück auf dem wir fahren, relativ gut gegradet und lässt sich sehr gut fahren. Die Landschaft ist einfach traumhaft. Wir fahren eine Straße unterhalb der Bergkämme entlang. Die Berge leuchten jetzt im noch frühen Licht wunderschön. Rechts und links neben uns breitet sich eine große Grassavanne aus, auf der Oryx und Springböcke laufen. Ein kleines Straußenbaby überquert kurz vor uns noch die Straße. Es ist ganz süß. :-)
Nach ca. 77 km erreichen wir die Kreuzung zur C14, auch eine Gravelroad. Hier machen wir den ersten Stopp auf unserer heutigen Tour in dem kleinen Ort Solitaire. Solitaire ist eigentlich kein Ort sondern nur eine kleine Lodge bzw. Campingplatz mit Restaurant, einer Bäckerei und einer Tankstelle. Es ist „in the middle of nowhere“, aber strategisch absolut günstig platziert. Hier kreuzen sich etliche Straßen von irgendwo nach nirgendwo.
Richtig urig sieht es hier aus, rostige Autos, zum Teil im Sand eingegraben, säumen die Einfahrt, dazwischen stehen saftig grüne Opuntien. Wie die Rostlauben hierhergekommen sind oder weshalb sie hier vor sich hinrostend stehen – keine Ahnung. Vielleicht gab es ja irgendwann mal kein Benzin.
Hier wollen wir neben Auto auftanken auch mal die Beine vertreten und uns den Staub aus den Kehlen spülen. Wir gehen mal davon aus, dass wir nicht bis zum Rostverfall unseres Autos auf Benzin warten müssen. :-) Während sich Uwe zunächst um das Auto kümmert entdecke ich auf dem Weg von der Toilette einen kleinen Souvenirladen und darin ein sehr schönes Buch über die Wildtiere auf Safari. Dieses Buch wird uns sicherlich bei der Tierbestimmung sehr nützlich sein können, weil neben ausführlichen Beschreibungen auch noch tolle Fotos von den jeweiligen Tieren abgebildet sind. Klar, einen Elefanten erkenne ich auch, eventuell auch noch eine Giraffe :-) , aber bei Schakalen und Löffelhunden z.B. hört es schon auf. Wir entscheiden uns dieses Buch zu kaufen. Es kostet 173,00 N$, das sind ca. 15,00 €. Oh klasse, hier steht ja auch ein ATM Geldautomat. Na, die Gelegenheit, an Bares ranzukommen, können wir uns doch nicht entgehen lassen. Danach schlendern wir in die angrenzende Bäckerei. Freunde haben uns mehrfach ans Herz gelegt, hier unbedingt einzukehren und Kuchen zu essen. Moose McGregor führt seit 24 Jahren die wahrscheinlich abgelegenste und einsamste Bäckerei der Welt. Obwohl, einsam sicher nicht mehr. Seine berühmten Kuchen und vor allem der Apfelkuchen haben sich zwischenzeitlich weltweit herum gesprochen und fanden auch schon Zugang in diverse Reiseführer. Insofern ist in seiner Bäckerei immer was los. Ich glaube bald, dass viele nur wegen der Kuchen halten. Angeblich holt er täglich zwanzig Kilo Apfelkuchen aus seinem Backofen. Und das ist ja nicht die einzige Sorte, die er täglich frisch bäckt. Gesehen haben wir den Schotten selbst nicht, der mittlerweile leider verstorben ist. Vermutlich holt er gerade wieder etliche Kilo Kuchen aus dem Ofen. :-)
Natürlich sind wir gespannt auf die Bäckerei und den Kuchen. WOW! Mit so einem Kuchenangebot können unsere heimischen Bäcker nicht aufwarten. Mhm, und das riecht hier drinnen!! Tja und da sind sie wieder, unsere Probleme. Keine Ahnung, wie viele Sorten Kuchen in der Vitrine stehen. Und die sehen alle so verführerisch gut aus, was sollen wir nur nehmen? Eine junge Frau bringt gerade ein Blech mit warmen Apfelkuchen mit dicken Streuseln oben drauf. Also, ob wir nun wollen oder nicht, davon müssen wir ein Stück probieren. Wir suchen uns aus dem großen Angebot verschiedene Kuchen aus, was mit einigen Diskussionen zwischen Uwe und mir verbunden ist. Aber den viel gerühmten und berühmten Apfelkuchen essen wir gleich hier an Ort und Stelle. Allerdings haben wir uns nur ein Stück gekauft, weil die Stücke einfach riesig sind. Der Kuchen ist echt eine Wucht!

Welcome to Solitaire Solitaire-Impression Uwe vor der Bakery

Nachdem wir hier ca. eine halbe Stunde Rast gemacht haben (wobei wir die wenigste Zeit für T+T – Tanken und Toilette verbraucht haben), starten wir nun die nächste Etappe Richtung Walvis Bay an der Küste. Vor uns liegen 250 km, die wir auf der C14 fahren. Die Schotterpiste lässt sich relativ gut befahren bis auf einige Teilstücke, die gerade mal wieder katastrophal sind. Hier muss man ständig die Gefühle wechseln. Puh, vor uns fährt ein riesiger Tanklaster, der unheimlich viel Staub auf wirbelt. An dem müssen wir unbedingt vorbei, denn die Sicht hinter diesem Riesenfahrzeug, der eingehüllt in eine riesige Staubwolke ist, ist gleich Null. Der Fahrer scheint auf der Flucht zu sein. Ich habe schon einen kleineren Gang reingewürgt und trete das Bodenblech durch. Aber es dauert, bis ich an dem Kerl vorbei komme – und ich sehe nichts, ich sehe gar nichts. Wenn jetzt was von vorn kommt, das merke ich nur am Aufprall. :-( Geschafft – jetzt muss ich mir erst mal die Hände trocken wischen.
Die Landschaft ist einfach traumhaft, jetzt sehen wir wenigstens wieder was davon. Rechts und links der Straße erstrecken sich weite Grasflächen, die sogar etwas grün sind. Dazwischen ist lauter rote Erde bzw. roter Dünensand. Diese Grasflächen werden umsäumt von schönen Bergmassiven. Es macht richtig Spaß, zu fahren und die Landschaft zu betrachten. Wir folgen weiterhin der C 14 Richtung Norden und passieren als erstes den Gaub Pass. Einfach herrlich! Leider liegt der Fotoapparat strategisch wieder mal so ungünstig, dass wir ihn erst zur Hand haben, als wir den Pass bereits hinter uns gelassen haben. Nun kann man ja durchaus auch anhalten – aber….der Weg vor uns ist einfach noch zu lang.
Als nächstes passieren wir den Kuiseb Pass, der über dem Kuiseb Canyon führt. Auch diese Landschaft ist traumhaft – aber auch sehr rau. Uns gefällt das Canyongestein nicht besonders gut. Es ist eher dunkler Schieferstein. Der Kuiseb Canyon gelangte noch aus anderem Grund zur Berühmtheit. Hier haben sich Henno Martin und Hermann Korn im 2. Weltkrieg versteckt. Die beiden Männer, die 1935 nach Südwestafrika ausgewandert sind, um an der Wassererschließung zu arbeiten, flohen im Krieg vor der Internierung in ein Gefangenenlager. Henno Martin hat von diesem Abenteuer in seinem Buch „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“ berichtet. Nachdem wir den Kuiseb Pass und Canyon überwunden haben wird die Landschaft recht öde und langweilig. Es gibt hier nicht mehr viel zu sehen und die Fahrt wird verdammt langweilig und ermüdend. Uwe und ich wechseln jetzt häufiger.
Je näher wir der Küstenstadt Walvis Bay kommen, umso dunstiger und nebliger wird es. Es ist recht anstrengend für uns, die vor uns fahrenden Fahrzeuge im Dunst auszumachen bzw. entgegenkommende Fahrzeuge zeitig genug zu erkennen. Aber dafür fahren wir wieder einmal „geteert“. Wir haben aus Jux unsere Autofenster geöffnet – und ganz schnell wieder geschlossen. Huch, ist das kalt da draußen. Wir passieren große Strecken Baustellen, die recht abenteuerlich zu umfahren sind.
Kurz vor Walvis Bay biegt rechterhand eine kleine Gravelroad, die D1984 Richtung Norden, ab. Wir hatten uns bereits vorher geeinigt, nicht nach oder durch Walvis Bay und Swakopmund zu fahren und nehmen diese „Abkürzung“ Richtung B2. Links von uns türmen sich hohe Sanddünen auf, auf denen man auch Quad fahren kann. Hier befindet sich Düne Nr. 7, die mit über 100 m Höhe der größte Sandberg in der Gegend ist. Rechts dagegen sehen wir außer absoluter Einöde nichts. Als wir dann endlich die B2 erreichen, halten wir uns Richtung Osten. Der Highway lässt sich gut fahren, obwohl die Straßen hier doch recht schmal sind.
Laut unserer Straßenkarte, in der praktischerweise auch die Tankstellen eingezeichnet sind, müssen wir bis nach Usakos fahren, wenn wir vor der Weiterfahrt in die Hohenstein Lodge noch einmal tanken wollen. Und wir wollen, und wie sogar! Hier muss man einfach jede Tankstelle mitnehmen, die man kriegen kann. Usakos ist für uns eigentlich ein Umweg, aber was soll’s. Plötzlich sehen wir an der B2 ein Hinweisschild auf eine Filling Station in Arandis. Wir fahren hier von der B2 ab und noch sind wir unschlüssig, ob wir hier überhaupt richtig sind. Es sieht irgendwie so gar nicht vertrauenerweckend aus. Arandis ist eine Minenstadt. Wir finden ein weiteres Hinweisschild auf die Tankstelle, das eine Entfernung von ca. 3 km angibt. Hm, wir zweifeln noch, nehmen aber die 3 km Umweg gern in Kauf und fahren in der angegebenen Richtung weiter. Und tatsächlich, hier gibt es eine Tankstelle. Wer hätte das gedacht! Diese sieht sogar noch recht neu aus. Uwe tankt das Auto voll und ich versuche zwischenzeitlich, irgendwo auf eine Toilette zu kommen.
Wir fahren auf schnellstem Weg zurück auf die B2. Uwe hat sich freundlicherweise bereit erklärt, jetzt den Rest der Strecke zu fahren. Puh, irgendwie sind wir beide jetzt doch ganz schön kaputt und etwas genervt. Wir würden gern in Kürze ankommen wollen. Ich merke das auch an Uwe’s Fahrstil, der urplötzlich von normalerweise ausgeglichen ruhig und besonnen in maulig bodenblechtretend wechselt. Vor uns fahren etliche LKWs in Reihe und Uwe schert ständig aus um zu schauen, ob er überholen kann. Und dann setzt er an und brettert wie ein Stier mit gesenkten Hörnern an den drei langen LKWs vorbei. BINGO!!! Plötzlich hören wir ein komisches Geräusch, das wir zunächst nicht einordnen können. Scheiße, Uwe fährt 130 km/h und unser Tracker funkt gerade an Avis Windhoek, dass unser Auto viel zu schnell unterwegs ist. Und wie schön der Tracker piept! :-) Ich habe eigentlich gedacht, die von der Vermietstation sagen nur, dass wir überwacht werden, um uns Angst zu machen. Na okay, jetzt wissen die in Windhuk, dass wir zu schnell gefahren sind. Hoffentlich gibt es kein Knöllchen. Und wenn! Die Sache war es wert, wir haben die LKWs hinter uns gelassen. :-)
Wir folgen der B2 bis ca. 30 km vor Usakos und fahren dann auf die Piste D1930 ab, die sich recht gut fahren lässt. Leider können wir nirgends ein Hinweisschild auf die Hohenstein Lodge erkennen. Ich bin natürlich wieder mehr als irritiert und nicht sicher, ob wir überhaupt richtig sind. Aber Uwe fährt unbeirrt weiter und richtet sich ganz nach seiner Else. Es sind verschiedene Lodges ausgeschildert, aber eben nicht die Hohenstein Lodge.
Dann kommt die nächste Kreuzung, bei der wir auf die D1927 abbiegen. Wir durchqueren ein – tja was ist das – kleines Dorf, indem einige Blechhütten stehen. Es ist eigentlich nur eine Ansammlung von windschiefen und unheimlich niedrigen Behausungen, irgendwie zusammengeschustert aus allem, was man so findet. Für die „Hauswände“ wurden Decken, Stücke aus Zeltplanen oder auch nur Pappe verwendet. Als Dächer kann man schon mal Wellbleche erkennen. Es sieht nicht gerade sehr einladend aus. Erschreckend für mich ist eigentlich die Höhe der Häuser, in die man nur auf allen Vieren hinein kriechen kann. Stehen ist gar nicht möglich. Hier möchte ich nicht tot überm Zaun hängen. Kleine Kinder von vielleicht 2-3 Jahren tapsen dazwischen herum, barfuß versteht sich. Sie lachen und haben Spaß an irgendwas, was wir beim Durchfahren nicht erkennen können. Ein Ziegenhirte überquert vor uns die Piste und wir müssen warten, bis die ganze Herde seiner Ziegen vor uns auch die Straße überquert hat. Er winkt uns sehr freundlich zu und bleibt dann in unserer Staubwolke zurück. Wir fahren hier auf dieser Schotterpiste noch ca. 30 min, bevor wir wieder an eine Kreuzung kommen, an der wir dann rechts auf die D1935 abbiegen. Kurze Zeit später erreichen wir dann tatsächlich die Hohenstein Lodge. Auf dem Weg hierher konnten wir schon schöne Ausblicke auf die Spitzkoppe erhaschen. Sieht traumhaft aus.
Endlich, endlich kommen wir in der Hohenstein Lodge an. Ernst, ein Angestellter, begrüßt uns sehr freundlich. Während er uns die Lodge erklärt, erhalten wir ein Glas kaltes Ginger Ale. Uns wird Chalet Nummer 11 zugewiesen, das ziemlich am Ende der Häuserreihe steht. Aber da das Lodgegelände hier nicht so groß ist, sind natürlich auch die Wege nicht so lang.
Das Chalet ist wirklich sehr hübsch mit einer überdachten Terrasse, auf der bequeme (zumindest bequem aussehende) Stühle stehen. So ganz bequem sind sie aber doch nicht, wie wir dann etwas später und nach etwas längerem Sitzen festgestellt haben. Das Schlafzimmer ist sehr geräumig und das Bett sogar etwas überdimensioniert groß. Aber darüber wollen wir uns nicht beschweren. ;-) Klimaanlage und Kühlschrank vermissen wir hier wieder schmerzlich, aber ein Safe ist vorhanden. Das Bad ist ganz okay.

Chalets der Hohenstein Lodge Unser Zimmer Hohenstein Lodge

Meine erste Amtshandlung, wenn wir irgendwo ankommen ist Händewaschen. Ich traktiere den Seifenspender wie eine Wilde, aber außer einem traurigen Schnaufen kann ich ihm nichts entlocken. LEER! Hm, da werde ich mich wohl erst mal um die Seife kümmern müssen, während Uwe schon mal unsere vollkommen eingestäubten Taschen von der Ladefläche zerrt. Wir holen immer ganz vorsichtig unsere Taschen aus den großen, von Sand und Staub eingehüllten, Säcken heraus. Wenn wir dann die Säcke ausschütteln bekommen wir regelmäßig einen Hustenanfall und sehen einige Minuten nichts. Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir uns mal neue Säcke gönnen. Gott sei Dank haben wir noch Ersatzsäcke mitgebracht. Wir packen aus und genießen den restlichen Nachmittag in der Lodge, die sehr schön angelegt ist.
Um 19:30 Uhr gehen wir zum Abendessen. Ich habe vergessen zu erwähnen, dass wir hier in jeder Lodge beim Einchecken gefragt wurden, ob wir a) Vegetarier, b) Allergiker oder c) andere Unverträglichkeiten haben oder irgendwas nicht essen. Da bei uns nichts von alledem zutrifft haben wir bzw. bekommen wir immer das normale Menü.
Auch hier gibt es wieder ein Drei-Gänge-Menü. Die Vorspeise ist ein sehr guter griechischer Salat. Heute ist uns mal nach Weißwein. Allerdings muss ich den Wein zurückgehen lassen, er ist pupswarm und schmeckt überhaupt nicht. Ich bitte Ernst, uns doch für morgen Abend Weißwein kalt zu stellen. Also gibt es wieder Rotwein und Wasser.
Am Nebentisch sitzen drei alte Herrschaften mit ihrem Guide, die wir bereits in der Kalahari Red Dune Lodge getroffen haben. Sie lassen sich ganz gemütlich von ihrem Guide durch Namibia schaukeln. Natürlich tauschen wir uns kurz über unsere bisherigen Erlebnisse aus.
Dann wird der Hauptgang serviert. Es gibt superleckeres, butterzartes Oryx-Steak und meins ist direkt auch mal sehr gut gebraten, mit Knoblauchbutter. Hier ist mal richtig viel Knoblauch in der Butter. Dazu gibt es Kartoffeln und Bohnen- und Butternutgemüse. Zunächst dachte ich, dass es sich um Möhrengemüse handelt. Die Butternut waren genauso gestiftelt, wie wir unsere Möhren stifteln. Ich kann mich mit diesem Butternut-Gemüse immer noch nicht so richtig anfreunden, obwohl ich etwas davon gegessen habe. Uwe schmeckt es wie immer fantastisch. Ich habe nicht einmal mein Steak geschafft, von den Kartoffeln und Gemüse ganz zu schweigen. Ich muss mich wieder wortreich entschuldigen und erklären, dass es nicht am Essen liegt sondern einfach daran, dass ich nicht so viel essen kann.
Als Nachspeise gibt es direkt mal keinen Kuchen sondern Obstsalat mit einem kleinen Sahneküchlein drin und Sahne oben auf. Ich habe es zumindest probiert, wirklich lecker – wenn man Süßes mag. Allerdings hat die Kellnerin beide Desserts gleich vor Uwe’s Nase gestellt. Sie wedelt mir mit ihrem schwarzen Finger vor der Nase herum und meint: „Wer seinen Teller nicht leer isst, hat auch keinen Anspruch auf Nachtisch.“ Nanu? Ich dachte immer, solche Sitten gibt es nur in Deutschland? ;-)
Nach dem Essen genießen wir noch unseren Wein bzw. Uwe ein kaltes Bier auf der Restaurantterrasse. Hier stehen geile Stühle mit breiten Armlehnen, die sind extra angefertigt worden, um die Getränke darauf abstellen zu können. :-) Im Restaurantbereich haben wir WLAN Anschluss. So können wir nochmal unsere E-Mails checken. Die Fahrt hat uns doch ganz schön geschlaucht. Wir gehen sehr zeitig ins Bett und löschen bereits 21:30 Uhr das Licht.

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12. Tag => Erongogebirge

Übernachtung: Erongogebirge | Hotel: Hohenstein Lodge | Ausstattung: gut | Frühstück: gut | Abendessen: gut | Service: mangelhaft

Gegen 07:00 Uhr quälen wir uns aus dem breiten Bett. Puh, besonders gut habe ich heute Nacht nicht geschlafen. Es war einfach viel zu warm. Auch Uwe hat schon bessere Nächte erlebt. Wir setzen uns kurz auf unsere Terrasse und lassen den Tag erwachen. Das ist echt immer ein besonderes Erlebnis.
07:30 Uhr gehen wir ins Restaurant zum Frühstück. Die Lodge ist wirklich wunderschön angelegt. Das Bergmassiv Hohenstein, das unserer Lodge gegenüber liegt und dieser den Namen gegeben hat, sieht so herrlich im warmen Sonnenlicht aus.
Das Frühstücksbuffet hier ist ganz in Ordnung. Es gibt verschiedene Sorten Wurst und Käse, Joghurt, Obstsalat, Müsli und Toast. Ebenso Kaffee und Saft sowie eine große Auswahl an verschiedenen Tees. Aber irgendwie ist hier alles etwas lieblos. Ich weiß, das ist wieder Meckern auf hohem Niveau. Aber irgendwie war das in den anderen Lodges anders – auf jeden Fall besser. Uwe bestellt sich heute mal ein großes Omelette mit Zwiebeln und Tomaten. Er ist total begeistert. Ich nehme wie immer 2 Spiegeleier mit Schinken. Okay, auf den Schinken werde ich morgen wieder verzichten. Die Afrikaner können einfach keinen Schinken braten oder haben nicht den richtigen Schinken dafür. Dieses Wabbelzeug kann ich auf keinen Fall essen. Aber ich habe schon einen dankbaren Abnehmer, der die ganze Zeit bereits danach sabbert. Zur Lodge gehört ein hübscher, junger Hund, dessen beste Freundin ich bin, nachdem ich ihm meinen Schinken gegeben habe.
Als wir nach dem Frühstück (10:00 Uhr) in unser Chalet kommen, war noch kein Zimmerservice da. Der Service hier in der Hohenstein Lodge scheint nicht so besonders zu sein. Bin mal gespannt, ob unser Zimmer heute irgendwann noch einmal aufgeräumt wird.
Das Wetter ist heute irgendwie komisch. Ja, es ist warm – nein heiß. Die Sonne scheint auch, aber…. Es ist unheimlich dunstig und alles andere als klar. Wir wollen deshalb noch ein wenig warten, bevor wir zur Spitzkoppe fahren. Also haben wir uns entschlossen, nach dem Frühstück eine Vogel-Beobachtungsstation hier auf dem Gelände aufzusuchen in der Hoffnung, dass wir dort bei der Vogeltränke einige Vögel beobachten und fotografieren können. Man geht hierzu zwischen den Häusern Nr. 7 und Nr. 8 einen kleinen Weg hinunter in die Savanne, wo nach ca. 250 m ein Unterstand aufgebaut ist. Darin findet man 2 Stühle. Direkt in Augenhöhe (aus der sitzenden Position) sind Löcher wie Schießscharten in den Unterstand eingebracht. Aus diesen kann man direkt auf ein kleines Wasserloch schauen und Vögel beobachten. Wenn denn welche da sind. :-(
Wie die Deppen sitzen wir eine dreiviertel Stunde und suppen und starren durch die Löcher, ohne dass sich irgendetwas tut. Lauter weiße Schmetterlinge fliegen aufgeregt hin und her. Das ist aber auch das einzige Leben, das wir hier zu sehen bekommen. Von den Millionen Fliegen, die uns pisaken und auffressen, mal ganz abgesehen. Ist ja fast schlimmer als in Australien.
Irgendwann ist es uns zu blöd, hier weiter im Nichts herumzusitzen und zu schwitzen. Vor allem steht hier drinnen die Hitze, uns läuft der Schweiß in Strömen. Wir nehmen unser Tele und gehen zurück.
Der Zimmerservice hat es immer noch nicht zu uns geschafft. Wenn ich aber auch sehe, wie die Damen arbeiten, wird mir schlecht. Die rücken zu viert an. Drei Damen stehen grundsätzlich nur schnatternd herum, die Hände auf den ausladenden Hüften abgelegt. Die vierte putzt pseudomäßig. Muss man mit 4 Leuten 1 Hütte putzen und dafür auch noch mehr als 2 Stunden für 1 Hütte brauchen? Mann-oh-mann, hier müsste mal einer mit einer straffen Hand durchgreifen.
Wir beschließen, uns eine Weile an den Pool zu legen. Und eigentlich wollten wir auch mal die Poollandschaft genießen. Allerdings ist der Pool nicht besonders sauber, so dass wir von einem Bad in diesem kühlen Nass absehen. Es ist echt ärgerlich, dass wir ausgerechnet hier 3 Nächte sind und das ganze Drumherum nicht so ist, wie wir uns das gedacht hatten. Wir bleiben ca. 1 ½ Stunden am Pool auf einer Liege und lesen bzw. Uwe macht Sudoku.

Erongogebirge Der Hohenstein Bequeme Stühle mit Blick auf den Hohenstein auf der Terrasse vom Haupthaus

Kurz vor 14:00 Uhr haben wir die Nase voll vom Herumkullern und machen uns auf den Weg zur Spitzkoppe. Hierhin wollen wir eigentlich erst zum Abend bzw. am späten Nachmittag, um Fotos zu machen. Irritiert hat uns heute schon den ganzen Tag, dass wir von unserer Lodge aus die Spitzkoppe überhaupt nicht sehen können. Es ist totaler Dunst. Na mal schauen, ob es vor Ort dann besser ist. Bevor wir starten sage ich an der Rezeption Bescheid, dass wir jetzt zur Spitzkoppe fahren und die Putzfrauen damit freie Bahn haben, unser Chalet aufzuräumen. Na mal schauen.
Von der Lodge fährt man eine gute dreiviertel Stunde bis zur Spitzkoppe. Das Licht ist überhaupt nicht schön, alles ist matschig und im Dunst. Uwe machte einige Fotos, aber mehr als drei Stücke sind dabei nicht herausgekommen.
Die Spitzkoppe wird auch als “Matterhorn Namibias” bezeichnet und gehört zum Erongogebirge. Mit einer Höhe von rund 1728 Metern über N.N. ist die Spitzkoppe keineswegs der höchste Berg in Namibia. Wegen seiner markanten Umrisse gilt er jedoch als bekanntester Berg im Lande. Schon aus sehr großer Entfernung kann man das Inselgebirge inmitten einer endlosen, trockenen Ebene erkennen. Man kann in der herrlichen Landschaft ausgiebig wandern und zwischen den skurrilen Gesteinsformationen herum klettern. In Bushmans paradise gibt es viele Felsmalereien zu sehen.
Für das Gebiet der Spitzkoppe muss man ein Permit kaufen. Das ist zwar jetzt nicht die Welt, was man bezahlen muss, aber für uns lohnt sich der Aufwand gar nicht. Der Eintritt kostet 20,00 N$ (1,40 €) pro Person und zusätzlich 50,00 N$ (3,40 €) für’s Fahrzeug. Aber warum sollen wir in das Gebiet fahren? Zum Laufen und Wandern ist es viel zu heiß, wir haben 40°C. Es ist zwar eine absolut trockene Hitze und zwar so trocken, dass wir eigentlich seit Ankunft in Namibia Probleme mit unseren Schleimhäuten haben. Gut, daran geht man nicht zugrunde, aber bei der Hitze wollen wir auch nicht laufen. Noch dazu ohne Aussicht auf Fotos – da bewegen wir uns doch schon mal gar nicht. :-)
Wir wenden also noch im Eingangsbereich und fahren zurück. Hoffentlich ist morgen besseres Licht. Direkt an der Kreuzung, an der man zur Spitzkoppe abfährt, stehen einige Buden, aus denen Kinder Handarbeiten verkaufen bzw. verkaufen wollen. Es ist schon schlimm diese Armseligkeit zu sehen. Die Kinder laufen barfuß auf diesem total aufgeheizten Schotterboden.
Auf der Rückfahrt passieren wir drei kleine Orte, sofern man das als Orte bezeichnen kann. Eigentlich sind es nur Ansammlungen von armseligen windschiefen Blechhütten, in den tatsächlich Menschen leben. Viele Ziegenhirten sind unterwegs. Einige Male müssen wir die Geschwindigkeit mächtig zurücknehmen, weil die Hirten mit ihrer Ziegenherde die Straße überqueren. Angeblich soll es hier im Erongogebirge einen sehr großen und guten Wildbestand geben. Aber außer ein paar sehr mageren Kühen, Pferden und Eseln, die traurig an der Straße das dürre Gras fressen, haben wir sonst keine weiteren Tiere sehen.
Gegen 16:30 Uhr erreichen wir die Lodge genau zur Kaffeezeit und bedienen uns an Kaffee und Kuchen. Es gibt Muffins, die sehr gut schmecken. Kaffee und Kuchen nehmen wir auf der Terrasse ein, wo wir auch Ira und Christoph aus Österreich beim Kaffeetrinken finden. Wir haben die beiden heute Morgen kennengelernt und sofort viele Parallelen gefunden. Nun können wir unser Gespräch von heute Morgen fortsetzen. Natürlich über die Fotografie und deren und unsere Erlebnisse in Namibia. Den restlichen Nachmittag verbringen wir jetzt auf dem Sonnendeck des Restaurants und warten auf das Abendessen.
Unser Zimmer ist während unserer Abwesenheit tatsächlich aufgeräumt worden. Allerdings hat man uns darauf hingewiesen, man könne unser Zimmer nur dann aufräumen und putzen, wenn wir den Schlüssel an der Rezeption lassen, während wir unterwegs sind. Hallo?!?! Was ist das denn? Am Zimmerschlüssel hängt auch der Safeschlüssel. Da können wir ja gleich alle Wertsachen auf der Terrasse deponieren. Also, so einen Schwachsinn habe ich ja noch nie gehört. Der Service in dieser Lodge ist echt nicht gut. Eigentlich ist es der schlechteste Service, den wir bis jetzt in Namibia erfahren haben. Also ich denke, wenn man schon so viel Geld für eine Lodge bezahlt, kann man zumindest erwarten, dass die Betten gemacht und der Mülleimer geleert wird. Ist ein bisschen schade, zumal wir hier drei Nächte sind und uns die Lodge etwas anders vorgestellt haben.
Uwe macht noch tolle Aufnahmen vom Sonnenuntergang. Ganz zum Schluss, als die Sonne schon ziemlich tief steht, kann man sogar noch die Spitzkoppe sehen. Sie wird durch das warme Licht der untergehenden Sonne so toll ausgeleuchtet. Uwe hat fantastische Aufnahmen gemacht.

Spitzkoppe zum Sunset Spitzkoppe zum Sunset Spitzkoppe zum Sunset

Als die Sonne „endlich“ untergegangen ist, wird es für uns noch richtig zackig. Schließlich müssen wir uns noch für das Abendessen zurecht machen. D.h. wir müssen beide noch duschen, uns umziehen und ich muss noch in die “Maske”.
Es ist bereits 19:40 Uhr, als wir dann auch im Speisesaal ankommen. Toll, heute hat es geklappt mit dem kalten Weißwein. :-) Man hat extra für uns Weißwein in den Kühlschrank gestellt. Dazu nehmen wir noch eine Flasche Wasser, die wiederum nicht so kalt ist. :-(
Als Vorspeise gibt es einen kleinen Thunfisch-Quiche auf grünen Salat. Das ist schon mal sehr lecker. Die Hauptspeise ist Beef Stroganof mit Reis und als Gemüse gibt es Kraut mit Möhren. Dazu reicht man noch ein Schälchen mit irgendwas Mais-überbackenem. Reis ist nicht mein Ding :-( und Mais ist nicht mein Ding :-( . Auweia, ich merke schon, ich bin verdammt schnucksch. Also habe ich mich nur mit dem Beef Stroganof und dem Krautgemüse aufgehalten. Das ist aber sehr lecker. Uwe hat wie immer sein Teller leer gegessen (Streber!) und damit die absolute Freude der Kellnerin erregt. Mir fliegt gleich wieder der Hosenknopf weg, aber es kommt noch Dessert. Das ist leckerer Schokoladenkuchen mit Karamellsauce. Mhm, sowas leckeres hatte ich noch nie. Ätsch, heute muss Uwe mit einem Dessert auskommen. Von mir gibt es nichts. Tja, Pech gehabt. :-)
Nach dem Essen trinken wir unseren restlichen Wein (bzw. Uwe sein Bier) auf der Terrasse. Dabei kann man so schön den afrikanischen Abend genießen. Ira und Christoph, mit denen wir uns heute Nachmittag bereits unterhalten haben, machen uns dann eine lange Nase mit einem leckeren Getränk. Amarula. Hä?! Kennen wir nicht. Es soll so ähnlich schmecken wie Baileys. Wir fragen bei der Kellnerin nach Dom Pedro, das wir aus Südafrika kennen. Gut, Dom Pedro kennt sie nicht. Okay, probieren wir halt mal einen Amarula, aber erst einmal einen einfachen mit Eis. Wow! Warum hat uns nicht schon eher jemand mal auf dieses Leckerli aufmerksam gemacht? Mensch, was wir bis jetzt alles schon verpasst haben! Schmeckt wirklich absolut lecker, ähnlich wie Baileys. :-)
Nach dem Amarula ziehen wir uns dann in unser Chalet zurück, das wir absolut dunkel vorfinden. Nichts geht mehr, kein Strom da. SUPER! Ich laufe noch einmal zur Rezeption zurück, aber auch da ist alles dunkel. Also gibt es in der ganzen Anlage kein Licht. Tja, wir sind in Afrika, manchmal vergisst man es. So bleibt uns nur noch ins Bett zu gehen. Ganz plötzlich ist der Strom wieder da und wir haben Licht. Wir gehen trotzdem ins Bett, irgendwie sind wir müde. Keine Ahnung von was. Uwe will noch seine Bilder überspielen, aber danach geht nichts mehr. Es ist kurz nach 22:00 Uhr. Gute Nacht!

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13. Tag => Spitzkoppe & Bulls Party

Übernachtung: Erongogebirge | Hotel: Hohenstein Lodge | Ausstattung: gut | Frühstück: gut | Abendessen: gut | Service: mangelhaft

Heute Morgen sind wir um 07:00 Uhr aufgestanden. Damit haben wir mal „richtig“ ausgeschlafen und sitzen um 07:30 Uhr an unserem Frühstückstisch. Ernst, einer der Angestellten, ist irgendwie mit der Gästelodge vollkommen überfordert. Mein Gott, wir sind nur um die 10 Leute beim Frühstück und er macht ein Theater, als wären alle Einwohner Namibias hier zum Frühstück und er der alleinige Kellner. Er hatte gestern Abend schon mächtig zu rudern, um die Handvoll Leute zu bedienen. Heute Morgen ist es das gleiche. Er kann sich nicht merken, wer welche Eier bestellt hat und rennt dann mit den Eiertellern wie ein aufgescheuchtes Huhn durch den Frühstücksraum, bis er endlich den Schuldigen gefunden hat. Langsam bin ich ganz schön angenervt.
Nach dem Frühstück schwatzen wir noch kurz mit Ira und Christoph. Schade, dass sie gleich abreisen. Wir geben ihnen noch unsere Frischhaltefolie mit. Sollte es in Sossusvlei, wohin sie jetzt fahren, sehr windig sein, können sie ihre Kameras mit der Folie umwickeln und dadurch vor Sand schützen. Wir hatten die Folie nicht gebraucht. Toll, wir haben gerade festgestellt, dass wir uns an ihren letzten und unseren vorletzten Abend noch einmal in der Immanuel Wilderness Lodge treffen. Aber möglicherweise treffen wir uns später noch an der Spitzkoppe. Da wollen sie nämlich auf dem Weg nach Swakopmund auch noch einen Stopp einlegen.
So, da wir etwas mehr Zeit haben, genießen wir noch ein Tässchen Kaffee auf der Terrasse und lassen uns die Morgensonne ins Gesicht scheinen. Die Spitzkoppe ist heute so klar zu sehen, eine super Sicht und ganz scharfe Konturen, zumindest von der Hohenstein Lodge aus. Wir hoffen, dass es vor Ort genau so ist, aber es wird sicherlich viel besser sein als gestern. Deshalb brechen wir nach dem Frühstück auch gleich auf.
Da ja die Herrschaften hier in der Lodge nicht fähig sind, mit einem General- oder Ersatzschlüssel die Häuser zu öffnen, nehmen wir alle unsere Wertsachen aus dem Safe und tragen sie am Mann. An der Rezeption hinterlege ich den Schlüssel inklusive Safeschlüssel. Wir dürfen gespannt sein, ob es die vier Damen im Laufe des Tages schaffen, unser Zimmer zu putzen.
Wir fahren die gleiche Strecke, die wir gestern bereits gefahren sind. Nachdem wir wieder einige arme, am Straßenrand stehende Ziegenhirten vollkommen einstäuben und viele, viele Ziegen unsere Straßen passieren lassen, erreichen wir nach ca. 45 Minuten das Eingangstor zur Spitzkoppe. Auch heute Morgen stehen bereits viele Kinder in und vor den windschiefen Verkaufsbuden und versuchen uns, ihre Handarbeiten zu verkaufen. Ein kleines Mädchen kommt weinend zum Auto. Es hat fürchterliches Nasenbluten. Auf meine Frage, was denn passiert ist, zuckt sie nur die Schultern. Ein paar Bonbons helfen aber, die Tränen zu trocknen. Wir zahlen 90,00 N$ als Eintritt.
Direkt hinter dem Gate stehen Ira und Christoph, sie haben auf uns gewartet. Sie versuchen uns zu überreden, eine Wanderung zum Buschmanns Paradies mitzumachen. Das ist eine geführte Tour, bei der man Felsmalereien sehen kann. Dabei muss man aber auch ganz schön in die Felsen klettern. Erstens sind die beiden Bergkletterer und damit ist das für sie ein Klacks und zweitens ist uns die Hitze für solche Kletterei einfach zu groß. Und um ehrlich zu sein, uns interessieren Felsmalereien nicht sonderlich. Wir lehnen das Angebot ab und fahren auf dem Gelände bis zur Spitzkoppe. Heute sind die Konturen richtig klar, die Felsen sind ganz deutlich zu sehen. Das Gebiet hier ist traumhaft schön. Hier kann man sich locker mehrere Tage aufhalten und wird immer wieder Neues entdecken. Okay, wir müssen uns halt mit einem halben Tag begnügen, da ja gestern leider alles so dunstig war. Schon auf dem Weg bis zum „Highlight“ Spitzkoppe gibt es so viel zu sehen und man könnte hier stundenlang laufen. Puh, aber nicht in dieser Hitze. Schon allein, wenn man zum Fotografieren aus dem klimatisierten Auto aussteigt, schlägt die Hitze wie ein Vorschlaghammer zu.

Auf dem Weg zur Spitzkoppe Blick durch den Rock Arch zur Spitzkoppe Fotografenglück

Dann endlich erreichen wir den kleinen Parkplatz, von dem aus es nur noch wenige Schritte bis zu dem Felsen ist, von dem aus man einen herrlichen Blick auf die Spitzkoppe hat. Und immer wieder stoßen wir auf Ira und Christoph. Uwe klettert sofort mit den Beiden auf den Felsen hoch und schießt, was das Zeug hält. Christoph macht viele Fotos von Uwe, der wieder in allen möglichen Stellungen versucht, seine Motive fotografisch einzufangen.
Ich suche mir derweilen andere Fotomotive und gehe ich eine andere Richtung. Dabei entdecke ich jede Menge Klippschliefer. Das sind schon putzige Tiere. Sie haben in etwa die Größe von Kaninchen und ähneln von der Gestalt her Murmeltieren. Und die Viecher stinken, pfui Teufel! Sie lassen mich immer bis auf einige Schritte an sich heran und sausen dann, so schnell sie ihre kleinen Beinchen tragen, von den Felsen hinunter in das schützende Dickicht.
Irgendwann treffe ich auch wieder auf die 3, die nun endlich ihre Fotosession beendet haben. Schade, dass sich nun hier unsere Wege trennen. Es wäre sicher sehr schön gewesen, noch einige Zeit mit den beiden zu verbringen. Wir verabschieden uns und winken ihrer Staubwolke hinterher.
Wir halten uns für weitere Fotos hier auf und ärgern uns zu Tode, dass es gestern so dunstig war und wir nicht hier gewesen sind. Seufz – ich befürchte, wir müssen noch einmal eine Namibia-Tour machen. :-)

Spitzkoppe Auf der Jagd nach Motiven Ira und Christoph lassen uns in ihrer Staubwolke zurück

Nun wird es aber Zeit, dass wir in Richtung Bulls Party aufbrechen. Ich hatte mich heute für einen Fahrtag bereit erklärt, da Uwe seine Trekkingstiefel trägt und er in diesen nicht gern Auto fährt. Kurz vor dem Ausgangstor ist ein Campingplatz mit einem kleinen Restaurant. Super! Wir haben Durst und nur warme Getränke. Wir halten, um im Schatten der Überdachung eine eiskalte Cola zu trinken. Das tut so was von gut. Wir haben uns gerade gesetzt und eine kalte Cola bestellt, das sitzen Ira und Christoph schon wieder neben uns. :-) Sie hatten den gleichen Gedanken. Aber nun trennen sich unsere Wege endgültig.
Unsere Else dirigiert uns Richtung B2 (Autobahn). Es ist richtig komisch, auf der B2 zu fahren. Mal wieder Asphalt unter den Reifen. In Usakos fahren wir von der B2 ab und werden die Chance nutzen, unser Auto an der Tankstelle aufzutanken. Usakos ist ein ganz nettes Städtchen. Hatten wir so gar nicht erwartet. Naja, Städtchen ist vielleicht auch zu viel gesagt. Wir tanken das Auto und Uwe holt im Supermarkt schnell noch zwei kalte Cola. Lange bleiben sie allerdings nicht kalt. Da heißt es also schnell trinken. :-)
Von hier aus führt uns dann eine Schotterpiste zur Ameib Ranch, auf deren Gebiet Bull‘s Party liegt. Die Ameib Ranch ist eine Gästefarm, die neben Gästezimmern auch einige Campingplätze anbietet. Die Farm ist unter anderem für 2 Sehenswürdigkeiten bekannt: Bull’s Party mit dem Elefantenkopf, einer Ansammlung von eindrucksvollen Granitfelsformationen. Und ferner die Phillipshöhle, eine alte Wohnhöhle der San, in der die Ureinwohner Namibias viele interessante Felszeichnungen, inklusive dem Weißen Elefanten hinterließen.
Wir kommen an ein großes Eingangstor, das verschlossen ist. Als wir uns langsam nähern, wird das Tor von zwei Schwarzen geöffnet. Wir werden wieder registriert und in eine Liste eingetragen. (Die Afrikaner scheinen Listen zu lieben.) Ferner erhalten wir die Instruktion, uns nach ca. 10 km an der Ameib Ranch an der Rezeption anzumelden.
Das Haupthaus steht inmitten einer kleinen Oase aus hohen, schattenspendenden Bäumen und zahlreichen Blumen. Die kleinen Gästehäuser sehen sehr nett aus. Auf unser Rufen und Klingeln passiert erst mal gar nichts. Außer einem zotteligen, gutmütigen Hund, der uns allerdings nicht aus den Augen lässt, scheint keiner hier zu sein. Dann endlich kommt die Hausherrin und bittet uns ins Haus. Hier zahlen wir einen Obolus von 100,00 N$ (6,70 €). Wir fragen, ob wir evtl. auch eine Kleinigkeit essen können. Leider nein, wir sind nicht angemeldet und sie hat nichts vorbereitet. Das ist schade, denn wir haben etwas Hunger. Na gut, müssen halt unsere trockenen Butterkekse herhalten.
Nachdem wir den Eintritt auf die Ranch bezahlt haben, folgen wir einem schmalen Pad, der gerade mal Autobreite hat, Richtung Bull‘s Party. Wir haben noch einmal 3 km vor uns. Der Pad windet sich durch Buschland und Bäume. Plötzlich läuft eine Giraffe direkt vor unserem Auto über den Weg. Wahnsinn! Unsere erste Giraffe in Namibia. Das ist so schön, man kann es gar nicht beschreiben. Wir waren auf Tierbeobachtung gar nicht eingestellt und mit Giraffen haben wir überhaupt nicht gerechnet. Insofern haben wir natürlich auch kein Teleobjektiv auf der Kamera. Wer konnte denn ahnen, dass wir hier auf Giraffen treffen? Ein Stück weiter liegt da plötzlich eine zweite Giraffe im Gras. Jetzt halten wir aber an und wechseln das Objektiv. Uwe macht einige schöne Aufnahmen mit dem Tele von der Giraffe. Wobei ein Tele bei diesen großen Tieren schon fast wieder zu viel ist. Ein Stück weiter steht eine dritte. Wir können es gar nicht fassen, so viele Giraffen auf einmal zu sehen. Was uns absolut neu ist, dass Giraffen liegen können. Wir kannten bisher nur stehende Giraffen, liegende haben wir noch nie gesehen. Wir würden sie gern beim Aufstehen beobachten. Aber wer weiß, wie lange wir darauf warten müssten.
Wir folgen diesem schmalen Pad weiter Richtung Bull‘s Party, als wir eine ganze Horde Paviane sehen. Die machen mir schon immer etwas Angst. Dann erreichen wir den Parkplatz, auf dem wir unser Auto abstellen können. Es ist eine brüllende Hitze, ich weiß gar nicht, wie wir die Zeit bis zum schönen Fotolicht verbringen sollen. Wandern fällt aus! Vom Parkplatz aus sind es nur wenige Schritte bis zu dem Gebiet, was als Bull‘s Party bekannt ist. Wir ruhen uns zunächst eine Weile im Schatten der großen Felsbrocken aus. Hier stehen zwei Bänke, auf denen man bequem sitzen und diese spektakuläre Landschaft anschauen kann. Unter uns liegen die geschliffenen, surreal anmutenden Granitfelsen.

Unsere erste Giraffe in Namibia Im Schatten ausruhen ... Affen bei Bull's Party

Uns juckt es wie verrückt in den Finger, endlich mit der Kamera zwischen diesen großen Murmeln herum zu laufen und den Auslöser warmlaufen zu lassen. Aber momentan besetzt die Affenhorde das gesamte Areal und die sind uns zahlenmäßig weit überlegen. :-( Es sind auch unheimlich viele Jungtiere darunter und die Alten beäugen uns mehr als misstrauisch. Wir wollen uns nicht unbedingt mit denen anlegen und können nur hoffen, dass sie irgendwann von allein gehen und uns das Feld überlassen. So bleiben wir halt noch eine Weile im Schatten sitzen und beobachteten die Affenfamilie. Ich versuche, einige Fotos von ihnen zu machen. Allerdings sind sie eine ganze Ecke von uns entfernt (Gott sei Dank).

Riesige runde Felsen beherrschen das Bild bei Bull's Party Gaby im Größenvergleich mit den Felsmurmeln Balanced Rock

Endlich verziehen sich die Affen nach einer uns endlos erscheinenden Zeit in das gegenüberliegende Dickicht. Jetzt haben wir freie Bahn, auf dem Gelände herum zu laufen und Fotos machen. Das Gebiet ist einfach spektakulär. Diese riesengroßen runden Felsbrocken, die oftmals nur auf kleinen Ecken stehen, sind einfach fantastisch. Man fragt sich, wie sich diese große Murmeln halten können. Wir haben uns hier bestimmt 2 Stunden aufgehalten und fotografiert.
Die Hitze ist schier unerträglich. Ich glaube, hier unten im Valley, zwischen all den riesigen Felsbrocken steht die Hitze auch noch schlimmer, als wenn man sich auf einer Ebene befindet, über die evtl. auch noch ein kleiner Windhauch hinweg streicht. Unsere Getränke sind sowas von warm, wir wollen schon gar nicht mehr die Flasche ansetzen.
Irgendwann geht nichts mehr. Zum einen dürfte eigentlich kein Stein mehr auf dem anderen stehen – wir haben alles abfotografiert. Zum anderen fordert natürlich die Hitze ihren Tribut. Wir sind schlagskaputt und schleppen uns langsam zum Auto zurück. Jeder Schritt fällt echt schwer. Es gibt hier noch eine Felsformation, den sogenannten Elefant Head. Den wollen wir uns gern noch anschauen. Also ich fahre heute keinen Meter weiter. Ich plumpse auf den Beifahrersitz, von dem ich mich nicht mehr runter bewege. Jetzt muss halt Uwe doch in seinen Boots fahren.

Ein weiterer Balanced Rock Uwe beim Fotografieren Eine Felsmurmel mit dem Elefant Head im Hintergrund

Zwischen dem Parkplatz hier und dem Parkplatz Elefant Head liegen nur wenige Meter. Eigentlich könnte man dorthin auch zu Fuß gehen. Nee danke, heute nicht mehr. Auch hier können wir uns gar nicht mehr so richtig zum Aussteigen motivieren. Wir machen noch ein 1-2 Fotos und entschließen uns dann zur Rückfahrt.
Wir fahren ganz langsam den einspurigen schmalen Sandpad Richtung Farmhaus zurück. Es kann auch gar nicht anders sein, dass uns hier ein Auto entgegen kommen muss. Mist, und keine Stelle zum Ausweichen. Uwe wühlt sich an der Seite im tiefen Sand ein. Hoffentlich kommen wir hier wieder raus. Wir klappen die Spiegel ein, so dass das andere Fahrzeug an uns vorbeifahren kann. Uwe hat ganz schön zu tun, das Auto aus diesem dicken Sand wieder herauszuwühlen.
Wir fahren den Pad langsam weiter Richtung Farmhaus. Auf dem Weg haben wir nochmal Gelegenheit, zwei Giraffen zu beobachten. Es ist total schön, diesen ruhigen Tieren beim Fressen zuzuschauen. Und sie lassen sich dabei überhaupt nicht stören. Viele Impalas und Kudus kreuzen unseren Weg. Die Schotterstraße wird, nach dem wir das Farmhaus hinter uns lassen, Gott sei Dank wieder breiter und gut befahrbar. Das heißt jetzt, wir können geschwindigkeitsmäßig etwas mehr Fahrt aufnehmen.
Vor uns sehen wir nun das große Wasserloch, das aus welchen Gründen auch immer, direkt auf der Straße angelegt ist. Es kann eigentlich kein natürliches sein, denn dazu hätte es irgendwann geregnet haben müssen. Fünf Giraffen haben sich darum versammelt und trinken. Wow, das ist ein gigantischer Anblick. Uwe bleibt stehen und wir beobachten die Giraffen. Sie sind schon auf uns aufmerksam geworden und beäugen unser Auto misstrauisch. Ich befürchte, dass die Giraffen die Flucht ergreifen, wenn wir mit dem Auto weiter heranfahren.
Langsam und vorsichtig verlasse ich das Auto und laufe mit dem Fotoapparat auf die Giraffen zu. Sie schauen und beäugen mich und wissen nicht so richtig, was sie von mir halten sollen. Geht von mir eine Gefahr aus oder können sie ruhig weiter trinken? Ich gehe immer näher heran und sie bleiben, wo sie sind. Allerdings lassen sie mich nicht aus den Augen. Sie hoffen vermutlich ebenso wie ich getreu dem Motto: Tust du mir nichts – tu ich dir nichts. Uwe fährt im sicheren Abstand ganz langsam hinter mir her. Natürlich hat er den Fuß auf dem Gaspedal, so dass er mich schnell einsammeln kann, falls irgendeine Gefahr drohen sollte. Aber ich glaube nicht, dass von diesen Giraffen eine Gefahr für mich ausgeht. Sie lassen uns relativ nah ran, so dass wir uns gegenseitig in die Augen schauen können. Ich kann echt gute Aufnahmen, sogar ohne Teleobjektiv, machen. Wir verbummeln hier mindestens eine halbe Stunde mit der Beobachtung und dem Fotografieren. Aber irgendwann müssen wir nun doch das Wasserloch passieren und an den Giraffen vorbeifahren. Und je näher wir mit dem Auto kommen, umso weiter entfernen sich die Giraffen von uns.

Eine unerwartete und schöne Begegnung mit Giraffen Mißtrauisch werden wir beäugt Der Sicherheitsabstand muss immer eingehalten werden

Nun fahren wir ohne weiteren Stopp zur Hohenstein Lodge zurück, die wir gegen 18:00 Uhr erreichen. Ich hole unseren Zimmerschlüssel an der Rezeption ab, während Uwe mit dem Auto gleich zu unserem Stellplatz fährt. Ich habe das Gefühl, mich tritt ein Pferd, als ich unser Chalet aufschließen will. Es ist bereits offen. TOLL!!! Das kann doch wohl alles nicht wahr sein!!! Ich kann gar nicht sagen, wie stinkig ich bin. Offensichtlich haben die Putzfrauen das Chalet nicht wieder verschlossen. Es ist sowieso ein absolutes Unding, dass man den Schlüssel abgeben muss. Das kann eigentlich gar nicht wahr sein. Jeder kann hier tagsüber in unser Chalet rein und raus spazieren, wenn wir unterwegs sind. Ich muss wirklich sagen, diese Lodge hat uns mächtig enttäuscht. Hier stimmt der ganze Service überhaupt nicht. Was ich so gar nicht verstehe: Der Besitzer dieser Lodge ist der gleiche wie von der Kalahari Red Dune Lodge, in der wir am Anfang unserer Reise waren. Dort war alles mehr als topp.
Ich muss mir jetzt erst mal den Staub vom heutigen Tag und vor allem den Ärger abduschen. Nachdem auch Uwe geduscht hat gehen wir zum Abendessen. Och nee, eine Reisegruppe mit ca. zwölf Personen ist angekommen. Eine riesige Tafel steht mitten im Raum, um die alle schnatternd herum sitzen. Mein Gott, weshalb müssen die immer so laut sein!
Wir müssen nun erst mal sehen, ob wir auch noch irgendwo eine Ecke zum Sitzen finden. Na prima, da ist ja das Personal wieder hoffnungslos überfordert. :-( Die wissen gar nicht, wohin sie zuerst ausschwärmen sollen. Zumal der Gruppentisch ziemlich fordernd ist und jeder sein Getränk separat bestellt und das dann auch sofort und gleich haben möchte. Komisch, da funktioniert der Gruppenzwang nicht, dass sie EINE Getränkebestellung für alle aufgeben. Hallo!? Zur Lodge gehören auch noch andere Gäste. Es ist einfach schrecklich.
Wir bestellen uns Weißwein (das konnten sie sich wenigstens merken und servieren den Wein kalt) und Wasser. Es geht auch gleich mit dem Essen weiter. Wie auch die Abende zuvor setzt man uns Teller vor, ohne zu erklären, um welche Speisen es sich handelt. Jedes Mal muss ich das Personal zurückrufen und fragen, ja was ist denn das eigentlich. Heute gibt es als Vorspeise einen Gemüsequiche auf Salat, der fantastisch schmeckt. Als Hauptspeise gibt es zwei kleine Oryx-Steaks mit süßen Möhren und Bohnengemüse und Kartoffeln. Das Bohnengemüse ist sehr lecker, wogegen das Möhrengemüse etwas gewöhnungsbedürftig ist. Die haben das mit Zimt gewürzt. Meiner Meinung nach passt das nicht so richtig. Aber das ist Geschmackssache. Die Nachspeise ist ein ganz leckeres Pfirsichbiskuit mit Sahne. Mmh, ich habe meinen ganz allein gegessen. :-) :-)
Nach dem Essen gehen wir noch eine Weile auf die Restaurantterrasse, um unseren doppelten Amarula zu genießen. Um uns herum ist eine Unruhe. Ehe man sich in der Gruppe nun mal einig wird, wer wo mit wem sitzt und wer evtl. noch was trinkt. ICH LIEBE REISEGRUPPEN!
Auch so ein Unding hier in dieser Lodge ist, dass man keine Getränkekarte vorgelegt bekommt. Wir wissen gar nicht, welche Getränke überhaupt angeboten werden bzw. was sie kosten. Heute habe ich den Keller nach der Getränkekarte gefragt. Er schaute mich zwar etwas verständnislos an, hat sie mir dann anstandslos gebracht. So können wir uns erst mal orientieren, was wir die letzten drei Abende mengenmäßig und finanziell weggeschluckt haben. Aber es hält sich alles in Grenzen. Ich hoffe nur, dass die Abrechnung dann auch stimmt. Auf jeden Fall war es wunderschön auf der Terrasse zu sitzen und den Amarula zu genießen. Die Reisegruppe hat dann auch noch zur Einigkeit gefunden und nach einer Zeit kehrte dann auch so etwas wie Ruhe ein.
Gegen 21:30 Uhr gehen wir schlafen. Wir sind ziemlich kaputt. Allerdings ist es im Zimmer wieder unverhältnismäßig warm. Schlafen wird wieder zum Abenteuer.

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14. Tag => Fahrt zur Vingerklip Lodge

Übernachtung: Vingerklip | Hotel: Vingerklip Lodge | Ausstattung: sehr gut | Frühstück: sehr gut | Abendessen: sehr gut | Service: sehr gut

Heute Morgen haben wir uns nach dem Aufstehen um 07:00 Uhr mächtig mit Duschen und „Maske“ beeilt. Wir dachten uns so, wenn wir schnell sind, könnten wir es evtl. noch rechtzeitig vor der Reisegruppe zum Frühstück schaffen. Gerade das Frühstück, das man (zumindest wir) noch im Halbschlaf verbringt, möchte man gern in Ruhe genießen.
Leider hat sich unsere Hoffnung nicht erfüllt, als wir in das Restaurant kommen ist die Reisegruppe schon da. Und nicht nur körperlich anwesend, nein – so wie man das von Reisegruppen kennt – auch die Lautstärke ist dementsprechend. Klar, das Personal ist hoffnungslos überfordert mit allen. Im Frühstücksraum gibt es eine Kaffeemaschine und einen Toaster. Das hat an den vergangenen zwei Morgen alles geklappt. Aber heute ist ja eine Reisegruppe da und die wollen alle alles auf einmal. Ich habe schon gar keine Lust mehr auf Frühstück. Die Kanne auf der Kaffeemaschine ist leer. Darauf muss das Personal erst einmal aufmerksam gemacht werden, denn von allein merken die das nicht. Wenn ich doch weiß, dass eine Reisegruppe angereist ist und es wollen somit mindestens 10 Leute zur gleichen Zeit frühstücken, kann ich doch genügend Kaffee vorrätig haben. Man hätte ja eine Thermoskanne vorbereiten können. Jetzt gibt es natürlich ein Gerangel um den Kaffee, ist ja klar.
Der Kampf um den Toaster ist nicht weniger spektakulär und spannend. Die Teilnehmer der Gruppe sind natürlich auch nicht blöd und nutzen ihren Gruppenvorteil aus. So steht eine mit einem Teller in der Hand, auf dem sich mindestens 12 Scheiben Toastbrot türmen, vor diesem Gerät und besetzt es, bis alle am Gruppentisch ein Toast haben. Super! Als der letzte endlich sein Brot hat ist der erste natürlich fertig und die Blockade beginnt von neuem. Hallo! Die anderen Gäste hätten auch gern ein Frühstück.
Dazwischen stehen die Angestellten, die hilflos wie die Kinder mit großen Kulleraugen das Chaos beobachten. Mensch, ich habe einen Hals – und das am frühen Morgen und auf nüchternen Magen. Eine äußerst ungünstige Konstellation! Wenn ich heute Morgen nicht explizit nach unserer Eierspeise gefragt hätte, hätten wir vermutlich darauf verzichten müssen. Der Service ist wirklich mehr als enttäuschend. Wir haben recht schnell gefrühstückt und haben uns dann noch ein Moment mit dem Kaffee, den wir uns hart erkämpft haben, auf die Restaurantterrasse zurückgezogen. Der Kampf um Kaffee und Toast hat uns doch recht angestrengt.
Jetzt packen wir unsere Sachen zusammen und dann nichts wie weg hier. 10:00 Uhr stehen wir an der Rezeption zum Auschecken. Das müssen wir beim Manager machen. Der Manager entpuppt sich als junger Mann, der Englisch mit starken holländischem Akzent spricht. Bei dem muss ich erst einmal meine Beschwerden loswerden, angefangen von unserem nicht abgeschlossenen Chalet, über Zimmerservice nur nach Anmahnung und der katastrophalen Organisation des Frühstücks heute Morgen. Punkt 2 und 3 hat ihn nicht weiter tangiert. Ist er offenbar gewöhnt. Aber dass unser Chalet nicht abgeschlossen war entlockt ihm zumindest die Reaktion, die Augenbrauen anzuheben und zu fragen, ob uns etwas fehlt. Also Junge, du musst echt noch eine Menge lernen. Na ja, machen wir einen Haken dahinter. Ach ja, er fragt beim Verabschieden, ob wir denn beim nächsten Besuch wieder die Hohenstein Lodge wählen würden. Na, der hat vielleicht Nerven!
Jetzt aber auf zur Vingerklip Lodge. Wir hoffen inständig, dass wir hier mehr Glück, einen besseren Service und hoffentlich endlich mal wieder ein Kühlschrank im Zimmer haben. Vor uns liegen ca. 250 km Schotterpisten. Wir schätzen, dass wir gegen 13:00 Uhr in der Vingerklip Lodge ankommen werden. Von der Hohenstein Lodge aus fahren wir klitzekleine D-Sträßchen, die unterschiedlich gut befahrbar sind. Wir halten uns zunächst Richtung Omaruru, da wir dort noch einmal tanken wollen. Bis dahin ist die Landschaft traumhaft schön, wir fahren immer entlang des Erongogebirges.
Nach Omaruru hinein führt direkt mal wieder eine geteerte Straße. Es ist auch ein ganz netter kleiner Ort und sehr geschichtsträchtig. Dessen Geschichte ist eng mit der der West-Herero verknüpft, die Mitte des 18ten Jahrhunderts mit ihren Herden aus dem Kaokoveld nach Süden gewandert waren und sich hier ansiedelten.
Auf Grund des reichlich vorhandenen Grundwassers wirkt der Ort jedoch im Gegensatz zu anderen Orten sehr grün. Prima, eine Tankstelle gibt es auch, also wird unser Auto gleich vollgetankt. Da unsere Getränke durchweg alle kurz vor dem „Siedepunkt“ stehen und wir wie immer mehr als durstig sind, fahren wir noch kurz an einen Supermarkt, um was Kaltes zu kaufen. Und was sehen wir hier? Einen ATM. Ja klar, dass wir die Chance nutzen und unser Bargeld auffüllen. In ein paar Tagen wollen wir in den Etosha und da ist es mit Bargeld abheben ganz schlecht.
So, nun aber weiter, schließlich wollen wir heute auch noch mal ankommen. Von Omaruru aus geht es dann wieder auf eine Schotterpiste, die sich endlos zieht. Nach und nach wird die Landschaft immer langweiliger und unspektakulärer. Wir fahren eigentlich nur durch Buschland, rechts und links weiter nichts als unspektakuläres Buschland. :-( Vermutlich ist das alles privates Farmland, denn wir müssen ständig an Zäunen halten, die Gatter öffnen und hinter uns zu schließen. Nach ca. 1 Stunde Fahrt habe ich dann freiwillig das Steuer an Uwe übergeben. Diese öde Fahrt hat mich dermaßen ermüdet und ich bin so unkonzentriert, dass ich beinahe einen Unfall (ohne Fremdeinwirkung) verursacht hätte. Puh, Gott sei Dank, es ist noch einmal gut gegangen. Vermutlich habe ich mit offenen Augen geschlafen und eine Kurve zu spät gesehen oder falsch eingeschätzt (keine Ahnung, ich habe ja geschlafen), so dass ich das Lenkrad ziemlich abrupt herum gerissen habe. Ist natürlich nicht so prickelnd auf Schotterstraßen. Na egal, jetzt sitze ich daneben. Aber aus Weiterschlafen wird nichts. Jetzt trifft mich nämlich das Los des ständigen Aussteigens und Öffnen und Schließen der Gatter, was vorher Uwe machen musste. Und die Straße zieht sich weiter endlos und endlos und es kommt ein Gatter und noch ein Gatter und noch ein …
Ca. 50 km bevor wir die Vingerklip Lodge erreichen wird die Landschaft wieder bergiger und interessanter. Uns eröffnen sich während der Fahrt durch das Gebiet immer wieder grandiose Landschaften mit bizarren Bergen und weiten steinigen Ebenen. Nur selten treffen wir auf Menschen und Siedlungen.
Nun sind wir im Damaraland angekommen und vor uns liegen die Tafelberge der Ugab Terrassen. Das Damaraland ist insgesamt sehr spärlich besiedelt, karg, ausgedörrt und wild. Hier soll es sogar noch wild lebende Nashörner und Wüsten-Elefanten geben. Na mal schauen, ob wir ihnen begegnen. Damaraland wird überwiegend von den Damara bewohnt, die zusammen mit den San (Bushmen) zu den ältesten Einwohnern Namibias gezählt werden. Die Damara gehören zu den ärmsten Volksgruppen in Namibia und ernähren sich hauptsächlich durch die Ziegenhaltung. Dies wiederum führt zu starker Überweidung weiter Teile des Damaralandes.
Endlich sehen wir das große Eingangstor der Vingerklip Lodge vor uns. Puh, ich kann es kaum glauben, dass wir es geschafft haben sollen. Die Ankunftszeit haben wir vollkommen falsch eingeschätzt. Es ist bereits 14:30 Uhr, also 1 ½ Stunden später, als wir eigentlich gedacht haben. Herrlich, endlich ankommen und aussteigen. Die Lodge liegt ja traumhaft schön, direkt am Fuße einer hohen Felswand. Wenn ich so an der Felswand nach oben schaue – das wird doch wohl hoffentlich nicht die Wand sein, die wir heute Abend zum Dinner hochsteigen müssen? Nee, oder? Wie soll ich denn da hochkommen?

Welcome to the Vingerklip Lodge Unauffällig schmiegen sich die Chalets an die Ugab Terrassen Wunderbarer Ausblick auf die Tafelberge von unserer Terrasse

Wir fahren das Auto auf den Parkplatz direkt vor der Rezeption und gehen einchecken. Wir werden hier sehr freundlich begrüßt und erhalten zunächst einen ganz leckeren Fruchtsaftcocktail zur Begrüßung. Wir sollen uns erst einmal setzen und ankommen. Na, das lassen wir uns doch nicht zweimal sagen! :-) Das Restaurant sieht ganz toll aus. Riesige, bequeme Sessel laden in verschiedenen Ecken zum Sitzen ein. Die Bar ist vollkommen offen gehalten. Der Wind kann hindurch pfeifen, dadurch ist es sehr angenehm. Hinter der Bar schließt sich das Restaurant an, das bereits für das heutige Abendessen eingedeckt ist.
Man weist uns Chalet Nummer 12 zu. Oh Gott, ich weiß schon wieder, was uns erwartet. Vermutlich wieder ein ewig langer Weg bis zu unserem Chalet. Das gesamte Lodgegelände schmiegt sich unterhalb an den Felsen und es geht ständig steil hoch und runter. Der nächste Leidensweg – schnief. Aber uns wird ein Angestellter zugeteilt, der uns beim Gepäck behilflich sein soll. Er kommt mit einem großen Karren, auf dem wir unser gesamtes Gepäck aufladen können. Der arme Mann, der tut mir so leid. Och Mensch, es ist ein kleines altes Männchen (und so dünn!), der nun den schweren Karren schieben muss. Er lässt sich aber auch nicht helfen.
Unser Chalet Nummer 12B ist einfach traumhaft – eine Wucht! Wir haben eine riesige Terrasse mit Sonnenliegen und einen großen Sonnenschirm und schauen direkt auf ein Wasserloch, das nachts auch noch beleuchtet wird. Direkt vor uns liegen die malerischen Tafelberge. Ich muss erst einmal sofort und gleich die Liegen ausprobieren. Ach! So guuuut! :-) Ich glaube, ich stehe heute gar nicht mehr auf, das ist ja so geil!
Unser Zimmer ist sehr großzügig angelegt. Allerdings haben wir zwei Einzelbetten, die sich auch nicht zusammenschieben lassen. Blöd! :-( Auch das Bad ist sehr groß. Überhaupt ist alles sehr gemütlich und sehr schön. Der einzige Minuspunkt: Wir haben wieder keinen Kühlschrank. Das ist sehr schade. :-( Uwe versucht, die Klimaanlage in Gang zu setzen, aber irgendwie gelingt es ihm nicht.

Unser Chalet Das Restaurant der Vingerklip Lodge Bar mit Aussicht

Nachdem wir unser Gepäck im Zimmer verstaut haben, gehen wir auf direktem Weg an die Bar. Wir freuen uns jetzt auf ein kaltes Bier. Für heute Abend haben wir das Abendessen in Eagles Nest reserviert. D.h., wir müssen nachher wirklich den ganz steilen Berg nach oben klettern, den ich vorhin bereits mit Entsetzen begutachtet habe. Die Tischreservierung haben wir bereits von Deutschland aus vorgenommen.
Wir bleiben eine Weile an der Bar sitzen und genießen unser kaltes Bier. Ganz vorsichtig erkundige ich mich an der Rezeption, wie viele Tagesmärsche uns denn nun bevorstehen, wenn wir dort oben zu Abend essen wollen. Der Angestellte grinst über’s ganze Gesicht, in der dunklen Rezeption sind nur noch seine blendend weißen Zähne zu sehen. Er meint, es würde vollkommen ausreichen, wenn wir gegen 18:00 Uhr vom Chalet aufbrechen. Das Abendessen beginnt erst um 19:00 Uhr. Na, der kennt uns hüftkranken Schildkröten nicht!
Kurz vor 17:00 Uhr gehen wir in unser Chalet zurück, um uns zum Abendessen bereit zu machen. Wir wissen ja, dass wir langsam sind und länger als normale Menschen brauchen. Außerdem kann ich es eh nicht leiden, wenn hinter mir dann die wilde Hatz losgeht und ich gedrängelt werde. Die Bar hat angeblich auch schon geöffnet. Na also, nix wie rauf da – aber zackig! Jetzt haben wir doch ein lohnendes Ziel vor den Augen und freuen uns schon auf ein kaltes Bier dort oben.
Der Weg lässt sich eigentlich sehr gut laufen und führt in moderaten Serpentinen stetig nach oben. Nur die Hitze lässt uns mächtig schnaufen. Es hat sich selbst jetzt gegen Abend hin noch kein bisschen abgekühlt. Straffen Schrittes kommt uns ein Angestellter von oben entgegen und macht uns Mut, oben würde schon ein kaltes Bier auf uns warten. Er ist kein bisschen verschwitzt. Kein Wunder, der läuft ja auch abwärts! Angeber!
Ach du Scheiße, was ist das denn??? Wir stehen vor einer steilen Himmelsleiter, die wir jetzt hinauf müssen. Ich drehe mich zaghaft um, ob nicht doch – irgendwo – vielleicht – ein Lift??? Nee, kein Lift!!! Persönlich und zu Fuß müssen wir hier hoch? Es ist doch immer wieder das Gleiche: Man kriegt nichts geschenkt im Leben und muss sich alles hart erarbeiten, selbst das Abendessen. Außerdem finde ich das total unlogisch, man sollte eine solche sportliche Herausforderung nach dem Essen meistern, da könnte man wenigstens die Kalorien wieder abbauen. Aber so??? Tja, nun haben wir lange genug gestanden und gestarrt, Flügel sind uns in der Zwischenzeit auch nicht gewachsen und außerdem wird unser Bier dort oben warm. Jetzt wird hier nicht rumgezickt, auf jetzt!
Wir holen tief Luft und machen uns an den Aufstieg. Was soll ich sagen, es geht viel besser, als wir gedacht haben. Auf der Hälfte der Treppe machen wir zwar eine kleine Verschnaufpause, aber ansonsten ist es echt keine Hürde, selbst für uns lahme Enten. Oben begrüßt uns ein freundlicher Angestellter und bietet uns sofort etwas zu trinken an. Oh ja, ein kaltes Wasser wäre zunächst super. Das Restaurant ist richtig nett und gemütlich, bietet auch nur maximal 20 Gästen Platz.

Aufstieg zum Restaurant Eagles Nest Eagles Nest Amarula mit Aussicht

Deshalb sollte man hier unbedingt vorreservieren. Eine Außenterrasse umgibt das gesamte Restaurant, auf der Stühle stehen. Von hier aus hat man einen spektakulären 360° Rundblick auf das Tal und die Ugab Terrassen. Wir können uns gar nicht satt sehen. Und absolut geil ist, wir sind ganz allein – bis auf den Kellner und den Koch. Ein kleiner Holzweg führt zu einer Aussichtsplattform, auf der wir uns zunächst einrichten.
Unser Kellner erzählt uns einiges über die Landschaft und über die Mopane-Bäume, die hier in der Gegend stehen. Die können der großen Hitze und Sonneneinstrahlung standhalten. Bei großer Hitze rollen sich die Blätter zusammen, so dass die Sonne nur wenig Angriffsfläche findet. Nur solche Bäume können hier überleben, so lange nicht die gefräßigen Elefanten darüber herfallen. Derweilen genieße ich die letzten Strahlen der Sonne und lausche dem Männergespräch aus einiger Entfernung.
Uwe möchte von hier oben den Sonnenuntergang fotografieren. Eine irre Landschaft ist das unter uns! Sie steht dem Monument Valley in Arizona an Dramatik kaum nach. Es ist ca. 17:30 Uhr und gegen 19:00 Uhr gibt es erst Abendessen. Nachdem wir uns akklimatisiert und schon einige schöne Bilder gemacht haben, bestelle ich uns zwei Amarula, zwei Doppelte natürlich. :-) Schließlich haben wir hart dafür gearbeitet und haben sie uns jetzt verdient. Genau das richtige Getränk, um den Sonnenuntergang zu zelebrieren. Kurz vor 18:00 Uhr kommen auch andere Gäste hier hoch, wir sind also nicht die einzigen. Die Sonne geht wieder glutrot unter, es ist ein wahnsinniges Naturschauspiel.
Im Hintergrund ragt der Vingerklip Felsen aus der Ebene heraus. Der skurrile Felsen ist 35 m hoch und hat einen Umfang von 44 m. Richtig stolz erhebt er sich über dem Tal der Ugab-Terrassen. Dorthin wollen wir morgen Früh noch vor dem Frühstück wandern. Na mal schauen, ob wir das hinkriegen.

Vingerklip zum Sunset Vingerklip zum Sunset Ugab Terrassen zum Sunset

Uwe fotografiert bis zur letzten Sekunde, bis die Sonne wirklich hinterm Horizont verschwunden ist. Es ist bereits dunkel, als wir unsere Rucksäcke zusammen packen und ins Restaurant an unseren Tisch zurückkehren. Es sind gar nicht so viele Gäste hier oben, eine Gruppe mit neun Personen, und dann nochmal drei Tische mit je zwei Personen, wir inklusive. Betreut werden wir von 1 Kellner und dem Koch. Ich frage mich, wie die die Zutaten für das Essen hier hoch schleppen, ebenso die Getränke. Unvorstellbar.
Das Abendessen wird in Büffet-Form gereicht. Der Koch hat bereits die ganze Zeit gegrillt, es zog ein verführerischer Duft zu uns, während wir unsere Fotos machten. Eine große Schüssel mit griechischen Salat steht als Vorspeise bereit. Es gibt gegrilltes Oryx-Steak, Huhn, Lamm und Beef. Das Fleisch war vorher gut gewürzt eingelegt und ist natürlich super gegrillt. Als Beilagen gibt es gemischtes Gemüse, Kartoffeln, Knoblauchbrot. Als Spezialität wird eine typisch Namibische Speise angeboten, deren Namen ich mir absolut nicht merken konnte. Es ist eine Art Gries mit Spinat. Ich habe es probiert, man muss es aber nicht unbedingt haben. Mein Fall war es gar nicht. Uwe hat wohlweislich gleich Abstand davon genommen. Zum Fleisch werden verschiedene Saucen gereicht, eine Senfsauce, eine Tatar-Sauce und eine Chilisauce. WOW!! Die Chillisauce hat es aber verdammt in sich. Die bringt selbst mich mächtig zum Keuchen. Wir bestellen uns Rotwein zum Essen. Als Nachspeise gibt es wieder Kuchen, der auch ganz lecker ist.
Nachdem wir und alle anderen Gäste satt und rundherum zufrieden die leeren Teller von uns schieben, versucht uns der Kellner noch einen Amarula anzudrehen. Ganz süß, dabei singt er den Amarula-Song und kreist mit Flasche und Hüften. Aber der Gedanke an den doch etwas steilen Abstieg lässt die Vernunft siegen. Schließlich hatten wir heute schon Bier und Amarula und Wein. Ich glaube, das reicht. Sollten wir ganzbeinig unten in der Lodge ankommen, können wir immer noch die Bar belagern. Also machen wir uns auf den Heimweg.
Es sieht von oben ganz fantastisch aus, zum einen diese Lodge, die überall wunderbar beleuchtet ist, und zum anderen auch der beleuchtete Weg, den wir bergab gestiegen sind. Echt ein Traum. Der Abstieg ist eigentlich auch ganz easy, hatten wir uns schlimmer vorgestellt. Jetzt stehen wir unten und staunen über uns selbst, dass wir tatsächlich dort hoch oben zum Abendessen waren. Kaum zu glauben, wenn man hier unten steht. Aber hätten wir das nicht gemacht – wir hätten auf jeden Fall was ganz Tolles verpasst.
Da wir ja nun ganzbeinig in der Lodge angekommen sind, dürfen wir uns auch noch einen Absacker genehmigen. Ganz zielstrebig steuern wir die Bar an. Hier ist gar nicht so viel los. Wir dachten eigentlich, bei der Größe der Lodge ist hier Ramba-Zamba und die Bar ist voll. Umso besser. Der Service in dieser Lodge ist einmalig. Tut richtig gut nach der Hohenstein Lodge. Kaum dass wir sitzen steht schon der Barkeeper vor uns mit der Getränkekarte. Wir bestellen ein großes Draftbier (0,5 l), eiskalt bitte. Mensch, das hat richtig gezischt. Wir haben aber auch immer einen Durst hier!
Nach und nach kommen die anderen Gäste aus Eagles Nest. Wir hocken uns dann zu einigen Leuten aus der Neunergruppe. Mit denen sitzen wir noch recht lange zusammen. Gegen 22:00 Uhr und nach dem 2. Draft beschließen wir dann den Abend.
So, und nun stehen wir im Zimmer und überlegen: Getrennt schlafen und Platz haben oder ein Bett benutzen. Wir versuchen es heute mal mit einem Bett. Kaum, dass wir uns ins Bett und unter das Moskitonetz gewurschtelt haben weiß ich schon, das ist gar keine gute Idee. Aber wir sind beide zu faul, jetzt noch mal einen Bettenwechsel vorzunehmen. Da müssen wir wohl jetzt durch. :-(

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15. Tag => Vingerklip

Übernachtung: Vingerklip | Hotel: Vingerklip Lodge | Ausstattung: sehr gut | Frühstück: sehr gut | Abendessen: sehr gut | Service: sehr gut

Nach einer nicht so besonders guten Nacht sind wir heute Morgen um 05:30 Uhr aufgestanden. Nee, das ist so gar nichts mehr für uns, zu zweit in einem schmalen Bett – und dann noch bei der Hitze. Ich glaube, wir sind gar geschmort. Ich komme mir vor wie die hawaianischen Erdferkel, die einen Tag lang in heißen Lavasteinen im Erdloch vor sich hin schmoren. Ich denke, heute Abend werden wir jeder sein eigenes Bett belegen.
Wir hatten beabsichtigt, noch vor Sonnenaufgang zum Vingerklip zu laufen. Bereits um 06:00 Uhr lümmeln wir auf unserer Terrasse auf den bequemen Liegen. Hier können wir uns etwas abkühlen und den erwachenden Tag beobachten. Lauter bunte Vögel flattern und zwitschern um uns herum und scheinen irgendwie empört, dass wir die Terrasse bereits für uns beanspruchen. Regt euch nicht auf, wir gehen gleich. :-)
Praktischerweise sitzen wir auf der Terrasse auch noch in der „ersten Reihe“, d.h. wir haben einen ungetrübten und super Blick auf das Wasserloch. Na und hier ist ja vielleicht am Morgen schon was los! Elanantilopen drängeln und schubsen, manchmal werden sie richtig böse aufeinander. Ganz witzig finden wir die komischen Perlhühner, die immer in großen Scharen unterwegs sind. Von Weitem betrachtet sehen sie wie Hüpfebälle aus.
Nachdem wir dem Schauspiel einige Zeit gefrönt haben machen wir uns gegen 06:15 Uhr auf den Weg. Unser Ziel zur fast noch nachtschlafenden Zeit ist der Vingerklip-Rock. Da wir auf dem Weg dorthin am Parkplatz vorbei kommen und unsere Boots im Auto liegen, können wir hier noch bequem die Schuhe wechseln. Das hat sich im Nachhinein als sehr weise herausgestellt. Der Weg zum Felsen wird mit 30 Minuten (eine Strecke) angegeben und ist gut ausgeschildert. Und so traben wir mutterseelenallein durch den Busch. Wir sehen einige Tiere (Springböcke und Oryx), die uns ganz verschlafen anklotzen. Die Sonne ist noch nicht zu sehen, das Licht diffus. Kurz bevor wir am Vingerklip ankommen lugt die Sonne knapp über den Horizont. Das nenne ich mal timing. Das Licht und die Farben am frühen Morgen sind einfach sensationell. Der Vingerklip Felsen beginnt langsam zu glühen. Uwe will den Felsen bereits von unten fotografieren. Ich habe mir so gedacht, es ist vielleicht nicht die schlechteste Idee, wenn ich mich schon langsam auf den Weg nach oben begebe. Ich weiß ja, dass ich langsam bin. :-) Ich habe es auch schon fast geschafft, als Uwe hinter mir her gehechelt kommt. IRRE!

Der Vingerklip Tolles Licht zum Sonnenaufgang Tolles Licht zum Sonnenaufgang

Der Ausblick von hier oben ist einfach gigantisch. Man blickt über eine Weite, die ist einfach unvorstellbar. Zwischendrin erheben sich die Buttes und die Mesas (so würde man in den USA sagen) aus der Ebene heraus. Wir schauen auf den riesigen Felsen, auf dem wir gestern Abend zum Abendessen gewesen sind. Direkt darunter kann man die Chaletdächer der Lodge erkennen. Wir halten es sehr lange hier oben aus und sind immer wieder überwältigt von der Weite.
Langsam machen wir uns dann auf den Rückweg. Auch während des Rückwegs sind wir mutterseelenallein. Ja okay, so bekloppt wie wir ist auch kaum ein anderer, zu nachtschlafender Zeit und ohne Frühstück eine 1-stündige Wanderung durch den afrikanischen Busch zu machen. Während der Hinweg heute Morgen von den Temperaturen her noch sehr angenehm war, so wird der Rückweg jetzt, wo die Sonne bereits am Himmel steht, doch sehr schweißtreibend. Schon aus dem Grund war es eine gute Entscheidung, die Wanderung in den frühen Morgenstunden zu machen. Damit ist unser Bedarf an sportlichen Aktivitäten für heute mehr als gedeckt. Es ist einfach zu heiß.
So verwatzt wie wir sind können wir allerdings nicht zum Frühstück gehen, obwohl unsere Mägen mehr als protestierend knurren. Das wäre wirklich eine Zumutung für die anderen Gäste, die noch dazu frisch geduscht und gestylt direkt aus dem Bad zum Frühstück kommen. So traben wir schweren Herzens am Restaurant vorbei, aus dem frischer Kaffeeduft in unsere Nase zieht. Gemein!
Wir duschen rasch und richten uns menschlich her, bevor wir dann auch endlich zum Frühstück gehen. Die Lodge scheint überhaupt nicht ausgebucht zu sein, denn der Frühstücksraum ist (fast) leer. Es hatten zwar einige schon vor uns gefrühstückt, während wir zum Vingerklip unterwegs waren, aber trotzdem sieht man ja, wie viele Tische hier belegt sind. Es ist natürlich sehr angenehm, in einem ruhigen Frühstücksraum zu sitzen. Das Frühstücksbuffet ist sehr großzügig ausgelegt. Es gibt wie immer Müsli, Joghurt, Marmeladen, verschiedene Wurstsorten, Käse und natürlich Eier. Uwe hat sich Rührei bestellt, ich Spiegelei.
Heute Morgen haben wir mit der Einnahme von Malarone begonnen. Wir müssen jetzt jeden Tag eine Tablette nehmen, um für das Malariagebiet geschützt zu sein. Ich hoffe, dass wir sie gut vertragen. Eigens zu diesem Zweck haben wir auch eine große Schüssel Joghurt gelöffelt. Laut Beipackzettel soll man die Tablette mit viel Milch oder Milchprodukten einnehmen. Nach dem Frühstück nehmen wir unseren Kaffee und wechseln in die Bar, wo wir noch eine halbe Stunde „Menschen-Gucken“. :-)
Heute wollen wir mal gar nichts mehr machen, waren ja schon sehr aktiv. In dieser Lodge gibt es immerhin 3 Pools und einen davon werden wir uns jetzt aussuchen, an dem wir lümmeln und baden. Der Wille war wirklich da, ich wollte auch unbedingt mal schwimmen. Aber das Wasser ist einfach viel zu kalt. Zumindest für mich. Uwe ist natürlich ein ganz anderer Kerl und stürzt sich in die kalten Fluten. :-) Es ist schon richtig geil, man kann direkt aus dem Pool heraus auf die wirklich spektakuläre Landschaft schauen. Aber genauso gut kann man auch nur am Pool auf dem Sonnendeck liegen und hat durchaus auch von den Liegen einen fantastischen Blick. Und dabei wird man nicht nass und friert auch nicht. :-) Außerdem hat „Frau“ ihren Kindl mit Unmengen an Büchern drauf dabei. Vorsorglich haben wir auch einen Fotoapparat mit dem Tele mitgenommen. Hier am und um den Pool herum flattern so viele schöne bunte Vögelchen, die wir beobachten und fotografieren können.

Pool mit Aussicht Viele bunte Vögel kommen zum Pool Badespaß

Zwischendurch gesellt sich noch eine weitere Familie zu uns an den Pool, die auch gestern angekommen ist. Wir unterhalten uns ganz nett und gehen gegen Mittag wieder zu unserem Chalet zurück. Da wir so „erschöpft“ sind fallen wir hier gleich auf die Liegen auf unserer Terrasse und beobachten die Tiere am Wasserloch. Wir machen heute einen ganz, ganz Faulen. Für heute Abend haben wir eine Sundowner-Fahrt gebucht. Und bis dahin machen wir nichts, rein gar nichts.
Es ist 15:30 Uhr und da wir gerade nichts anderes zu tun haben, gehen wir für Kaffee und Kuchen ins Restaurant. Irgendwie haben wir am Nachmittag ganz schön Hunger, da wir das Frühstück schon immer sehr zeitig am Morgen einnehmen. Zwischenzeitlich hat sich der Himmel dramatisch zugezogen. Die Sonne ist nur noch sporadisch zu sehen und versteckt sich meist hinter einer dichten, dunklen Wolkendecke. Hey, was soll denn das?? Während wir bei Kaffee und Kuchen sitzen zieht von der einen Seite eine richtige dunkle Gewitterwand auf. Am Horizont zucken Blitze und ich höre es donnern. Ja super! Wir haben eine Sundowner Fahrt gebucht. Irgendwie war das keine gute Idee. Uwe wollte eigentlich erst am Nachmittag buchen, um sich nach Wetterlage zu entscheiden. Hätte ich mal auf ihn gehört. Ich habe die Tour natürlich bereits am Morgen kurz nach dem Frühstück gebucht. Da hatten wir aber noch Sonnenschein. Mir wird etwas mulmig und ich weiß gar nicht, ob wir die Sundownerfahrt überhaupt noch antreten sollen. Ich frage die Herren der Schöpfung an der Rezeption, was sie von dem Wetter halten und ob es ein Gewitter geben wird. Nein, kein Gewitter. Nein, kein Regen. Sie gehen alle auf die Terrasse hinaus, um sich den Himmel anzuschauen, beratschlagen sich und sind alle der Meinung: Nein, kein Regen und kein Gewitter, es ist alles gut. Ich sollte mir mal keine Sorgen machen. Na hoffentlich! Ich habe wirklich keine Lust, auf einem offenen Wagen bei Regen und Gewitter durch die Pampa zu fahren.
17:30 Uhr treffen wir uns auf dem Parkplatz, wo uns bereits unser Guide mit seinem Fahrzeug erwartet. Na, das ist vielleicht eine Kiste! Dass dieses Auto überhaupt noch fahren kann und fahren darf, grenzt schon an ein Wunder. Die Kiste ist dreckig und staubig. Um überhaupt einsteigen zu können, müssen wir erst einmal über einen Kanister und ein Ersatzrad steigen. Puh! Außer uns fährt noch ein junges Ehepaar aus Dortmund mit, die gerade ihre Hochzeitsreise machen. Somit sind wir also nur vier Personen, was sehr angenehm ist. Unser Guide heißt Alfons und ist ein sehr junger Mann aus dem Dorf Omaruru.
Er fährt mit uns zunächst eine Strecke, auf der wir etliche Tiere sehen sollen. Und tatsächlich er macht uns auf Tiere aufmerksam, die wir immer erst sehr spät entdecken. Die Kerle haben wirklich Augen wie die Adler. Zum einen zeigt er uns einen Wiedehopf. Den hätten wir gar nicht entdeckt. Dann kommen wir zu einer Zebraherde und er erklärt uns ganz genau den Unterschied zwischen Bergzebras und Steppenzebras. Ich hab’s schon wieder vergessen, wer nun wo welche und wie viele Streifen hat. :-) Danach treffen wir auf eine Kuduherde an einem Wasserloch. Die haben ganz schön gewaltige Hörner. Also anlegen sollte man sich mit denen nicht.

Kudus am Wasserloch Zebras beäugen uns aus einem sicheren Abstand Giraffe mit Baby

Alfons ist sehr geduldig mit uns und wartet, bis wir meinen, alle Fotos aus allen Blickwinkeln heraus gemacht zu haben. Nun ist er auf der Suche nach den Giraffen. Er erzählt uns, dass sie hier auch ein Giraffenbaby haben, das erst fünf Wochen alt ist. Bisher konnten wir das Baby noch nicht entdecken. Aber wir können zwei oder drei anderen Giraffen beim Fressen zuschauen. Ferner gibt es noch Elanantilopen auf der Farm und kleine Springböcke. Auch Oryx sehen wir. Die finde ich persönlich immer sehr schön – und die sehen nicht nur gut aus, sie schmecken auch fantastisch. :-)
Laut Alfons gibt es wohl acht Giraffen auf der Farm. Und da ist auch das Baby. Mein Gott, ist das süß. Es steht da und schaut uns mit ganz großen, staunenden Kulleraugen an, die kleinen Ohren aufgerichtet und ist sprachlos über unser komisches Gefährt. Es steht und schaut ganz neugierig, hält aber einen ganz großen Abstand. Wir machen viele Fotos, bevor wir dann in die andere Richtung der Farm zum Sonnenuntergang weiterfahren.
Aufgrund unserer langen Foto-Stopps sind wir wahrscheinlich schon wieder ziemlich spät. Alfons fährt jetzt schneller, wobei das fast unmöglich ist. Die Pisten, über die er mit uns brettert, lassen eigentlich „Schnellfahren“ gar nicht zu. Jetzt ist mir auch klar, weshalb wir mit so einer Kiste unterwegs sind.
Zwischenzeitlich reißt der Himmel tatsächlich nochmal auf und die Sonne schaut zwischen den Wolken hindurch. Es ist einfach gigantisch, diese langen Strahlen der Sonne, die sich durch die Wolken schieben. Wahnsinn – und Alfons muss wieder halten, weil wir den Himmel fotografieren wollen. Und Alfons hält. Er ist geduldig wie ein Muli. Dann geben wir ihm endlich das Zeichen zur Weiterfahrt. Alfons hat mächtig zu tun, uns noch vor Sonnenuntergang zu dem Sunset-Point zu bringen. Und dieser Platz ist ganz herrlich angelegt. Hier oben stehen ein kleiner Tisch und zwei Steinbänke, auf denen wir uns niederlassen können. Der Himmel sieht so fantastisch aus, der Sonnenuntergang ist so gigantisch, dass Uwe seine Hetze hat, ganz schnell seinen Fotoapparat mit Stativ und Filtern aufzubauen. Momentan hat er wie immer keinen Sinn für „Schampus“. Alfons hat zwischenzeitlich eine große Flasche Champagner geöffnet und allen eingeschenkt. Aber freundlich, wie wir alle nun mal sind, warten wir darauf, bis Uwe seine Fotosession zumindest gestartet hat und dann immer mal wieder zwischendurch abdrückt. Der Champagne schmeckt ganz lecker und ist noch schön kalt.

Die untergehende Sonne schickt ihre Strahlen durch die Wolken Unser Guide Alfons auf dem Weg zum Sunset-Point Ein fantastischer Himmel nach dem Sunset

Es ist eine wirklich ganz entspannte Stimmung hier oben und wir können uns auch sehr nett mit den beiden jungen Dortmundern, Jan und Sarah, unterhalten. Auch Alfons beteiligt sich an der Unterhaltung. Wir erfahren sehr viel von ihm.
Es ist schon sehr dunkel, als Alfons uns dann wieder auf den Wagen bittet, um mit uns zurück zur Lodge zu fahren. Er schaltet nicht mal Licht ein sondern fährt im Stockdusteren. Aber gut, ich glaube, er kennt hier jeden Stock und jeden Stein.
Kurz vor 20:00 Uhr kommen wir in der Lodge an und gehen gleich zum Abendessen. Auch hier gibt es eine Art Büffet. Als Vorspeise gibt es heute Kohlsuppe. Ach nee, also das muss ich nun wirklich nicht haben – Kohlsuppe! Der Kellner guckt mich streng und mit gerunzelter Stirn an und sagt: No soup – no dinner! Okay, auch nicht schlimm, dann esse ich halt nur Salat, wenn ich ohne Suppe kein Abendessen bekomme. Allerdings war sich der Kellner nicht sicher, ob ich den Spaß verstanden habe und hat sich im Nachhinein noch einmal bei Uwe entschuldigt und meint, es wäre wirklich nur ein Spaß gewesen. Weiß ich doch, aber ich lass ihn mal ein bisschen schmoren. :-)
Ich weiß gar nicht, ob Uwe die Suppe geschmeckt hat. Gesagt hat er nix, aber er hat den Teller leer gelöffelt. Also gehe ich davon aus, dass ihm die Suppe geschmeckt hat. Ich habe mir einen großen Teller Salat zurecht gemacht und mich dann am Buffet bedient. Es gibt Elanbraten, gegrillte Schweinerippe und Kudugehacktes mit vermutlich irgendeinen Kartoffelbrei obendrauf. Dazu Gemüse und Kartoffeln. An der Schweinerippe war nicht allzu viel Fleisch dran, da war mehr Rippe als Fleisch. Aber wenn ich mir die Viecher so anschaue, die hier im Busch herumspringen, ist es kein Wunder. Die sind alle so dünn, dass die Rippen hervorstehen. Von daher wundert es mich überhaupt, dass hier Rippen angeboten werden. Der Elanbraten war ganz lecker, allerdings war mir das Fleisch noch zu roh bzw. zu blutig. Das ist nicht so unbedingt mein Ding. Das Gemüse ist auch recht gut und das Kudugehackte, naja – so ganz mein Fall ist es auch nicht.
Zum Nachtisch gibt es irgendein Stückchen Apfel in Aspik (würden wir sagen) mit Zimt. Das ist mal ganz was anderes und hat sehr lecker geschmeckt. Uwe hat sich nur noch ein kleines Bier zum Abendessen bestellt und ich habe ein Glas Rotwein getrunken.
Nach dem Essen verschwinden wir dann recht schnell in unserem Chalet. Irgendwie kann Nichtstun ganz schön anstrengend und ermüdend sein. Uns geht es jedenfalls so, wir sind vollkommen fertig und vollkommen erschlagen – einfach vom Nichtstun.
Heute Abend haben wir beschlossen, jeder ein Bett zu nehmen. Es ist dermaßen heiß, die Luft steht, es ist so drückend. Auf dem Weg zurück ins Chalet hat es doch tatsächlich ein wenig getröpfelt. Na ja, eigentlich nicht der Rede wert. Die Tropfen waren direkt beim Aufschlag auf der heißen Erde sofort wieder trocken. Jedenfalls haben wir uns dann recht schnell unter unser Moskitonetz verkrochen und versucht zu schlafen. Es ist 22:00 Uhr.

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16. Tag => Fahrt in den Etosha N.P.

Übernachtung: Etosha N.P. | Hotel: Dolomite Camp | Ausstattung: sehr gut | Frühstück: gut | Abendessen: gut | Service: gut

Wir sind bereits wieder vor Sonnenaufgang aufgestanden und kullern aus dem Bett gleich hinaus auf unsere Liegen auf der Terrasse. Jetzt kann der Tag erwachen – und wir natürlich auch. Von unserer Terrasse aus beobachten wir, wie Mitarbeiter der Vingerklip Lodge rund um das Wasserloch, das direkt zu unseren Füßen liegt, Futter auffüllen. Die Mitarbeiter haben uns erzählt, dass sie aufgrund der großen Trockenheit und Dürre die Tiere täglich zufüttern müssen. Irre, eine große Herde Elan-Antilopen kommt zur Wasserstelle getrabt, sie haben mächtig Hunger und Durst. Tja, wir irgendwie auch.
Wir hopsen rasch unter die Dusche, richten uns einigermaßen menschlich her und gehen anschließend ins Restaurant zum Frühstück. Och Mensch – heute müssen wir aus dieser wunderschönen Lodge abreisen. Wir sind ganz schön traurig. Das Schlimme ist vor allem – Bergfest haben wir auch schon gehabt. :-(
Unser Lieblingskellner ist heute Morgen auch da. Das ist echt ein ganz nettes Kerlchen und – ich glaube – der einzige deutschsprechende, den wir hier in Namibia getroffen haben. (Von Roland, dem Deutschen mal ganz abgesehen.) Alle haben uns gesagt, in Namibia wird nur Deutsch gesprochen. Pustekuchen. Mit uns jedenfalls nicht.
Uwe versucht noch einmal, ins Internet zu kommen, was ihm wieder nicht gelingt. Um 10:00 Uhr ist es dann soweit, wir checken aus. Als ich die Rechnung bezahlen will fällt mir auf, dass unser Gamedrive von gestern Abend gar nicht mit berechnet ist. Das Mädel an der Rezeption ist ganz glücklich, als ich sie darauf hinweise. Sie organisiert uns auch gleich wieder einen Mitarbeiter, der unser Gepäck aus der Hütte holen und zum Auto bringen soll. Zunächst müssen wir unsere Taschen wieder in die großen Müllsäcke packen. Mensch, was sind wir froh, dass wir von den Säcken genügend mitgenommen haben.
Jetzt geht es aber los in den Etosha National Park. Vor uns liegen nun ca. 250 km bis zum Ziel. Uwe übernimmt die erste Strecke, eine kleine, üble Piste Richtung Norden, bis er auf die C39 nach Khorixas fährt. Er hat wieder eine fürchterliche Schotterpiste erwischt, die sich wirklich nicht gut fahren lässt.
Der Ort selbst ist nicht wirklich weiter erwähnenswert, obwohl er um die 7000 Einwohner haben soll. Auf der Straße begegnen uns einige Himbas. Irgendwie ein ungewöhnlicher Anblick, diese nackten, rotbemalten Menschen zu sehen. Da wir das Auto in der Vingerklip Lodge überhaupt nicht bewegt haben, brauchen wir hier auch nicht zu tanken und somit auch nicht anzuhalten.
Wir fahren im Ort auf die C35 weiter Richtung Norden ab. In Kamanjab machen wir noch einmal einen Tankstopp. Wir haben noch ca. 75 km vor uns, bis wir den Etosha Park erreichen. Außerdem wissen wir, dass es im Westteil des Parks bzw. im Dolomite Camp (unsere erste Station dort) keine Tankstellen gibt. Die Kiste muss also noch einmal bis zum Rand aufgefüllt werden. Kamanjab ist ein Dorf. Wer sich mal die Mühe macht und in google maps danach sucht, muss die Karte ganz schön vergrößern, um überhaupt etwas zu erkennen, das die Bezeichnung Dorf rechtfertigt. Hier sollen um die 6000 Menschen leben. Ich kann es mir nicht vorstellen. Aber irgendwie müssen bei der Volkszählung irgendwelche Menschen anwesend gewesen sein. Vielleicht hat man ja auch die Ziegen mit gezählt? Aber egal, wir wollen keine Menschen sondern Tiere gucken – im Etosha.
Wir steuern also zielstrebig die Tankstelle an, ob es hier die einzige ist, weiß ich gar nicht. Vor uns stehen bereits einige Autos in der Warteschlange. Aber das Thema hatten wir auch schon von wegen Afrika und Zeit haben. :-) Die Tankstelle scheint mir auch der Dorfmittelpunkt zu sein. Hier sind unheimlich viele (wobei viel natürlich relativ ist) Menschen, die einfach nur stehen und gucken – auf was, ich weiß es nicht. Für mich gibt es nichts Interessantes zu sehen. Uwe steigt aus, er muss sich mal strecken und ich nutze die Zeit, meinen Voicerecorder vollzuquatschen.
Da klopft es plötzlich an die Scheibe. Mensch, habe ich mich erschreckt! Zwei Schwarze geben mir ein Zeichen, ich solle die Scheibe runterlassen. Ich habe die gar nicht kommen gesehen. Zack – und sofort habe ich mich erst mal von innen verriegelt. Die beiden fangen ein scheinbar belangloses Gespräch an. Woher wir kommen, wohin wir wollen, wie wir heißen, ob wir Kinder haben uswusf. Meine Radarantennen stehen auf Alarm – keine Ahnung, was die wirklich wollen. Sorry, es ist nun mal so. Ich traue nicht mal mir, weshalb dann anderen? Irgendwie wird mir das Ganze bald zu bunt und ist mir auch nicht geheuer. Ich verabschiede die Jungs kurz und schmerzlos und schließe meine Fensterscheibe. Uwe wartet immer noch, dass das Auto betankt wird und steht auch immer noch außerhalb des Wagens. Tja und plötzlich kommt mein Uwe mit den beiden Kerlen im Schlepptau wieder auf meine Fensterseite zu. Er baumelt einen Schlüsselanhänger vor meiner Nase und fragt, ob wir die kaufen wollen. Hä?? Ich wüsste nicht wieso. Die beiden Kerle haben in der Zeit, während wir auf das Betanken warten, 4 Schlüsselanhänger geschnitzt. Es sind kleine runde Kullern, auf die afrikanische Tiere und unsere Namen geschnitzt sind. Jetzt weiß ich auch, weshalb die so akribisch nach unseren Namen gefragt haben. Die wollen sie uns jetzt natürlich verkaufen und das für den stolzen Preis von 90,00 N$ für einen Schlüsselanhänger. Hey, träumt weiter Jungs! Das ist ein Haufen Geld, umgerechnet fast 6,00 €. Ich glaube, die spinnen!! Wir haben das mal kurz überschlagen, das wäre 360,00 N$, also fast 24,00 €, für alle 4. Die haben doch wohl einen Knall. Wir haben für einen Gamedrive inklusive Fahrt und Getränke nur 200,00 N$ pro Person bezahlt. Ich bin ziemlich sauer. Wir haben nichts bestellt oder angefragt, also werden wir die nicht kaufen. Punkt! Sie sind natürlich total enttäuscht und wollen sie uns immer wieder aufdrängen. Ich schlage ihnen letztendlich einen Deal vor, für alle vier Schlüsselanhänger 200,00 N$ zu bezahlen. Und dann habe ich meine Fensterscheibe wieder geschlossen und hoffe, dass wir nun bald mit dem Tanken fertig werden. Klar, die Kerle geben natürlich keine Ruhe und wollen die Dinger verkaufen. Also lassen sie sich dann doch auf den Deal ein aber nicht, ohne mir zu sagen, dass ich sie ruiniert habe.
So, nun sind wir endlich fertig mit tanken und haben Souvenirs gekauft, die wir nicht wollten und machen uns jetzt wieder auf die Piste. Die restlichen 75 km bis zum Eingangstor des Etosha National Parks ziehen sich wie Gummi.
Also für uns ist der Besuch des Etosha N.P. das absolute Highlight unserer Namibia-Reise. Wir freuen uns wie dolle darauf. Wenn man sich vorstellt, dass der Etosha in etwa so groß wie ganz Hessen ist – das ist schon eine Hausnummer! Im Zentrum liegt eine ausgedehnte Salzpfanne, die sogar aus dem Weltall sichtbar ist. Nahezu die gesamte Palette an afrikanischem Großwild ist im Park vertreten.

Welcome to the Etosha N.P. Springböckchen Zebras am Wegesrand

Kurz bevor wir das Galton Tor im westlichen Teil erreichen, latscht schon mal eine Giraffe in aller Gemütsruhe vor uns über die Piste. Und wie sie dabei die Hüften schwenkt – scheint ein Weibchen zu sein. :-) Natürlich – kein Fotoapparat bei der Hand! Hoffentlich ist es nicht die einzige und letzte, die wir zu sehen bekommen. :-)
Zum Galton Tor bekommt man nur Zugang, wenn man eine Reservierung für das Dolomite Camp vorweisen kann. Und die haben wir. In einer provisorischen Hütte erwerben wir ein Permit, für das wir erst mal nichts bezahlen müssen. Wir werden u.a. auch nach „firearms“ befragt, ob wir welche dabei haben. Ich kann zunächst mit dem Begriff überhaupt nichts anfangen bis mir dämmert, dass die uns nach Waffen fragen. Ja, sagen wir, wir wollen viele Fotos schießen. :-)
Dieses Tor ist noch im Aufbau begriffen, von daher ist alles sehr provisorisch und „afrikamäßig“. Wir erhalten Einlass und müssen nach ca. 13 km erneut anhalten, um hier unseren Obolus für die 6 Tage Park zu entrichten, wofür wir 1020,00 N$ (ca. 67,00 €) zahlen.
Von hier aus bis zu unserer Lodge haben wir weitere 45 km vor uns. Uwe fährt sehr langsam. Schließlich wollen wir ja Tiere beobachten. Was absolut fies ist: Alle Tiere, die wir sehen, (es sind Zebras, Giraffen und Antilopen) stehen alle auf Uwe‘s Seite. Hey sag mal, hast du nur für dich Eintritt bezahlt??
Endlich erreichen wir das Dolomite Camp, in dem wir nur für 1 Nacht gebucht haben. Dieses Camp liegt oben auf einem Berg auf Felsen und sieht schon mal sehr schön aus. Unterhalb dieser Felsen erstreckt sich so weit das Auge reicht die afrikanische Savanne. Wir müssen das Auto unten am Parkplatz stehen lassen und werden mit einem kleinen Karren, ähnlich einem Golfwagen, zur Rezeption gefahren. Man reicht uns ein kühles Getränk zur Begrüßung. Mmh, tut gut – unsere Getränke sind bereits für’s Duschen zu warm! :-)
Wir checken ein und füllen Formulare aus. U.a. müssen wir auch unterschreiben – echt witzig – dass wir uns hier auf eigene Gefahr und Verantwortung aufhalten und den National Park nicht verklagen können, wenn – tja, wenn uns vielleicht ein Löwe frisst. Na gut, sehe ich ein, dann können wir eh nicht mehr klagen. :-) Also, keine Chance, wenn uns ein Elefant das Auto zertrampelt oder das Nashorn ein Loch in die Tür stößt.
Nachdem wir brav unsere Unterschriften geleistet haben, erhalten wir den Schlüssel zu Chalet Nummer 13. Oh Mann, wahrscheinlich wieder das letzte Chalet am Ende des Camps!! :-( Aber okay, dieses Mal müssen wir nicht laufen. Man darf hier in diesem Camp überhaupt nicht zu Fuß gehen, weil das Camp nicht eingezäunt ist. Man muss, wenn man ins Restaurant möchte oder wenn man zum Parkplatz zurück möchte, um nochmal rauszufahren, immer in der Rezeption anrufen. Die schicken dann diesen kleinen Golf-Wagen und holen einen ab.
Der Fahrer wartet bereits mit unserem Gepäck auf dem Golfwagen, um uns zu unserem Chalet zu fahren. Wir steigen ein und der Fahrer fährt so rasant, wie es ihm seine Kiste erlaubt, den Weg entlang zu unserem Chalet. Es ist ein verdammt weiter Weg über einen ganz schmalen gepflasterten Fußweg und er führt immer bergauf. Na Gott sei Dank müssen wir das nicht laufen! Richtig! Wir haben natürlich hinten die allerletzte Hütte.
Aber als wir dann unser Gepäck in unserer Hütte abgestellt haben und auf unsere Terrasse gehen, verschlägt es uns fast die Sprache. Das ist ja der absolute Hammer! Da hat uns Protea Tour aber wieder ein supertolles Chalet gebucht! Wir haben einen eigenen privaten Pool auf unserer Terrasse, dem ein knorriger Baum Schatten spendet. Wahnsinn! Direkt von der Terrasse aus und selbst wenn man im Pool ist, kann man auf ein großes Wasserloch unten in der Ebene schauen. Also diese Hütte ist der absolute Wahnsinn! Auf der Terrasse stehen zwei Sonnenliegen und eine riesengroße runde Lümmelcouch. Die ist im Durchmesser bestimmt 2 m und lädt mit vielen dicken Kissen zum Liegen, Relaxen und Tiere beobachten ein. Okay, okay – der Pool ist eine etwas größere Badewanne. Aber egal, wo kann man das schon, aus einem (und noch dazu eigenen) Wasserloch in ein anderes Wasserloch schauen? ;-) Und zum Abkühlen reicht es allemal.

Unsere Terrasse mit Pool und Blick auf das Wasserloch Relaxen auf der zweiten Terrasse Von dieser Lümmelcouch wollen wir nicht mehr aufstehen

Der knorrige Baum, der durch unsere Terrasse wächst, ist natürlich prädestiniert für Leoparden. Ich kann nur hoffen, dass die nicht durch bzw. mit Touristen angefüttert werden und uns einer hier besuchen kommt. :-) Die Hütte ist nicht sehr groß und wird vom Doppelbett bereits ausgefüllt. Falls ich mit Uwe bockig sein sollte – prima, hier hat jeder seine eigene Terrasse. Es gibt nämlich noch eine zweite, kleinere. Somit hätte jeder seine eigene Trotzecke. ;-) Ein kleiner Kühlschrank ist auch vorhanden. Super!!! Der Fahrer legt uns ans Herz, bei Einbruch der Dämmerung sofort die Außenbeleuchtung einzuschalten. Ein „Nothorn“ ist auch vorhanden, dass wir bei Gefahr benutzen sollen. Es würde dann sofort jemand zu Hilfe kommen. Na, das Ding stelle ich mir doch sofort in unmittelbare Reichweite ans Bett!
Der Plan für heute Nachmittag war ursprünglich: Ankommen, Auspacken und auf Pirschfahrt gehen. Aber mit dieser Hütte, diesem Pool und diesem Ausblick! Nee, wir werden den restlichen Nachmittag entweder im Pool sitzen und dann zwischen den Sonnenliegen und der Lümmelcouch wechseln. Unsere Kamera mit Tele steht schussbereit auf dem Stativ, so dass wir um Gottes Willen nichts verpassen, was sich dort unten am Wasserloch tut.
Mittlerweile hat sich unser Bier im Kühlschrank auch soweit herunter gekühlt, dass wir es trinken können. Zwischendurch koche ich uns auch mal einen Kaffee. Aber der Pulverkaffee ist wirklich nur was zum Abgewöhnen. :-( Aber egal was wir tun – das Wasserloch lassen wir auf keinen Fall aus den Augen. Irgendwie witzig, manchmal tut sich ewig nichts und dann auf einmal ist rush hour am Wasserloch. Momentan bewegen sich zwei große Zebraherden auf das Wasserloch zu, die einen von rechts, die anderen von links. Das ist vielleicht eine Drängelei an diesem kleinen Wasserloch. Irre! Das müssen um die 40-50 Tiere sein. Zwischendurch kommen auch Elanantilopen, die leckeren Oryx :-) und verschiedene Giraffenmännlein wie Weiblein. Die kommen aber eher einzeln oder in kleineren Gruppen. Dazwischen wuselt irgendwas Kleines herum, das wir von hier oben gar nicht so gut erkennen konnten. Ich nehme mal an, ein Schakal. Und wir sitzen hier in der ersten Reihe und kommen aus dem Grinsen gar nicht mehr raus! :-) Das ist echt der Wahnsinn! Und vor allen Dingen diese riesengroßen Herden. Sowas haben wir im Krüger Nationalpark nicht gesehen.
Später entdeckt Uwe dann ein Nashorn. Das hat es uns aber sehr, sehr schwer gemacht. Es kommt auf seinen kurzen Beinchen gelaufen (nein eher geschnauft) und bleibt immer wieder zwischen den Bäumen stehen. Irgendwann haben wir es aus den Augen verloren. Man kann die Tiere zwischen den Bäumen bzw. Gestrüpp einfach nur dann erkennen, wenn sie sich tatsächlich bewegen. Sobald sie irgendwo zwischen den Bäumen stehen bleiben, verliert man sie aus dem Fokus. Irgendwann erbarmt sich das Nashorn und trabt weiter auf das Wasserloch zu. Hier hält es sich recht lang auf und gibt uns die Möglichkeit, es beim Trinken zu fotografieren. Eigentlich sind die Tiere ja viel zu weit weg. Aber ich glaube, das ist normal, dass man gerade bei den ersten Tieren alles fotografiert, was man vor die Linse kriegt.
Der Nachmittag ist ruck zuck vergangen und so langsam meldet sich unser Magen zu Wort, sehr lautstark nebenbei bemerkt. Also richten wir uns etwas her und ich greife schon zum Telefonhörer, um die Rezeption zu bitten, uns zum Essen abzuholen. Da entdeckt Uwe plötzlich eine Elefantenherde, die von der anderen Seite auf das Wasserloch zugelaufen kommt. Wow! Was für ein Anblick. Also jetzt können wir auf keinen Fall Essen gehen. Es sind bestimmt 15 Tiere oder mehr, junge und alte und auch kleine Babys. Von der gegenüberliegenden Seite kommt eine Mutter mit einem ganz kleinen, wahrscheinlich gerade neugeborenen Elefantenbaby. Süß, wie der kleine Fratz versucht, mit der Mutter Schritt zu halten. Sein Köpfchen nickt bei jedem Schritt im Takt. Die Mutter hält sich auch irgendwie etwas abseits von der ganze Truppe. Das Kleine trinkt noch bei ihr. Wir haben natürlich das Schauspiel so lange beobachtet, bis die Elefanten wieder von dannen gezogen sind.

Die Tiere kommen immer wieder an das Wasserloch Eine Elefantenherde kühlt sich ab Afrikanische Sonnenuntergänge sind immer etwas Besonderes

Da das Wasserloch gerade mal leer ist können wir jetzt auch in der Rezeption anrufen und uns zum Essen abholen lassen. Jetzt verpassen wir gerade mal nix. Schön ist, dass wir sogar noch einen gigantischen Sonnenuntergang erlebt haben. Es dauert eine ganze Weile, bis uns der freundliche Angestellte mit seinem Wägelchen abholt. Man muss schon Geduld haben – und das gehört nicht gerade zu meinen Tugenden.
Das Ambiente des Restaurants ist nicht wirklich erwähnenswert. Es ist zwar ganz nett eingedeckt, aber wenn man aus diesen vielen schönen, privaten Lodges kommt, da fällt der Unterschied zur staatlichen Lodge schon auf. Zwei junge Männer sind für dieses Restaurant, in dem gerade mal 5 Tische stehen, zuständig. Im Dolomite Camp gibt es mehrere Restaurants, die sich aber sicherlich weder in der Einrichtung noch vom Essen her unterscheiden.
Unsere 2 Kellner haben bestimmt keinen Abschluss im Servicebereich gemacht. Es scheint eher, als würden sie heute das erste Mal als Kellner arbeiten. Aber okay, irgendwie werden wir auch hier etwas zu essen bekommen. Es gibt ein Menü und man kann aus verschiedenen Hauptspeisen wählen. Wir haben uns für Impala-Steak mit Gemüse und Nudeln entschieden. Der Kellner nimmt unsere Getränke- und Speisewünsche auf: Für mich ein Glas Wein, eine Flasche Wasser und für Uwe ein Bier. Kurze Zeit später ist das Kerlchen zurück, Uwe bekommt das Bier und ich die Flasche Wasser. Hoppla! Hat der jetzt meinen Wein vergessen oder konnte er nicht 3 Sachen auf einmal tragen? Schwupp-di-wupp ist er wieder verschwunden.
Recht zügig bekommen wir unsere Vorsuppe – mmh yummie – eine Kürbiscremesuppe. Halt, stopp junger Mann, was ist mit meinem Wein? Da rückt er plötzlich mit der Sprache raus, es gibt nur ganze Flaschen und keinen offenen Wein in Gläsern. Ja aber hallo, das hätte er mir doch gleich sagen können. Dann hätte ich mir auch ein Bier bestellt. Aber so lässt er mich sitzen und warten und sagt gar nichts. Eine ganze Flasche Wein ist mir natürlich zu viel. Für mich allein sowieso und selbst mit Uwe hätte ich die ganze Flasche nicht geschafft. Also bestelle ich dann auch ein kleines Windhoek Lager.
Das Essen ist wirklich ganz vorzüglich. Endlich habe ich mein Steak mal durchgebraten bekommen und Uwe’s ist auch wie bestellt, medium. Ganz lecker. Die Nudeln haben Biss (wie bei jedem guten Italiener ;-)) und als Gemüse gibt es rote Beete dazu. Ich habe noch nie zuvor rote Beete als Gemüse gegessen, aber ich muss sagen, es schmeckt sehr gut. Uwe teilt meine Meinung nicht, er hasst rote Beete. Aber er hat noch ein anderes Gemüse (das hat man bei mir eingespart): ein kleines, halbes kürbisartiges Gemüse, was er auslöffeln muss. Keine Ahnung, was das ist. Die Jungs sind mit der Frage auch überfordert. Als Nachtisch gibt es wieder Kuchen mit irgendeiner Vanille- und Schokoladensauce. Schmeckt nicht schlecht, aber ich überlasse Uwe den Süßkram.
Wir lassen uns gleich nach dem Abendessen wieder zurück in unsere Hütte bringen und schalten sofort die Außenbeleuchtung an. Irgendwie ist es schon komisch, so mitten in der afrikanischen Wildnis zwischen den wilden Tieren zu sitzen und zu wissen, dass kein Zaun drumherum ist. Ich muss mich erst daran gewöhnen und habe ganz schön Herzflattern, hier oben ungeschützt auf den Felsen zu liegen. Deshalb leuchte ich zunächst auch alle Ecken der Terrasse und der Lümmelcouch aus, ob nicht irgendwo eine fette Schlange oder ein hungriger Leopard lauert. Uwe beruhigt mich und meint, die Löwen können nicht klettern und kämen niemals hier hoch. Gut, Giraffen, Elefanten und Nashörner sicherlich auch nicht. Aber ich weiß nicht, was sonst noch alles hier im Park herumspringt und vielleicht ein einfaches Abendessen einer großartigen Jagd vorziehen würde.
Nachdem ich mich davon überzeugt habe, dass – zumindest momentan – außer uns beiden niemand auf der Terrasse ist, plumpsen wir auf die gemütliche Lümmelcouch und genießen den traumhaften afrikanischen Abend bei einem kalten Bier. Zwischenzeitlich beginnt es zu gewittern, es blitzt und donnert – allerdings in weiter Ferne. Heute Nachmittag hat es auch schon mal gewittert und geregnet. Na ja, ich will nicht von Regen sprechen. Es war, als hätte eine Fliege gespuckt.
Ich finde in meiner Reisetasche noch eine Flasche Rotwein, die wir bereits seit der Kalahari Lodge mit uns herumschleppen. Wir halten es hier bis um 22:00 Uhr aus. Jetzt gehen wir schlafen, schließlich klingelt morgen Früh beizeiten der Wecker. Wie jeden Abend kontrolliere ich die Betten. Habe keine Lust, mit einem Skorpion oder anderen Viechern das Bett zu teilen. Und wie jeden Abend finde ich natürlich nichts. Wir können ewig nicht einschlafen, weil wir noch lange den Tiergeräuschen lauschen, die doch sehr intensiv durch unsere dünnen Zeltwände dringen.

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17. Tag => Etosha N.P.

Übernachtung: Etosha N.P. | Hotel: Halali Camp | Ausstattung: gut | Frühstück: befriedigend | Abendessen: befriedigend | Service: befriedigend

Wir sind heute Morgen, wie jeden Tag, bereits vor Sonnenaufgang aufgestanden. Wir wollen ganz einfach noch einmal diese riesige runde Kuschelcouch auf unserer eigenen Terrasse genießen und dabei den Sonnenaufgang beobachten. So etwas Dekadentes bekommt man ja doch nicht alle Tage geboten. Es ist einfach traumhaft. Während wir also auf der Couch herum lümmeln schiebt sich die Sonne durch eine dicke Wolkendecke. Dadurch glühen die Wolken richtig rot. Uwe ist heute Morgen ein richtiger Glückspilz. Direkt vor unserer Terrasse sitzt ein Kampfadler auf einem Baum. Wow! Ist das ein riesiges Tier! Uwe flitzt in unsere Hütte und sucht hektisch nach der Kamera. Aber der Adler hat vermutlich noch keine andere Verabredung, er sitzt wo er sitzt und lässt sich ohne zu murren fotografieren.
Auch das Wasserloch hat heute Morgen wieder großen Zulauf gehabt. Wir sitzen bis ca. 07:30 Uhr auf unserer Terrasse, haben zwischendurch nur schnell geduscht, um ja nichts zu verpassen. Gerade als wir in der Rezeption angerufen haben, um unseren Shuttle zum Frühstück zu bestellen, füllt sich das Wasserloch noch mehr.

Rote Kuhantilopen am Morgen Spiegelbild Afrikanischer Kampfadler

Ungünstig am Camp Dolomite sind die weiten und steilen Wege, die man eigentlich nicht zu Fuß zurücklegen sollte. Aus diesem Grund gibt es ja diesen kleinen Golfcart, der die Gäste von den Zimmern zum Restaurant oder wo auch immer hin bringt. Es gibt aber nur einen Wagen. Und wenn der gerade unterwegs ist, muss man sich ziemlich in Geduld üben. Und das Thema hatten wir bereits, das ist nicht gerade meine Stärke. :-( So auch heute Morgen, wir warten mindestens eine Viertelstunde, bis uns der Shuttle abholt.
Das Frühstück ist ausreichend und auch gut, wenn auch alles ein bisschen lieblos serviert ist. Wir essen Toast mit Wurst und bestellen uns Eier. Wir beeilen uns beim Frühstück. Zum einen trägt das Ambiente nicht gerade dazu bei, sich länger als nötig beim Essen aufzuhalten. Zum anderen wollen wir sehr zeitig nach Halali aufbrechen. Leider haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wir warten nämlich geschlagene 20 Minuten auf den Shuttle. Der arme Kerl, der heute Morgen für den Shuttle zuständig ist, kann uns richtig leidtun. Er hat alle Hände voll zu tun, seine kleine Kiste bergauf und bergab zu fahren, um die Gäste zum Frühstück und wieder zurück oder mit dem Gepäck zum Parkplatz zu bringen. Ist natürlich klar, wenn alle Gäste zur gleichen Zeit zum Frühstück wollen oder auschecken wollen.
Endlich kommt das Jungchen angefahren und meint auch noch, er kommt sich heute vor wie Michael Schumacher. Uns ist das alles eigentlich schon wieder viel zu spät. Beim Aussteigen an unserem Chalet sagen wir unserem Michael Schumacher, er möge doch in 15 Minuten wieder bei uns sein, um uns zum Auschecken abzuholen.
Ganz schnell packen wir die restlichen Sachen zusammen und siehe da, unser Fahrer steht pünktlich vor unserer Hütte. Ich hopse rasch, noch fast während der Fahrt, in der Nähe der Rezeption vom Wagen. Uwe fährt durch bis zum Parkplatz und will unser Gepäck in die Tüten packen und ins Auto laden. Ich zahle rasch die Getränke, die wir gestern Abend zum Essen hatten und checke aus.
Mal abgesehen von der nicht ganz durchdachten Organisation mit dem Shuttle ist das Dolomite Camp ganz toll. Natürlich haben wir auch ein super dekadentes Chalet gehabt, was den Wohlfühlfaktor noch um einiges erhöht hat. Und bei einem nächsten Besuch des Etosha N.P. würde dieses Camp und dieses Chalet wieder auf unserer Buchungsliste stehen. ;-)
Um 10:00 Uhr sind wir dann endlich so weit und können den Parkplatz verlassen. Vor uns liegt nun eine Strecke von ca. 250 km, die es heute zu bewältigen gilt. Die Strecke von Dolomite bis nach Okaukuejo, dem nächsten Camp auf dieser Strecke, ist ungefähr 175 km lang. Hier sind 15 Wasserlöcher gleichmäβig auf die gesamte Strecke verteilt. Diese Wasserlöcher sind seit einigen Jahren bereits offen und wurden kürzlich aufgearbeitet, um sicherzustellen, dass die Tierwelt auch in diesem Bereich des Parks (Westteil) gedeihen kann.
Ich weiß nicht wieso, aber ich war irgendwie in dem Wahn, wir könnten spätestens ca. 15:00 Uhr in unserem neuen Camp in Halali (das noch hinter dem Okaukuejo liegt) ankommen. Aber die Strecke zieht sich wie ein Gummiband und außerdem sollen noch nette Überraschungen auf uns warten. Logisch, dass wir das Wasserloch, auf das wir die ganze Zeit von oben geschaut haben, noch einmal anfahren und aus der Nähe betrachten wollen. Hier ist gerade mal wieder Party angesagt. Etliche Elefanten, Kudus, Zebras und Springböcke haben sich zum Trinken versammelt. Natürlich halten wir uns hier auch eine Weile auf. Von hier aus können wir auch unsere Hütte noch einmal von unten betrachten. Wir saßen ganz schön weit oben – dort oben. :-) Lange können wir uns nicht von der Tierbeobachtung lösen, müssen aber doch – ob wir wollen oder nicht und fahren dann im Großen und Ganzen recht zügig durch.
Von Protea Tours haben wir eine schöne Etosha Karte bekommen, auf der alle Wasserlöcher eingezeichnet sind. Diese Wasserlöcher haben wir natürlich auf der Strecke zwischen Dolomite und Halali mitgenommen und konnten so doch recht viele Tiere beobachten.
Zebras sieht man eigentlich überall. Tja und dann gibt es eine weitere Spezies, die mir persönlich nicht sonderlich sympathisch ist. Die Warzenschweine. Also mal ehrlich, was sich hier der liebe Gott gedacht hat, als er die Lebewesen schuf – keine Ahnung. Meiner Meinung nach sind das ganz arme und bedauernswerte Geschöpfe, so hässlich wie die sind. Dafür sollte man sie eigentlich richtig lieb haben. Brrrrr Ich glaube, sie sind mit ihrem Aussehen auch nicht gerade glücklich. Sie laufen immer, so schnell sie ihre kurzen Beinchen tragen, mit gesenktem Kopf durch den Busch. Man könnte meinen, sie schämen sich.
Unsere Fahrt von einem Camp in das nächste ist wirklich interessant. Wir haben „richtig Stress“ – fahren, gucken, Tiere fotografieren, ständig die Objektive wechsel (logischerweise hat man immer das falsche drauf) und natürlich die Tiere auch bestimmen. Für was haben wir uns sonst die Bücher gekauft? Ja von wegen Urlaub und Erholung! :-)
Die Wasserlöcher sind alle mehr als gut besucht. Ist sicher auch kein Wunder, so lange wie es hier nicht mehr geregnet hat und rundherum nur Dürre und Trockenheit herrscht. Hier z.B. hat sich alles versammelt, was 2 oder 4 Beine hat. Ein riesiger Schwarm Geier hüpft aufgeregt zwischen Straußen, Impalas und Oryx herum. Mein Lieblingstier ist irgendwie die Oryx Antilope. Sie sieht nicht nur schön aus – nein – sie schmeckt vor allem mehr als lecker.
Wir haben aber mittlerweile den Westteil fast durchquert und wollen noch rasch einen Abstecher zu einem Wasserloch namens Ozonjuitji m’Bari machen. Mensch, das kann doch niemand aussprechen! Wer vergibt denn solche Namen? Wir fahren also langsam an dieses Wasserloch heran und sehen in einiger Entfernung einige Tiere, eigentlich die üblichen Verdächtigen, die man immer und überall sieht: Zebras, Impalas und Oryx. Als wir nahe genug an dem Wasserloch heran waren, sehen wir auch, weshalb die Tiere diesen riesigen Abstand halten. Hier liegen tatsächlich Löwen, richtige, echte Löwen! Natürlich bewegen wir unser Auto jetzt keinen Zentimeter mehr. Hier müssen wir erst mal lange beobachten und schauen und genießen.

Das Wasserloch mit unserem Chalet im Hintergrund Warzenschwein-Paar Unsere ersten Löwen im Etosha N.P.

Es ist schon ein komisches Gefühl, so relativ nah an diesen Raubkatzen zu stehen. Aber sie würdigen uns keines Blickes. Ein Auto gehört nicht ins Beuteschema und solange man im Auto ist, kann einem nichts passieren. Ganz schön frech eigentlich. Diese Löwen haben sich um das Wasserloch herum verteilt und liegen hier faul herum und sonnen sich. Die reinsten Wasserlochbesetzer. In sicherer Entfernung stehen nun die Zebras, Impalas und Oryx und gucken dumm aus der Wäsche. Es ist eigentlich richtig gemein, keiner wagt sich an das Wasserloch.
Nachdem wir uns jetzt hier bei den Löwen eine halbe Stunde aufgehalten haben müssen wir nun wieder Fahrt aufnehmen. Schließlich haben wir noch eine lange Strecke vor uns und wollen irgendwann heute noch in Halali ankommen.
Kurze Zeit später werden wir ziemlich unsanft während unserer Fahrt ausgebremst. Ich habe den Burschen schon beobachtet. Ein Elefant, der schnellen, zielgerichteten Schrittes linker Hand durch den Busch trampelt. Er bahnt sich seinen Weg, ohne Rücksicht auf Verluste und trampelt alles nieder. Dabei hält er unbeirrt seine Richtung und latscht, ohne rechts oder links zu gucken, vor uns über die Straße. Na sowas! Ich kann gar keinen Zebrastreifen entdecken, der ihm die Vorfahrt gibt. :-) Aber gut, er ist größer und hat sicher auch mehr Power als wir. Wir halten also ganz brav und lassen den Herrn passieren.
So, jetzt haben wir das Camp Okaukuejo erreicht.17 km später sehen wir rechter Hand von uns ein Wasserloch, an dem weiße Elefanten sind. Wir haben zuvor noch nie weiße Elefanten gesehen. Okay, ich weiß nicht, ob es wirklich WEIßE Elefanten sind oder ob die sich nur mit dem hellgrauen Dreck eingematscht haben. Auf jeden Fall wollen wir uns diese Burschen genauer ansehen und beschließen, an diesem Wasserloch doch noch einmal zu halten.
Und das sollte uns zum Verhängnis werden. Am Wasserloch stehen dicht gedrängt viele Fahrzeuge. Glück, wie wir nun mal haben, verlassen gerade in dem Moment, als wir ankommen, drei Fahrzeuge das Wasserloch, so dass wir noch ein Stellplätzchen finden.

Löwenrudel Strauß Weiße Elefanten

Uwe hat das Auto auch so positioniert, dass ich freie Bahn zum Fotografieren habe. Ich fokussiere, prüfe noch mal die Blende – bin also ganz konzentriert und beschäftigt, als mich ein junger Mann vom Nebenauto anspricht. Also nee, jetzt habe ich grad mal gar keinen Nerv auf Small Talk! Außerdem ärgert es mich, dass mir einer der Elefanten nur seinen dicken Hintern zeigt. :-( Der junge Mann lässt aber nicht locker und sagt noch einmal und dieses Mal etwas lauter: Oh – ihr habt aber einen Platten. Uwe ganz erschrocken: Einen Platten? Wo und wieso? Er lehnt sich zum Fenster hinaus und sieht hinten rechts: der Reifen ist absolut platt, aber sowas von platt. Da ist kein bisschen Luft mehr im Reifen. Na klasse und jetzt? Ausgerechnet hier im Etosha und direkt an einen Wasserloch, an dem drei riesengroße Elefanten stehen. Jetzt ist guter Rat teuer.
Irgendwie haben wir aber Glück im Unglück, denn dieses junge Schweizer Pärchen, das uns auf den Platten aufmerksam gemacht hat, ist mit einem Tourguide unterwegs. Dieser Guide dirigiert uns ein paar Meter vom Wasserloch weg. Er bietet auch sofort seine Hilfe an. Er stellt seinen Wagen schützend hinter uns. Na Gott sei Dank haben wir ordentliches Werkzeug dabei. Wir Frauen müssen im Auto bleiben. Er und Uwe halten sich ganz dicht am Auto, um die Elefanten bloß nicht auf uns aufmerksam zu machen.
Also ich glaube, ohne die Hilfe des Guide hätten wir ganz schön blöd aus der Wäsche geguckt. Wir haben zwar in der Avisstation ganz genau zugeschaut, wo der Ersatzreifen ist und wie der Reifen zu wechseln ist. Aber das alles in einer solchen Stresssituation hier vor einem Wasserloch mit Elefanten, ich weiß nicht, ob wir das so problemlos hingekriegt hätten.
Der Typ schwitzt und schuftet und macht die ganze Arbeit. Es ist total toll, wie er uns hilft. Wir bedanken und verabschieden uns mit einem angemessenen Trinkgeld von unserem Helfer. :-)
Tja und nun mit dem Ersatzreifen drauf und dem Platten hinten drin haben wir die Möglichkeit, nach Okaukuejo zurück oder weiter nach Halali zu fahren. Okaukuejo ist natürlich viel näher. Aber wir haben ja keine Ahnung, wie lange das dauert, einen Reifen zu flicken oder eventuell einen neuen Reifen zu bekommen. Spätestens um 18:00 Uhr müssen wir aber in Halali sein, ansonsten ist das Tor zu und wir können draußen schlafen. Also entschließen wir uns schweren Herzens und mit ganz viel Bauchschmerzen, die 70 km bis Halali zu fahren. Logisch, dass wir beide ziemlich angespannt sind. Wenn wir jetzt noch einen Reifen zerschießen – keine Ahnung, was wir dann machen.
Uwe fährt ziemlich schnell und trotzdem vorsichtig nach Halali durch. Ausgerechnet heute und mit der sowieso schon vorhandenen Anspannung haben wir ständig irgendwelche LKWs vor uns, die so viel Staub aufwirbeln, dass die Sicht absolut gleich Null ist. Um 16:00 Uhr passieren wir dann endlich das Eingangstor zu Halali. Wir können aufatmen.
Die Entscheidung bei uns fällt zunächst zugunsten des Eincheckens in der Hoffnung, dass die Tankstelle und der Reifenservice dann noch geöffnet sind.
Die Rezeption ist nicht sehr ansprechend, aber ich muss auch sagen, das gesamte Camp erweckt eher den Eindruck eines Pfadfinderlagers. Der Wohlfühlfaktor scheint hier keine große Rolle zu spielen. Die Angestellten sind weder freundlich noch unbedingt unfreundlich. Teilnahmslos würde ich das eher bezeichnen.
Zunächst müssen 500,00 N$ Sicherheit hinterlegen für den Schlüssel. Puh, nur gut, dass wir genügend Bargeld dabei haben. Anhand eines Planes wird uns erklärt, wo wir unsere Hütte finden.
Vorher müssen wir aber unbedingt zur Tankstelle. Diese steuern wir sofort an, wo uns ein alter schwarzer Mann gleich an die Tanksäule winkt. Mein erstes Problem gilt natürlich nicht dem Auftanken sondern dem kaputten Reifen. Ich erkläre ihm, dass wir einen Platten haben und frage, ob er diese Reifen flicken kann. Ja klar! Ob wir denn auch Auftanken wollen? Ja natürlich wollen wir auch tanken, aber der Reifen …. Nein, erst tanken! Also gut, wenn seine Seligkeit davon abhängt, tanken wir eben erst und dann beschäftigen wir uns mit dem kaputten Reifen. Die Hauptsache, er kriegt das Loch zu. Und so geschehe sein Wille, erst tanken, dann flicken.
Es ist schon Wahnsinn wenn man sieht, wie hier ein Reifen geflickt wird. Dieser kleine alte Mann, der meiner Meinung nach schon lange das Rentenalter erreicht haben müsste, hat den Reifen zunächst aufgepumpt und dann diesen aufgeblasen Reifen in eine alte Badewanne, so wie wir sie noch von früher aus Omas Zeiten kennen, mit Wasser gelegt. So hat er natürlich festgestellt, wo das Loch ist. In diesem Loch steckt irgendwas drin, das er in mühevoller Kleinarbeit versucht herauszuholen. Mit einer Engelsgeduld puhlt und stochert er im Loch herum, natürlich alles ohne Werkzeug. Oh Gott, der arme alte Mann muss sich mächtig quälen. Uwe holt letztendlich seinen Letterman aus dem Rucksack. Der alte Mann freut sich, jetzt kann er richtig arbeiten und befördert einen ziemlich großen und langen, spitzen Stahlgegenstand zu Tage, den wir uns irgendwo irgendwann eingefahren haben. Es ist nämlich gar nicht so, dass wir den Reifen durch den Schotterbelag hier im Park kaputt gefahren haben. Nein, diesen langen spitzen Metallgegenstand schleppen wir wahrscheinlich schon sehr lange mit uns herum. Vielleicht haben wir den sogar mit angemietet. Und heute hat vermutlich irgendein Stein diesen spitzen Gegenstand noch weiter in den Reifen getrieben, so dass er geplatzt ist.
So, nun ist dieses Übel entfernt und jetzt beginnt er, den Reifen zu flicken. Also ich habe keine Ahnung, was er gemacht hat und wie er es gemacht hat und ob es jemals hält. Es dauert! Er lässt sich auch überhaupt nicht hetzen. Wie gesagt, die Afrikaner haben Zeit. Wir hoffen nur, dass wir nicht wieder irgendwann und irgendwo eine Reifenpanne haben. Der ganze Spaß hat uns tatsächlich nur 125,00 N$ gekostet. Das sind nicht mal zehn Euro. Uwe gibt ihm noch ein Trinkgeld und dann können wir endlich in unser Chalet mit dem Namen Rhino fahren.
Protea Tours hat uns hier die Honeymoon-Suite gebucht und uns den Aufpreis für das eigentlich von uns gewünschte Chalet spendiert. Es ist wirklich sehr nett. Wir haben ein schönes Bett mit viel zu vielen Kissen. Direkt darüber ist das Dach offen bzw. mit Fensterglas ausgelegt, so dass man einen freien Blick zum Sternenhimmel hat. D.h. wir können heute Nacht unter dem Zelt der Sterne schlafen. :-) Im rückwärtigen Teil des Chalets ist das Bad angeordnet mit einer großen Dusche, Toilette und zwei Waschbecken. Es ist alles relativ großzügig. Im Nachhinein sind wir froh, dass wir hier das Upgrade bekommen haben. Die normalen Chalets sind lange nicht so groß und so schön.
Wir haben Gott sei Dank eine Klimaanlage und einen Kühlschrank. Also den Kühlschrank haben wir in den letzten Tagen doch schmerzlich vermisst. Unsere erste Amtshandlung ist auch gleich das Verstauen eines Sixpacks Bier im Kühlschrank. Die Flaschen poltern schon seit fast 14 Tagen hinten auf der Ladefläche rum. Es ist ein Wunder, dass sie noch nicht explodiert sind. Das Bier ist dermaßen brühwarm, ich weiß gar nicht, ob das so schnell runter kühlt, dass wir das morgen trinken können.
Vom Schlafzimmer aus führt eine Tür auf eine kleine, eingezäunte Terrasse, auf der zwei Kunststoffstühle und ein Tisch stehen. Außerdem haben wir ein kleines Blubberbecken. Hm, das sieht nicht wirklich appetitlich aus. Keine Ahnung, ob das überhaupt jemand benutzt. Ich sicher nicht.
So, jetzt haben wir alle unsere Klamotten im Häusel, das Bier im Kühlschrank – jetzt habe ich mal richtig Lust auf Shopping. Nach so vielen Tagen Wildnis ist es auch mal schön, einen Laden von innen zu betrachten. Wir traben los, aber den Weg hätten wir uns sparen können. Der Laden gibt nicht wirklich viel her. Wir kaufen uns noch eine Etoshakarte und ein Sixpack kaltes Bier. Wir haben ja noch nicht genug davon. :-) Aber wir freuen uns darauf, erst mal ein schönes kaltes Bier zischen zu können. Das tut ja soooo gut. :-)
Ich habe mein Bier noch gar nicht ausgetrunken, als Uwe auch schon wieder Hummeln im Hintern hat. Er will unbedingt zum Wasserloch, das ganz hier in unserer Nähe ist. Ach Mensch, ich bin heute so platt, ich habe keine Lust mehr zu laufen. Entweder fahren oder ich bleibe sitzen. Uwe mault zwar ein bisschen, weil es a) nicht weit ist und er b) Bier getrunken hat. Aber letztendlich kutschiert er mich doch. :-)
Okay, okay – es wäre tatsächlich nur ein kurzer Fußweg gewesen, um zu dem mit Flutlicht beleuchteten Moringa-Wasserloch zu gelangen. Angeblich soll man hier auch sehr viele Tiere beobachten können. Mein erster Gedanke ist, als wir am Wasserloch ankommen: hier ist es wie im Kino. :-( Etliche Holzbänke sind aufgestellt, die hinteren immer etwas höher als die davor stehenden. Ich sage ja, wie im Kino. Die Bänke sind bereits zum großen Teil besetzt. Die Leute haben Getränke und Knabbereien dabei. Ich weiß, ich wiederhole mich: Wie im Kino.
Und so sitzen wir mittendrin, bestimmt eine dreiviertel Stunde, und beobachteten das Wasserloch. Aber außer unseren Blicken lässt sich nichts blicken. 18:45 Uhr schleichen wir uns von dannen, ohne zu wissen, ob hier überhaupt noch ein Tier aufgetaucht ist.
Für 19:30 Uhr haben wir im Restaurant einen Tisch reserviert. Vorher wollen wir noch duschen. Als wir ins Haus zurückkommen – trara – kein Strom. Beim Öffnen der Tür ist mir schon aufgefallen, dass es in unserem Zimmer unwahrscheinlich warm ist. Es geht gar nichts mehr, kein Kühlschrank, kein Licht, keine Klimaanlage. Na supi! Wir warten ca. 10 Minuten. Ich hatte mich innerlich schon damit abgefunden, mit Taschenlampe zu duschen. Aber mit einem Schlag ist der Strom wieder da. Zum Glück. :-)
Wir gehen heute doch noch einmal zu Fuß, nämlich zum Abendessen. Das Restaurant ist sehr groß und unpersönlich mit dem Charme einer Bahnhofshalle. Wir setzen uns in den Außenbereich. Das Büffet ist drinnen aufgebaut. Da wir immer mit Sack und Pack und unserem ganzen Hab und Gut zum Essen gehen, müssen wir uns einzeln das Essen besorgen. Es ist schon immer eine Schlepperei, die ganze Fotoausrüstung, Laptop und die übrigen Wertgegenstände mitzunehmen. Ist uns aber sicherer, als alles im Zimmer zu lassen.
Ich will mal die Lage peilen und schaue zunächst bei den Vorspeisen. Auf Suppe habe ich keine Lust. Die Salatbar ist schon ziemlich abgeräumt. Ich bitte eine Kellnerin, Ziegen- bzw. Fetakäse aufzufüllen. Sie schaut mich etwas desorientiert an, nimmt den leeren Käseteller und watschelt in die Küche. Ich vermute mal, da ist sie noch heute. Gut okay, muss ich meinen griechischen Salat halt ohne Fetakäse essen.
Nachdem ich meine Vorspeise geholt habe geht Uwe los, um sich von dem Elend zu überzeugen. Er entscheidet sich für die Suppe, eine Kürbiscremesuppe, da zwischenzeitlich die letzten 5 Salatblätter auch verschwunden waren. Für Getränke wird man bedient und wir bestellen Wein und eine Flasche Wasser. Uwe ist natürlich mit seiner Suppe schneller fertig als ich mit meinem Salat. Er geht schon mal los um zu schauen, was uns als Hauptspeise erwartet. Natürlich sind hier im Etosha jede Menge Reisegruppen unterwegs, die auch in diesen Camps untergebracht sind. Damit haben wir auch gerechnet. Man weiß auch, dass diese Gruppen immer gemeinsam zum Büfett gehen und dieses dann ruck zuck abgeräumt ist. Man muss schon Glück haben genau den Moment zu erwischen, wenn die Gruppe gemeinsam kaut und das Büfett aufgefüllt ist. Das ist fast wie ein Sechser im Lotto. Leider ist das Personal sowas von unmotiviert und desinteressiert – man möchte denen am liebsten Beine machen. Es ist ja nicht so, dass man dies hier für’n Appl und’n Ei gebucht hat.
Uwe hat sich für drei Scheiben Kudu-Braten entschieden mit Kartoffeln und Möhrengemüse. Ich bin wieder schnucksch, ich weiß, mir sagt das alles nicht so richtig zu. Ich lasse mir dann auch zwei Scheiben Kudubraten geben – tja und was noch? Ich möchte keine Möhren, keinen Rosenkohl und auch kein Weißkraut. Kartoffeln sowieso nicht. Ich schlage noch einmal beim Salat zu. Hatte gerade diesen Sechser im Lotto. Das Salatbüfett ist aufgefüllt – aber immer noch ohne Käse. :-( Irgendwie hat mir das alles nicht so richtig geschmeckt. Das Essen ist hier nicht gerade erwähnenswert, aber vielleicht sind wir auch nur zu sehr verwöhnt. Als Nachspeise gibt wieder Kuchen. Ich hole für uns je ein Stück Schokoladenkuchen und dann noch irgendwas (keine Ahnung was, es war sehr lecker).
Nach dem Essen brechen wir auch recht schnell auf, da das Ambiente in diesem Restaurant nicht gerade der Kracher ist. Am Nebentisch sitzt eine Familie mit zwei kleinen Mädchen, die beide schon sehr müde gucken. Wir kommen ganz kurz ins Gespräch und sie erzählen uns, dass sie jetzt ein Sabbatjahr nehmen und noch ziemliche Strecken in Afrika zurücklegen wollen, bevor sie dann nach Australien und Neuseeland weiter wollen. Und das mit zwei kleinen Mädchen, die Große ist fünf, die kleine drei. Das ist schon beachtlich.
20:30 Uhr sind wir im Chalet zurück, setzen uns mit einem kalten Bier (ja, der Kühlschrank leistet ganze Arbeit!) auf die Terrasse und genießen die Ruhe in unserer kleinen eingezäunten Oase.

Honeymoon-Suite im Halali Camp Sunset am Wasserloch Kampf der Dachse

Uwe sitzt neben mir und überspielt die vielen Fotos auf den PC. Um genau zu sein, haben wir heute mehr als 300 Fotos geschossen und die wollen alle irgendwann gesichtet und aussortiert werden. Plötzlich springt er auf und hangelt sich am Zaun hoch. Hallo? Geht’s dir gut? Ob ich die Geräusche nicht höre? Und dann höre ich diese Geräusche auch. Es raschelt und faucht. Uwe flüstert, hinter dem Zaun kämpfen zwei Dachse miteinander. Das muss ich jetzt aber auch sehen. Da stehen wir zwei und lugen über den Zaun. Alter Falter, das sind ja zwei riesen Viecher – und wie die sich beißen und keilen. Auweia, jetzt wird mir alles klar. Ich habe heute Nachmittag blöderweise einen etwas angegammelten Apfel in den Mülleimer vor dem Haus geschmissen. Ich wollte ihn nicht im Haus entsorgen. Diesen Apfel haben die sich tatsächlich aus dem Mülleimer heraus geholt und der ist jetzt der sogenannte Zankapfel.
Es bleibt nur zu hoffen, dass unser Zaun nicht irgendwo ein Loch hat und die zwei Kampfhähne ihren Zwist bei uns – oder noch schlimmer – mit uns austragen. Ganz geheuer ist mir das nicht. Der Honigdachs ist nämlich ein furchtloses, kräftiges und aggressives Raubtier, das jeden angreift, das er als Bedrohung empfindet, sogar Löwen. Jetzt aber haben sie sich entweder geeinigt oder der Apfel ist gegessen – jedenfalls herrscht Ruhe.
Ich denke, wir werden in der nächsten halben Stunde ins Bett gehen. Irgendwie sind wir beide wie erschlagen. Es zieht genau wie gestern auch ein Gewitter auf. Am Horizont zucken die Blitze und man hört leise den Donner grollen. Die Wolken sind pottschwarz und es tröpfelt. Aber mehr als ein paar Tropfen gibt es nicht.

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18. Tag => Etosha N.P.

Übernachtung: Etosha N.P. | Hotel: Halali Camp | Ausstattung: gut | Frühstück: befriedigend | Abendessen: befriedigend | Service: befriedigend

Das erste Mal hat der Wecker heute um 06:00 Uhr geklingelt. Keine Ahnung, ich habe nichts gehört. Wir haben es auch erst geschafft, sorry – nicht wir sondern Uwe hat es geschafft, um 06:15 Uhr aufzustehen. Angeblich bin ich heute wieder sehr schwer aus dem Bett gekommen. Kann mich gar nicht daran erinnern. :-)
Aber egal, nach dem Frischmachen gehen wir rasch zum Frühstück in der Hoffnung, dass die Reisegruppen entweder noch schlafen oder schon durch sind. Das Frühstück, das auch in Buffetform angeboten wird, ist nicht gerade der Hit. Uwe hat sich schlauerweise ein Omelette machen lassen. Ich habe mir zwei gekochte Eier geholt und die Wurst versucht. Hm, nee – die Wurst geht grad mal gar nicht. So richtig glücklich bin ich heute nach dem Frühstück nicht. Wir nehmen uns noch je einen Muffin und einen Apfel für den Tag mit.
Nach dem Frühstück packen wir unsere Fotosachen zusammen und starten unsere heutige Pirschfahrt. Auf dem Weg zum Tor halten wir am Touristshop, weil wir noch kalte Cola brauchen. Leider gibt es keine Cola. Die ganzen Softdrinks sind ausverkauft. So werden wir den ganzen Tag wieder pupsiges Wasser trinken müssen. :-(
Wir starten demnach ohne Cola durch und fahren zunächst das Wasserloch Goas an. Das ist eine oasisähnliche Quelle, an der sich angeblich auch viele Leoparden aufhalten sollen. Gesehen haben wir hier leider nicht einen. Aber dafür können wir sehr viele andere Tiere beobachten und bleiben dementsprechend lange an diesem Wasserloch stehen.

Viele Tiere am Wasserloch Goas Viele Tiere am Wasserloch Goas Typische Haltung der Giraffen beim Trinken

Unser nächstes Ziel ist der Etosha Lookout, von dem aus wir dann zum Camp Namutoni fahren und dabei die auf der Strecke liegenden Wasserlöcher anschauen wollen. Das ist der Plan des Tages, den wir uns für heute vorgenommen haben.
Ich übernehme die erste Fahrstrecke. Das heißt mein Plan war, bis nach Namutoni zu fahren und Uwe sollte dann die Rückfahrt übernehmen. Manche Straßen hier im Park lassen sich unheimlich gut fahren. Da hat man das Gefühl, wie auf Asphalt zu fahren. Dann wiederum gibt es Strecken (denn von Straßen kann man kaum sprechen), die sind die reinste Katastrophe. Man weiß gar nicht, wie man den ganzen Löchern und spitzen Steinen ausweichen soll.
Was auch nicht so ganz glücklich ist, es sind keine Toiletten ausgeschildert. Wir haben uns zwei Etosha-Karten gekauft, aber auf keiner dieser Karten sind irgendwelche Picknickplätze bzw. Toiletten eingezeichnet. Und da man ja das Auto nicht verlassen soll, ist es natürlich auch schwierig, dann mal eben schnell in den Busch zu gehen. Jedenfalls stehen uns beiden schon seit langem die Schweißperlen auf der Stirn und wir finden einfach keine Toiletten. Die Schotterpisten tun natürlich noch ihr Übriges, die Schweißperlen anwachsen zu lassen. :-)
Der Etosha Lookout selbst ist eigentlich ziemlich enttäuschend. Man sieht nichts, nichts was uns wirklich interessant erscheint. Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass es sich hierbei um eine Anhöhe handelt, von der aus man in die Etosha Pfanne hinein schauen kann. Aber das ist nicht der Fall. Also, diesen Lookout muss man nicht unbedingt anfahren. Deshalb halten wir uns auch gar nicht lange auf und fahren von hier aus Richtung Namutoni weiter.
Alle, die wir kennen, schwärmen von diesem Camp. Wir wollen es uns zumindest anschauen und auf der Fahrt dorthin direkt an der Etosha Pfanne entlang fahren. Wir sind schon eine ganze Weile unterwegs und komischerweise auch mutterseelenallein. Vor ca. 20 Minuten hat uns ein Fahrzeug überholt und seitdem haben wir keine Menschenseele mehr gesehen. Und dann mittendrin – mitten in der Einöde, mitten im Nichts – höre ich plötzlich ein Geräusch, das mir gar nicht gefällt. Uwe ist es auch schon aufgefallen. Er lässt das Fenster runter und schaut ganz vorsichtig und voller böser Vorahnung zum Fenster heraus. Bingo! Wir haben wieder ein Platten. Das kann doch jetzt echt nicht wahr sein! Diesmal ist es der linke hintere Reifen.
Tja und nun? Hier ist weit und breit nichts und niemand. Wir müssen auf jeden Fall in irgendein von den Camps zurückgefahren, aber sicherlich nicht auf der Felge. :-( D.h. also hier mitten im Park, wo man eigentlich nicht aussteigen darf, den Reifen wechseln – und das allein.
Ich steige aus, krempel mir die Ärmel hoch und will helfen (nicht dass ich wirklich eine große Hilfe wäre, aber …) Uwe scheucht mich sofort ins Auto zurück. Na gut, muss ich halt nach Gefahr Ausschau halten. Ich klettere auf‘s Autodach und lasse meinen Kopf wie eine Rundumleuchte kreisen um zu schauen, dass kein Tier angeschlichen kommt. Elefanten sind ja groß genug, die sieht man schon von Weitem. Aber Löwen und Leoparden schleichen sich gemeinerweise geduckt an und wenn man da nicht aufpasst, schnappen sie zu.
Jetzt wuchtet mein armer Uwe mit dem Reifen herum und das ganz allein. Er hat bei der Hitze ganz schön zu tun, den Reifen zu wechseln. Es ist verdammt ärgerlich, da es nun schon das zweite Mal ist, dass wir eine Panne haben. So, nun ist er vollkommen durchgeschwitzt, hat den Reifen gewechselt und den alten hinten auf die Ladefläche geschmissen.
Nun müssen wir wohl oder übel zurück nach Halali fahren. Namutoni können wir haken, denn bis Namutoni sind es ca. 60 km. Sollte uns nämlich unterwegs nochmal was passieren, haben wir keinen Ersatzreifen. Mmh, vielleicht hätten wir doch noch einen 2. Ersatzreifen dazu buchen sollen??? Also drehen wir und Uwe fährt die gesamte Strecke zurück. Ich bin angespannt wie ein Flitzebogen und hoffe, dass nicht nochmal ein Reifen zerfliegt. Wir haben aber auch verdammtes Pech. Seit fast drei Wochen sind wir nun schon auf übelsten Pisten unterwegs und es ist nichts passiert. Und hier ist uns nun schon der zweite Reifen kaputt gegangen. Jetzt wird es sich auch ausweisen, wie gut der alte Mann gestern den Reifen geflickt hat. Denn diesen geflickten Reifen haben wir jetzt drauf. Wir erreichen Halali und fahren sofort die Tankstelle an.
Die Angestellten der Tankstelle machen sich auch sogleich an die Arbeit. Tja und dann sehen wir die ganze Bescherung! Ach du Scheiße, hier habe ich echt ganze Arbeit geleistet! :-) Der Reifen hat an der Außenseite einen mindestens 10 cm langen Riss, senkrecht. Dieser Reifen ist hinüber, keine Ahnung, woher wir jetzt einen neuen Reifen bekommen sollen.
Aber die Angestellten meinen, wir sollten mal ganz locker bleiben, sie kriegen das schon hin. Jungs, eure Motivation in allen Ehren, aber daran glauben wir nicht so richtig. Es ist ja schon faszinierend zu sehen, wie die hier ihre Arbeit machen, mit welchen primitiven Hilfsmitteln die einen Reifen flicken. Und die verstehen was von ihrem Handwerk. Hut ab! Wir stehen und warten und das dauert natürlich.
Ich schreibe zwischenzeitlich eine Karte, schaffe sie zur Post, gehe einkaufen (jippiii – es gibt wieder kalte Cola) und als ich dann zurück komme, ist der Reifen Gott sei Dank fertig. Einerseits hoffe ich natürlich, dass wir keinen weiteren Reifenwechsel vor uns haben, andererseits hoffe ich natürlich ebenso, dass dieser geflickte Reifen dann auch hält. Ehrlich? Ausprobieren möchte ich es nicht unbedingt.
Die heutige Reparatur ist sogar noch billiger als die gestrige. Wir zahlen 38,00 N$, was ca. 2,50 € entspricht. Die müssen sich doch hier verrechnet haben??!! Uwe gibt dem Jungen ein ordentliches Trinkgeld, er hat es sich redlich verdient.
Wir haben wieder mindestens 1 Stunde verloren, die wir auf das Reifenflicken gewartet haben. Wir hatten aber auch keine andere Wahl. Im Restaurant trinken wir eine kalte Cola bzw. einen Bittertonic und beschließen, noch einmal in den Park hinaus zu fahren und nur einige Wasserlöcher, die in der Nähe von Halali liegen, anzufahren. Für Namutoni ist es heute ganz einfach zu spät und zu weit. Uwe übernimmt jetzt das Steuer und fährt den Rest des Tages. Ich bin ja mal wieder der Reifenkiller. :-( Trotz allem machen wir uns noch einen schönen Tag, an dem wir wahnsinnig viele Tiere sehen.
Unterwegs sehen wir heute das erste Mal einen Schabrackenschakal. Er läuft ganz gedankenverloren direkt neben unserem Auto her und wir können ihn gut fotografieren. Eigentlich ist dieser Schakal weit verbreitet, trotzdem haben wir ihn bisher noch nicht gesehen.
Unheimlich beeindruckend für uns sind die vielen und vor allem großen Herden von Kudus, Schwarznasen-Impalas, Springböcke, Gnus und Zebras. Also solche großen Zebraherden haben wir noch nie zuvor gesehen. Es ist Wahnsinn. Man kann richtig Beklemmung kriegen zwischen diesen ganzen vielen Tieren.

Schabrackenschakal Gnu ACHTUNG! Impalas kreuzen die Fahrbahn

Wir sehen unheimlich viele Giraffen und auch einen Elefanten. Der ist allerdings ziemlich weit entfernt. Spät am Abend halten wir an einem Wasserloch, an dem eigentlich nichts los ist. Wir verharren hier eine Viertelstunde und beschließen dann zurückzufahren.
Auf dem Rückweg sehen wir in ziemlicher Entfernung ein Nashorn und das läuft schnurstraks auf das Wasserloch zu, von dem wir gerade kommen. Uwe wendet sofort und fährt zum Wasserloch zurück. Und siehe da, das Nashorn bahnt sich unbeirrt seinen Weg durch das Dickicht und läuft, ohne nach rechts oder links zu sehen, zum Wasser. Da wir allein am Wasserloch stehen können wir uns eine Position suchen, von der aus wir das Nashorn wirklich sehr gut beobachten können. Wir bleiben lange stehen. Das Nashorn lässt uns auch keinen Moment aus den Augen und schaut immer mal wieder zu uns her. Manchmal sieht es so aus, als wolle es jetzt zum Angriff übergehen. Aber nein, es geht nicht zum Angriff über. Es will nur wissen, was wir tun. Schließlich hat es das gleiche Recht, uns zu beobachten wie wir es. :-)
Jetzt fahren wir auf direktem Weg zurück nach Halali, nehmen hierfür aber eine andere Strecke, nämlich den Rhino-Drive. Die Strecke ist ziemlich enttäuschend. Hier sehen wir überhaupt keine Tiere und schon gar keine Nashörner. Kurz vor Halali wurden wir von einer wahnsinnig großen Zebraherde aufgehalten. Ob wir nun wollten oder nicht, wir mussten anhalten, weil sie uns die Straße versperren. Man wird ja regelrecht besoffen, wenn man so viele Tiere auf einmal sieht, immer ein Streifen – kein Streifen. Das ist irre! So viele Zebras, alle auf einen Haufen und alle um uns herum. Und dann stehen die noch mitten auf der Straße und knutschen! :-)

Spitzmaulnashorn Auch Nashörner haben Durst Hier haben die Zebras Vorfahrt

Als dann endlich auch der letzte gestreifte Hintern von der Straße verschwunden ist können wir unser Fahrt fortsetzen. Wir wollen noch einmal am Wasserloch Goas vorbei schauen, an dem wir heute Morgen so unglaublich viele Tiere gesehen haben. Heute Nachmittag ist allerdings gar nichts los. Außer Autos, die stehen und darauf warten, dass irgendjemand vorbeikommt oder irgendwas passiert, ist nichts zu sehen.
Um 18:00 Uhr sagen wir dann: okay, wir fahren zurück. Von Goas aus sind es ca. 20 Minuten bis zum Camp Halali zu fahren. Spätestens 18:55 Uhr macht das Camp zu. Bis dahin muss jeder drin sein. Und man kann ja schließlich nicht wissen, wer einem alles noch so über den Weg läuft und diesen möglicherweise versperrt.
Wir haben es natürlich locker geschafft und sind gegen 18:30 Uhr in unserem Chalet zurück. Jetzt erst einmal: Rucksäcke in die Ecke, Kühlschrank auf – mit 2 kalten Bier raus auf die Terrasse – plopp, plopp und zisch! :-) Mmh tut das gut, nach einem ganzen Tag nur pupswarmen, abgestandenem Wasser!
Nachdem wir uns von innen erfrischt haben gehen wir rasch unter die Dusche und dann zum Abendessen. Um 19:30 Uhr schlagen wir im Restaurant auf.
Heute ist das Essen etwas besser als gestern. Ich habe als Vorspeise wieder Salat genommen. Uwe wie gestern eine Kürbis-Cremesuppe und auch ein wenig Salat. Heute gibt es Elanantilope oder Fisch oder Huhn. Wir haben uns für Elan-Steak entschieden. Dazu gibt es Kartoffeln oder Reis und Gemüse. Das Gemüse ist (wieder mal :-( ) Butternut und Brokkoli. Ich stochere solange im Gemüsetopf herum, bis ich den ganzen Brokkoli heraus gefischt habe. Butternut mag ich nicht. (Ich glaube, ich erwähnte das schon ein- oder zweimal :-) .) Ansonsten ist das Essen sehr schmackhaft. Wir beeilen uns ziemlich. Mit Essen genießen hat das nichts zu tun – nur schnell satt und fertig werden. Es ist nämlich noch ein riesiger Tisch für eine Reisegruppe eingedeckt. Die wird bestimmt jeden Moment aufschlagen. Und wenn das passiert wollen wir beide entspannt von dannen ziehen. :-)
Zum Essen trinken wir eine kleine Flasche Wasser und zwei Gläser Wein. Ui, heute gibt es zum Nachtisch Mousse de Chocolate. Es gibt auch noch eine Cremetorte, die sowas von lecker aussieht, dass ich einfach nicht widerstehen kann. Davon schneide ich uns auch noch ein Stück ab. Tja, aber wie es so ist im Leben: Mehr Schein als Sein. Die Creme entpuppt sich als widerlich süße Margarine-Creme, die ganz eklig schmeckt. Wir puhlen das bisschen trockenen Biskuit heraus, den ich mit einer Tasse Kaffee runter spüle. Nach dem Essen gehen wir auf schnellstem Weg zurück in unser Chalet.
Es ist jetzt 21:00 Uhr und ich denke, in den nächsten 30 Minuten werden wir todmüde ins Bett fallen. Uwe hat heute so schuften müssen, einmal zum Reifenwechsel und dann ist er auch die ganze Zeit gefahren. Der arme Kerl ist hundekaputt. Aber er hat Schokocreme zur Belohnung bekommen. :-)
Heute war es den ganzen Tag bewölkt. Zwischendurch hat es auch hin und wieder mal getröpfelt. Manchmal sogar so stark, dass wir den Scheibenwischer betätigen mussten. Allerdings ist das hier mit den Tropfen wirklich wie mit dem so genannten Tropfen auf dem heißen Stein. Leider hat die Sonne den ganzen Tag gefehlt, sie kam erst am späten Nachmittag noch einmal kurz heraus. Das merkt man leider, leider auch an den Fotos. Wir hoffen, dass wir morgen wieder etwas besseres Wetter bzw. zumindest mehr Sonnenschein haben.

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19. Tag => Etosha N.P.

Übernachtung: Etosha N.P. | Hotel: Okaukuejo Camp | Ausstattung: ausgezeichnet | Frühstück: gut | Abendessen: gut | Service: gut

06:15 Uhr, der Wecker klingelt. Zack, zack – raus aus dem Bett. Wir spritzen uns ein bisschen Wasser ins Gesicht, putzen die Zähne und dann nichts wie los. Das Gate zum Camp hinaus öffnet um 06:30 Uhr.
Wir fahren auf direktem Weg zum Wasserloch Goas, an dem wir uns am frühen Morgen eine Vielzahl von Tieren versprechen. Tja denkste Puppe, die Tiere schlafen auch alle noch. Sind halt schlauer als wir. Wir stehen sage und schreibe eine dreiviertel Stunde an einem leeren Wasserloch. Na ja, leer ist das Wasserloch nicht wirklich. Außer uns stehen noch jede Menge anderer Fahrzeuge hier, die auch gerne Tiere gucken wollten. Ich möchte wetten, die Zebras und Springböcke stehen versteckt in den Büschen und zeigen uns den Stinkefinger. Nach 45 Minuten, in denen nichts, aber rein gar nichts passiert, fahren wir etwas maulig ins Camp nach Halali zurück.
Es ist 07:45 Uhr, wir gehen auch gleich zum Frühstück. Das Frühstück ist nicht weiter erwähnenswert, dementsprechend schnell sind wir fertig. Im Chalet zurück duschen wir und packen unsere Sieben-Sachen zusammen. Anschließend schleppen wir alles ins Auto und fahren zur Rezeption. Wir checken aus und erhalten im Austausch zum Chalet-Schlüssel unsere 500,00 N$ zurück.
Unser heutiges Ziel ist das Camp Okaukuejo, wo wir die nächsten 2 Nächte bleiben. Auf direktem Wege wären das um die 70 km und 1 Stunde Fahrt. Allerdings werden wir nicht den direkten Weg nehmen, sondern wollen auf der Fahrt dorthin so viele Wasserlöcher wie möglich anfahren und Tiere beobachten. Zunächst fahren wir das Wasserloch Rietfontein an. Hier können wir wieder einen großen Raubadler beobachten, von dem Uwe natürlich Fotos macht. Überhaupt sind hier viele Vögel unterwegs. Wir beobachten einen Gelbschnabeltoko und viele Waffenkiebitze.

Waffenkiebitz Raubadler Riesentrappe

Die Tokos haben es mir angetan, ich finde die total genial. Eigentlich müssten die doch bedingt durch den überproportionalen Schnabel nach vorn kippen. Aber irgendwas muss die Natur eingerichtet haben, dass dies nicht geschieht. Sie ernähren sich auch meist am Boden. Wie das geht – keine Ahnung. Offensichtlich sind sie sehr geschickt.
Das nächste Wasserloch, das wir anfahren, heißt Salvadora. Hier werden wir regelrecht erschlagen von einer Tiermenge und -vielfalt, so etwas haben wir im ganzen Urlaub noch nicht gesehen. Eine Riesenherde von Zebras, Gnus, Impalas und einige Oryx stehen um das Wasserloch herum. Hier verbringen wir sehr viel Zeit, die Tiere einfach nur zu beobachten.
Plötzlich kommt eine unheimliche Bewegung und Unruhe in die ganze Herde. Eine Fleckenhyäne hat sich angeschlichen und startet einen Angriff. Uwe ist Gott sei Dank so geistesgegenwärtig und kann die Szene aufnehmen. Die Hyäne rast durch die ganze Herde hindurch, wird aber auch gleich von den Gnus angegriffen. Alle anderen Tiere fliehen in alle Richtungen und wirbeln unheimliche Staubwolken auf. Allerdings muss die Hyäne dann unverrichteter Dinge das Weite suchen und bleibt erfolglos bei ihrer Jagd.

Riesige Herden am Wasserloch Salvadora Riesige Herden am Wasserloch Salvadora Eine Fleckehyäne bringt Unruhe in die Herden

Auf jeden Fall ist Tierbeobachtung unheimlich interessant und spannend. Gut, dass wir so viel Zeit für den Etosha N.P. haben und nicht durchhetzen müssen. ;-)
Den nächsten Stopp haben wir am Wasserloch Homob vorgesehen. Auf der Fahrt dorthin sehen wir bereits große Nashörner. Es sind zwei Stück, ein Männchen und ein Weibchen. Wir stehen und beobachten, wie die beiden sich langsam durch das Dickicht wälzen. Mir gelingen einige sehr gute Aufnahmen, vor allem auch einige Frontalaufnahmen, als die Nashörner nämlich ihre Richtung ändern und direkt und frontal auf unser Auto zukommen. Puh, da wird es einem schon etwas unheimlich.
Aber der Kerl braucht gar nicht so anzugeben, unser Auto ist noch ein Stückchen größer! Manchmal hilft es, wenn man sich selbst Mut zuspricht. :-) Wir haben geahnt, dass diese Nashörner auf dem Weg zum Wasserloch sind. Also haben wir gedacht, wir fahren zum Wasserloch und sichern uns dort den besten Standplatz. Nun heißt es warten und in Geduld üben (was nun wieder nicht meine Stärke ist), bis diese Kolosse hier hinten angekommen sind. Sie haben sich für ihren Weg hierher sehr viel Zeit genommen. Mmh, wer weiß, welche Leckerlis sie unterwegs noch futtern mussten. Aber dann tauchen beide auf und wir können sie beim Trinken und Baden beobachten. Ha! Und einen super Standplatz haben wir. Die anderen Fahrzeuge kommen nämlich alle nach uns an und versuchen sich in freie Lücken zu quetschen.

Breitmaulnashorn Breitmaulnashörner Breitmaulnashorn

Nachdem wir dieses Schauspiel lange genug genossen haben und die Nashörner im Dickicht wieder verschwunden sind, machen wir uns weiter auf den Weg nach Okaukuejo, das wir gegen 15:30 Uhr erreichen. Wir melden uns an der Rezeption zum Einchecken. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass die Mitarbeiter der staatlichen Camps nicht so wirklich Lust zum Arbeiten haben. Aber egal, wir wollen hier keine Freundschaften schließen sondern nur Einchecken.
In diesem Camp haben wir (auf Anraten von Protea Tours) ein Premium Waterhole Chalet gebucht. Wir sind sehr gespannt auf dieses Chalet. Und dieses Chalet ist wieder der Hammer!! Es steht in vorderster Front, vielleicht 20 m von einem Wasserloch entfernt. Wir sitzen also wie beim ARD in der absolut ersten Reihe. Irre! Das war echt eine super Empfehlung von Protea Tours. Okay, nicht so preiswert wie die anderen Chalets, aber …
Und riesig ist diese Hütte! Das Chalet erstreckt sich über zwei Etagen, die wir ganz allein bewohnen. Wir haben unten ein kleines Wohnzimmer mit großem Kühlschrank, Kaffeeecke, ein großes Schlafzimmer und ein Badezimmer.
Rechterhand führt eine Treppe nach oben, die direkt in einem etwas kleineren Schlafzimmer mit angrenzendem Bad endet. Das Beste allerdings ist ein schöner großer Balkon mit zwei bequemen Liegen und direktem Blick auf das Wasserloch, den man vom Schlafzimmer erreicht.

Unser Premium Waterhole Chalet Gemütliche Sitzecke Blick vom Bett auf das Wasserloch

Wir räumen das Auto aus, schleppen unser Gepäck und sämtliche Tüten und Taschen und Getränke ins Chalet. Unsere zwischenzeitlich warm gewordenen Getränken legen wir in den Kühlschrank, der – wäre er ein Mensch – vermutlich einen Herzkasper kriegen würde. Er fängt auch sofort mit Getöse an zu arbeiten, um die brühwarmen Getränke auf erträgliche Temperaturen herunterzukühlen. Hm, was Kaltes haben wir also nicht. Dann koche ich uns halt einen warmen Kaffee. Warmer Kaffee schmeckt auf jeden Fall besser als warmes Wasser oder warmes Bier. ;-) Damit setzen wir uns auf den Balkon und beobachten von hier oben ganz verzückt das Wasserloch. Da es für eine weitere Pirschfahrt eh zu spät ist, bleiben wir den ganzen restlichen Nachmittag und Abend hier auf dem Balkon sitzen.
Gegen 19:30 Uhr gehen wir zum Abendessen. Wir hatten zwar einen Tisch reserviert. Als wir im Restaurant ankommen, haben wir zwar einen Tisch, aber der ist nicht eingedeckt. Nach geraumer Zeit bekommen wir dann auch Besteck und Servietten, so dass wir mit dem Abendessen beginnen können. Wir haben einen Tisch auf der Außenterrasse gewählt, gleich neben dem Pool. Es ist kaum zu glauben, hier schleicht doch tatsächlich ein Schakal herum. Seine Augen funkeln im Licht und er läuft aufgeregt hin und her. Vermutlich hat ihn der Duft der Speisen angelockt.
Das Essen hier im Okaukuejo ist um Klassen besser als das Essen im Halali. Auch hier gibt es Büfett-Form, allerdings sind die Auswahl und die Qualität viel besser. Es gibt auch hier Suppe und verschiedene Salate als Vorspeise. Die Hauptspeise ist mal wieder Kudubraten und/oder Rind, Kartoffeln, Kartoffelbrei, Reis und Blumenkohlgemüse. Uwe habe ich als Dessert am Eisbüfett drei Kugeln Eis mit Schokoladensauce zurecht gemacht. Er ist happy. Wir essen recht schnell und laufen geschwind (aus lauter Angst, etwas zu verpassen) zu „unserem eigenen Wasserloch“ zurück.
Wir sitzen auf unserem Balkon bis 22:30 Uhr und genießen die Show, die sich uns am beleuchteten Wasserloch bietet. Zu guter Letzt kommen noch drei Spitzmaulnashörner, d.h. die Grauen, und planschen und baden. Es ist so geil, wir sitzen auf unseren Liegen, trinken ein kühles Weinchen und genießen „Grzimek live“.
Um 22:30 Uhr lösen wir uns dann schweren Herzens von dem Anblick und gehen ins Bett. Irgendwann müssen selbst wir mal schlafen. Wir kriegen in diesem Urlaub sowieso nicht genügend Schlaf, weil wir immer bis spät abends Tiere beobachten und früh morgens auch beizeiten aufstehen, um die ersten Tiere und den Sonnenaufgang zu erleben. Aber gut: Schlafen können wir zuhause, dafür sind wir nicht hierhergekommen. :-)

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20. Tag => Etosha N.P.

Übernachtung: Etosha N.P. | Hotel: Okaukuejo Camp | Ausstattung: ausgezeichnet | Frühstück: gut | Abendessen: gut | Service: gut

Eigentlich hatten wir den Wecker auf um 06:00 Uhr gestellt. Um 05:30 Uhr werde ich von einem Geräusch wach, das ich zunächst nicht zuordnen kann. Das Bett neben mir ist leer. Uwe ist verschwunden. Ich tappe müde und verschlafen aus dem Bett, verheddere mich im Moskitonetz und sehe Uwe draußen auf dem Balkon sitzen. Als ich die Tür öffne, bekomme ich zunächst ein Schwall eiskalter Luft ab. Puh, na nun bin auch ich wach. Es ist nachts empfindlich kalt im Etosha N.P.
Und da sind sie wieder, diese Geräusche. Es muss ein ganzes Löwenrudel sein, das um die Wette brüllt. Oh Mann, das ist ein Geräusch, das Gänsehaut verursacht und das man, wenn man es einmal gehört hat, nie wieder vergisst. Leider ist es noch viel zu dunkel, um wirklich etwas zu erkennen. Ganz langsam beginnt das Zwielicht und in diesem Zwielicht können wir drei Löwen sehen. Die Geräusche und das Gebrüll sind unglaublich. Irgendwo weiter weg müssen sich auch Löwen paaren. Zumindest hört es sich so an. Nun ist an Weiterschlafen natürlich nicht mehr zu denken. Wir sitzen eine Weile auf dem Balkon und beobachten das Treiben unter uns.
Als das Licht so weit hell ist, dass man Konturen erkennen und Fotos machen kann, geht Uwe zum Wasserloch hinunter. Es ist unglaublich schön. Uwe steht derzeit unten am Wasserloch und fotografiert, die Herden, riesige Herden von Impalas und Zebras, die sich hier am Wasserloch die Klinke in die Hand geben.

Zebras früh morgens am Wasserloch Oryx-Antilope Auch die Impalas suchen am Morgen das Wasserloch auf

Kurz vor 08:00 Uhr gehen wir endlich zum Frühstück. Das Frühstück hier im Okaukuejo ist auch um Klassen besser als im Halali ebenso wie der Service. Wir wählen wie immer die üblichen Verdächtigen: Toast, Eier, Wurst und Obst. Beim Frühstück halten wir uns auch nicht großartig auf und machen uns kurz darauf im Chalet startklar, das heißt Kameras einpacken, Getränke einpacken.
Gegen 10:00 Uhr sind wir soweit und verlassen das Camp. Heute wollen wir uns einige der in der näheren Umgebung liegenden Wasserlöcher anschauen. Am ersten Wasserloch, am Olifantsbad, sind leider kaum Tiere da. Es stehen zwar vereinzelt Kudus und Impalas herum, aber ansonsten ist nichts Aufregendes zu sehen. Ich merke schon, man wird unheimlich wählerisch.
Wir fahren weiter zum nächsten Wasserloch und entdecken hier große Herden Zebras, Impalas, Kudus und Gnus. Natürlich steht auch hier und da immer mal eine Giraffe mit im Weg herum. An diesem Wasserloch sind unheimlich viele Schabrackenschakale unterwegs und sehr aktiv. Wir entdecken auch heute ganz gegen der sonstigen Gewohnheit Herden von Oryxantilopen. Normalerweise haben wir diese bisher immer nur einzeln oder höchstens mal paarweise gesehen. Aber heute laufen sie uns direkt in großen Herden über den Weg.
Es ist richtig toll, so viel Zeit zu haben, um die Tiere lange zu beobachten. Wir stehen an jedem Wasserloch mindestens 1 h und schauen den Tieren zu. Dabei können wir auch kleinere Kämpfe mit erleben von Oryx und von Steinböcken. Es ist total interessant und man hört auch richtig die Hörner gegeneinander knallen. Der staubtrockene Boden unter den Füßen der Tiere wirbelt unheimlich viel Dreck und Staub auf, so dass man die Tiere in der Staubwolke bald gar nicht mehr sehen kann.

Kämpfende Oryx-Antilopen Springböcke beim Revierkampf Springböcke beim Revierkampf

Wir sind letztendlich die Wege rund um Okaukuejo kreuz und quer abgefahren. Haben wieder riesige Herden gesehen, die auch direkt vor uns die Straße passiert haben, so dass wir lange warten mussten, bis alle Tiere die Straße überquert hatten. Ganz witzig: ein Impala steht die ganze Zeit mitten auf der Straße, wie ein Schülerlotse und trottet auch erst dann von der Straße herunter, als die gesamte Herde vorbei ist.
Wir fahren noch einmal zu einem Wasserloch, an dem wir vor zwei Tagen bereits die weißen Elefanten gesehen haben (unsere erste Reifenpanne). Auf dem Weg zum Wasserloch sehen wir auch vier von diesen weißen Riesen, die sich langsam und gemächlich auf dieses Wasserloch zubewegen. Wir können also davon ausgehen, dass die Elefanten irgendwann (vielleicht heute noch??) an dem Wasserloch ankommen müssen. Möglicherweise sind sie auch angekommen. Aber das haben wir nicht mehr mit erlebt. Nachdem wir eine geschlagene Stunde an diesem Wasserloch wartend verbracht haben und diese Riesen sich eigentlich kein großes Stück dem Wasserloch genähert hatten, geben wir auf und fahren weiter.
Uwe will eigentlich jetzt ganz gern ins Chalet zurückfahren, um heute noch einmal den afrikanischen Sonnenuntergang an unserem Wasserloch zu erleben und zu fotografieren. Ich möchte aber gern noch einmal zu Olifantsbad fahren, da hier öfters Löwen gesichtet werden. Etwas demotiviert fahren wir nun zu diesem Wasserloch und sehen etliche Autos in Reih und Glied stehen. Aber nicht direkt am Wasserloch sondern ein ganzes Stückchen weiter davor.
Wir fahren langsam an den parkenden Autos vorbei und versuchen im Dickicht zu erkennen, worauf die Leute schauen. So richtig kommen wir aber noch nicht dahinter. Ich habe dann doch etwas entdeckt von dem ich glaube, dass es Löwen sein könnten. Ich finde noch ein „Parkplätzchen“ zwischen zwei großen Hilux und kann uns mit etwas Rangieren so platzieren, dass wir genau auf die Stelle, von der ich glaubte, dass dort Löwen liegen, einsehen können. Und so stehen wir wieder eine ganze Weile und nichts passiert. Diese braunen Flecken im Gestein bewegen sich überhaupt nicht. Wahrscheinlich starren wir wirklich nur auf irgendwelche Erdklumpen.
Und dann steht auf einmal ein Löwenmännchen auf. Ganz majestätisch steht es in voller Pracht vor uns und schüttelt seine große lange Mähne. Ha! Sind wir doch richtig! Wir haben an dieser Stelle mehr als 1½ Stunde verbracht und haben die Löwen beobachtet. Eigentlich sind es richtige Faultiere. Sie liegen die meiste Zeit faul auf dem Stein und bewegen sich keinen Zentimeter. Zweimal während der gesamten Zeit ist das Löwenmännchen aufgestanden, hat sich gereckt und ausgiebig gegähnt. Uwe sind ganz tolle Aufnahmen von dem weit aufgerissenen Rachen des Löwen gelungen.
Das Löwenmännchen ist natürlich ein richtiger Kerl und hat noch zwei Weibchen dabei. Der Löwe hat sich tatsächlich während unserer Anwesenheit zweimal mit einem der Weibchen gepaart. So etwas in der Natur zu erleben, live zu erleben, das gibt es so oft nicht wieder.

Löwenpaar Gut gebrüllt, Löwe!!! Königliche Paarung

Nach der Paarung sind alle beide immer fix und fertig, fallen um und liegen im Gras. Das Weibchen rekelt sich dann noch eine ganze Weile, beide Beine in die Luft gestreckt. Und dann liegen sie wieder 20 Minuten oder länger, ohne sich überhaupt zu bewegen. Dann erfolgt die Paarung ein zweites Mal. Ich muss wirklich sagen, wir hatten echt unsere Hetze, den königlichen Akt fotografisch festzuhalten. Das geht ja alles so schnell, da kann man nur mit Dauerfeuer schießen. Um ehrlich zu sein: Ich hatte mir die „Königspaarung“ schon etwas majestätischer und würdevoller vorgestellt. Tja, es ist wie im richtigen Leben: Mehr Schein als Sein.
Zwischenzeitlich nähert sich von der andern Seite eine riesige Herde Impalas. Von der gegenüberliegenden Seiten kommen 4 Giraffen langsam und gemächlich mit wiegendem Gang. Zumindest die Giraffen haben die Löwen entdeckt, denn sie bleiben immer wieder mal stehen, um dann vorsichtig wieder einen Schritt vor den anderen zu setzen. Die Löwen juckt das überhaupt nicht. Vermutlich haben sie keinen Hunger, zumindest keinen Hunger auf Frischfleisch.
Es ist eine riesige Herde Impalas, die am Wasserloch zusammenkommt und auch die Giraffen haben es irgendwann zum Wasserloch geschafft. Eine der vier Giraffen schaut immer wieder in die Richtung, in der die Löwen liegen, während die anderen trinken.
Nach dem wir hier mehr als 2 Stunden gestanden und alles beobachtet haben, fahren wir dann auf dem schnellsten Weg ins Camp zurück. Wir kaufen noch rasch eine Gallone Wasser, ein Sixpack Bier, noch ein paar Kekse und Cola und fahren dann in unser Chalet zurück. Die Zimmermädchen geben sich hier auch immer unheimlich viel Mühe. Meine Güte, was sind die Betten immer so schön gemacht! Da mag man eigentlich abends gar nicht ins Bett krauchen und die Kunstwerke zerstören. :-( Total süß, die Handtücher sind als Schwäne geformt und haben lauter kleine, echte Blüten dazwischen.

Herrliche Aussicht auf das Wasserloch Durstiger Elelfant Elefantenpaar

Mmh, was freuen wir uns jetzt auf ein ganz kaltes Bier, das wir gleich mit nach oben auf den Balkon nehmen. Plopp – Flasche auf, plumps – auf die Liegen – Beine hoch und Flasche ansetzen. Just in diesem Moment (wir haben gerade den Ahhh-Effekt mit der angesetzten Flasche) kommen zwei Elefanten ans Wasserloch, zwei riesige, große Dickhäuter. Und so wird es erst mal wieder nichts mit dem Bier trinken. Wir flitzen erst mal schnell zum Wasserloch runter und fotografieren die Elefanten
(Nicht mal in Ruhe sein Bier trinken kann man. :-) ) Und bis wir die Fotos im Kasten haben, ist unser Bier natürlich warm. :-( Also Kronverschluss drauf, warmes Bier in den Kühlschrank und neues Kaltes herbei. Aber jetzt: Ahhh! Nachdem wir nun unser kaltes Bier genossen haben zieht Uwe erneut los, um den Sonnenuntergang zu fotografieren.

Etosha-Sunset Etosha-Sunset Etosha-Sunset

Anschließend gehen wir auch recht schnell zum Abendessen, da wir heute nicht viel gegessen haben. Außer dem Frühstück heute Morgen, das aus Toast und einem leckeren Omelette bestand, und vier trockenen Keksen irgendwann im Laufe des Tages während unserer Pirschfahrt, hat unser Magen heute noch keine feste Nahrung zu sich genommen. Blöderweise hatten wir morgens vergessen, für heute Abend einen Tisch zu reservieren. So gehen wir auf gut Glück ins Restaurant und haben auch einen Tisch bekommen.
Die Vorsuppe heute ist eine gemischte Gemüsesuppe, die Uwe mit einem Brötchen nimmt. Ich bediene mich wieder am Salatbuffet und wähle vier verschiedene Salate als Vorspeise. Uwe hat als 2. Vorspeise auch noch Salat gegessen. Als Hauptspeise kann man heute zwischen Lammbraten oder Kudu wählen, wobei wir uns beide für Kudu-Steak entschieden haben. Uwe nimmt sich Nudeln dazu, während ich mir noch einmal eine Portion Salat hole. Puh, wir haben uns beide beim Essen ziemlich übernommen. Aber es war superlecker. Auf den Nachtisch verzichten wir beide. Zum Abendessen haben wir jeder ein Bier getrunken, wobei ich meins nicht mal geschafft habe.
Aus Angst, am Wasserloch wieder was zu verpassen, gehen wir nach dem Essen zügig ins Chalet zurück. WAS IST DAS DENN?? Vom Wasserloch ist ja gar nichts mehr zu sehen, nur Elefantenleiber! Eine riesige Elefantenherde belagert das Wasserloch. Das ist ja irre!! Es müssen an die 30 Tiere sein und es kommen von allen Seiten immer mehr dazu. Am Ende haben sich zwischen 40 und 50 Dickhäuter hier am Wasserloch versammelt. Man sieht wirklich das Wasserloch vor lauter Elefantenleibern nicht mehr. Es sind ganz große und auch Babys dabei, junge und alte. Ich glaube, alle Generation von Elefanten sind hier zusammengekommen.
Wir lümmeln auf unserem Balkon und beobachten das ganze Treiben, das unheimlich interessant ist. Total blöd, es ist zum Fotografieren einfach zu dunkel, obwohl das Wasserloch beleuchtet ist. Dieses Schauspiel können wir leider nur auf der kopfinternen Festplatte speichern. Und dafür, dass so viele Elefanten nur 20 m von uns entfernt sind, herrscht eine unheimliche Ruhe. Man hört zwar hin und wieder etwas ein Prusten oder Plätschern, ein Schnaufen und Spritzen, aber ansonsten sind diese Riesen sehr ruhig.
Zwei Elefanten waren offensichtlich in Streit geraten. Wir haben den Auslöser dafür gar nicht mitbekommen, weil man bei so vielen Elefanten auf einmal durchaus schon mal den Überblick verliert. Wir sehen nur noch, wie auf einmal zwei Elefanten in Schweinsgalopp das Wasserloch verlassen. D.h. der erste flieht und der andere stürzt hinterher. Im Nu ist das ganze Wasserloch in eine riesige Staubwolke eingehüllt, man kann fast gar nichts mehr sehen. Die beiden streitsüchtigen Elefanten knurren ganz fürchterlich. Das klingt schon irgendwie bedrohlich.
Nach und nach verlassen die Elefanten das Wasserloch. Auch das ist wieder ganz witzig zu beobachten, manche Elefanten verschwinden rechts vom Wasserloch irgendwo weiter hinten im Dickicht, die anderen links. Ich weiß nicht, ob es verschiedene Familien waren, aber zumindest haben sich hier die Wege wieder getrennt. Und sie marschieren alle im Gänsemarsch.
Zwei Elefanten sind als einzige noch am Wasserloch geblieben. Zwischenzeitlich haben sich fünf Nashörner und einige Giraffen am Wasserloch eingefunden. Diese beiden Elefanten, die weder mit der einen noch mit der anderen Herde mitgelaufen sind, kommen nun um das Wasserloch herumgelaufen. Der Elefant, der vorne weg läuft, schaukelt mit dem Kopf rechts und links und schwenkt den Rüssel wie eine Dame ihre Handtasche. Der andere trottet die ganze Zeit hinterher. Und direkt vor unserem Balkon, also direkt vor unseren Augen! springt der hintere Elefant ganz behände auf das Weibchen drauf. Ach das ist irre! Man hätte diesem Koloss so eine Leichtigkeit und Geschmeidigkeit überhaupt nicht zugetraut. Und schon erleben wir die zweite Paarung an diesem Tag, nämlich die Paarung von Elefanten. Es ist unglaublich! Wir kommen hier wirklich überhaupt nicht in den Schlaf oder zur Ruhe, ständig spielen sich sensationelle Ereignisse vor unserer Nase ab.
Aber die Paarung von Elefanten, also das ist schon der Hammer. Das Liebesspiel der Elefanten ist auch ganz anders als das der Löwen. Als die Elefanten miteinander fertig waren, reiben sie noch ihre Köpfe aneinander, schmusen noch eine Weile miteinander herum und verhaken ihre Rüssel miteinander, bis sie dann ganz einträchtig zusammen im Dickicht verschwinden. Das war ein einmaliges Erlebnis!!! :-) :-) :-)
Nun übernehmen die Nashörner die Herrschaft über das Wasserloch und planschen und baden. 22:15 Uhr haben wir dann gesagt okay, jetzt müssen wir auch mal ins Bett und schlafen. Man möchte sich eigentlich gar nicht vom Balkon und Wasserloch, das die ganze Nacht beleuchtet ist, trennen.
Es war ein unheimlich ereignisreicher Tag, an dem wir viel gesehen und erlebt haben. Man kann die Erlebnisse gar nicht so schnell verarbeiten. Kurz vor 23:00 Uhr wird es auch Zeit zu schlafen.

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21. Tag => Etosha N.P.

Übernachtung: Onguma | Hotel: Onguma Tree Top Camp | Ausstattung: ausgezeichnet | Frühstück: ausgezeichnet | Abendessen: ausgezeichnet | Service: ausgezeichnet

Heute Morgen kurz vor 06:00 Uhr sind wir aufgestanden und haben auf unserem Balkon eine Tasse Kaffee getrunken und dabei den Sonnenaufgang beobachtet. Anschließend sind wir zum Frühstück gegangen und haben um 09:30 Uhr aus diesem wunderschönen Chalet ausgecheckt. Sollten wir je wieder in den Etosha Park kommen, dieses Chalet muss es auf jeden Fall wieder sein.
So langsam neigt sich unser Urlaub immer mehr dem Ende entgegen und irgendwie vergehen die Tage immer schneller. Heute fahren wir außerhalb vom Etosha Park in ein privates Camp, in das Onguma TreeTop Camp. Auf dem Weg dorthin wollen wir uns noch einige Wasserlöcher anschauen, die in der Nähe des Camps Namutoni liegen. Diese Ecke konnten wir bisher überhaupt noch nicht erkunden.
Wir haben unser Camp noch gar nicht richtig verlassen, sind also noch gar nicht richtig in Fahrt gekommen, ist die Straße verstopft. Ich weiß nicht, wie viele Autos hier kreuz und quer auf der Fahrbahn stehen. Ein Durchkommen ist schlicht unmöglich. Der Grund sind zwei Nashörner. Es ist gar nicht so einfach, uns zwischen den Autos hindurch zu schlängeln und dabei auch noch so einen Standplatz zu finden, von dem aus wir die Rhinos auch gut sehen und fotografieren können. Aber wir haben es geschafft. :-) Wir stehen hier eingekeilt zwischen den anderen eine ganze Weile, mindestens eine halbe Stunde, und haben die Rhinos beobachtet und fotografiert.

White Rhino White Rhino White Rhino

Irgendwann wird es selbst den Rhinos zu blöd, sich von den Touris begucken zu lassen und sie trotten ihrer Wege. Das ist für uns dann auch die Gelegenheit, „endlich“ weiterfahren zu können. Um zum Camp Namutoni zu gelangen fahren wir immer an der Etoshapfanne entlang. Unterwegs haben wir noch das Glück und können drei große Elefanten beobachten, die auf ein Wasserloch zulaufen.
Das Camp Namutoni, das wir dann nach dem Mittag erreichen, liegt eigentlich auch sehr schön. In einem kleinen Supermarkt, einem Souvenirladen und einer Tankstelle wird man mit schönen Kleinigkeiten und allem Notwendigen versorgt. Hier wird vollgetankt. Ich nutze gleich die Gunst der Stunde und schaue in einem kleinen Laden nach Dingen, die man braucht oder auch nicht braucht. Bin sogar fündig geworden und kaufe ein schönes Buch, in dem die Vögel genauestens beschrieben sind. Sogar in deutscher Sprache. Jetzt können wir die Vögel, die wir fotografiert haben, wenigstens auch bestimmen. ;-)
Kurz nach 14:00 Uhr verlassen wir den Etosha Park. Vielleicht 50 m weiter, also gleich am Ausgang des Parks, geht linkerhand eine Straße ab, die zu dem Privatcamp Onguma führt. In der Sprache des einheimischen Hererostammes bedeutet Onguma „der Ort, den man nicht mehr verlassen möchte“. Im Reservat leben Tierarten wie Kudu, Giraffen, Elan, Oryx, Gnu, Zebras, Impala und natürlich ihre Jäger: Löwen, Geparden und Leoparden. Neu hinzu gekommen ist eine Familie Spitzmaulnashörner.
Onguma verfügt über mehrere Camps. Protea Tours hat uns das Tree Top Camp empfohlen, das kleinste Camp der Onguma Gruppe, das sich durch die unmittelbare Nähe zur Natur auszeichnet. Es besteht aus lediglich 4 Luxusbaumhäusern und einem Hauptgebäude, das ebenso wie die Suiten einen exklusiven Blick auf das nur wenige Meter entfernte Wasserloch gewähren. Na, wir zwei sind schon gespannt wie die Flitzebogen. :-)
Ein großes Tor verschließt die ganze Anlage, das von einem Angestellten geöffnet wird, sobald wir uns dem Tor genähert haben. Wenn ich mir das so vorstelle, wie viele Leute hier angestellt sind und bezahlt werden, dass sie den ganzen Tag an irgendwelchen Toren stehen, diese öffnen und schließen und Namenslisten kontrollieren, auf denen man drauf stehen muss – unglaublich. In Deutschland undenkbar und unbezahlbar.
Er begrüßt uns jedenfalls total freundlich und grinst über das ganze schwarze Gesicht, so dass uns seine weißen Zähne fast die Augen verblitzen. Yippii – wir stehen auf seiner Liste drauf was so viel heißt: Wir dürfen durch das Tor. Er erklärt uns den Weg. Wir haben noch 13 km hier im Park bis zu unserem Camp zu fahren. Wir folgen der Straße und sehen am Straßenrand Giraffen und Impalas. Direkt linker Hand von uns verläuft die „Grenze“ zum staatlichen Ethosha Nationalpark und damit ein riesiger, hoher Zaun. Hinter diesem Zaun stehen auch Giraffen und nicken uns freundlich mit ihren langen Hälsen zu.
Nach 13 km auf einem schmalen staubigen Pad haben wir das Camp erreicht. Hier stehen bereits zwei Angestellte für unseren Empfang bereit. Garantiert hat der freundliche Schwarze vom Tor aus unsere Ankunft angekündigt. Sie heißen uns willkommen, stellen sich vor und schnappen sich gleich unser Gepäck und tragen es in unsere Hütte. So schnell können wir gar nicht gucken, wie unser gesamtes Gepäck hinauf getragen wird.

Einfahrtstor zum Onguma Game Reserve Haupthaus vom Onguma Tree Top Camp Empfangsbereich vom Tree Top Camp

Im Haupthaus befinden sich die Lounge, die Bar, eine große Terrasse mit Feuerstelle und ein großer Tisch, an dem alle acht Gäste ihre Mahlzeiten einnehmen. Zunächst werden wir im Haupthaus auf der bequemen Couch platziert und erhalten, nachdem wir unseren Voucher losgeworden sind, einen kalten Fruchtcocktail. Während wir diesen Cocktail genießen werden wir mit den Regeln des Camps vertraut gemacht. D.h. wir dürfen unser Baumhaus und die oben verlaufenden Holzstege nicht verlassen, da es hier im Camp neben den niedlichen Impalas und Giraffen auch Löwen, Leoparden und Geparden gibt. Die sind zwar auch niedlich aber … ;-)
Wir werden wieder nach unseren Essgewohnheiten gefragt, d.h. ob wir Vegetarier sind oder allergisch oder irgendetwas überhaupt nicht mögen. Nö – passt alles! Abendessen wird gegen 19:00 Uhr hier im Haupthaus serviert und alle 8 Gäste (mehr sind es nie) sitzen zusammen an einem großen Tisch.
So, nun sind alle Formalitäten erledigt und wir werden zu unserem Baumhaus geleitet. Man ist hier wirklich mitten in der Wildnis, vollkommen ungeschützt. Deshalb auch die Regeln, die unbedingt einzuhalten sind.
Es ist alles recht einfach und trotzdem luxuriös. Also, das Baumhaus ist total klasse! Es besteht eigentlich nur aus einem Raum, das von einem großen, Moskitonetz behangenen Doppelbett beherrscht wird. Direkt vor dem Bett haben wir eine private Holzterrasse mit zwei Stühlen und schauen auf ein Wasserloch hinunter. Das Haus ist nicht fest, es besteht nur aus Zeltwänden bzw. Holzlattenwänden. Na hoffentlich schlängelt sich da nicht irgendwann eine Schlange hindurch. Oh, oh! :-(
Wir könnten heute Nacht auch offen schlafen, d.h. die vordere Zeltwand unverschlossen lassen. Uwe ist gleich Feuer und Flamme. Ich bin mir aber gar nicht sicher, ob ich das wirklich möchte. Denn wenn heute Nacht die Löwen oder Leoparden kommen und sich zusammen mit uns ins Bett kuscheln, ich glaube, das wird zum einem sehr eng und außerdem fände ich es nicht so witzig.

Hier geht es zu unserem Baumhaus-Chalet Unser Baumhaus mit offener Außendusche Blick vom Bett auf das Wasserloch

Auch hier steht wieder ein „Nothorn“ zur Verfügung, dass man bei Gefahr sofort betätigen soll. Nix wie her mit dem Ding, das hat seinen festen Standplatz direkt an meinem Bett. Hier gibt es auch nur eine Außendusche und eine Toilette, was dem Ganzen so richtig das Buschfeeling vermittelt. Also ich glaube, mit der Außendusche werde ich auch meine Probleme kriegen. Irgendwie werde ich mich wohl überwinden müssen, anderenfalls könnte ich nach 3 Tagen den Dreck abklopfen. Na ja, ich sehe es mal positiv: Selbst beim Duschen kann ich das Wasserloch beobachten. Somit wird mir nichts entgehen. :-)
Wir richten uns etwas ein und gehen gegen 16:00 Uhr zu Kaffee und Kuchen ins Haupthaus. In diesem Camp gehört, wie schon in der Kalahari Red Dune Lodge, die Teatime dazu. Das Haupthaus ist in der Mitte angeordnet, von der aus rechts und links Holzstege zu je zwei Chalets führen. Alle Chalets sind ausgebucht und das über Wochen. Wir sind also 8 Personen, die hier wohnen. Und für diese 8 Personen sind 6 Angestellte zuständig. Dekadent! Aber die Angestellten üben vornehme Zurückhaltung. Man sieht und merkt sie nicht, aber sobald man sich suchend nach jemand umschaut, ist er sofort zur Stelle.
Während wir Kaffee und Kuchen (übrigens lecker) genießen beschließen wir, heute Abend noch eine Sundowner Fahrt zu machen. Diese startet direkt nach der Teatime um 17:00 Uhr. Mit uns fahren noch die anderen beiden Pärchen, die schon bereits eine Nacht hier übernachtet haben. Also schnell den letzten Schluck Kaffee austrinken und rasch die Fotoausrüstung aus dem Chalet geholt. Ist auch ein bissel gewöhnungsbedürftig: Die Chalets kann man nicht abschließen. Wie auch – ohne Tür? Wertsachen tragen wir also wieder am Mann, selbst den Laptop nehmen wir mit. Alles andere bleibt im offenen Zelt.
Wir klettern auf den großen Jeep und fahren ca. 2 Stunden kreuz und quer über das Gelände. Leider können wir überhaupt keine Tiere entdecken. Außer drei Zebras, zwei Giraffen und einigen vereinzelten Springbröckchen ist nichts zu sehen. Na ja und das haut uns nach einigen Tagen Etosha nun nicht wirklich vom Hocker. Unser Guide ist ziemlich frustriert, er kann uns so gar nichts zeigen. Am Sundowner-Punkt angekommen baut er einen Tisch auf (sogar mit Tischdecke) und kredenzt uns Chips, Trockenfleisch und Nüsse. Dazu gibt es ein riesiges Sortiment an Getränken, Rot- und Weißwein, Bier, Savannah, Gin Tonic und selbstverständlich auch Softdrinks.

Raubadler Sundowner-Fahrt Leckereien während der Sundowner-Fahrt

Wir entscheiden uns für Gin Tonic. Dieser hat es verdammt in sich, das ist mehr Gin als Tonic. Der geht gar nicht erst in den Magen sondern saust gleich wie ein Satellit auf der Umlaufbahn in unserem Kopf herum. :-) Uii-uii-uii Wir haben beide mächtig zu tun, um einigermaßen elegant wieder auf diesen großen Tourenwagen zu kommen. Abschließend zu dieser Sundowner-Fahrt muss ich sagen: Das war der teuerste Gin Tonic (Tiere haben wir ja leider gar nicht gesehen), den wir bisher getrunken haben, nämlich 420,00 N$ (28,00 €) für die Fahrt inklusive Getränke und Snacks pro Person. Denn außer dem wirklich guten und starken Gin Tonic hatten wir nur noch eine staubige Fahrt ohne nennenswerte Tierbeobachtung. Anschließend geht es zurück und wir wollen uns alle um 20:00 Uhr zum Abendessen wieder treffen.
Uwe hat vor dem Abendessen noch schnell die Außendusche benutzt, ich habe das bereits heute Nachmittag getan. In weiser Voraussicht, dass es am Abend sicherlich frisch sein wird. Allerdings hatte ich nicht bedacht, dass sich der Wind am Abend legt. So ist es jetzt viel wärmer als am Nachmittag, als noch die Sonne schien, aber der Wind ziemlich frisch wehte.
Kurz vor 20:00 Uhr haben wir uns auf der großen Außenterrasse vor dem Speisezimmer eingefunden. Hier haben die Angestellten bereits ein großes Feuer entfacht, das wir eigentlich bei diesen Temperaturen nicht gebraucht hätten. Aber gemütlich ist es. Kaum haben wir Platz genommen kommt schon einer geflitzt und fragt uns nach unseren Getränkewünschen. Mh ja, also so einen kleinen Amarula können wir schon noch vertragen – hoffen wir. :-)
Die anderen Gäste finden sich auch nach und nach am Feuer ein, wir machen uns miteinander bekannt und plaudern sehr nett. Außer uns sind zwei Schweizer Paare und ein Paar aus Schottland hier. Komisch, und gleich läuft die ganze Unterhaltung nur auf Englisch, weil man ja die Schotten nicht außen vor lassen will.
Nun ist es soweit, unser Koch hat sein Werk beendet und baut sich in voller Größe vor uns auf. Sein Name ist Erasmus. Dann stellt er das Menü für den heutigen Abend vor und fragt, ob wir damit einverstanden sind. Mh – und wenn nicht? Ich stelle die Frage aber nicht, ich glaube, da bringe ich ihn total aus dem Konzept. :-)
Das Abendessen wird in Form eines BBQ serviert. Als Vorspeise werden gegrillte Prawns gereicht. Zum Hauptgericht gibt es verschiedene Fleischsorten, Hähnchen-Spieße und Salate. Oh! Und als Nachtisch gibt es ein Mango-Mousse. Das ist ja so was von lecker. Das habe ich heute ganz allein gegessen, meines zumindest. :-) Wir haben in geselliger Runde mit den anderen sechs Gästen zusammen gesessen und erzählt und viel gelacht.
Gegen 23:00 Uhr sind wir im Dunkeln mit unserer Taschenlampe bewaffnet in unsere Hütte getappt. Bereits vorher sind die Angestellten unterwegs gewesen und haben Lampen auf den Holzstegen aufgestellt und die Moskitonetze herunter gelassen. Ganz gründlich habe ich wieder das ganze Bett nach Schlangen und Skorpionen abgesucht, bevor ich das Bett zum Schlafen freigebe. Ich weiß noch nicht, wie die Nacht verlaufen wird, da meine einzigen Gedanken im Moment den Schlangen gelten, die hier rundherum ungehinderten Zugang in unser Haus finden können. Aber die Angestellten haben uns versichert, dass noch nie etwas passiert ist, weder dass ein Löwe noch ein Leopard auf die Terrasse gesprungen sind. Auch hat es noch nie irgendwie Schlangen in den Hütten gegeben. Na ja, es gibt ja schließlich für alles ein erstes Mal.
Bevor wir uns friedlich zum Schlafen legen, gibt es wieder einmal eine heftige Diskussion zwischen Uwe und mir. Uwe will unbedingt die Zeltwand offen lassen. Nee, da mache ich nicht mit. Das Ding wird geschlossen. Es ist mittlerweile kurz vor Mitternacht, als wir dann endlich liegen und zur Ruhe kommen. Ach, war das wieder ein herrlicher Tag!

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22. Tag => Etosha N.P.

Übernachtung: Onguma | Hotel: Onguma Tree Top Camp | Ausstattung: ausgezeichnet | Frühstück: ausgezeichnet | Abendessen: ausgezeichnet | Service: ausgezeichnet

Uwe ist heute Morgen wieder als Erster aufgestanden, natürlich noch vor dem Sonnenaufgang. Es ist bereits 06:00 Uhr, aber die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Die Nacht war doch recht kühl und wir haben uns in unsere warmen Decken eingemummelt. Hier merkt man schon, dass die Wände nur aus Zeltplanen bestehen. Auch Uwe hat heute Nacht seit Wochen wieder einmal die Bettdecke benutzt.
Hach – und dann merke ich es erst – wir leben ja noch – yipppiee! Hat uns heute Nacht doch kein Löwe gefressen. Und ich bin sicher, der hat vor unserer geschlossenen Zeltplane Halt gemacht! :-)
Wir haben den Sonnenaufgang auf unserer Terrasse genossen. Aufgrund der morgendlichen Kühle haben wir uns in die flauschigen Bademäntel eingehüllt, die in unserem „Zimmer“ auf einem Bügel hängen. Das muss man sich mal vorstellen: Hier, mitten im Busch, in einem Baumhaus – haben wir weiße flauschige Bademäntel. Kurz nachdem die Sonne aufgegangen ist, kommt eine Herde Impalas ans Wasserloch, um ihren „Morgenkaffee“ zu schlürfen. Herrlich, wir können alles von unserem Baum aus beobachten.
Um 07:30 Uhr treffen wir die anderen Gäste am Frühstückstisch. David, der das Oberkommando über dieses kleine Camp führt, bedient die Gäste fürstlich. Er springt sofort und toastet die Brote, schenkt den Kaffee ein und achtet ständig darauf, dass Kaffee immer nachgeschenkt wird.
Es gibt wie in jedem anderen Camp Wurst und Käse, Müsli, Joghurt und Marmeladen. Und natürlich Eier nach Wahl. Uwe hat sich ein Omelette machen lassen mit Tomaten, Zwiebeln und Bacon. Er meint, es wäre das beste Omelette bisher gewesen. Wir lassen uns recht viel Zeit beim Frühstück, denn uns treibt ja keiner. Die anderen vier Gäste, die hier bereits die zweite Nacht verbracht haben, reisen heute ab. Wir werden heute auch noch einmal in den Etosha Park fahren. Die Nähe zum Park müssen wir einfach noch ein bisschen ausnutzen. Wer weiß, wann wir wieder einmal Tiere aus nächster Nähe beobachten können.
Wir wollen heute die Gegend um das Camp Namutoni abfahren. Hier gibt es etliche Wasserlöcher, die wir aufgrund der Reifenpanne vor einigen Tagen nicht mehr anfahren konnten. Wir lassen uns Zeit, beim Frühstück und auch beim Kaffee dann auf der Terrasse des Restaurants und starten gegen 09:30 Uhr in den Etoshapark. Wir zahlen den Eintritt von 170,00 N$ (11,50 €).
Zunächst fahren wir erst die von Namutoni etwas nördlich liegenden Wasserlöcher ab. Hier machen wir tolle Vogelbeobachtungen. Uwe fotografiert wieder wie blöde die ekligen Geier. Diese Viecher mag ich ja nun so gar nicht und ärgere mich, dass er die immer tausendfach ablichten muss.

Weißbürzel - Singhabicht Gelbschnabel Toko Ohrengeier

Aber auch große Adler kriegen wir vor die Linse. :-) Uwe wartet immer auf den ultimativen Kick und Schuss, dass sich ein Adler mit seinen breiten Schwingen in die Lüfte erhebt.
Wir sehen heute wieder viele Tiere an den verschiedenen Wasserlöchern und gegen 13:00 Uhr sind wir in der Nähe des Camps Namutoni. Hier beschließen wir, einen kleinen Mittagssnack einzunehmen. Wir sitzen in einem kleinen Restaurant mitten im Innenhof des Forts. Uwe bestellt sich eine Suppe. Ich begreife einfach nicht, wie man bei der Wärme ständig Suppe essen kann. Ich entscheide mich für einen Toast mit Schinken, Tomate und Käse. Es ist nicht der absolute Kracher, aber wir werden satt.
Nach dem Essen übergebe ich das Steuer an Uwe, der nun in den südlichen Teil des Gebiets fährt. An einem Wasserloch können wir Hyänen beobachten. Die eine Hyäne kommt so dicht an das Auto heran, dass es uns richtig unheimlich wird. Hyänen sind schließlich nicht ganz ungefährlich.
Unsere Aufmerksamkeit wird dann ganz schnell von Giraffen in Anspruch genommen. Hier am Wasserloch stehen richtig viele herum. Zwei Bullen kämpfen um die Alleinherrschaft. Also das ist ja irre! Wie die ihre langen Hälse schwenken und versuchen, dem anderen die Hörner in den Bauch zu rammen. Wir haben richtig Angst, dass die sich dabei den Hals brechen (im wahrsten Sinne des Wortes). Und obwohl die beiden es sehr, sehr ernst meinen, ist dieser Kampf doch geprägt von einer Eleganz und Grazie – einfach spektakulär. Das ist ein Schauspiel, wir können gar nicht weiterfahren. Tja und es ist wie im richtigen Leben – einer geht als Sieger hervor und ist Herr im Ring. Der andere galoppiert dann auch recht schnell davon.
Also man weiß eigentlich gar nicht, wohin man als erstes schauen soll. Wir beide haben uns auch „aufgeteilt“, einer behält die rechte Autoseite, der andere die linke Seite im Auge. Leider mussten wir feststellen, dass wir mit einem Tele gar nicht auskommen. Wir tauschen immer ganz zügig die Kameras, so dass jeder mal das Tele benutzen kann.

Giraffen am Wasserloch Giraffen teilen sich das Wasserloch mit Zebras Kampf der Giganten

Plötzlich kommt ein Elefant des Weges. Er schreitet schnellen Schrittes mit schwenkendem Rüssel und wehenden Ohren auf das Wasserloch zu. Also eigentlich kommt er regelrecht angerannt. Er spurtet auch gleich ins Wasser hinein. Mein Gott, muss der einen Durst haben. Er säuft und säuft und säuft – tja durch so einen dicken Rüssel da geht schon was durch. :-) Man könnte meinen, er will das ganze Wasserloch leer saufen.
Gegen 16:30 Uhr verlassen wir den Etoshapark Richtung Tree Top Camp, das wir gegen 17:30 Uhr erreichen. David erwartet uns schon und fragt, ob wir einen schönen Tag hatten. Oh ja, den hatten wir. Aber wir haben sooooo’n Durst, genau wie der Elefant. Wir könnten Wasserlöcher aussaufen! :-) David meint, das wäre nicht nötig, er hätte durchaus auch Bier für uns. Oh – ganz schnell her damit! :-) David begleitet uns zu unserem Zelt und bringt die 2 Flaschen auf einem Tablett.
Heute Nachmittag haben die Angestellten die Zeltplane unseres Zeltes geschlossen, weil wohl so ein starker Wind gewesen ist. Haben wir gar nicht gemerkt. Nun öffnet David das Zelt wieder für uns. So, aber jetzt – hinsetzen, Bier öffnen und ahh – tut das gut!
Uwe hat jetzt mächtig zu tun, alle Fotos vom gestrigen und vom heutigen Tag auf den Laptop zu überspielen. Ich weiß gar nicht, wie viele Fotos wir heute gemacht haben. Es müssen einige 100 gewesen sein.
Ich benutze derweilen die Außendusche und jedes Mal, wenn ich unter der Dusche stehe, kommt Wind auf. Also das ist echt fies! Es ist schon irgendwie komisch, dass hier alles offen ist. Man kann nicht mal eine Badezimmertür zur Dusche schließen, nein man steht mitten im Freien und schaut während des Duschens auf‘s Wasserloch.
Es ist jetzt 18:30 Uhr und um 20:00 Uhr gibt es Abendessen. Heute soll es Rindersteaks geben. Heute Morgen wurden wir bereits gefragt, ob wir das mögen. Mal schauen, was der Koch sonst noch so gezaubert hat. Es ist ja wirklich interessant, bereits am Morgen, wenn wir zum Frühstück kommen, köchelt er für’s Abendessen schon Süppchen und weiß der Geier was noch. Die Küche ist offen, so dass wir ihm beim Zubereiten und Kochen zuschauen können.
Auch heute gehen wir etwas früher zum Abendessen. Es ist einfach zu schön, auf der Außenterrasse am Feuer bei einem Bier zu sitzen. Außerdem lernt man da bereits die neuen Gäste kennen, mit denen man dann zum Essen am Tisch sitzt.

Mit einem kühlen Bier den Ausblick auf das Wasserloch genießen Erasmus bereitet das Essen vor Am Lagerfeuer den Tag ausklingen lassen

Um 20:00 Uhr werden wir dann zu Tisch gebeten. Erasmus hat als Vorsuppe eine sehr leckere Hühnersuppe mit Tomate gezaubert, sehr gut gewürzt. Die war super lecker. Als Hauptspeise gibt es Rinderfilet (war ja heute Morgen bereits angekündigt), Reis und Gemüse. Und schon wieder Butternut als Gemüse, och nee! Butternut mag ich gar nicht, Reis mag ich auch nicht. Sieht also heute nicht so gut für mich aus. :-( Das Rinderfilet ist leider sehr, sehr zäh. Ist scheinbar ein altes Vieh gewesen und musste weg. Ich bin heute also eher hungrig vom Tisch aufgestanden, da ich weder Gemüse noch Reis gegessen habe und das Rinderfilet nicht essen konnte. David schaut mich ganz traurig an. Tja, ich kann es ja auch nicht ändern. Aber der Rotwein, der hat geschmeckt. Mmh und das Dessert erst! Erasmus hat hauchdünne Körbchen gebacken (keine Ahnung, aus welchem Teig) und diese mit leckerem Eis gefüllt und oben drauf Erdbeersauce geträufelt. Das ist so gut, dass ich mein Dessert direkt mal selbst esse (vielleicht auch aus Hunger?).
Nach dem Abendessen haben wir uns bei einem Absacker noch kurz mit allen unterhalten und uns für morgen Früh um 07:30 Uhr zum Frühstück verabredet. Heute haben wir wieder einen so fantastischen Sternenhimmel und Uwe will noch einige Nachtaufnahmen machen. Ich hoffe, dass sie gelingen. Da ich heute Abend und auch über den Tag nicht viel gegessen habe, bin ich, auch durch den Alkohol, doch ziemlich müde. Deshalb verschwinde ich jetzt schon mal unter meinem Moskitonetz.
Es ist jetzt kurz vor 22:00 Uhr. Uwe poltert noch eine ganze Weile draußen auf der Terrasse und dem Holzsteg herum, bis er endlich Ruhe gibt und auch ins Zelt gekrochen kommt.

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23. Tag => Etosha N.P.

Übernachtung: Onguma | Hotel: Onguma Tree Top Camp | Ausstattung: ausgezeichnet | Frühstück: ausgezeichnet | Abendessen: ausgezeichnet | Service: ausgezeichnet

Bereits vor Sonnenaufgang sitzen wir erwartungsvoll auf unserer Holzterrasse. D.h. wie immer ist Uwe zuerst aufgestanden und ich habe mich dann etwas später (mehr schlecht als recht) aus den Federn gequält. Die letzte Nacht war nicht so kalt wie die vorhergehende Nacht. Wir haben sogar unter den dicken Decken etwas geschwitzt.
Uwe hat gestern Abend an dem Rinderfilet so mächtig kauen müssen, dass er heute Nacht Zahnschmerzen hatte. Aber jetzt ist alles wieder gut. Na Gott sei Dank – ich wüsste gar nicht, wo wir hier in der Wildnis einen Zahnarzt finden sollten.
Für 07:30 Uhr finden wir uns zum Frühstück ein. Ich habe mir heute auch mal ein Omelette machen lassen genau wie Uwe. Er hatte gestern so von seinem Omelette geschwärmt, dass ich heute auch mal eins essen möchte. Es ist wirklich sehr gut, aber für mich am frühen Morgen einfach zu viel und zu mächtig. Morgen werde ich wieder auf Spiegeleier zurückgreifen. Den letzten Kaffee trinken wir wieder auf der Terrasse.
Wir wollen heute auch wieder den ganzen Tag im Etosha Park verbringen. Da der Mittagssnack, den wir gestern im Fort gegessen haben, nun nicht gerade der Kracher war, bitte ich David, der hier für das Camp zuständig ist, uns doch ein Lunchpaket vorbereiten zu lassen. Leider habe ich vergessen zu erwähnen, dass uns EIN Lunchpaket reicht. Als es mir endlich einfällt ist Erasmus schon dabei und hat bereits zwei Schnitzel gebraten. Also müssen wir beide Lunchpakete mitnehmen. Die sind total schön und liebevoll zurecht gemacht. Jeder erhält einen Tragekarton mit einem gut belegten Sandwich, einem Schnitzel, einen Apfel, einen Müsliriegel, einen Saft, und je ein Tütchen Erdnüsse und Chips. Für dieses Lunchpaket zahlen wir (umgerechnet) 3,50 € p.P. Außerdem gibt es für jeden eine Flasche Wasser dazu. Na, da werden wir aber mächtig zu tun haben, das bis heute Abend alles aufzuessen.

Gemeinschaftsterrasse Unser Baumhaus Erasmus & David

Ich möchte so gern mal unser Baumhaus fotografieren und frage David, ob ich zum Wasserloch gehen darf. Ja, hm – also mit dem Herumspazieren am Wasserloch, nee das ist keine so gute Idee. Heute Morgen hat er Spuren von mehreren Löwen um die Hütten herum gefunden. Also doch: ich wusste es, dass nachts Löwen kommen! Von wegen Zelt auflassen und so … ;-)
Na ja meint David, es sind ja einige Impalas am Wasserloch, da dürften eigentlich keine Löwen in der Nähe sein. Na gut, ich darf gehen, er passt auf. Aber nur kurz! Jawohl Sir! Ich scheuche Uwe rasch in unser Baumhaus und laufe dann hinunter zum Wasserloch. David steht ziemlich angespannt oben und lässt seinen Kopf wie eine Rundumleuchte gehen. Aber so kann ich wenigstens unser „Zimmer“ mal von außen fotografieren. Und gefressen hat mich auch keiner – bin eh ungenießbar. :-)
09:30 Uhr sind wir dann soweit und verlassen das Camp. Nachdem wir wieder den Eintrittspreis entrichtet haben fahren wir noch einmal die Wasserlöcher ab, die wir auch gestern schon besucht haben. Heute ist unser “Katzentag”. Wir haben an drei verschiedenen Stellen Löwen gesehen und beobachtet. Am letzten Wasserloch stehen wir 2 Stunden und beobachten zwei total faule Löwenmännchen. Die Biester haben sich in den 2 Stunden vielleicht zweimal von einer Seite auf die andere Seite gewälzt. Einer steht für vielleicht eine halbe Minute auf, gähnt herzhaft, um sich dann wieder ins Gras plumpsen zu lassen. Aber genau den Moment haben wir abgepasst und ein tolles Foto mit aufgerissenem Maul geschossen.
Später dann haben wir noch zwei Elefanten-Großfamilien beim Trinken und Baden beobachtet. Ansonsten „nur“ die üblichen Verdächtigen: Zebras, Gnus, Impalas und Giraffen – und davon jede Menge. Hier hinten im Ostteil muss eine riesige Population an Giraffen leben. Ob man es nun glaubt oder nicht: Die Giraffen sind ja nun wirklich nicht gerade klein. Trotzdem sehen wir manche von ihnen erst im letzten Moment, wenn wir ihnen fast das Hinterteil abgefahren haben. Die Tiere, und selbst die großen Giraffen, verschmelzen dermaßen mit der umgebenden Natur, dass man sie wirklich nur schwer erkennen kann. Das ist echt beeindruckend.

König der Tiere Elefantenfamilie Arche Noah

Am letzten Wasserloch haben wir dermaßen lange bei den Löwen gestanden, so dass wir anschließend keine weiteren Wasserlöcher besuchen konnten. Schweren Herzens haben wir uns gegen 17:00 Uhr von den Löwen getrennt, immer in der Hoffnung, dass doch noch mal einer seinen faulen Hintern hebt und uns in die Kamera blickt. Aber den Gefallen tun sie uns nicht. :-(
Die Wasserlöcher im Ostteil des Etosha Parks, speziell um Namutoni herum, sind wunderschön. Man kann sie so toll einsehen, weil jedes Wasserloch noch etwas unterhalb der Straße liegt. Das ist an den anderen Wasserlöchern nicht immer der Fall. Oftmals muss man durch hohes Gras oder verdorrte Bäume hindurch schauen.
Ich bin jetzt auf direktem Weg nach Onguma gefahren. Jeden Morgen und jeden Abend steht derselbe freundliche Schwarze am Eingang, überprüft unser Nummernschild mit seiner Liste und öffnet uns dann – nach einem kurzen Smalltalk – das große Tor. Auch heute Abend steht er wieder da. Also eigentlich sitzt er ja den ganzen Tag auf einem Stuhl am Tor. Ich würde vor lauter Langeweile vergehen. Nach einem kurzen Plausch passieren wir das Tor, das sofort hinter uns geschlossen wird.
Auf dem Weg zur Lodge sehen wir vor uns eine riesige Staubwolke. Also ereilt uns das gleiche Schicksal wie gestern Abend, dass ein Lodge-Fahrzeug mit Gästen auf Sundowner-Tour ist. Und die haben Zeit! :-(
Nö, es ist aber kein Fahrzeug. Vor uns auf dem staubigen Fahrweg rennen fünf riesige Giraffen, die sich auf der Flucht, vor was auch immer, befinden. Sie rennen alle fünf auf der Straße, so dass wir mit dem Auto gar nicht vorbei kommen. Der letzten Giraffe geht es wie mir. :-) Das arme Tier hat vermutlich überhaupt keine Kondition und ist wahrscheinlich durch die wilde Hatz etwas aus der Puste geraten. Nun trabt sie schnaufend vor uns her. Überholen kann ich immer noch nicht, also fahren wir langsam hinterher. Der Ausblick ist schon gewöhnungsbedürftig. :-) Wenn wir durch die Frontscheibe schauen – und wir müssen auch dafür ganz schön hoch schauen – sehen wir nur das riesige Hinterteil in ziemlicher Höhe vor uns. Den restlichen Körper, den Hals und den Kopf, können wir gar nicht sehen. Mensch, ist das ein Riesenvieh! Aber irgendwann verlässt sie die Straße und schlägt sich durch den Busch. Wird aber auch Zeit, habe langsam Schweißperlen auf der Stirn.
David erwartet uns bereits auf der Treppe. Er hält vermutlich immer nach Staubwolken Ausschau und weiß somit, dass gleich jemand ankommen wird. Und wie jeden Abend fragt er, ob wir einen erfolgreichen und schönen Tag hatten.
Als wir um 19:30 Uhr zur Terrasse des Restaurants kommen, brennt schon wieder ein schönes Feuer. Eigentlich braucht man das bei diesen Temperaturen gar nicht. Gemütlich ist es aber trotzdem und so beruhigend, wenn man den Flammen beim Tanz zusieht. Wir bestellen uns als Aperitif einen Gin Tonic.
Wir sind noch eine Weile allein auf der Terrasse und nutzen die Zeit für einen Plausch mit David. Der arme Kerl wohnt so weit von seiner Familie und seiner kleinen Tochter entfernt (300 km). Er hat kein Auto und muss, wenn er mal ein paar Tage frei hat, per Anhalter versuchen, nach Hause zu kommen. Da meldet sich gleich wieder unser schlechtes Gewissen, weil wir auch nie Anhalter mitnehmen. Tja, wenn man wüsste, dass immer „so nette Davids“ an der Straße stehen, würden wir sie auch mitnehmen. Er erzählt uns auch von den namibischen Weihnachtsfesten, die unseren deutschen sehr ähnlich sind. Die Namibier haben auch ein traditionelles Weihnachtsessen, etwas ganz besonderes, was es sonst nicht gibt. Es ist immer sehr interessant, sich mit Einheimischen über die Gepflogenheiten, Träume und Wünsche zu unterhalten. Dann lernen wir die neuen Gäste kennen, mit denen wir uns beireits vor dem Essen nett unterhalten.
Dann werden wir zu Tisch gebeten und der Koch Erasmus stellt sich vor, erklärt (wie jeden Abend) das Büffet und fragt (auch wie jeden Abend), ob wir damit einverstanden sind. Tja, was soll man da schon sagen? :-)
Die heutige Vorspeise ist eine Cremesuppe aus gerösteten Tomaten, die sehr lecker ist. Danach gibt es leckere Oryxsteaks in einer Whiskysauce, Kartoffeln und Babymais und Möhren. Heute hat sich Erasmus selbst übertroffen. Als Nachspeise hat er ein Mousse de Chocolate gezaubert, das er in kleinen Tassen mit einer Sahnehaube obendrauf angerichtet hat. Es ist wirklich erstaunlich, wie die Jungs hier die Speisen auf den Tellern zurecht machen und wie liebevoll sie den Tisch eindecken. Zum Essen nehmen wir ein Glas Rotwein und den krönenden Abschluss bildete dann noch ein doppelter Amarula.
Nach dem Essen sitzen wir noch eine Weile und unterhalten uns mit den anderen Gästen, bevor wir dann in unser Chalet gehen. Uwe macht noch einmal Aufnahmen vom fantastischen Sternenhimmel, der heute wieder so klar und deutlich und überwältigend ist, dass er gar nicht umhinkommt, diesen noch einmal zu fotografieren. Sehr spät erst kommen wir ins Bett. Aber bitteschön, wann sind wir hier schon mal zeitig schlafen gegangen?
Das Abendessen sollte eigentlich um 20:00 Uhr beginnen, aber Erasmus hat heute irgendwie die Kurve nicht gekriegt. So ist es schon weit nach 22:00 Uhr, als wir in unser Chalet zurückkommen. Gegen 23:00 Uhr fallen wir dann schlagskaputt ins Bett. Und ja bitte, die Zeltwand schließen. Uwe hat jeden Abend gehofft, einmal offen schlafen zu können. Aber sorry – nein – hier lasse ich mich echt nicht erweichen. Ich weiß, ich bin ´ne Zicke.

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24. Tag => Fahrt nach Windhoek

Übernachtung: Windhoek | Hotel: Immanuel Wilderness Lodge | Ausstattung: gut | Frühstück: ausgezeichnet | Abendessen: ausgezeichnet | Service: sehr gut

Wir sind heute ein letztes Mal in der absoluten Wildnis aufgewacht – schluchz. Uwe hat wie immer den Sonnenaufgang draußen auf unserer Terrasse genossen. Heute Morgen war es wieder sehr frisch. Uns stehen zwar kuschelige Bademäntel zur Verfügung, die man beim Sonnenaufgang-Betrachten auf der Terrasse anziehen kann, trotzdem habe ich ziemlich gefroren.
Pünktlich um 07:30 Uhr gehen wir zum Frühstück. Wir sind die ersten – passiert auch nicht so oft. :-) Heute bestelle ich wieder nur Spiegelei, ohne Schinken. Würde ja gern auch mal Schinken dazu essen, aber das Labberzeug mag ich nicht. Uwe nimmt Rührei und Schinken. Wir haben uns beim Frühstück sehr viel Zeit gelassen, obwohl wir heute eine doch recht lange Fahrstrecke vor uns haben. Aber wir wollen die ganze Sache ruhig angehen.
Wir verabschieden uns herzlich von den Angestellten, die uns hier in dieser Lodge traumhaft schöne Tage beschert haben. Sie haben uns wirklich jeden Wunsch von den Augen abgelesen und waren sofort zur Stelle, sobald man nur einen Ton gesagt hat. Wir müssen uns auch gar nicht um das Gepäck kümmern, das haben die Angestellten bereits zum Auto geschleppt. Erasmus und David begleiten uns noch bis zum Auto und winken hinter uns her. Auch hier haben wir im Sparschwein ein ordentliches Trinkgeld hinterlassen. Die Jungs haben sich das echt verdient.
An dieser Stelle muss ich noch einmal auf die eingangs erwähnte Übersetzung aus der Hererosprache zu „Onguma“ zurückkommen: „Der Ort, den man nicht mehr verlassen möchte.“ Wie wahr … :-)
Ich übernehme gleich die erste Strecke. Wir haben heute 500 km vor der Brust. Wir fahren auf der Autobahn B 1 bis Tsumeb durch. Hier machen wir den ersten Tankstopp und Pippipause. Eigentlich wollten wir hier gleich unsere Reifen wieder aufpumpen lassen. Na ja – blöd. Das Reifendruckgerät ist defekt. Man sagt uns, wir sollen nach Otavi fahren, also ca. 68 km und 1 Stunde weiter südlich. D.h. wir müssen mit unseren lummeligen Reifen weiter auf Asphalt fahren.
In Tsumeb übernimmt Uwe dann für die nächsten ca. 140 km. Die Strecke ist sowas von unspektakulär und furchtbar langweilig. Man durchfährt eigentlich nur ödes und verbranntes Buschland. Hin und wieder steht mal ein Tier am Straßenrand. Das klingt zwar jetzt überheblich, aber wenn man aus dem Etosha Park kommt, haut einen das nicht gerade vom Hocker.
Und so fahren wir ziemlich stupide vor uns hin, die Straßen sind schnurgerade, die lummeligen Reifen surren über den Asphalt. Der Sound der Reifen gleicht einem Schlaflied – wir haben echt zu tun, nicht mit dem Kopf auf dem Lenkrad aufzuschlagen. Es gibt absolut nichts zu sehen und wir müssen wirklich immer nach ca. 140 km einen Fahrerwechsel vornehmen, um nicht am Lenkrad einzuschlafen.
In Otavi ist eine große Tankstelle, die sich aber irgendwie im Bau (oder Abriss??) befindet. Hier wollen wir den Reifendruck prüfen und auffüllen lassen. Zunächst haben wir aber zu tun, in dem Durcheinander hier irgendeine Struktur zu erkennen. Alter Falter, hier ist ja was los! Autos stehen kreuz und quer, keine Ahnung, ob man sich hinten anstellen muss oder dazwischen hindurch fahren kann. Menschen, Kinder, Tiere – alle wuseln irgendwie auch noch dazwischen.
Ein freundlicher Schwarzer nimmt sich gleich unserer Reifen an und stellt fest, dass wir eigentlich immer noch zu viel Luft auf dem Reifen haben. D.h. wir müssen nichts aufpumpen sondern auf einigen Reifen sogar ablassen. Ich habe keine Ahnung, ob das hier alles seine Richtigkeit hat und ehrlich gesagt, ist es mir wurscht. (Die paar Kilometer, die wir in Namibia noch fahren müssen, werden die Reifen hoffentlich noch halten – selbst die geflickten, denen wir keinen einzigen Meter zugetraut haben.) Offensichtlich zeigt hier jedes Gerät andere Werte an.
Nachdem wir nun alles abgelassen haben, fahren wir weiter abwechselnd stupide und stur geradeaus durch wirklich unspektakuläre Landschaft. Irgendwann streifen wir das Erongogebirge und ab jetzt wird die Landschaft wieder interessant, so dass man beim Fahren durchaus auch wieder genießen kann. Wir sind froh, wenn wir dann irgendwann am Ziel angekommen sind.
Unsere Else hat uns bereits bei der Abfahrt aus dem Tree Top Camp eine Ankunftszeit in der Immanuel Wilderness Lodge angegeben, die tatsächlich stimmt. Die Namibia Karte von „Tracks 4 Africa“ ist dermaßen gut kalkuliert, dass die angegebenen Zeiten immer fast 100 %ig stimmen.
Um 15:30 Uhr erreichen wir die Lodge, die ca. 20 km vor Windhoek liegt. Das ist nun unsere letzte Station, hier sind wir für die letzten zwei Nächte. Als wir auf die Rezeption zugehen, stehen Ira und Christoph aus Österreich in der Tür, mit denen wir hier mehr oder weniger verabredet waren. Die beiden hatten wir in der Hohenstein Lodge kennen gelernt und herausgefunden, dass wir uns hier an deren letzten Tag noch einmal treffen. Mensch, gibt das ein Hallo und eine herzliche Begrüßung. Wir freuen uns wirklich, die beiden wiederzusehen.
Eine dicke Schwarze fragt uns erst einmal nach unserem Voucher. Nachdem wir ihn ihr ordnungsgemäß gezeigt und ausgehändigt haben führt sie uns in unser Zimmer. Auf dem Weg dorthin murmelt sie ziemlich unmotiviert und nuschelig vor sich hin, was sich rechts und links des Weges befindet.
Das Zimmer hat Klimaanlage und einen Kühlschrank, das ist schon mal gut. Hier ist es leider nicht so, wie in den anderen Lodges, dass man Kosmetikartikel zur Verfügung gestellt bekommt. Schade, mein Duschbad ist nämlich fast aufgebraucht. Für einmal duschen kaufe ich sicher kein neues. Da werde ich mich wohl mal mit dem männlich herben Duschbad von Uwe einseifen müssen.
Die Lodge als solche ist sehr nett angelegt und sehr gepflegt. Wir richten uns im Zimmer ein. Beim Gepäck hilft uns leider keiner. Und so muss der arme Uwe die beiden Reisetaschen allein hinter schleppen. :-( Das ist ein ziemlich langer Weg, der nur mit Kies ausgelegt ist. Uwe muss die Reisetaschen also tatsächlich schleppen und kann sie nicht hinter sich herziehen.
Am Abend treffen wir uns mit Ira und Christoph zum gemeinsamen Abendessen. Vorher trinken wir noch ein Bier auf der Terrasse in der Nähe eines lodge-eigenen Wasserlochs. Natürlich haben wir uns jede Menge zu erzählen. Leider ist das für die beiden schon der letzte Abend, morgen um diese Zeit dürfen sie bereits das Boardmenü genießen. :-)
Dann wird das fantastische Abendessen serviert. Es gibt eine Butternut-Cremesuppe, die ist so vorzüglich und nett zurecht gemacht. Eigentlich möchte man die Suppe nur anschauen und gar nicht mit dem Löffel hineingehen und das Kunstwerk zerstören. Danach gibt es als zweite Vorspeise einen sehr leckeren Salat. Der Hauptgang ist ein Wildragout mit Reis. Es schmeckt wirklich ausgezeichnet. Zum krönenden Abschluss gibt es ein Dessert namens Kalahari. Ich für meinen Teil wäre eigentlich schon nach der zweiten Vorspeise, dem Salat, fertig und satt gewesen. Ich habe mir dennoch etwas von dem leckeren Ragout rein gedrängelt und das Dessert zumindest gekostet. Uwe hat beide Desserts noch geschafft. Wir haben uns mit Ira und Christoph zusammen eine Flasche Wein bestellt und als Abschluss dann noch jeder einen doppelten Amarula getrunken.
Heute Nachmittag hatten wir uns bereits für Morgen auf einer benachbarten Farm für einen Gamedrive angemeldet, bei dem wir Geparden und Leoparden bei der Fütterung sehen können. Uwe ist zwar nicht begeistert von der Idee, die meine war. ;-) Ich hatte dies aber schon ganz zu Beginn der Reise angekündigt: Wenn ich keine Geparden und Leoparden im Etosha Park sehe, will ich sie auf einer Farm sehen. Gesehen haben wir keine und ich hatte vorher bereits im Internet recherchiert, dass diese Tiere auf dieser Nachbarfarm leben. Christoph und Ira waren von der Idee auch gleich total begeistert und Uwe damit überstimmt. :-) Da die beiden kein Auto mehr haben, das heißt, sie haben ihr Fahrzeug heute schon abgegeben, werden wir die beiden in unserem Auto mitnehmen. ;-)
Relativ spät erst gehen wir schlafen. Wir unterhalten uns noch sehr lange mit Stefan, dem Lodge-Besitzer und Sternekoch. Er hat aus unserer Unterhaltung mitbekommen, dass wir aus Nordhessen kommen. Und siehe da, Stefan hat vorher in Gießen gelebt, wo er auch geboren wurde. Jedenfalls haben wir Gesprächsstoff für noch viele Stunden.
Wir liegen um 23:00 Uhr im Bett und sind ziemlich erschlagen, auch von der ermüdend langen Autofahrt.

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25. Tag => Leoparden & Geparden

Übernachtung: Windhoek | Hotel: Immanuel Wilderness Lodge | Ausstattung: gut | Frühstück: ausgezeichnet | Abendessen: ausgezeichnet | Service: sehr gut

Wir stehen heute „sehr spät“ auf, es ist bereits 07:30 Uhr. Das Frühstück hier ist phänomenal. Stefan macht super leckere Brötchen, die er morgens selber bäckt. Das sind so richtige knackige Brötchen, wie wir sie aus Deutschland kennen. Im Büffet finden wir Game-Wurst, d.h. aus Wild hergestellte Wurst, namibischen Käse und dann natürlich das Übliche: Joghurt, frische Früchte wie Grapefruits, Orangen, Papayas und Ananas und Müsli.
Wir frühstücken zusammen mit Ira und Christoph, denn wir haben uns zur Abfahrt 09:00 Uhr verabredet, um zur Düsternbrock Gästefarm zu fahren. Wir fahren ca. eine halbe Stunde bis zur Farm. Die Düsternbrock Gästefarm ist die erste und somit älteste Gästefarm Namibias. Die Farm ist 12000 ha groß und auf einer Höhe von 1350 m eingebettet in die Ausläufer des Khomas-Hochlandes. Hier kann man selbstverständlich auch übernachten.
Wir sind zu früh da und müssen noch eine halbe Stunde warten, bis unser Guide kommt. Aber die Zeit wird uns nicht lang, auf der Farm selbst findet man auch schöne Fotomotive.
Dann kommt auch schon eine lustige Schwarze, die uns unseren Obolus für den Gamedrive abknöpft. Wir zahlen 280,00 N$ p.P., was ca. 19,00 € entspricht. Kurze Zeit später kommt ein lautes, knatterndes Ungetüm um die Ecke. Es ist unser Tourguide mit seinem offenen Wagen. Er hat seinen kleinen Sohn, einen fünfjährigen Jungen, dabei. Ich habe so meine Zweifel, dass das eine gute Idee ist, einen so kleinen Jungen mit zu den wilden Tieren zu nehmen. Aber gut, die Kinder wachsen hier mit den Raubtieren auf. Kurz nach 10:00 Uhr starten wir mit unserer Tour.

Düsternbrock Gästefarm Auf dem Weg zu den Geparden Unser kleiner Begleiter

Zunächst fahren wir in ein Gehege, in dem die Geparden leben. Der Guide macht uns darauf aufmerksam, dass wir bitteschön die Hände (mit Kamera natürlich) im Wagen halten sollen. Wir stehen und warten und plötzlich sagt er: sie kommen. Und tatsächlich, sie schleichen sich von hinten an unser Fahrzeug heran. Was für elegante, wunderschöne Tiere! Diese aus nächster Nähe sehen zu können ist schon ganz toll. Geparden mag ich unheimlich gern.
Die Geparden kennen das Prozedere natürlich: Steht ein Wagen mit Touris in der Pampa, dann gibt’s Leckerli! :-) Der Guide hat eine ziemlich große Kiste mit Fleisch bei sich, aus der er den Geparden Brocken zuwirft. Er füttert sie, schmeißt ihnen immer mal Brocken zu und unsere Kameras glühen. Sie sind sehr zutraulich und klettern sogar bei unserem Guide vorn in das Führerhaus rein. Seinem kleinen Sohn scheint das überhaupt nichts auszumachen, er hat offenbar keine Angst vor den Tieren.

Gepard Geparden Auge in Auge

Nachdem er die für die Geparden vorgesehene Fleisch-Portionen verfüttert und wir genügend Fotos gemacht haben, fahren wir in ein anderes Gehege. Jetzt wollen wir den Leoparden treffen. Na hoffentlich reicht dem Kerl das Fleisch, das der Guide dabei hat. Nicht, dass noch einer von uns dran glauben muss. :-) Wir sitzen ganz still und angespannt auf dem Wagen und warten. Irgendwie herrscht eine knisternde Atmosphäre. Der Guide flüstert: Achtung, er kommt – von hinten. Puh – das ist schon ein ganz anderes Kaliber. Er schleicht sich von hinten an, ich drehe mich ein paar Mal rum und wage ihm kaum in die Augen zu sehen. Bei dem Kerl spürt man so richtig die Power und die Kraft und vor allem die Gefährlichkeit. Wir haben schon etwas Herzklopfen und nasse Hände, als der Leopard immer wieder um unser Auto herum schleicht.
Bei dieser wunderschönen Katze sind Kraft und Ästhetik in perfekter Harmonie vereint. Während unser Guide das “Kätzchen” mit Fleischbrocken bei Laune hält sagt er uns: Traue niemals – NIEMALS!!! – einem Leoparden. Der tut friedlich und nett, aber wenn er die Gelegenheit dazu hat, springt er euch in den Nacken und beißt zu. Na bravo – Uwe und ich sitzen hinten auf dem Wagen. :-( So wie unser Guide sagt, kann man einen Geparden durchaus zähmen – aber niemals einen Leoparden.
Einmal wird die Situation selbst für unseren Guide etwas brenzlig. Der Leopard faucht uns ganz fürchterlich an. Seine Haltung ist mit einem Mal sehr aggressiv, wie zum Sprung bereit. Der Guide startet sofort den Wagen und fährt kurz vor und zurück. Damit gibt er den Leoparden zu verstehen, dass dieses große Ding „Auto“ immer noch da ist und für ihn gefährlich werden kann. Alter Falter, mein Herz galoppiert –dummdumm dummdumm -. Der kleine Junge liegt die ganze Zeit ganz ruhig vorn auf der ersten Sitzbank und rührt sich nicht. Bei den Geparden hat er auch beobachtet und gesessen. Also ehrlich, so ganz ungefährlich war das jetzt nicht.
Kurz nach dem wir hier im Gehege angehalten haben, hatte der Guide einige Fleischbrocken auf einen Baum abgelegt. Auf diesen Baum klettert der Leopard jetzt, um sich die letzten Brocken zu holen. Dadurch erhalten wir natürlich noch einmal Gelegenheit, die Katze beim Klettern zu fotografieren.

Leopard Leopard Leopard

Nach ca. 1 Stunde ist der ganze Spaß vorbei. Es war wirklich sensationell, diese Tiere so nah zu sehen. Und ich glaube, uns sind auch gute Fotos gelungen. Wir fahren zurück zum Farmhaus. Der Guide bekommt von uns ein ordentliches Trinkgeld. Dem kleinen Jungen, der so tapfer mit uns gefahren ist, schenken wir eine Tüte Bonbons. Süß, wie er sich freut.
Als wir dann im Farmhaus ankommen haben wir höllischen Durst. Wir bestellen uns eine kalte Cola. Dann schlendern wir noch ein wenig über das Gelände. Es ist wirklich sehr nett hier. Die Außenbar ist überdacht und mit vielen Sitzgelegenheiten ausgestattet. Von einigen kann man direkt in das darunter liegende Wasserloch schauen. Hier nehmen wir im Schatten Platz und schauen unten auf einen Flusslauf, der sogar noch Wasser führt.
Nach einem kleinen Mittagssnack fahren wir zurück in die Immanuel Lodge. Den Nachmittag verbringen wir mit unserer Lieblingsbeschäftigung – Kofferpacken. :-( Das ist der blanke Hass!
Gegen 17:00 Uhr unterbrechen wir diese Hassbeschäftigung. Wir müssen Ira und Christoph verabschieden. Der Abschied ist sehr herzlich und wir versprechen uns, in Verbindung zu bleiben. Es wäre schön, wenn es wirklich klappt. Die beiden fahren auch schweren Herzens ab.
Wir haben danach eigentlich auch nichts mehr gemacht. Wir sitzen noch eine Weile auf unserer Terrasse und suhlen uns in unserem Schmerz. Meine Güte, wo sind nur die 3 ½ Wochen hin??? Dann fällt uns doch noch ein, dass wir ja irgendwie unser Auto noch waschen müssen. Laut Vertrag mit Avis müssen wir den Wagen sauber abgeben. Mist – wo ist hier eine Autowäsche? Ich frage Sabine, wo man das Auto waschen kann. Sie schaut mich mit großen Augen an. Waschstraße? In Namibia? Gib mir die Schlüssel, ich lass das Auto von einem Angestellten waschen. Innen und außen? Ja klar. Alter Falter, nach 2 Stunden haben wir unser Auto nicht wiedererkannt. Das blitzt und funkelt, der Junge hat ganze Arbeit geleistet. Wow!
Um 19:30 Uhr schlendern wir zum Abendessen. Stefan hat sich heute mit dem Essen mal wieder selbst übertroffen. Es gibt eine super leckere Champignonscremesuppe – als 1. Vorspeise. Die zweite Vorspeise ist ein sehr leckerer grüner Salat. So und nun die Hauptspeise: Kudu-Steak mit Spaghetti in Gorgonzolasauce. Die Spaghetti hat er irgendwie gedreht oder geflochten serviert und darauf auch noch Gemüse drapiert. Mmh – unbeschreiblich! Ich natürlich wieder! Ich schwächele wie immer. Ich habe leider nur einen Teil der Nudeln geschafft und ein halbes von den zwei Kudusteaks, dann musste ich aufgeben. Mir wird schon richtig schlecht vom vielen Essen. Uwe hat sich großzügig von meinen Nudeln bedient.
Als Nachtisch gibt es gebackene Banane, die noch in der Schale serviert werden, dazu eine Kugel Eis und ein Spritzer Sahne. Auch wunderbar zurecht gemacht. Nee! Nicht für mich. Ich platze – und das gibt eine riesige Sauerei – versprochen. Aber Uwe lässt doch das Dessert nicht zurückgehen!
Stefan kommt nach einer Weile an unseren Tisch und erkundigt sich, ob das Essen in Ordnung war. In Ordnung? Mensch, das war einfach fantastisch. Ich habe mich auch wieder wortreich entschuldigt, dass ich einfach nicht mehr essen kann. Er meint aber, das sei kein Problem, hier würde nichts umkommen. Stefan sitzt eine ganze Weile an unserem Tisch.
Zum Essen haben wir ein kleines Wasser und jeder ein Glas Rotwein getrunken und uns zum Abschluss noch einen doppelten Amarula gegönnt. Mit diesem stoßen wir gedanklich mit Christoph und Ira an, die jetzt vermutlich ihr „leckeres“ Boardmenü genießen dürfen.
Gegen 22:00 Uhr gehen wir schlafen. Das war leider heute unser letzter Tag. Morgen ist Abreise – der Katzenjammer ist nicht zum Aushalten.

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26. Tag => Rückreise & Fazit

Übernachtung: Airbus A340 | Verpflegung: gut

Der letzte Tag ist angebrochen und wir haben beide total schlechte Laune und sind absolut traurig. Ein wunderschöner Urlaub geht mit dem heutigen Tag zu Ende.
Und so stehen wir wie jeden Morgen um 06:30 Uhr auf und gehen 07:30 Uhr zum Frühstück. Es gibt wieder die leckeren selbstgebackene Brötchen von Stefan, Wurst, Käse, Joghurt und Uwe bestellt sich ein Omelette.
Wir wollen heute Vormittag nutzen, um noch ein paar Souvenirs einzukaufen. Dazu sind wir im ganzen Urlaub nicht gekommen, weil wir einfach nie in einer Stadt gewesen sind. Und so ein paar Kleinigkeiten möchte ich schon ganz gerne mitnehmen. Stefan sagt uns, dass der Kraftmarkt bzw. das Kraftcenter in Windhuk heute Vormittag bis 13:00 Uhr geöffnet hat. Sabine hat gestern für uns bereits den Online-Check-In vorgenommen. Wir rechnen noch einmal durch, wann wir nun definitiv die Immanuel Wilderness Lodge verlassen müssen. Wir haben uns auf eine Uhrzeit von 13:00 Uhr geeinigt.
Um 09:00 Uhr öffnet das Kraftcenter mitten in Windhoek und wir verlassen die Immanuel Lodge nach dem Frühstück um 08:30 Uhr. Unsere Else führt uns wieder problemlos nach Windhoek hinein und in die Talstraße, von der uns Stefan sagte, hier könne man gut parken.
In diesem Center gibt es besonders schöne und relativ preisgünstige Stücke. Hier präsentiert sich geordnet nach Herkunft und zu vernünftigen Preisen das Kunsthandwerk des ganzen Landes, Traditionelles ebenso wie Neuentwickeltes: Lederarbeiten, verzierte Straußeneier, Musikinstrumente und Schmuckstücke, Ton und Korbwaren aus Caprivi, die Puppen der Herero, die Gürtel, Ketten und der Beinschmuck der Himba, schöne Stickereien, Kleider, Spielzeug, Holz-, Ton- und Lederarbeiten mit modernem Design. Kurz: Kunst und Kulturgeschichte zum Anfassen.
Das Kraftcenter ist relativ groß und besteht aus vielen kleinen Lädchen und Ecken, in denen man alles Mögliche an Kunsthandwerk kaufen kann; von riesigen bis ganz kleinen Giraffen und Elefanten, Nashörnern, Salatbestecke, Serviettenringe. Wir lassen uns sehr viel Zeit und vergleichen die einzelnen Angebote und schauen, was man überhaupt an Souvenirs mitbringen kann. Ich hasse es, irgendwelche Sachen zu kaufen, von denen man von vornherein schon weiß – kein Mensch braucht so was. Ich halte nichts von „Stehrumchen-und-Einstäubchen“. Deshalb verwenden wir doch einige Zeit darauf, etwas Sinnvolles und trotzdem Nettes mitzubringen.
Nachdem wir unsere Schätze zusammengetragen und eingekauft haben, kehren wir zum Auto zurück. Jetzt wird es aber Zeit für uns. Schließlich müssen wir heute noch einen Flieger kriegen. :-( Wir fahren auf direktem Weg zur Immanuel Lodge zurück. Von Windhoek selbst haben wir gar nichts gesehen. Aber ich glaube, so wirklich viel haben wir nicht verpasst.
Jetzt heißt es: Klamotten für den Flug zurecht legen, alles andere verstauen und einpacken. Die restliche Zeit, die uns jetzt noch in der Lodge verbleibt, verbringen wir im Zimmer bzw. auf unserer Terrasse. Im Kühlschrank steht noch ein einsames Bier, das wir uns jetzt brüderlich teilen. Und wie wir so auf der Terrasse sitzen, das letzte „Windhoek Lager“ genießen und noch ein wenig in die Sonne schauen, sehen wir eine recht hübsche Schlange in einem Baum direkt vor unserer kleinen Terrasse. Sie ist wirklich sehr hübsch, ganz grün, hat ein freundliches Gesicht und ist ca. 1 m lang (oder etwas länger) und schlängelt sich die Äste hinauf und hinab, keine Ahnung auf der Suche nach was. Uwe überlegt, ob es sich lohnt, noch einmal den Fotoapparat mit Tele zu aktivieren. Er meint, bei seinem Glück hat er das Tele gerade in Anschlag gebracht, da ist die Schlange weg. Aber so wie es derzeit aussieht, macht die Schlange keine Anstalten, den Baum zu verlassen. Also holt Uwe noch einmal seinen Fotoapparat aus dem Rucksack heraus und macht einige schöne Aufnahme von dieser kleinen grünen Schlange.
Da wir aber nun gerne wissen möchten, welche Schlange wir da abgelichtet haben, um diese namentlich im Fotobuch oder wo auch immer zu erwähnen, geht Uwe ins Haupthaus zu Sabine, von der er sich eine Auskunft erhofft. Er kommt dann auch ganz schnell zurück und meint: Uuii – das ist eine giftige grüne Baumschlange.
Jetzt gehen wir unter die Dusche und machen uns für die Abfahrt bereit. Uwe, der arme Kerl, hat schon unsere schweren Reisetaschen ins Auto gebracht, so dass wir nachher nur noch die Rucksäcke und den Kleinkram zum Auto bringen müssen. Wir checken bei Sabine aus und bezahlen unsere Rechnung (für die Abendgetränke). Da wir noch so viel Bargeld haben zahlen wir gleich cash. Sabine sieht unser vieles Bargeld und fragt, ob wir gern unsere Namibischen Dollar in Südafrikanische Rand tauschen wollen. Vom Umrechnungskurs her ist es 1:1. Allerdings kann man nur in Namibia mit Namibischen Dollar zahlen – komischerweise in Südafrika nicht. Umgekehrt geht es. Wir haben oft Südafrikanische Rand als Wechselgeld bekommen und konnten damit zahlen. Na gut, Namibia wird es wohl für uns so schnell nicht wieder werden (leider sehr teuer), aber Südafrika…? Ein bisschen liebäugeln wir bereits für nächstes Jahr damit. Also tauschen wir unsere N$ in Südafrikanische Rand und sind damit auf der sicheren Seite. Sie weist uns noch auf eine letzte Tankstelle in Windhoek (letzte Tankstelle vor dem Flughafen) hin und jetzt heißt es endgültig Abschied nehmen.
Die Fahrt zum Flughafen ist mit 45 km angegeben, also mindestens 30 Minuten Fahrt. Wir fahren die von Sabine beschriebene Puma-Tankstelle in Windhoek an und schütten den Tank voll. Jetzt liegen nur noch ein paar Kilometer vor uns. Wir durften also davon ausgehen, dass unser Tank voll ist.
Wir erreichen den Flughafen erst um 14:30 Uhr und um 17:15 Uhr startet unser Flieger. Die Fahrt hierher inklusive Volltanken hat doch noch mehr Zeit in Anspruch genommen als kalkuliert. Wir fahren also zu Avis (Rental Car Return) und wollen unser Auto abgeben. Hier fragt man uns, ob das Auto voll sei. Ja klar ist das Auto voll, wir haben an der letzten Tankstelle in Windhoek getankt. Der Angestellte meint, nein, das Auto ist nicht voll. Wir sollen zur Avis-Tankstelle fahren und das Auto nochmal auftanken lassen. Das hätten uns die Mitarbeiter auch vorher sagen können, dass am Flughafen eine Avis-Tankstelle vorhanden ist. Selbst wenn der Sprit hier um einige Cent teurer ist als in der Stadt, hätten wir uns gern die ganze Tankerei in der Stadt erspart. Also gurken wir wieder am Flughafen herum und suchen diese Tankstelle um das Auto randvoll zu tanken.
Nachdem wir nun alles mit dem Auto geklärt haben gehen wir zum Check in. Das heißt, eingecheckt sind wir ja, aber wir müssen unser Gepäck aufgeben und die Bordkarten ausdrucken lassen. Endlich sind wir nun auch an der Reihe, können unser Gepäck aufgeben und bekommen die Bordkarten.
So, nun haben wir doch noch genügend Zeit. Wir setzen uns noch eine Weile draußen vor dem Flughafen auf eine Bank und genießen die wunderschöne Sonne und Wärme. Wir haben 35°C, blauen Himmel und Sonnenschein.
Der Abflug von Windhoek nach Johannesburg ist pünktlich. Wir hatten eine Dreierreihe gebucht, d.h. Gang und Mittelplatz für uns. Wir haben das Glück, dass der Fensterplatz frei bleibt und so kann sich Uwe am Fenster niederlassen und wir können uns in der Dreierreihe richtig schön ausbreiten und haben genug Platz. Ganz erstaunt sind wir, dass wir auf dem Flug, der nur 1 Stunde und 45 Minuten dauert, ein warmes Essen angeboten bekommen. Wir haben uns für Fisch mit Gemüse und Kartoffeln entschieden. Der Fisch schmeckt erstaunlich gut. Wir haben richtig zu tun, das Essen in der kurzen Zeit zu essen. Der einzige Nachteil bei South African Air ist, und das haben wir auch schon auf dem Hinflug gemerkt, dass man ewig lange keine Getränke bekommt. Es wird immer erst das Essen serviert. Und wenn man das Essen dann trocken herunter gewürgt hat, dann kommen die auf einmal mit den Getränken. Also irgendwie passt das nicht so richtig, obwohl sonst im Allgemeinen der Service bei der South African Airlines recht gut ist.
Wir landen in Johannesburg. Da wir relativ weit vorn sitzen, kommen wir auch gleich als erste aus der Maschine heraus. Wir erwischen auch noch den ersten Bus, der uns zu unserem Abflugs-Terminal bringt und können so recht schnell das Flughafengebäude betreten. Wir befinden uns zwar im Transitbereich, müssen aber dennoch die Passkontrolle und dann auch noch einmal einen Sicherheitscheck über uns ergehen lassen. Es dauert zwar alles etwas länger, ist aber trotzdem ganz entspannt und easy.
Pünktlich gehen wir an Bord der Maschine nach Frankfurt. Hier haben wir zweier Sitzplätze, Fenster und Gang, für uns allein. Wir trinken wie immer einen Gin Tonic und bestellen uns für das Abendessen, das dann auch irgendwann noch kommt, jeder eine Flasche Rotwein. Das Essen ist nicht ganz so prickelnd. Wir haben ehrlich gesagt überhaupt keinen Hunger und uns beide für Beef entschieden. Allerdings sind uns der Gin Tonic und der Wein doch mächtig in den Kopf gestiegen und wir sind froh, als das Essen endlich weggeräumt wird und wir in die Schlafposition sinken können.
Leider funktioniert bei mir weder das Licht noch das Bord-Entertainment, bei mir scheint irgendwie alles kaputt zu sein. :-( Aber Gott sei Dank habe ich ja mein Buch und kann noch lesen, solange bis mir die Augen zufallen. Dafür, dass wir in einer fast sitzenden Position schlafen, gelingt uns das recht gut. Wir wachen morgens kurz nach 04:00 Uhr wieder auf und befinden uns vermutlich irgendwo über Italien. Das Frühstück wird in dem Moment serviert, als wir uns etwas desorientiert die Augen reiben. Zum Frühstück hat man die Wahl zwischen kontinentalem oder warmen Frühstück. Ich entscheide mich für das Kontinentale, denn schon wieder irgendwas Warmes essen möchte ich nicht. Uwe nimmt das warme Frühstück und hat Omelette, Wurst und Kartoffeln, zusätzlich zu seinem Brötchen mit Marmelade.
Ganz pünktlich landen wir in Frankfurt und sind auch recht schnell aus der Maschine raus. Wir haben unser Gepäckband noch nicht richtig erreicht, da kullern schon unsere beiden Reisetaschen auf das Band. Das hat es ja noch nie gegeben. Ruck zuck haben wir unsere Taschen geschnappt und sind durch den Ausgang verschwunden. Das Ganze dauert keine halbe Stunde. So schnell sind wir noch nie aus einem Flugzeug heraus gewesen und stehen draußen vor dem Flughafengebäude.
Wir laufen dann auch gleich zu der Haltestelle, an der unser NH-Hotel-Shuttlebus ankommt. Auch hier müssen wir keine 5 Minuten warten und der Bus ist da. Bereits um 07:00 Uhr erreichen wir das Hotel in Niederrad und können unser Auto, das wir dort abgestellt hatten, entgegennehmen.
Puh – der Temperaturunterschied zu gestern in Windhoek ist schon arg. Als wir im Auto sitzen und das Radio einschalten, hören wir als erstes Sturmwarnungen. Na toll! Ich muss zwar Uwe manchmal drauf hinweisen, dass wir jetzt wieder rechts fahren müssen. ;-) Er ist halt auch total übermüdet. Erschwerend wirkt sich auch die volle Autobahn um Frankfurt herum aus. Tja, es fällt schon schwer, nach 3 ½ als alleiniger Herrscher auf den Straßen sich diese mit gefühlten Millionen anderen zu teilen. Ich bin richtig froh, dass ich jetzt nicht fahren muss. Der Verkehr ist wirklich sehr heftig.
Kurz nach 09:00 Uhr schlagen wir zu Hause auf. Beim Bäcker kaufen wir uns belegte Brötchen, die wir zuhause mit einer schönen Tasse Kaffee essen werden.
Es war ein traumhafter Urlaub, es hat alles gepasst. Von der Route, von der Landschaft, von den Lodges, über das Essen und die vielen Tiere, die wir gesehen haben. Es war der absolute Hammer. Ich glaube, das war unser allerbester Urlaub, den wir bisher überhaupt gemacht haben. :-) :-) :-)

Fazit:

Namibia ist ein ganz tolles und sicheres Reiseland. Dieses riesige und fast menschenleere Land ist so abwechslungs- und facettenreich – hier ist für jeden etwas dabei. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, die Landschaften grandios und als Tourist wird man von vorn bis hinten verwöhnt. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Protea Tours gemacht, über die die gesamten Unterkünfte gebucht wurden. Wir können es eigentlich kaum erwarten, wieder nach Namibia zu reisen und wenn, dann wieder mit Protea Tours.

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